Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- Seite 190 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Judenmission, der kundige Verfasser einer „Geschichte des jüdischen Volks", Friedrich Heman; dieser Religionsphilosoph war selber Pro« selyt, ein milder und etwas schwermütiger Atann. Unter seinen Sel)ützlingen trat mir ein junger Schicksalsmensch nahe, der in Jena mit dem Philosophen Teichmüller, der ihn in sein Haus anfnahm, als sein Schüler verkehrte. Mit diesem Russen zerrissenen Gemüts, von dem ich aufwühlende Briefe bewahre, habe ich leidenschaftliche Gespräche über Weltanschauung bis in die halben Nächte geführt. Ich war damals selber der Kirchenlehre noch nahe, wenn ich auch in der Stadt Nietzsches mehr und mehr mich im Schatten des Titanen freier entwickelte. Dort habe ich das Alte Testament, dessen Schönheit uns im hebräischen Grundtext beim Studium aufging, in den Predigt- Übungen nach der Schulweisheit der Homiletik für die christlichen Gottesdienste gern ausgewertet und sogar für zusammenhängende Bibelstunden vor einer benachbarten Dorfgemeinde mich an die Auslegung des Propheten Sacharja mit dem verwegenen Mut der Jugend herangewagt. In jüdische Häuser bin ich in Basel kaum gekommen. Synagogen habe ich auf nieinen vielen Reisen durch die Länder immer gern besucht — bald bewegte mich die feierliche Andacht, bald befremdete mich eine unruhige Weltlichkeit der Männer in ihren Gebetsmünteln, auch der Frauen und Mädchen. Das jüdische Familienleben öffnete sich mir, außer gelegentlichen Berührungen, wie an einem seltsamen Sabbatabend in Haigerloch (in Hvhenzollern), zumeist in den jüdischen Theaterstücken auf den Berliner Bühnen und in der Literatur. Doch das ist ein reiches Kapitel für sich, von Lessing und Gutzkow bis Zu den Jüngsten. Meine journalistische Lehrzeit am „Berliner Tageblatt", die ich mir durch meine Aufsätze im „Zeitgeist" über protestantische, katholische und jüdische Kanzelredner unserer Stadt erschloß, stand unter der fördernden Gunst von Arthur Levysohn und Friedrich Dernburg, Fritz Mauthnev und Fritz Engel. Der kollegiale Verkehr, auch in den Häusern, blieb eine Quelle edelsten Genusses und entscheidender Anregung. Das Original Dernburg, der auch jüdisches Blut in sich trug, und das sprachkri tische Genie Mauthner haben mir den Blick geweitet für die geschichtlichen Zusammenhänge der Menschen aller V Völker und für den Wert und die Begrenzung des Einzelwesens. ß (Ein Schlussartikel folgt) | Neue Sucher. | Dr. Heinrich Gnttrnann, „Die Darstellung der jüdischen § Religion bei Flavins Josephus". Verlag M. & H. Marcus, § Breslau. | Diese Dissertation unterzieht sich der interessanten Aufgabe, zu ft untersuchen, wie sich Flavius Josephus, der jüdische Geschichtsschreiber z aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, zum jüdischj religiösen Leben.stellte. Es wird gezeigt, daß bei ihm manches uns j sonst unbekannte, aber doch als echt anzusprechende jüdische lieberj lieserungsgut erhalten geblieben ist, und zwar sowohl zur Geschichte j wie zu den Gesetzen des Judentums. Die Leser dieser Zeitschrift j wird besonders die kurze Darstellung der Apologetik des Josephus! am Ende der Arbeit interessieren. Josephus gehört ja mit zu den \ ersten, die das Judentum durch Abwehrschristen gegen antisemitische Angriffe zu verteidigen suchten. In seiner Schrift gegen Apion | widerlegt er die Vorwürfe der ägyptischen Judenfeinde gegen die ' Speisegesetze, die Beschneidung, die Opfer, ferner die Märchen vom Ritualmord, vom Aussatz der Juden und ihrem Eselskult; er hebt < ihnen gegenüber den hohen sittlichen Wert der jüdischen Religion I hervor und bedient sich derselben Verteidigungsmethoden, die auch I wir heute noch anwenden müssen. Die Guttmannsche Untersuchung j ist ein dankenswerter Beitrag zu der wichtigen Arbeit, die religions-! geschichtliche Entwicklung des Judentums in den dunklen Zeiten j zwischen Bibel und Talmud aus den spärlichen Quellen zu klären, z Der Verfasser betritt hiermit ein Gebiet, auf dem wir seinem Vater, j Professor Michael Guttmann in Breslau, bereits außerordentlich f wichtige und glückliche Entdeckungen, unter anderm auch in seinem J grundlegenden Werke „Das Judentum und seine Umwelt", verdanken. J Ernst Jacob (Saarbrücken). 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