Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 13 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- Seite 157 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r Serlin» 2-. Mär- 1-2- VE Jahrgang * Nr» 13 Einzelnummer LS Pfennig [eistral Kötter für Dentfrhtum^ 1 «nvInoeMmn VierleLjahrsabonuernent 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag u. SchriftleiLung: Berlin SW 68, Cinbenftc. IS. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3593. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselorry , stube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expe^ition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Mi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 Jl<M, die 90 nun breite Reklamezeile 4,80 '0ryan des Centnü-Vmms üeotseker. Staatsvüryer t udifrhen filottbecsTtt Allgemeine Zeirun^ des Oudenrums Vefriedende Völkerkunde. Neue Argumente gegen den Rassenwahn. Von Kuno Waltemath (Harburg). Schon vor Jahren forderte ich in der „Frankfurter Zeitung" eine Völkerkunde, die nicht will, daß unnötige Scheidewände zwischen den Nationen errichtet werden. In diesem Aufsatze, der mit „Völkerkunde für Völkerfrieden" über- ^chrieben war. meinte ich: „Die Wissenschaft soll das Gemeiname. das der Menschheit eigen ist. pflegen, die vielen Züge hervorheben, die allen Völkern gleich sind. Die Männer und Frauen, die sich ihr widmen, sollen wie die Friedfertigen sein, die Gottessöhne, die Augustinus in seinem „civitas dei" die ..glorreiche Stadt Gottes" heißt, „wie sie in dieser Pilgerfahrt mitten unter den Gottlosen lebt, durch den Glauben und in Geduld die Beständigkeit der ewigen Wohnung erwartet." Das war wohl die Stimme des Predigers in der Wüste. Die Völkerkunde ist den entgegengesetzten Weg weitergegangen. Sie schaut immer noch ihre Aufgabe darin, lediglich sich mit der Anthropologie der einzelnen Nationen zu befassen. ohne jemals diese miteinander zu vergleichen. Gemeinsamkeiten nachzuspüren. die sich übrigens bei einer vergleichenden' Betrachtung, sagen, wir der Völker Europas, von selbst ergeben müßten. Sie scheint sogar vor einer solchen geradezu zurückzuscheuen. Sie stellt sich offenbar bewußt in den Dienst einer Anschauung, die die Nationen als etwas mehr ansteht als Ergebnisse geschichtlicher Prozesse.'mehr als historisch gewordene Schicksalsgemeinschaften. Sie hält sie lieber für anthropologische Gruppen, jede Gruppe mit ausgeprägtem anthropologischen Merkmal. Sie tut das. ohne die Gefahr zu achten, damit problematisch zu werden, die besonders eindringlich wird, wenn aus ihrer Tendenz die Neigung entspringt. den anthropologischen Charakter eines Volkes auf einen Nenner zu bringen. Ja, die ganze moderne Rassensorschung, soweit sie sich an das Volk wendet, ist durchaus mit solcher Neigung behaftet. Zweifellos ist diese Forschung sehr populär, aber deswegen durchaus nicht wissenschaftlich. Noch mehr steht der Wissenschaft der Glaube entgegen, daß die europäischen Völker durch anthropologische Klüfte voneinander getrennt seien. Jener Glaube sagt beispielsweise, daß der typische Deutsche ein blonder, helläugiger Langschädel sein soll, hochgewachsen, schmalgesichtig. In Wahrheit sind derartige Langschädel sehr selten. Die meisten Langschädel haben ein breites Gesicht, eine ziemlich kurze Stirn und ein mächtiges Hinterhaupt, dazu eine breite oder abgestumpfte Nase. Zudem sind sie nur im Nordwesten und am Rhein häufiger, auch nicht immer blond, sondern oft dunkelhaarig. Ueberhaupt ist noch nicht ein Drittel der Deutschen blond und blauäugig. Und von dem Drittel sind vielleicht mehr Kurzköpfe als Langköpfe. Im größeren Teile des Landes überwiegen die Kurzköpse, die Langköpfe nur am Rhein, im Nordwesten und längs der Ostsee. Je mehr wirnach. dem Osten? und Süderr .v.ordringeu. desto, kurzköpsiger wird das Geschlecht. Nur Phantasten können von einem deutschen Rassentypus fabeln. Denn alle die Typen, die auf deutscher Erde wohnen, sind nicht nur den Deutschen eigen. So finden wir den Langschädel in reicher Zahl bei den Engländern und Skandinaviern, ferner bei den Nordsranzojen und den Niederländern. Der Kurzkops unter den Ost- und Süddeutschen begegnet uns auch bei den Romanen und Slawen wie bei den Holländern, den Belgiern, den Iren und Schotten. Im deutschen Osten leben viele Leute, die mit ihren hervorstehenden Backenknochen an Polen und Russen gemahnen. Ebenso fehlt cs nicht an Deutschen, die Spuren des Mongolen aufweisen. Entdeckte doch Ranke, der Münchener Anthropologe, daß 12 Prozent der Altbayern die Mvngolensalte im Auge mit sich tragen. In welcher starken Menge kehren nicht unsere Blonden unter den Slawen und den Litauern wieder! Starke Bande anthropologischer.Art ziehen von unserem Volke zu diesen hin. Die, welche stolz die Blauäugigkeit und Blondheit für die Germanen in Anspruch nehmen, mögen die Blicke zu den Weißrussen'und Litauern stvenden. Die sind blonder'als wir.- Blauäugig und'blond sind die meisten unter diesen Nationen Und dann laßt uns Frankreichs Gaue durchwandern, überall werden wir. wenn wir die Menschen auf ihre Körpergestalt hin mustern, an Deutschland erinnert. Wo habe ich wohl schon dies« Blonden Nordfrankreichs gesehen, mit dem länglichen Schädel und dem breiten Gesicht? Und ich denke an die Flamen, an die Friesen, an die Westfalen, die Hannoveraner. die Holsteiner, an die Pommern und an so viele Rheinländer. Auch fallen mir Hessen und Thüringer ein und so manche Gesichter im Osten, auch tauchen fränkische Züge vor mir auf. Wo habe ich wohl bereits, wenn nach Burgund, nach Lothringen, nach der Rhone mich meine Reise führt, die hier hausenden Menschen gesehen? Im deutschen Süden und so oft in der Mark, in Schlesien, in Obersachsen usw. Es sind hier wie dort die Breitköpfe mit blondem Haar. Und weile ich im Herzen Galliens auf den Höhen der Cevennen, in der sagenberühmten Auvergne, durchstreife ich die Täler und Berge der französischen Alpen, woran mahnt es mich? An die deutschen Alpen, an die deutsche Schweiz, an Tirol, an CIua $ent%tAdl£&: Die Hauptvorsfandssitzung des Centralvereins« Rabbiner Dr. Felix Gotdmann (Leipzig): Wahre Gleidtbereditigungl — Dr. Max Osborn: Drei Jahrtausende jitdisther Kunst. — Beilage: Liste der Kurorte und Gaststätten, deren Besuth unseren Freunden nifht anempfohlen werden kann.