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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-22 · 12 (22.3.1929) · p. Seite 151

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
12 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
Seite 151 (sequence 11)
Language
German
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| Der Weg -es deutschen Juden. 1 Bruno Weils Vortrag in Nrarrkiirrt a. M. 8 Irr einer von unserer Ortsgruppe Frankfurt a. M. am 16- März ein- |J berufenen öffentlichen Versammlung, die von über 1660 Personen, darunter A fast zur Hälfte Nichtjuden, besucht war, sprach der Stellvertreter des Vorm sitzenden des C. V., Rechtsanwalt Dr. Bruno W e i l (Berlin), über den Weg 8 des deutschen Juden. Tie mid) von Nationalsozialisten stark besuchte Ver- I sammlung verlief mustergültig ruhig. Auch die Gegner wurden trotz starker § Ausfälle und Angriffe ruhig angehvrt. I Weil ging davon aus, daß dem Anteil und dem Einstich des Iuden- Ä tums an der Bevölkerung in Deutschland eine viel größere Bedeutung Zll- I geschrieben werde, als ihm seiner Ziffer nach znkonune, und daß die Frage | der Blntszngehörigkeit, als das Moment der Nasse, den Kernpunkt der 3 antisemitischen Lehre bilde. An einer Reihe von Beispielen, die das Ilnhalt- ,J bare der Rassentheorien nachwies, zeigte der Redner, daß weder für die Der- J gangenheit der deutschen Geschichte noch für die Gegenwart derartige I Methoden einen Maßstab für die Zugehörigkeit Zu einer Nation bilden 8 können, sondern daß von jeher immer derjenige als Teutseher betrachtet ff wurde, der sich als Deutscher bekannte und es sein wollte. Deutsches U Nationalgefühl im eigentlichen Sinne habe es weder nach dem Dreißig- 8 jährigen Kriege noch unter Friedrich dem Großen oder überhaupt vor den 8 Freiheitskriegen gegeben, sondern erst allmählich habe sich aus der Tiefe 8 des Volkserlebens das Einheits- und Nationalbewußtsein herausgebildet. Man kann bittigerweise auch von den deutschen Juden nicht früher und mehr an deutschem Nationalgefühl verlangen, als die nichtjüdische Umwelt in Deutschland bewiesen hat. Nach schweren und harten Verfolgungen habe erst das Gesetz von 1869 den Juden die formelle Emanzipation gebracht, während die wirkliche Gleichberechtigung erst allmählich sich durchsetzte. Die 1 schroffen Formen der antisemitischen judenseindlichen Bewegung in der 8 Nachkriegszeit haben manche Juden in ihrer Staatsfreudigkeit beengt, aber j| allen Anfeindungen zum Trotz darf der aufrechte deutsche Jude sich nicht I zur Lauheit und Verdrossenheit hinreißen lassen. Deutschland braucht U dringend die Kräfte aller seiner Bewohner zum Aufbau, und die deutschen g Juden werden ihren vorgezeichneten und selbstverständlichen Weg darin er- CONTINENTAL-Hotel Modernes Haus mit letztem Komfort, m An der Promenade. — Pension von M. 11,— bis M. 15,— . blicken, die Gemeinschaft aller gutgesinnten Deutschen herzu stellen, die Rechte des deutschen Vaterlandes wahrzunehmen, Toleranz gegen alle religiösen Gemeinschaften zu üben und so wahre Aufbauarbeit zu leisten. In der Aussprache, die dein mit starkem Beifall ausgenonnuenen Referat in dem überfüllten Saale, in dem Hunderte von Personen stehen mußten, folgte, wies ein katholischer Geistlicher ans die Leiden und Verfolgungen hin, denen auch die katholische Kirche jahrhundertelang ausgesetzt war, und betonte, daß das gemeinsame Leid die Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse zusammensühren und zu gemeinsamer Aufbauarbeit verbinden müsse. Der Geistliche wandte sich gegen einen Redner, der sich der Versammlung als „Judenhasser" vorgestellt hatte, und der seine feindliche Einstellung aus einer Röntgenverbrennung, die ihm in der Behandlung durch einen jüdischen Arzt widerfahren sei, herleitete. Ein weiterer jüngerer antisemitischer Redner fand nur bei einen: bestinnnten, offenbar rechtsradikalen Kreisen angehörigen kleinen Kreise der Zuhörer Beifall. Im übrigen verhielten sich auch die anwesenden Nationalsozialisten ruhig. Von der Taktik der Tränengase und ähnlichem scheint man in Frankfurt abgekommen zu sein. Das stärkste Interesse erregten Weils Ausführungen über Borkum und Münchmeher, der gerade jetzt die Frankfurter Gegend stark heimsucht. Zwanzig Jahre Verband jirdischer Jugendvereine Deutschlands. Der Verband jüdischer I u g e n d v e r e i n e D e u t s ch l a n d s hatte seine Festtagung aus Anlaß des zwanzigsten Jahrestages seiner Gründung nach Berlin gelegt. Dieser Umstand ist charakteristisch für den frischen, na ch A u s d e b n n n g des A r b e i t s - u n d E i n - flußk reifes strebenden Geist der Verdandsleitung: Man sieht davon ab, in den Bezirken, in denen der Verband fest verwurzelt ist, glauzvolle Veranstaltungen einzuberusen, sondern begibt sich aus Herr für jüdisch-organisatorisches Leben besonders steinigen Boden der Großstadt. Feie x m u ß zugleich Werbung sein! MERAN „Ostern“ * Ritters Park-Hotei * Bad Homburg Konzerte / Gesellschaftliche Veranstaltungen. 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