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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-15 · 11 (15.3.1929) · p. Seite 129

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
11 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
Seite 129 (sequence 1)
Language
German
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Serlin» 15. März 1-2- VM. Jahrgang ♦ Nr. 11 Einzelnummer ropfennig NSller für-eulsrlünmMl «nvlnveawm. Bierteliahrsabonnement 5^. 11 öejnpiöir^© Zreiiunö des Ouctenrums 2,50 RM. (ZUZügl. Bestellgeld). m 4 ■ _ Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8^ 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3598. Postscheckronto: Berlin 30473 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 68, Lrndenstr. 7, und von Goldschmidt.Rothschild & Berlin W 8. . Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expe^ition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: für die Tgespaltene Zeile nach RudolfMosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 MM, die 00 nun breite Reklamezelle 4,SU Ji . fömon des lentral^erems üeotscller Stmrtsvüryer iüöiÄren Siouveus Vertrüge und Legmden. / *» * «.»«»«. Es ist das Zeichen primitiver Geister, daß sie für alle Geschehnisse dieser Welt immer nur eine Ursache suchen. Wenn man diese Ursache bei allen Dingen, die einem nicht gefallen, in den Inden sieht, dann ist man ein Antisemit. Solch eine Anschauung verpflichtet! Sie zwingt ihren Bekenner, hinter allen Erscheinungen den Juden zu suchen, und wenn man ihn nicht findet, so muß man.eben irgend jemanden, den man gesunden hat. zum Juden machen. Welch ein Glück war es daher für den antisemitischen „Völkischen Beobachter", als er mit der Schärfe des Blickes, die ihn auszeichnet, in der Zeitschrift „Jüdische Preßzentrale, Zürich" die Notiz entdeckte, daß der jüdische Advokat Levenson der Verfasser des Kellogg-Paktes sei. Habemus lluckaeum! Der .Beobachter" sparte weder Papier noch Druckerschwärze, um seinen Lesern den „jüdisch e n K e l l o g g - P a k t" in den größten Lettern als Ausfluß der „alljüdischen Geldpolitik" zu denunzieren. Der jüdische Leser, dem ein solches Blatt in die Hände fällt, mag zunächst Zwiespältiges empfinden. Wenn er den Kellogg- Pakt, der den Krieg aus der Ordnung des internationalen Rechts verbannt, als einen Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit betrachtet, so wird er vielleicht Stolz darüber fühlen, daß ein Jude als fein Verfasser gelten soll; vielleicht würde dies Gefühl nicht einmal durch die Erwägung beeinträchtigt, daß dem Judengegner, der nun einmal ideale Motive eines Juden sich nicht vorstellen kann, damit das Stichwort für Deklamationen über jüdische Weltherrschaft und jüdische Geldherrschaft gegeben würde. Aber bald würde sich der zweite Gedanke melden, daß es doch aller Erfahrung widerspricht, wenn man ein so großes, die meisten Staaten der Welt umfasiendes Vertragswerk aus einen einzigen Urheber zurückführen würde. Was ist denn an der ganzen Sache? Der „Rechtsanwalt Levenson", von dem der „Völkische Beobachter" spricht, ist der in der amerikanischen Juristeriwelt hochangesehene Advokat Salmon O. Lewinson, der seit 1891 in Chicago praktiziert. Er hat nicht nur einen wohlbegründeten Ruf als Kenner des Rechts und des Wirtschaftslebens, der wiederholt mit großem Erfolg notleidende Unternehmungen saniert und zahllose Gläubiger vor Schaden bewahrt hat. Er gehört — was mehr besagen will — zu den Juristen, die über das Wesen des Rechts als bewegenden und regelnden Prinzips nachgedacht haben. Unter den Eindrücken des Weltkrieges ist er zu der Auffassung gelangt, daß Krieg und Recht sich gegenseitig aus schließen, und daß man deshalb den Krieg unterdrücken muß, wenn das Recht herrschen soll. Daher das Schlagwort von dem „0 u t 1 a w r y o f W a r“, unter dem er seine Ideen vertreten hat. Er hat das bereits im letzten Kriegsjahre, also in der Zeit, als die Kriegsstimmung in den Vereinigten Staaten auf der Höhe war, in amerikanischen Zeitschriften getan. Er hat dann seine Ideen Ummer wieder in Broschüren und Aufsätzen und auch in Verhandlungen mit praktischen Politikern vertreten. Das Verdienst, das er sich damit erworben hat, soll keinesfalls geschmälert werden. Aber ist damit bereits der Vertrag geschaffen worden, den am 27. August die leitenden Staatsmänner der großen Mächte in Paris unterzeichnet haben? Wem muß man noch sagen, daß zwischen derProPaganda einerJdee und der V ollen d u n g eines politischen Aktes zahllose Zwischenstufen notwendig sind, bei denen die Praktischen Politiker tätig werden? Und wem ist es andrerseits neu, daß nur der mit seinen Ideen durchdringt, der dem Zeitalter gewissermaßen das Wort vom Munde nimmt? Nun gibt es gerade beim Kellogg-Pakt hierüber gar keine Geheimnisse. Wer wissen will, wie alles gekommen ist, braucht nur nach einer der zahlreichen Publikationen zu gveisen, die ihm gewidmet sind, nach dem deutschen Weißbuch, „Materialien zum Kr ie g s ä ch tu n g sp a kt". oder dem August-Heft der ausgezeichneten Zeitschrift für auswärtige Politik „Europäische Gespräche", in der Professor Mendelssohn-Bartholdy dem Wißbegierigen alles Wissenswerte unterbreitet. Sehr anschaulich tritt uns die Viäsältigkeit der Bestrebungen und Bemühungen, die schließlich in dem Vertrage gipfelten, in der „Zeittafel zum KellogA-Pakt" entgegen, das in dem genannten Heft der „Europäischen Gespräche" veröffentlicht ist. Sie beginnt am 6. April 1927 mit dem Vorschlag Briands, jeden Krieg zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten auszuschließen, dem am 20. Juni sein Entwurf eines zweiseitigen Kriegsverzichtspaktes folgt. Für diesen Entwurf erllärt sich am 2. November 1927 eine Denkschrift von siebenhundert amerikanischen Geistlichen. Inzwischen sind in den Erörterungen und Verhandlungen bereits hervorgetrelen die amerikanischen Universitätsprofessoren Lutter und Shotwell, die Botschafter Herrick und Houghton — sicherlich nicht durchweg Puppen in der Hand Lewinsons. Dann kommt am 28. Dezember 1927 der große Gegenschlag des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg, feine Note, die einen a l l s e i t i g e n Kriegsverzichtsvertrag vorschlägt. Ob die Judenfeinde auch Herrn Kellogg als Juden oder Judenstämmling ansehen, ist dem Schreiber dieser Zeilen unbekannt. Sollte cs der Fall sein, so müßte man ihnen den Schmerz zusügen, sestzustellen, daß das nicht nur nicht stimmt, sondern daß Kellogg sogar ein geborener Potsdamer ist. Allerdings ist sein Geburtsort Potsdam im Staate New P o r k. Wieweit hier Namen auch Omen ist, sei dahingestellt. Nur um die Herren Antisemiten vor dem Irrtum zu bewahren, daß Kellogg ein Verfechter des — mehr AUS DEM INHALT: Za den Unrahen in Sthleswig- Holstein. — Dr. Rothhotz: Wieviel jädisdce Frauen leben in Deatsdtland? — Vor der Haaptvorstandss itzung. — Dr. Hans Reidimannt Wahrheitsgetreue Beridtierstattang.

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