Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 10 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- Seite 123 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Die Steinigung irr Sakpa. Zur Uraufführung von Elfe Jerusalems gleichnamigem Schauspiel in Erfurt am 23. Februar 1929. „Zu Beginn fürchtete ich die Christen, am Ende die Juden", diese Worte der Ierusale m, gesprochen au einem Kreis von Freunden nach beendeter Ausführung, enthüllen die Tendenz des dreiaktigen Schauspiels. Sein Losungswort ist das Evangelium Johannis, Kapitel 21, Vers 15—23. Sein Inhalt: In dem Städtchen Sakya, einem Winkel Galiziens oder der Bukowina, lebte Efra Spola, der Leiter eines jüdischen Blindenheims, mit seiner blinden Frau Deborah. Ihr Sohn David ist zum Rabbiner ausgebildek worden, aber schon seit vielen Jahren mit dem Väterglauben innerlich zerfallen, wie so manche seiner Freunde, darunter auch der inzwischen zum - Dominikaner-Orden eingetretene Mathias Bronten. Mau schreibt das Jahr 1879. Die um die Osterzeit gewöhnlich einsetzende Pvgromstimmung veranlaßt den Dominikaner, das Kloster in Rom zu verlassen imb nach Sakha zu eilen, um im Auftrag der Kirche durch das verlockende Angebot der Kardinalswürde den jungen Rabbiner zum Eintritt in die Kirche und zur Predigt für die christliche Wahrheit vor den Subcit Sathas zu bewegen. Aber David lehnt ab- Er kann keinen Christus bekennen, der an Stelle des alten Joches der Shnagoge ihm ein neues Joch stn dem Gesetz der Kirche auserlegt. Er mag unter keinen Umstünden sich irgendeiner dogmatischen Starrheit beugen, weil sein Johannes-Glaube ihn zu einem Christus treibt, der in allen Menschen lebendig ist. Dieses Geständnis wiederholt er-seinem -Vater gerade in dem Augenblick, als dieser die Nachricht von der Rettung der Juden durchkaiserliches Militär und von der Wahl Davids zum Rabbiner des in Wien erbauten Jubiläumstempels bringt. Ter Fluch des Vaters trifft den Sohn. Die Mutter fühlt sich mitschuldig an dem Ketzerglauben des Sohnes. Gesteht sie doch, daß sie in dünkelhaftem Frevel heimlich begehrt habe, den Messias zu gebären- Alan ist sich unter den Juden des -Ortes darüber klar, daß nur der Abfall Davids vom Väterglauben . das schicksalschwere -Unheil des . drohendem Pogroms herausgeführt'habe. Die aufgeregte Menge der Juden, die ein Loser verlangt, der David sich als Märtyrer opfert, steinigt den Abtrünnigen. Als man den Schwerverwundeten hereinträgt, ruft der Dominikaner emphatisch aus: „Diese ewig Blinden, jetzt haben sie zum zweitenmal ihren Gott getötet." „David, Inden haben es getan, Juden!" Aber dem Sterbenden entringt sich in letzter Abwehr dieses harten Urteils das verzeihende Wort: „Menschen!" Soweit etwa der Inhalt. Tie Autorin hatte vor Jahren mit ihrem Roman „Ter heilige Skarabäus" eine ansprechende Leistung vollbracht. Ihr dramatischer Versuch reicht'an diese Höhe nicht heran. Diesem Stücke fehlt trotz mancher gelungener Szenen jene große Tiefe, die den Zuhörer I Ortsgruppe Zrankfuct a. Main Am Sonnabend, den 16. März, spricht in öffentlicher Versammln n.g im Börsensaal der stellvertretende Vorsitzende des Hauptvorstandes Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin): „Der Weg öes öeutfchen Iuüen". Näheres an den Anschlagsäulen. Frühzeitiges Erscheinen wegen des zu erwartenden Massenandranges geboten. bewegt und erschüttert. Es mag zum Teil daran liegen, daß der Grundgedanke des Stückes nicht einheitlich durchgeführt ist, daß Vorgänge hineingeflochtensind, die von ihm mehr ablenken als zu ihm hinführen, und daß der Held des Spiels doch eine papierne Figur bleibt. Wenn David Spola sich die Seele erleichtert, indem er ansspricht, was ihn bewegt, rauschen Worte an unser Ohr, aber sie dringen nicht in unsere isecle, sie werden kein Erlebnis, das uns in seinem Umfange erfaßt und mitreißt. Die Judentypen Galiziens sind gut gezeichnet, aber was die I e r u s a l e m als Judentum hinsetzt, zeigt doch, daß sie ein starkes Maß von Naivität bei ihrem jüdischen Publikum voraussetzt. Nicht, daß das Stück judenfeindlich wirkt, aber Schnitzer, wie die weibliche Pluralsorm „Jesioth Mesioth" für Jeschu und der Name „Esra den Mischua" für einen Aggadifteu beweisen, wie mangelhaft die Verfasserin unterrichtet ist- Der Versuch, religiöse Stoffe zu dramatisieren, ist an sich schon ein heikles Unternehmen. So zeigt auch dieses Lchanspiel, daß eine Behandlung des religiösen Problems nur ganz großen Dichtern Vorbehalten sein kann. Gutzkow konnte den „Uriel Atosta" schreiben. Werfel durste es wagen, in seinem „Paulus unter den Juden" das Glaubensprvblem Zur Diskussion zu stellen. Denn, wie immer man auch zu diesem Stücke stehen mag, man fühlt den Dichter, den Menschen, man fühlt auch den Zusammen-- Hang zwischen Dichter und Mensch. Diesem Stücke der Jerusalem aber fehlt das edle Maß und jene zwingende Innerlichkeit, aus der allein große Dichter und große Menschen hervorgehen können. Tie Rettung verdankt das Stück der Regie Karl L o e w e über g s- Wo die Dialoge sich zu vertieren drohten, drängte er zusammen. Er unterstrich den drängenden und gärenden Grundtvn, und gab dem Stück erst damit seinen Rhythmus. Indem er der Handlung Tempo und Schwung verlieh, die Schauspieler zu einheitlichem Spiel zusammenriß, sicherte er dem Stück einen Achtungserfolg. Frau Jerusalem war eigens aus Buenos Aires herübergekommen. Rabbiner Dr. Schüfta« (Erfurt). Die Schöpfer unserer neuen _ „ Frühjahrs -T^odeUo Prüfen u. vergleichen Sie die Schönheit, Güte u. die Preise unsrer neuen Frü hiahrsmodelle! 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