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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1929-03-08 · 3 (8.3.1929) · p. Seite 5

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
5 (1929)
Issue
3 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
Seite 5 (sequence 1)
Language
German
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Serttn, S. März 1929 Jahrgang S Ueberwindung der Berufsnot von Ernst Wolff, Richard Rockmann, Hermann OUendorff, Alfons Rosenberg Wählt feste Berufe | Von Ernst Wölff (Breslau) J Die gegenwärtig fo brennende jüdische Berufsnot hat zwei Seiten. Cie liegt als eine schwere Last auf den einzelnen Eltern unb jungen Menschen, die einer: Lebensbernf ausiuäf)ien wüsten, bedeutet aber auch ein besorgniserregendes Probten: mit viel weiter reichenden Fragen für die Gesa m t - 1) e i t,. Nun zeigt die Gegenwart recht deutlich, wie eng der einzelne mit seiner „subjektiven" Berussnot an die Gesamtheit gebunden ist. Denn immer schärfer bildet sich eine „objektive" jüdische Berufsnot heraus. Es kann daher nicht allzu schwer satteln das gemeinsame Interesse an dem Einschlagen bestimmter Richtungen nachzuweisen. Aber hierauf must sich die Gesamtheit leider beschränken, wenn sie nicht tauben Ohren predige:: will. Sie kann in dieser Zurückhaltung allgemeine Klarheit schaffen unb dadurch mehr wirklichen Einfluß ausüben, als wenn sie versuchte, ihre Idee von aller Rücksicht auf den Sinn der Einzelschicksale abzulösen. Denn: Der j i: d i s ch e Teil des deutschen Volkes besitzt bekanntlich eine besondere wirtschaftliche Struktur, die neuerdings durch die zunehmende Kapitalisierung und die wachsenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Antisemitismus wieder zu einer Quelle besorgniserregender Gemeinfchaftsprvbleme geworden ist. De^ „typisch" gewordene Beruf, selbständiger Zwischenünd Einzelhandel, hat. soweit er nicht auf monopolartigen Verkaufsstellen beruht oder mit Massenartikeln arbeitet (durchschnittliches Warenhaus) — und diese Ausnahmen sind selten —, schwer um seine Erhaltung zu kämpfen. Die Prosperität der Vorkriegsjahrzehnte ist'für die große Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmungen unwiederbringlich verloren. Dieser Typus stirbt langsam aus. Das Großunternehmen siegt auf der ganzen Front. Auch unter seiner Herrschaft müssen und werden sich Arbeitsgelegenheiten für fast alte bieten. Aber die von dem jungen jüdischen Kaufmann stets heiß begehrte Selbständigkeit ist für die Mehrzahl nicht mehr zu erreichen. Es gilt auch für den Kaufmann, sich meift mit der Stellung des Gehaltsempfängers, also des Privatbeamten, abzufinden. Dessen Typus, in den Bankbeamten und den Angestellten mancher Großnnternehmungen schon lange bekannt, ist der Masse der jüdischen Erlverbstätigen noch unvertraut, wird aber in steigendem Maße die wichtigste ihr wie den gleichgestellten christlichen Schichten offeustehende Berufsform sein. Und sie wird r:och um ihn kämpfen müssen; denn der wirtschaftliche Antisemitismus macht nicht nur mit dem passiven Boykott den selbständigen jüdischen Firmen rnancher Branchen das Leben sauer, sondern erschwert auch durch den aktiven Boykott die Unterbringung jüdischer Erwerbstätiger als Angestellte vielerorts aufs äußerste. Tie akademischen freien Ber u fe scheiden für sehr viele wegen der Dauer und Kostspieligkeit ihrer Vorbereitnngszeit aus: in: übrigen sind auch sie zun: Teil an der Grenze ihrer relativen Aufnahmefähigkeit angelangt . die Notlage einer nicht geringen Zahl von Anwälten, Aerzten. Architekten ist bekannt —, zum Teil wieder durch den Antisemitismus weitgehend für den jüdischen Nachwuchs verschlösse:: (chemische ::nd Metallindustrie). Die dankenswerten Versuche des letzten Jahrzehnts, in der deutschen Landwirtschaft wieder einen jüdischen Berufszweig zu begründen (Siedlungswerk des R. I. F. usw.), verfügen, wie mau immer wieder hört, noch nicht entfernt über genügende Mittel, um die Allgemeinheit in ihrer beruflichen Raumnot fühlbar zu entlasten: auch muß dahingestellt bleiben, ob die landwirtschaftliche N e u siedlung von Inden angesichts der großen Notlage der gesamten Landwirtschaft, der Eigenart der deutschen Juden und der ungeheuren materiellen Schwierigkeiten umfassenden Landerwerbes überhaupt ein geeignetes Projekt darstell:, einen wesentlichen Teil der deutschen Judenfrage zu lösen. Die geistigen und sozialen Wandlungen, von denen lvir diese Lösung im ganzen erhoffen, werden sich vermutlich in den Städten entscheiden. Auf dem Lande fehlen fast sämtliche Vorbedingungen dazu, itnfeiT unlösbare Verbindung mit den: deutschen Volke unter Erhaltung unserer Gemeinschaft zn vollenden; für einen sv diffizilen Vorgang bietet das ländliche Zusammenleben mit seiner einfachen soziologischen Struktur wahrscheinlich gar nicht ausreichend Platz; dort gäbe und gibt es auf die Dauer wohl nur entweder eine völlige, der Selbstanfgabe gleichkommende Anpassung ans bestehende Bauerntum, oder ewige Fremdheit, ja Feindschaft. Nur die Stadt mit ihrer reicheren Differenzierung der sozialen und kntturellen Ordnung kann eine Sondergemeinschaft - - unter den vielen, aus denen sie sich zusammensetzt zur Wirklichkeit zulasten. Die noch in: Werden begriffene Stellung des Inden ü: der afade m i s ch e:: B e a m t e u l a u f b a h n ist bekannt. Bei dieser Sachlage empfiehlt es sich, einen Blick auf einen anderen großen Berufskreis zu werfen, der Juden noch kaum umfaßt: das mittlere Beamtentum. Gemäß den: oben Gesagten ist dabei hier lediglich einerseits hervorzuheben, was den einzelnen anregen könnte, seine Berufswahl darauf, zu richten, anderseits anzudeuten, inroiefern auch die Gesamtheit an einer solchen Entscheidung interessiert wäre. In letzterer Hinsicht kann man sich damit begnügen, daraus hinzuweisen, in welch hohem Maße unsere Zugehörigkeit zum deutschen' Volke gefestigt und deutlich gemacht würde, wenn wir auch in der mittleren Beamtenschaft, einer der festesten Stützen des Staates und der Volksgemeinschaft, unseren Mann ständen. Zudem wäre gerade in diesen Schichten ein kameradschaftliches, gegenseitiges Sichkennenlernen noch in weitem Umfange nötig. Der Beamte sieht vom Juden meist noch ein geradezu' mittelalterliches Zerrbild. Aber der Jude stellt sich, gleichfalls völlig zu Unrecht, den Beamten gewöhnlich auch nur alsein geistig unfreies, obrigkeitsfrommes Subjekt in: Volks-' mund „Radfahrer" - - vor und vergißt ganz, die von ihn: (gerade auch auf dem Gebiet der Bildungsbestrebnngen) unterschwierigsten Umständen geleistete Arbeit nach Gebühr zu würdigen. Man kennt sich eben nicht. Welche unschätzbare' I Grundlage die gesicherte Existenz des Beamten dem geistigen i Leben, insbesondere der Erhaltung jüdischer Kulturwerte, verj schassen würde, bedarf kaum der Erwähnung. Wer nun dem einzelnen den Beruf eines mittleren Staats-, oder Verwaltungsbeamten empfehlen will, u:uß vorweg einen: Aus dem Inhalt: Wolfgang S, Malzdorff und Selig Auerbach: Zur Einigungsfrage* — Friiz Friedländer: Erzieher zur deutschen Kutlüridee

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