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Central-Verein-Zeitung · 1929-02-22 · 8 (22.2.1929) · p. Seite 99

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
8 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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!! Seauchen wir eine historische Zeitschrift? Im Philo-Verlage erscheint demnächst unter Mitwirkung hervorragerrder Wissenschaftler eine „Zeitschrift für die Geschichte der Inden in DenLschLand", herausgegeben von Ismar E L - Vogen (Berlin), 2lron Freimann (Frankfurt) und Max Fr ende nt hat (Nürrwerg). In nachstehenden Ausführungen begrüßt der Leiter der Bibliothek - und Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, Dr. Moritz Stern, der bereits au der früheren Geiger scheu Zeitschrift mitgearveitet hat, die Neuherausgabe einer deutsch-jüdischen historischen Zeitschrift. Die Schriftleitnng. Im Jahre 1892 teilte Professor H. B r e ß l a u , der Vorsitzende der damaligen historischen Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland, mit, daß die im Aufträge der Kommission von Professor Ludwig Geiger seit 1887 herausgegebene Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland mit dem Schlüsse des fünften Jahrgangs aus Mangel an Geldmitteln ihr Erscheinen ein stelle. Das Eingehen der ausgezeichneten Zeitschrift war ein herber Verlust für die Wissenschaft. Während selbständige Werke zur Geschichte der deutschen Juden^ wenn sie überhaupt gedruckt wurden, mit geringen Ausnahmen nur einen kleinen Leserkreis fanden und einzeln« Ausscche in schwer zugänglichen Zeitschristen verschwanden, war in Geigers Zeitschrift ein weithin sichtbares Forum geschaffen, das eine Sammelstätte für das ganze einschlägige Gebiet wurde und aus weitere I Arbeiten befruchtend wirkte. Männer wie Harry B r e tz l a u, Dietrich K e r. l e r, Isidor K r a c a u e r, Leopold L ö w e n st ein, Gottlieb Schnapper- A r n d t, Moritz Steinschneider, I-Dito Stobbe. Adolf Warschauer. Gerson Wolf u. a. scharten sich um den Herausgeber und hellten die Geschichte der deutschen Juden durch grundlegende Abhandlungen, interessante Mitteilungen und orientierende Nachrichten auf. Christliche Schriftsteller vereinigten fich mit jüdischen, um jüdischem Leben und Schicksal innerhalb des deutschen Volkes mit Benutzung der Quellen Nachrichten objektiv gerecht zu werden. § Seitdem sind fast 40 Jahre ins Land gegangen, ohne daß die fühl- J bare Lücke, die seit 1892 klaffte, ausgefüllt wurde. Wie weit würden wir heute in der Kenntnis unserer deutschen Vergangenheit sein, I wenn den fünf Jahrgängen der Geigerschen Zeitschrift 96 weitere, gleich inhaltsreiche gefolgt wären! Dev Gedanke läßt sich mit den segensreichen Folgen, die möglich gewesen wären, nur schwer ausdcnken. Darum kann man dem Verlage und den Männern nicht genug danken, die endlich den Entschluß gefaßt haben, die frühere Zeitschrift sortzusetzen, und man darf mit Sicherheit erwarten, daß seitens der großen Organisationen die nötigen Geldmittel flüssig gemacht werden. Gewiß fehlt es im verarmten Deutschland nicht an Aufgaben, deren Lösung für den Tag noch dringlicher ist. Aber es war stets der Stolz einer bedrängten Zeit, kulturelle | Bedürfnisse n i ch t ganz z u r ü ck z u st e l! e n , sondern opferwillig für sie einzutreten. Um so mehr, wenn, wie im vor- H liegenden Falle, nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für den E Kamps und die Bestrebungen des Tages sichtbare Vorteile sich darbieten. Sei es. daß cs sich um unsere rechtliche Stellung im Staate handelt, um unser Heimatsrecht, um unsere Verwobenheit mit deutschem Volksleben in 'Sprache und Kultur, um unsere Mit- 8 Wirkung am deutschen Staats-, Gesellschasts- und Wirtschastsleben, 1 um unsere Anteilnahme am Handwerk und der Bodenbesiedelung, um j) interkonfessionelle Wohltätigkeit, Vaterlandsliebe (Kriegsstatiftik!). | oder sei es, daß Gemeindeverbüude, Organisation der einzelnen Gemeinden, Besteuerung ibrer Gemeindemitalieder, Stellung der Rabbiner und Lehrer, Statistik (berufliche Gliederung, Kriminalität, | Mischehe, Taufen). Synagogenbauten, Armen- und Krankenpflege, | Erziehungswefen oder sonstige Dinge des inneren jüdischen Lebens erörtert werden, täglich treten neue Fragen auf, deren geschichtliche Erfassung notwendig ist, um aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen. Es ist eine falsche Vorstellung, wenn man glaubt, daß diese Ver- E gangenheit weit zurückliegen muß. Das 19. Jahrhundert kann das - zwanzigste belehren, das eine Jahrzehnt das folgende, der gestrige Tag den heutigen. „Der eine Tag brnwt dein anderen Kunde.'" (Psalm 19, 3.) Was heute geschieht, gehört bereits morgen dev Geschichte an. Ihre Lehren darzustellen und fruchtbar zu machen, U bietet sich zwar in Tages- und Wochenzeitungen Gelegenheit, doch W können diese für umfangreichere. Untersuchungen und Forschungen jj nicht genügend Raum zur Verfügung stellen. Auch sind sie nicht in 8 der Lage, anregende Uebersichten über die an anderer Stelle erfolgen- G Geoffeir Sprsialhsus für feine Herren-Wäsche, Lrikotsgen ufw. BERUM W CHARLQTTENSTRASSE 65 FERNSPRECHER: MERKUR 6330 den Veröffentlichungen des ganzen weitschichtigen Literaturgebietes zw geben. Das ist nur einer Fachzeitschrift möglich, und darum ist das Erscheinen einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutsch-' land sowohl aus wissenschaftlichen wie aus praktischen Gründelt ein dringendes Bedürfnis. Moritz Stern. Die Zünf Sucher Mofis und das Fegpptische. Einer der interessantestelr und am meisten beachtetsten Vortrüge auf dem Internationalen Orientalistenkongreß in Oxford war der Vortrag des Professors A. S. I a h u d a über den Einfluß des Aegyptischen auf die Entstehung und Entwicklung der Sprache der Fünf Bücher Mofis. Professor Dahuda hat dabei durch eine große Reihe von Beispielen den Beweis dafür zu erbringen gesucht, daß das Hebräische von den Hebräern aus dem Primitiven, von den Patriarchen adoptierten Kanaanäischeu Dialekt als selbständige, ihnen allein eigene Sprache weiterentwickelt und dann unter dem Einfluß des Aegyptischen zu einer literarischen Sprache vervollkommnet wurde, und. zwar in einem hebräisch-ägyptischen Milieu während des Aufenthalts Israels in Aegypten. Diese These ist von außerordentlicher Wichtigkeit, weil sie im Falle ihrer Nichtigkeit zum Ergebnis führen müßte, daß der P e n t a t e u ch c i u P rodukt je n e r Z eit i st, lvodurch die herrschende bibelkrikrsche Schule in ihren tief[teu Gründen vollkommen erschüttert und gegen die Autorschaft Mosis nichts einzuwenden fein würde. Nun ist der erste Band des seinerzeit augelündigten Werkes Professor Pahudas erschienen'). Professor P ahn da hat fich über dieses Werk kürzlich in einem Interview mit dem „Jewish Chronicle’* (London) geäußert. Darin heißt es u. an „Nachdem ich erst einmal mit den Theorien des „höheren" biblischen Kritizismus vertraut geworden war, lvar ich erstaunt über die spekulative Art der Voraussetzungen, aus der sie beruhten, und ich tarn zu dem Schluß, daß die Auflösung der meisten heutigen Probleme: Autorschaft und Zusammensetzung des Pentateuch, nur von einem sehr Sprachkundigen gelöst werden könnten. Zwei wuchtige Tatsachen beeinflußten mich dabei. Die erste war, daß Israel immer ein Wanderdasein geführt hatte, und die zweite war der Einfluß, den diese Wanderungen auf die Bereicherung und Entwicklung seiner Sprache hatten, und die es dem Forschenden ermöglichen, hierin die verschiedenen Stationen seiner Wanderungen bei den anderen Nationen zu verfolgen. Es war daher ein ganz natürlicher Schluß, daß ich, wenn man die Richtigkeit der biblischen Erzählungen von den Wanderungen Israels zugrunde legt, erwarten konnte, wesentlichere Spuren der babylonischen und ägyptischen Sprache zu finden, welche ja in jenen früheren Geschichtstagen die reichsten und entwickeltsten zu beiden Seiten Kanaans waren. Da ich mich zuerst Assyrien zulvandte, fand ich wenig Bestätigung für meine Theorie, weil gerade jene stellen im Pentateuch, die wirkliche Zusammenhänge mit Babylon bezeichnen, wie z. B. die Flußerzähluug, sehr wenig sprachwissenschaftliches Interesse haben. Ich wandte mich Aegypten zii und war t'aum in die Geheimnisse der Hieroglyphen eingedrungen, als ich mich in einer neuen Welt befand, die die Geheimnisse der sprachlichen und wissenschaftlichen Probleme vor mir öffnete, die memer Meinung nach nur wirklich verstanden werden konnten, wenn man sich vergegenwärtigt, daß sie aus dem hebräisch-ägyptischen Milieu und der ^ägyptischen Zeit Israels Herkommen. Ich ging von den Josesserzählungen und dem Exodus ails, der ja au den ägyptischen Dingen teil hat und von denr man erwarten könnte, daß er das Dasein ägyptischer Elemente aufweist, wenn solche gefunden werden sollten. Das Ergebnis war über alle Erwartung. Ich fand zahlreiche Worte, Sätze_ und.. erzählende Formeln, die wörtlich aus dem Aegyptischeu übernommen waren. Wenn die Josefirnd Exodusgeschichten zu Beginn der Erzählung Aegypter wie Pharao ansühren, dann klingt das wirklich, als ob es aus dem Aegyptischen übersetzt wäre. In einem Vers (Exod. 11, 1) kommen nicht weniger als vier ägyptische Worte vor, und zwar: tebah, gomeh, soos und heor. Dann wandte ich mich den früheren Teilen des Pentateuch und den babylonischen Erzählungen zu und fand, daß alle die Elemente, die dem babylonischen Geist fremd sind, mit dem ägyptischen eng verbunden sind. Diese Entdeckungen werden in erster Linie zu'einer Verwertung durch Forschende führen — einst haben sie die Richtigkeit meiner Schlüsse anerkannt — nämlich der, datz der Pentateuch nur als ein Produkt der Zeit vor der Eroberung Kanaans durch die Israeliten angesehen werden kann. Hebräisch wird als eine Original schöpf ung Israels anerkannt werden, das sich ans einem primitiven kanaanitischen Dialekt während des Aufenthalts in Aegypten zu einer literarischen Sprache entwickelt hat. * Außerdem zeigt das Hebräische bemerkenswerte Unterschiede von allen anderen semitischen Sprachen, und diese Abweichungen können nur durch den ägyptischen Einfluß erklärt werden. Der Pentateuch war das', erste großeliterarische Produkt der so entwickelten Sprache, obgleich vor dem Exodus eine Art Bolksliteratür bestanden *) „Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Aegyptischen" von *31. S. Y a h u. d a, erstes Buch, Lexikon-Oktav, 336 Seiten, nebst einer hieroglyphischen Beilage, 16 'Seiten, im Verlage Walter de Gruyter, Berlin W Ist, .

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