Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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|*nfral Witter für -eittscdtumlA' «nvMoentmn. Serlin, 22. Zebruar 1H2- VHI. Fahrgang ♦ Nr. S Einzelnummer Lopfennig VrMn des Lnkrol-MÄus örutsrker, Strmtsvüryer iüvifcttenAauvens Z^Hg^emeins Zeitung des Judenrums Bierlelj, 2,50 m Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8^ 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 8595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel. stube 6-, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8, . .. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 406, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JiJi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote ) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 Ml, die 90 nun breite Reklamezeile 4,80 <’JIm. Wintrrsoimenivtnbt der WWMaft? Äon Wvatdozent Dr. Lutz Mackensen MejWM. 1. Ein Werk, das ein Diederichs als „Seitenstück von Humboldts Kosmos" bezeichnet, das laut der Vorankündigung darin Goethe kongenial ist, daß es „mit dem Auge" gedacht" wurde, das einen mit „intuitiver Erkenntnis" begabten '.Seher" zum Verfasser hat, — ein Verfasser weiterhin, den ein Börries von Münchhausen in hymnenartiger Besprechung (in der „D. A. Z.") neben Galilei, Bopp und andere Entdecker gleichen Schlages stellen möchte, dem es gelang, die Menschheitsgeschichte „um etwa 10 000 Jahre durch Entdeckung des Glaubens und Denkens von Steinzeitmenschen" zu erweitern, der ferner für seine Enthüllungen einen der größten und angesehensten Kulturverlage Deutschlands begeistern konnte, — ein Verlag schließlich, der in jahrzehntelanger organisch ausgebauter Leistung uns ein kulturpädagogisches Verlagswerk geschenkt hat, das seinesgleichen sucht, der noch zuletzt durch seine großen, wohlabgewogenen Sammlungen „Deutsche Volkheit", „Stammeskunde deutscher Landschaften" und „Frühgermanentum" seine außergewöhnlichen verlagstechnischen und verlagsethischen Fähigkeiten in breitester Form bewiesen hat - wenn diese drei: Werk, Verfasser und Verlag, sich zu einer Einheit verbinden, muß wohl etwas Bedeutendes entstehen-, das unser allerhöchstes Interesse beanspruchen kann. Ms die Schriftleitung an mich mit der Anfrage herantrat, ob ich bereit sei, dieses Werk zu würdigen, sagte ich gern zu. 2. Diese Aufforderung der Schriftleitung wandte sich an einen Außenstehenden. Die Vorankündigung des Werkes betonte, daß sich das Buch Zunächst an den Prähistoriker, Sprach-, Schrift- und Religronskundler wende. Durch die Wahl ihres Berichterstatters dokumentierte die Schriftleitung in schönster Weise ihren Willen zur Objektivität: da ich weder Jude bin noch irgendwelche näheren Beziehungen persönlicher oder finanzieller Art 31t jüdischen Kreisen unterhalte, konnte wohl nur meine Eigenschaft als Germanist und Volkskundler die Wahl meiner Person bedingt haben. Diese Erwägung, die für mich den Ausschlag zur Annahme des Angebotes gab, wiederhole ich hier absichtlich, uflf von vornherein allen etwaigen unsachlichen Entgegnungen Dritter den Boden zu entziehen. 3. Der Titel des Werkes: Herma n Wirth, „Der Aufgang der Menschheit". Also eine Urgeschichte im großen Stil? Das wäre an sich nichts Neues; die Eigenart der Behandlung des schon oft ausgebreiteten Stoffes müßte dann der tönenden Ankündigung ihre Berechtigung verleihen. Ein erstes leises Mißbehagen dämmert auf: ist der Titel nicht an Spenglers „Untergang des Abendlandes" geschult. Hat ein wirklich schöpferischer Geist, ein „Seher" im Goetheschen Sinne es nötig, die Nhythmisierung seines Buchtitels von anderer Seite zu borgen? Nun gar noch etwa aus tendenziösen Gründen? Doch vielleicht ist es mißlich, aus dem Titel allein zu weit gehende Schlüsse zu ziehen? Vielleicht ist der Anklang an jenes bekannte Werk nur ein Zufall? Vielleicht ist der Titel auch weniger Angelegenheit des Verfassers als des Verlegers. Lassen wir uns unsere Unbefangenheit nicht rauben und sehen wir weiter! 4. Breit unb wuchtig, im Großqnartformat, liegt der Band vor im»: 632 Seiten stark, mit 28 Bild- und 11 ^chrifttafeln, die durch 68 Abbildungen im Text ergänzt werden. Die Bildtafeln, meist eigene photographische Abbildungen des Verfassers, sind durchweg vorzüglich; Druck und Ausstattung des Werkes so gut. une wir es nur immer von Diederichs Verlag gewohnt waren. Der erste Eindruck berechtigt zu den schönsten Erwartungen. Diese Erwartungen werden noch sehr beträchtlich gesteigert, wenn wir von der Gesaurtanlage des Werkes hören: es soll in zwei großen Abteilungen erscheinen, die von je einein Bilderatlas begleitet werden; der uns vorliegende Vaud ist nur der erste Halbband der ersten Abteilung, der durch die „Denkmäler und Quellen" des Zweiten Halbbandes noch ergänzt werden muß. Während die erste Abteilung das Abendland „in unumgänglichem Zusammenhang mit außer abendländischen Kulturen" behandelt, wird die zweite Abteilung „die Grundlagen der atlantisch-nordischen Kultur in' den außerabendlündischen Kulturell" umfassen. Das Werk zielt also aus eine Urgeschichte der Erde und ihrer Bevölkerung: ein gigantisches Thema, das in gigantischen Ausmaßen in Angriff genommen wird. Indem wir vor dem Mut des Verfassers und dem wissenschaftlichen Idealismus des Verlegers — dieser erste Halbband soll broschiert 50 Mark, in Leinwand gebunden 58 Mark, kosten; man errechne danach die lwchhändlerischen Absatzmöglichkeiten des Gesarntwerkes!! — in ehrlicher und aufrichtiger Bewunderung den Hut lüften, gehen wir an die Lektüre. 5. Sie ist eine mühselige Aufgabe: 632 Seiten (im Großquartformat!) wissenschaftlich-anmutender Darstellung, schwierigster und Stein für Stein Wrbeiholender Untersuchung stellen an den Leser beträchtliche Anforderungen. An well wendet sich also das Werk? Man sollte denken,: an den Fachgelehrten und au ihn allein. Aber auf S. 20 ss. der „Einführung" wird man durch einen Abschnitt „An die Laienleserschast" eines Besseren belehrt. Man erfährt hier, daß das Werk eigentlich „die Geschichte einer Laienwissenschaft" ist, das „Eigenerlebnis" der Ahnen des Laienlesers, das „in seiner weiteren Verbreitung über die Erde sich erst viel später zu einem Priester- und Gelehrtenwissen, zu einer Gottesgelahrtheit umgestaltete und entfremdete". Also: alle sollen dieses Buch lesen. Alle, weil es die „Lebensgeschichte" aller ist. ein „feststehendes Tatsachenmaterial", das an die Stelle von bisherigen „allerhaild Deutungen und Auslegungen, orakelhafter Geheimniskrämerei, willkürlicher, persönlicher Meinungen und Theorien, autoritativer Erklärungen" treten soll. Das ist fraglos Ideologie. Entweder man schreibt ein populäres Werk, ohne Fußnoten, differenzierte Untersuchungen und Fachaus-!III!!!!ir!NIÜIIIIIII!III!IMI!!I»I!IMIIIl>!I!!II!l!!!>!k!I!I!I!!!ll!l!!III!I!II!IIIIIiI!lI!IIl>!1>I!MIII!IIIII!>,'IllIII!!II>>;>IiIIlIIIjI>II!I>lIiriIIIIiriIII!!.HIi!!l>lIMi;ill!I,IiIljUM!lizniIl> l!!ll!ilil!jil||!ll![|l!!!|!!lll!ii!!l!!!lttliil!li!lill,Ii!!l!!!ili!!i!l!l!il!liHI!il!ini!M[|il!!!nii!!n!H!i!IU!iS!UU! Sondernummer: Aus Wissenschaft und Literatur.