Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 6 (8.2.1929)
- Date
- 1929-02-08
- Page
- Seite 75 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Luchbklprechungen. „Das- Gespenst des Golem.'" Von Hans Ludwig Held. Eine Studie ans der hebräischen Mystik, mit einem Exkurs über das Wesen des Doppelgängers. 1927. Allgemeine Verlagsansta lr, München. Hans Ludwig Held, den feinfühlige Kenner der christlichen! Mystik und Herausgeber der Werke von Angelus Silesius, hat eine Studie' über das Golem-Problem veröfsentlicht. Das Buch, ans einer geradezu überwältigenden Fülle von Material entstanden, ist die Fracht jahrelanger Arbeit und zähen Fleißes und behandelt ans das gründlichste die Golem-Legende in allen ihren Faßungen. Entlegenste Quellen ans Talmud und Kabbala sind heran gezogen und ich freue mich, daß meine Golem-Studien für den Verfasser, was dieser im Vorwort besonders hervorhebt, so fruchtbringend waren. Held verbucht nichts weniger als ans die Frage: „Wer war der Golem des Hohen Rabbi LoewA' eine Antwort zu geben und das ganze dunkle Gebiet, welches die Golem-Sage umgibt, zu erschließen. Er glaubt, daß der Inhalt unserer Weltanschauung j immer wieder unsere Ueberzeuguug schaffe. Ties scheint ihm be-! sonders bei Problemen zu gelten, die trotz deutlicher Beobachtungen! und Erfahrungen um ihres Wesens willen ewig Probleme bleiben j müssen. Er hofft aber, in seiner Studie die einzige richtige! Deut u n g des so geheimnisvollen Problems gegeben zu haben. > Zur Einführung bringt der Verfasser eine knappe, aber sehr! sesselnde Abhandlung über die E r s ch a f s u n g der e r st e n j M e n s ch e n, eine tresslich geordnete' N ober sicht über das Wesen des; Urmenschen, des eigentlichen ersten Golem, des aus Erde geschaffenen j Adam. Im zweiten Teil sucht Hold auf den U r g r u n d de r ' Legende zu kommen und ihn in seiner Ursprünglichkeit des Voltsglanbens deutlich zu machen. Er hat sich mit Erfolg bemüht, auf die ältesten Quellen zurückzugehen, das Wesentliche der lieberiK'ferumi auszuwählen und zu einem prachtvollem Ganzen zu gestalten. Es ist bezeichnend für unsere Zeit, daß ein Mann wie Held, ein b e g e i st c r t e r D e n t s ch n a t i o n a l e r, wenn er einmal in „jüdische Geheimnisse^ eingedrungen und mit den „übelrüchligsteu" Stellen im Talmud und Sohar vertraut wurde, im Gegensatz zu der Flut gehässigster Anfeindungen des Judentmns von ariderer Seite, zu folgendem Urteil gelangte: „Kein Volk der Erde kämpfte zäher um die Anerkennung seines Gottes als das Volk der Juden. Aus seinen Reihen lvachsen nicht nur einzigartige Genies der Religiösen; ganze Stämme und ganze Zeiten strebten aus ihren Niederungen h irr an zu den Höhen dieser genialen (Fortsetzung von Seite 74.) hat, ohne daß es eines besonderen Aktes behördlicher Anerkennung bedarf." Für eine Reihe von Maßnahmen bei der wichtigen Arbeit des Verbandes ist jedoch die offizielle Anerkennung des Landesverbandes von den Behörden erstrebenswert. Es ist sehr gu wünschen, daß die maßgeblichen Staatsorgane mit ihrer Anerkennung nicht länger zögern werden und auch keine Bedingungen daran knüpfen, die für den Landesverband unannehmbar sind. Lebhafte Beratungen erfolgten wegen der Ratsvorlage über den B e i t r i t t z « m R e ichsverba n d. lieber die N o t w e n d i g - feit e ui c § Zusa m m e n s ch l u s s e s z u m R e i ch 8 v e r b a n b bestand in der Versammlung wohl kaum eine Meinungsverschiedenheit. Dagegen erweckte der vom Rate vorgelegte Entwurf bei alleu Parteien aus verschiedensten Gründen lebhafteste Bedenken. Ter Unterschied in der Haltung der Abgeordneten lag in der Frage: Soll man eine als sehr verbesserungsbedürftig betrachtete Organisation schassen in der Hoffnung, das; es den Menschen, die in ihr arbeiten, gelingen wird, im Laufe der Jahre ihre Mängel zu überwinden oder soll man — obwohl eine Ablehnung das Scheitern der langjährigen mühseligen Verständigungsarbeit zwischen Nord und Süd ans lange Zeit hinaus bedeuten würde — einem Entwurf seine Zustimmung versagen, dessen Verbesserungsaussichten man für zu gering hält. In namentlicher Abstimmung verfiel die Vorlage bei 45-Ja- Stimmcn gegen 46 bei 7 Stimmenthaltungen der Ablehnung. Es ist zu hoffen, daß die notwendige und im Interesse des deutschen Judentums so erwünschte Verwirklichung des Reichsverbandes trotzdem bald und in einer Form zustande kommt, der die Mehrheit des preußischen Judentums zustimmt. Gegen die Vorlage des Rates betreffend Gründung eines Reichsverbandes stimmten geschlossen die Jüdische V o l k s p a r t e i, die M i t t e l p a r t e i (mit einer Ausnahme). Die Liberalen, bei denen die Abstimmung sreigegeben war, stimmten verschieden. Von kleineren Vorlagen war wertvoll die Annahme eines Antrages, der Preußische Landesverband möge Sorge dafür tragen, daß Schiedsstellen geschaffen werden, die persönliche Disserenzen zwischen einer Gemeinde, zwischen Gemeinden und ihren Beamten, zwischen Vorstehern und den Beamten sowie deren amtlichem Verwaltungs- Personal regeln. Wenn auch diese Tagung des Preußischen Landesverbandes den so lange erhofften und wünschenswerten Zusammenschluß zum Reichsverband nicht gebracht hat, so ist doch durch die sachliche und verantwortungsvolle Arbeit eine Fülle wertvoller Leistungen geschaffen worden zum Wöhle für das preußische Judentum und das Judentum überhaupt. Führer, strebten hinab in die Tiefen verzweifeller Grübler, schufen Methode um Methode, Wert um Wart; waren heißblütig und leidenschaftlich in unerschöpflichem Willen und nach dem verborgenen Sinn des Lebens. Was läge näher, als das; dieses Volk auch der zähe Träger wunderbarer Geheimnisse gewesen sei." Und nun erscheint die Golem-Sage in all ihren Fassungen, soweit sie im Munde des Volkes und der Dichtung lebt und webt, und die Nebersülle der Berichte lassen uns in die tiefe starke Gtanbenswelt unserer Ahnen Einblicke gewinnen. Das Werk ist eine Fundgrube für alle Freunde der Mystik und „ausdrücklichen" und doch unaussprechlichen Gottesnamcn, in welcher der Verfasser oft jüdische mvb christliche Mystik miteinander verknüpft und beide Roligionsaufsnssungen auf eine Bahn lenkt. Held läßt keinen Zweifel darüber, daß ihm die Möglichkeit einer solchen dunklen Gestalt, wie die des Golems, scststeht. Kraft des geheimnisvollen allgetvaltigsten und furchtbarsten Gottesnamens konnte einem aus Lehm geschaffenen Ntenscheuklumpeu der Geist des Lebens eingeblasen werden! Durch verschiedene Beweise hu Abschnitt „Von den Siegeln des Golem" soll der Glaube an die wirkliche Existenz des Golem verständlich gemacht werden. Rach Held ist nicht Aufgabe des Volles, m schwierigen Versuchen und Erkenntuisgängen die Realität aller seiner Erscheinungen nachzuweisen; ihm ist es genug, von ihrer Wirklichkeit zu ahnen. Es ist sicher, daß dieses Buch vielen als verwegen erscheinen wird. Held scheint es, selbst aus die Gefahr hin, eifernden Spott oder bedauerndes Mitleid zu erleben, besser, von sich die Wahrheit zu bekennen, als dom Idol alter Vorurteile schweigend weiterhin zu opfern. Die Legende erzählt von Rabbi Loew dem Heiligen. Der Golem war Mensch, ba er von dom Atem seiner mystischen Erkenntnis ins Leben gerufen war. Er war Gespenst, als das geistig-leibliche Wiederbild seiner eigenen Gestalter; er war Antwort als der trieblose Erfütter seines magischen Willens. Ehajim Bloch (Wien). „Der letzte Watdjude", Romau vou Opatschu, herausg e g e b c n v o m Heiue - Bu n d. A u s d e m Iidd i f ch c n ooii Siegfried S ch m t tz. Ter Träger des Romans ist der jugendliche Mordechai, der Sohn eines ^„Schreibers", das ist Verwalters ungemessener Waldungen eines Polnischen Adligen im Weichselgebiet. Seitdem sein Urgroßvater durch Handauflegen des Rabbis von Lublin vom Tode errettet worden ist, sind die Waldjuden glühende Chassidim geworden. Er kommt an den „Hof" Rabbi Mendeles von Kozk, und wenn auch da und dort Schilderungen vom Leben des den Mittelpunkt der chasüdischeu Welt bildenden Wunderrabbis durch die Presse gegangen sind, diese Welt ist uns fremd geblieben, fremd wie der Hof des Dalai- Lama hi Tibet, wenn der Chassidismus uns seit den Kriegsjahren auch räumlich nähergerückt ist. Der Roman läßt uns einen Blick tun in diese Welt, von einem, der sie erlebt haben muß. Ter Wohnsitz des mit Gott und der Welt zerfallenen Rabbi Mendeles wird von den Scharen der Chassidim umlagert. Tie Familie fürchtet für ihren Nimbus und hält die Menge vom Oberhaupt fern. Der Zustrom der Chassidim zum Wunderrabbi, das bewegte Leben um ihn herum, das Jneinanderslieheu von himmlischer und irdischer Liebe, die Inbrunst der aus Heilung Hoffenden, das Wundererwarten und Wunderschauen der großen Menge, der barfüßige Israel, der den Rabbi zur Buße ausfordert, — das alles bietet ein einzigartiges buntes Gemälde, das den Leser in Atem hält. Mordechai wird diese Welt in Kozk zu eng. Er wird durch den Bocher Schmiel, der die Wunder von Kozk zerpflückt, der Aufklärung zugesührt, lernt Deutsch, das typische Zeichen der Aufklärung, liest den Maimonides, liest den Ahawath Zion, den ersten Liebesroman der modernen hebräischen Literatur, gerät schließlich in den Strudel der polnischen Bewegung und muß das Land verlassen. Ein interessantes-Buch, von dem man nicht loskommt! — Eine uns fremdartig annultende Welt, aus der nur da und dort vereinzelt eine Saite in uns mitschwingt! I« Bovchardt. „Die Beichte eines Juden." V o n Lcouid Grotzrrrauu. V e r l a g R. Pieper & C o., M ü n chen, 19 2 7. . A braha m tt r i j a K o w n o r, dessen merkwürdigen Lebenslauf uns Großmann schildert, ist im Jahre 1842 in Wilna geboren. Aus seiner jüdischen Umgebung reißt er sich mit 20 Jahren los. wird nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten russischer Schriftsteller, verdient sich als Bankangestellter seinen kärglichen Lebensunterhalt, begeht schließlich eine Wechselsalschung, S. Grosse« Lprtz'iaihsus für feine Herrm-Wssche, Lriiratagkn usw. BERLIN W CHARLOTTENSTRASSE 65 FERNSPRECHER: MERKUR 6330