Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 5 (1.2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
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[entrat metein VLMer fürDeutsrdtmnWl unvIuoerUum Bierteljahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Serlin, 1. Zebruar 1-2» VIII. Jahrgang * Nr. 5 Einzelnummer rspfennig '0rmm des Lntral^erüus öeutscker^ StmUsvüryer iüdifiLe« lLavvrns?^U^errreiris Zeitung des Gudenrums Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8W 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. PEcheckkonto: Berlin 80472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidl-Rothschild & Co., Berlin W 8. „ „ Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Nocmalseilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JUi, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 H. Die Konferenz von Nierville. Gm akadmiickr Sogung Ster dir Sutensrage. / Non SerichtAHMr Sans Lrnnhoff. Im August 1928 hat das Genfer Weltstudentenwerk bei seiner Mitarbeiterkonferenz in Chartres beschlossen, im Winter 1928/29 drei Tagungen zu veranstalten, welche brennende studentische Probleme behandeln sollen. Die erste dieser Tagungen hat vom 28. Dezember 1928 bis zum 3. Januar 1929 im Schloß Bierville bei Paris ftattgefunden. Sie galt der Besprechung der Beziehung der Juden und Nichtjuden auf den europäischen Hochschulen. Das Weltstudentenwerk, eine ursprünglich rein christlich gedachte Organisation, die sich im Laufe ihrer Entwicklung aber zu einer durchaus überkonfessionellen und internationalen Einstellung dürchgerungen hat, hat richtig erkannt, daß Schwierigkeiten nur dann beigelegt werden können, wenn man ihre inneren Grundlagen beherrscht; es hat deshalb eine Gruppe von jüdischen und nichtjüdischen Akademikern zusammengebracht, um zunächst einmal über die Kardinalsrage: „Worin besteht das jüdische Problem?" zu sprechen und um Vorschläge zu sammeln, auf welche Weise vielleicht das Weltstudentenwerk zur Lösung der Probleme herangezogen werden könne. Ein beschränkter Kreis von etwa dreißig Teilnehmern hat sich zusammengefunden und in ernster, man mochte fast sagen, wissenschaftlicher Diskussion in überwiegend leidenschaftsloser Weise die Frage zu behandeln gesucht. Man muß dem Weltstudentenwerk Dank wissen, daß es von sich aus die Frage ins Rollen gebracht hat, nicht — wie man es bisher leider gewohnt war — in agitatorischer Weise, sondern verantwortungsbewußt, selbstlos und mit dem Blick auf praktische Ziele. Es war kein Wunder, daß diese erste Tagung, die nur von persönlich eingeladenen Teilnehmern besucht war, eine Reihe von Kinderkrankheiten zeigte — Kinderkrankheiten, die sich z. B. in der einseitigen Auswahl der Referenten, die sämtlich Juden waren, zeigten. Auch das zahlenmäßige Ueberwiegen der Zionisten auf jüdischer Seite ist hierzu zu rechnen. Dabei muß jedoch betont werden, daß dem Weltstudentenwerk keine Schuld zugesprochen werden darf; verschiedene ungünstige Umstände hatten zusammengewirkt und diese nicht ganz wünschenswerten Erscheinungen hervorgerufen. Grundsätzlich sollten aus jedem Lande zwei Vertreter, ein jüdischer und ein nichtjüdischer, erscheinen. Aus Deutschland waren der Vorsitzende der allgemein als völkisch bekannten Deutschen Studentenschaft, cand. iur. Schmadel, ferner ein nichtjüdischer Sozialist, ein Zionist und der Verfasser dieses Berichts gekommen. Oesterreich war durch Zionisten und Antisemiten, Rumänien nur durch Antisemiten, Polen durch einen judenfeindlich eingestellten Führer der polnischen Studentenschaft und einen zurzeit in Paris studierenden polnischen Juden vertreten. Aus Ungarn war niemand gekommen. Man sagte, daß dieses Fernbleiben aus einer Vereinbarung der jüdischen lind nichtjüdischen Studenten Ungarns beruhe. Außerdem waren Engl a n d, die Tsch ech oslowakei, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Frankreich und natürlich das Weltstudentenwerk selbst vertreten. Die Diskussionen knüpften an zwei Referate an, die von Professor O u a l i d von der Sorbonne und Profesior H e r s ch aus Genf erstattet wurden und die im wesentlichen ein gründliches Zahlenmaterial über die augenblickliche Verteilung der Juden in der Welt, ihre Berufsschichtung und ihre Wanderungen innerhalb der Jahrhunderte lind der letzten Jahre gaben. Es war angesichts des besonders hervorragenden Referats von Professor Her sch keine Frage, daß Palästina eine endgültige und allgemein befriedigende Lösung des jüdischen Problems nicht bringen könne. Professor H e r s ch hatte überzeugend nachgelviesen, daß nicht nur die Mehrzahl der Juden in Palästina keinen Platz finden könne, sondern daß es aus demographischen und volkswirtschaftlichen Gründen sogar unmöglich sei, auch nur eine jüdische Mehrheit innerhalb Palästinas zu erreichen. Selbst die zionistischen Teilnehmer- Haben in bemerkenswertem Freimut erklärt, daß sie diesen Zahlen gegenüber nur sagen könnten, ein jüdischer Staat in Palästina sei nur deswegen erstrebenswert, weil er ein jüdisches Kulturzentrum schaffen könne, welches das Judentum der ganzen Welt befruchten und anregen und dem jüdischen Leben überall einen neuen, begrüßenswerten Aufschwung erteilen solle. Es ergab sich im Verlaufe der Diskussion, daß innerhalb Europas die Lage der Juden an den Hochschulen — wie überhaupt—vor allem drei verschiedeneGe st alten zeigt. In den westlichen Ländern, z. B. in Italien und in Frankreich, sind die Juden vollständig assimiliert. Sie fühlen sich nicht nur als Italiener oder Franzosen, sondern sie werden auch von ihrer Umwelt als solche geachtet und anerkannt. Gerade für ein Mitglied des Centralvereins war es ein eigenartiges Gefühl, als Professor O u a l i d aus eine Anfrage, ob ihm Franzosentum oder Judentum mehr bedeute, erklärte: diese Frage sei ihm zum erstenmal in seinem Leben gestellt; eine Antwort brauche er nicht zu geben; sie sei durch die große französische Revolution bereits vorweggenommen. Neben solchen westlichen Ländern zeigt Mitteleuropa, z. B. Deutschland, einen Zwischenzustand. Die Juden fühlen sich zum großen Teil zwar völlig als Deutsche, es mangelt aber noch in bestimmten Kreisen und Schichten an der Anerkennung ihres Deutschtums durch ihre Mitbürger. Die Assimilation — die jüdischreligiöse Kultur und Tradition unberührt läßt — ist hier AUS DEM iNHALTs Rabbiner Dr. Rein hold Lewin (Königsberg): Ehe, Liebe, Sexualproblem, — L. H.t Emil Lehmann. — Dr. Robert Weltseh and Dr. Hermann Berlahs Nochmais das Sonderheit „Der Jude". — Beilage: Von deutsch-jüdischer Jagend i/2.