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Central-Verein-Zeitung · 1929-01-11 · 2 (11.1.1929) · p. Seite 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
2 (11.1.1929)
Date
1929-01-11
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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entral VWllersürÄeulftMmn undToocntum Serlin. 11. Januar 1929 VIII. Jahrgang ♦ Nr. 2 Cinzeinummer 20Pfennig SrmM Hes Lrr!rÄ-MMrs SeuLsrker Allgemeine Zeitung des Gudenrums Biertelj_ 2,50 RM. (zuzUgl. Bestellgeld). Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8^V 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel. stube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. „ w <erHX _ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 31S. für die 7gespaltene Zelle nach diudolf Mosfes " ~ ... - -.. " ' : Mitglieder d. Centralvereins 0,45 die SO mni breite Reklamezerle 4,80 Normalseilennesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder i Mltmismus oder Wdemlismus? Ser AM Kurs trr RarionaWiÄW«. Was war das für ein Entrüstungssturm im völkischen Blätterwald, als vor einigen Wochen norddeutsche Blätter Enthüllungen darüber brachten, daß im Bezirk von K i r ch h a i n nationalsozialistische Gruppen unter Duldung des Landrates von Gilsa Wassenübungen veranstaltet hätten; „echt jüdische Verleumdung" war noch die mildeste Form der Zurückweisung. Aber um etwa dieselbe Zeit brachte der p-arteioffizielle „Illustrierte Beobachter" ein paar Bilder von nationalsozialistischen „Sportübungen", die ziemlich deutlich zeigten, daß die sport-beflissenen Braunhemden sich im Durchkriechen von Stacheldrahthindernissen und dergleichen übten. Und bald daraus erschienen im „Völkischen Beobachter" „Parteibe fehle", die neuerdings allen Parteiangehörigen ein schärften, daß sie sich an keinerlei militärischen Hebungen und Verbänden beieiligen dürften und daß sieben Teilnehmer an der im „Illustrierten Beobachter" abgebildeten Uebungaus der Partei ausgeschlossen worden seien. Zugleich wurden die Parteigenossen gewarnt, sie sollten sich auch von Behörden nicht zur Teilnahme an militärischen Hebungen verleiten lassen und alle dahingehenden Versuche, auch Waffenfunde, sofort der — Polizei — nein, merkwürdigerweise der nächsten Reichswehrstelle melden. Der Reichswehr schenkt anscheinend die nationalsozialistische Parteileitung immer noch mehr Vertrauen. Die Entrüstung über die verleumderisch erfundenen Waffenübungen klingtdanach stark demagogisch. Zur Blütezeit der nationalsozialistischen Bewegung in den Jahren 1922 und 1923, galt es als höchstes Ziel jeder der vielen vaterländischen Gruppen, Aktivität zu zeigen, wenn man auch nicht immer genau wußte, für welches Ziel man diese Aktivität einsetzte. An jene Zeit erinnert die unruhige Bewegung, die neuerdings einen Teil der bayerischen Bevölkerung durchzittert. Um auf seine Art den Anschluß an Oesterreich zupflegen, sammelte der einstige Führer der Einwohnerwehr, Forstrat Escherich, das Ueberbleibsel der Einwohnerwehr, den Jsengau, den ziemlich unbedeutenden Deutschen Frontkämpferbund und einige noch geringere Gruppen, um nach dem Vorbild der österreichischen Heimwehr einen „Bund bayerischer H eimatsch u tz" zu gründen. Der erhoffte Anschluß der den Regierungsparteien nahestehenden Wehrverbände, des Bundes Bayern und Reich und der V. V. V. V. (Vereinigte vaterländische Verbände Bayerns), blieb aus, die Blätter -der Bayerischen Volkspartei verhielten sich gegenüber der Gründung kühl und ablehnend und sprachen von nutzlosem Lärm; sie fürchteten wohl die Konkurrenz, die die Abneigung gegen den Berliner Unitarismus viel lauter und kräftiger predigen könnte als die von. staatspolitischen Rücksichten gehemmten Parteiblätter. Dagegen begrüßte der „Völkische Beobachter" die Gründung des von ihm früher ziemlich abfällig behandelten Forstrat Escherich ziemlich warm, lobte ihn als guten Organisator, nur sei nicht recht klar, für welche Ziele er seine Organisation einsetzen wolle; wenn er sich die Ziele von einem politischen Führer weisen lasse, sei der Zusammenschluß nützlich. Nicht schwer zu erraten, wer mit dem „Führer" gemeint war. Escherich hat seinerzeit in der Einwohnerwehr jede Judenhetze ausdrücklich abgelehnt, wenn er.auch hie und da judenfeindliche Schritte einzelner Unterführer nicht verhindern konnte, und es ist anzunehmen, daß er auch heute seine Gründung nicht für allsgesprochen antisemitische Bestrebungen' mißbrauchen lassen will. Vielleicht um die versuchte Verbindung Hitler—Escherich zu durchkreuzen, vielleicht auch nur um den unsicheren Koalitionsbrüdern vom Bayerischen Bauernbund zu zeigen, daß man rat Notfall auch ohne sie auskommen könne oder die vom linken Flügel der Bayerischen Volkspartei nach der Sozialdemokratie hinüber gesponnenen Koalitionsfäden zu zerreißen, warf der Abgeordnete Fröhlich (Bayreuth) von der Bayerischen Volkspartei, allerdings nicht in einem Blatt seiner eigenen Partei, sondern in dem deutschnatioualen „Fränkischen Kurier", den Gedanken in die Debatte, man solle statt Bauernbund oder Sozialdemokratie doch die Nationalsozialisten in die Negierung hereinnchmen. Bevor noch die Hrtler- Partei, die sich doch trotz ihres innigen Sehnens nach einern Ministersitz zunächst spröd stellen mußte, dazu Stellung nehmen konnte, winkte die „Bayerische Volkspartei-Korrespondenz" heftig ab. Und nun dachte Hitler wohl, was sich von oben nicht deichseln ließ, von rrnten her in Gang zu bringen, und entfaltete größte Aktivität: große Geldfammlungen für nicht näher genannte Sonderzwecke wurden mit höchster Energie betrieben, Zurückhaltung hierfür gesammelter Gelder für örtliche Zwecke mit Verfolgung wegen Unterschlagung bedroht; unter Hintansetzung der sonst so laut betonten Mittelstandsfreundlichkeit wurde (hauptsächlich wohl aus finanziellen Gründen) eine „F e l d z e u g m e i st e r e i", also eine Art Parteiwarenhaus, ins Leben gerufen, von der alle Braunhemden ihre gesamte Ausrüstung zu beziehen haben, zur Bearbeitung aller militärfrommen Kreise (Stahlhelm, Reichsslagge) eine „wehrpolitische Bereinigung" durch Oberst Hier! und Oberleutnant Rohm gegründet, und vor allem wollte man der Bayerischen Volkspartei in ihrer föderalistischen Agitation den Rang ablaufen. Mit dem Schlagwort „Föderalismus" konnte man nämlich an all die Leute herankommen, die, durch ihre ungünstige wirtschaftliche Lage und den. Steuerdruck verärgert, sich nur zu gern sagen ließen-, daß die Schuld aller Nebel bei Berlin, beim Reich, beim Zentralismus zu suchen sei. Die Gelegenheit bot sich alsbald: der Landesbürgerrat Zusammen mit einigen Kreisen, die dem obenerwähnten Heimat.schütz nahestehen, lud mit einem maßlos abgefaßten Ausruf zu einer großen föderalistischen Kundgebung in den Zirkus Krone. Hitler half dem mäßigen Besuch der Versammlung dadurch ab, daß er Hunderte seiner Braunhemden dorthin abkommandierte und durch die Versammlungsregie, die er ja meisterhaft beherrscht, die Versammlung ganz in seinem Sinn lenkte. Durch planmäßige, geschickte Zwischenrufe erweckten, sicher gegen den Willen der Ein'bcrufer, die Hitler-Leute den Eindruck, als handele es sich um eine judengognerische Kundgebung. Sprach ein Redner von den Berliner Regierungsstellen, die B a h e r n s E i g e n st a a t l i ch k e i t a u § h ö lsl e n, oder von den dortigen Kartellen, die der bayerischen Industrie keinen Verdienst gönnen, oder von wurzellosen Literaten, die dort oben volksfremde Kunst verbreiten, immer tönte cs ihm im Chor entgegen: „Juden!" und so oft er von Berlin sprach, jauchzten die Hitler-Leute: „Jerusalem?" Da eine jahrelange verlogene Agitation den weniger geschulter! Die nächste Nummer der 99C, V.-Zeit«ng“ erscheint In verstärktem Umfange als Lessing- Gedächtnisnummer

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