Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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ö Öflntt bewä h reu, wenn b rt S A lter n ah L und nachrück e n d e, l e i st un g s f ä h i g e r e I u g e u d s i e v e r d r ä n g e n will. So sieht für die Zukunft — zurzeit sind wir ja noch in einer Uebergangsperiode, die Neues und Altes, nebeneinander aufweist — der Lauf der Dinge aus, und man muß damit rechnen, daß der Wirtschaft l i ch e Charakter der I u d e n h e i t sich allmählich ganz ändert, daß die Zahl der wirtschaftlich Selbständigen i m m e x ll e i n c x w i r d und die Masse der Angestellten, die es immer bIeiben, riesenhaft anwach st. Verstärkt werden diese Tendenzen noch dadurch, daß das Warenhaus nicht nur den Einzelhandel einschrünkt, sondern daß es auch das sogenannte E n g r o s g e s ch ä f t, das immer noch wenigstens kapitalkräftigeren Kauslenten die Selbständigkeit ermöglichte, mehr und mehr dadurch ausschaltet, daß es entweder selber fabriziert oder wenigstens mit dem Fabrikanten direkt Geschäfte abschkießt. Wie der Artikel von Dr. Zielen Ziger mit Recht anführt, hat das Warenhaus sich in der kleinen und mittleren Stadt noch nicht festgesetzt, weil seine Rentabilität von einer Hohe des Umsatzes abhängt, die dort nicht zu erreichen ist. In diesen Gebieten hat, wenngleich große Spezialgeschäfte auch in ihnen Filialen errichten, der selbständige Einzelhandel noch Bedeutung; sie bieten noch die Möglichkeit einer Selbständigkeit, sie sind auch Absatzgebiet für den Grossisten. Und die „ L a n d s l n ch t" d e r I n d e n, über die vom religiösen Sta n dp un kt a us mi t Recht so sehr geklagt wird, ist a n ch w i r t s ch a s t l i ch eine große Tragödie! Denn in der Mittel- und Kleinstadt bietet sich meist noch die Möglichkeit zur Selbständigkeit, auf die in der Großstadt immer mehr verzichtet werden muß. Und die Scharen von Juden, die in den letzten vier Jahrzehnten aus der Provinz abgewandert sind, haben weder dem Judentum noch ihren Kindern und Kindeskindern einen Gefallen getan. Sie haben ihnen den Weg zur Selbständigkeit, zur vollen Ausnutzung ihrer Kräfte, stark erschwert, wenn nicht gar ganz verbaut. Wenn heute in jüdischen Kreisen die Rückkehr zur Scholle, zum Lande, so sehr propagiert wird, so müßte man mit demselben Rechte und vi elle icht mit der Au s f idjt auf größeren Erfolg auch die R ü er k e h r nach der kleine n und nt 111 [ e r e n Stadt dringend anraten und erleichtern. Und so ist es eine unendliche Ironie der Wirtschaftsgeschichte, wenn von judengegnerischer Seite mit einer von keinerlei Sachkenntnis belasteten rührenden Naivität angenonnnen wird, daß das Warenhaus eins der Mittel zur Erringung der jüdischen Weltherrschaft sei. I n Wahrheit bedeutet die W i r t s ch a s t s e n t w i ck l n n g, deren sichtbarster Exponent das Warenhaus i st, einen st e i l e n A b st i e g für die deutsche I u d e n h e i t, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Sie verwandelt den bisher selbständigen jüdischen Mittelstand in den Großstädten in ein Heer von mehr oder weniger kärglich besoldeten Angestellten, sie bedeutet eiue erhebliche Schwächung an materieller Kraft, sie bedeutet die beginnende Proletarisierung der deutschen Judenbeit, und wenn auch das Wort recht schroff und herb klingt, in der Sache ist es gerechtfertigt! Gegen wirtschaftliche Entwicklungstendenzen kamt mau sich nicht ausbäumen. Sie gehen über Wünsche, Proteste und Hilfsaktionen glatt hinweg. Die Konzentrierung des Kapitals mit ihren Folgeerscheinungen im Bankwesen, in der Industrie, im Warenhandel, sind unabänderliche Tatsachen, mit denen man sich abfinden muß. Aber bitter ist es, wenn man 311m Schaden den Spott tragen soll und wenn das Judentum, weil einige wenige, sehr wenige, seiner Bekenner Vorteile von ihr haben, als Träger und Förderer einer Entwicklung bezeichnet wird, die ihrem Wesen, ihrer individualistischen Auffassung vom Menschen ganz fremd ist, die ihre Massen iin Lebensziel, in der Lebenshaltung, im Erwerbe immer mehr herabdrückt und sie allmählich proletaristert. Wahrheit ist, daß für die in den Großst ä d t e n konzentrierte I u d e n h e i t das Warenhaus und die Wir tschafts tendenzen, aus denen es gehör e n i st, einen gewaltigen Schaden und den Zwang z u anderer in i h r e n E r g e bni s s e n u n ü bexf chbarcn Ernstel l n ll g bede n t e n. Eine einzige Seite ei lies Problems ist hier im Anschluß an Z i e - l e uzi g e rs^Darlegungen berührt worden, das uns in den jüdischen Vereinigungen in kommenden Tagen große Kopfschmerzen verursachen wird. Denn daß der Uebergang des bisher selbständigen jüdischen Mittelstattdes in das Abhängigkeitsverhültnis des Arbeitnehmers, des Eigene Verkaufsstellen in allen grösseren Städten Deutsdilnnds. Erhäldidi in allen Spezialgeschäften. Angestellten, für sein politisches Bekenntnis, für die Art seiner wirtschaftlichen und politischen Organisation, für seine Stellung zu jüdi'^ scheu Fragen, zur jüdischen Gemernschast. für seine Forderungen an das Judentum ungeheuerliche Bedeutung haben map, ist klar. Je früher man sich mit den Problemen befaßt, unt so leichter wird man die rechte Stellung finden. Bon diesen religiösen und Poli> tischen Fragen sei aber ein anderes Mal die Rede. Das Sonderheft „Der Juöt4' zu Martin Hubers fünfzigstem Geburtstag. Martin Buber sind zu seinem 50. Geburtstage gleich zwei Festschriften gewidmet worden. Die eine: „Aus unbekannten Schriften", die Dr. Reinhold L e w i n vor einiger Zeit an dieser Stelle besprochen hat, die man gewissermaßen als Widmung der Philosophie betrachten kann, und das vorliegende Sonderhefts des „Juden", das, wie ein Blick aus die Mitarbeiter zeigt, die Ehrengabe seiner Zionistischen Freunde oder, soweit sie, wie beispielsweise R 0 s e n Z w e i g itnb Bae ck, nicht hierzu zählen, Mitarbeiter an der von ihm geschaffenen Zeitschrift gewesen sind. Es ist schwer, eine solche Zeitschrift unter einem einheitlichen Gesichtspunkt zu besprechen. Doppelt schwer, wenn, wie hier, nicht die einheitliche Idee es ist, die einen großen Kreis von Mitarbeitern zusammengeführt hat, sondern der Wille, den Mann und sein geistiges Wirken zu feiern. Eines aber kann wohl einheitlich aus allen diesen Schriften gefolgert werden: Noch nie ist vielleicht mit solcher Deutlichkeit dem Nichtzionisten von zionistischer Seite gezeigt worden, daß der H e rz l sch e Z i 0 n i s m n s h eu t e n i cht mehr e x i st i e r t, daß der Zionismus im Sinne des Baseler Programms der Vergangenheit angehört, daß es heute nicht mehr die Ausgabe des Zionismus sein kann, durch Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina die Judennot, insbesondere des Ostens, zu überwinden. Hans Kohn stellt in seinem Aussatz „Ter junge Buber und der Herzliche Zionismus" fest, daß es eine Notwendigkeit war, daß Buber und Herzl in Widerspruch geraten muhten. „ . . . Für Herzl war der Zionismus sein eigenes Werk, war Das Volk fremd, das Zufällige Material seines pvlitisch-künstlerischcn Traumes, Palästina der zufällige Ort, die jüdische Kultur und Art eine im Grunde unwesentliche Beigabe- . - . Für' Buber ist die nationale Bewegung vor allem ein Kampf uni die innere Befreiung und Läuterung. Darin erweist er sich im Judentmn als Fvrtsetzer Achad Haams. Schroff lehnt er das Ziel wirtschaftlicher oder machtpolitischer BesiersteUnng ad. Nicht die Besserung der Lage der Juden, sondern die Erlösung der Nation ist der Inhalt unserer Idee. Der Zionismus ist keiner Einstellung gegen den Antisemitsmus entsprungen, er ist keine Wehr-, Abwehr- oder Geltungsbewegung gegen äußere Gegner, sondern wir sind Zionisten, weil nur aus der Zusammenströmung des Volkes auf eigener Erde, aus der Erneuerung der geschichtlichen Kontinuität, ans der Kraft des palästinensischen Ackers ein gesunder Volksvrganismus, ein in Trieb und in Werk regeneriertes Judenturn, der gewandelte jüdische Geist anferstehen kann. ..." Schon ans diesen Worten zeigt sich, daß hier unter dem Begriff des Zionismus zwei Welten miteinander zu vereinigen gesucht werden. Das Gleiche tritt vielleicht noch klarer in dem Brief hervor, den Markus Reiner, „Tie Biologie des Zionismus", zu Jüdischer Verlag, Berlin VI 57. 12/60 PS Sechszylinder unübertreffliche Fahrsicherheit! Waffenfabriken Simson & Co. Abtig. Automobilfabrik, Suhl 17 i. Thür.