Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 51-52 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- Seite 728 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277832--04958-2285635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
72$ Stolz auf fein Judentum zur Schau; selbst In der ekwa8 komischen Vernachlässigung des Aeutzeren lag bewußte Absonderung. Es war eine sonderbare Art von Adelsstolz, der die meisten abstieß. Mir hat er imponiert; denn da war alles echt, - hatte alles Stil, auch die unverhohlene Verachtung der christlichen „Tochterreligion". wie er sich ausdrückte. Er gab mir auch Weisungen. die ich befolgt und nicht bereut habe ... Ich bin ihm immerdankbar geblieben." Professor wurde Wilamvwitz zuerst irr Greifswald, wo er „hochgeachtete Kollegen" jüdisck-en Gla-ul^ns vorfand. Er erzählt, wie dort auch L. Traube eine Gastrolle gab. aber „durch einen von Berlin importierten Antisemitismus" vertrieben wurde. Durch diesen Antisemitismus waren zrvei junge Deutsche vertrieben worden, die aber - bemerkt Mlamonntz — „von der Universität weichen mußten, denn w i r und die masMbenden Kreise der Stuben tensck)a.ft wollten von der Verhetzung nichts wissen". Später, in Berlin, hat er mitsamt der Fakultät nachdrücklich die Maßregelung des Privcckdozenten Leo Arons bekämpft und nach Kriegsausbruch die -ichabi!it:eru.ng des jüdisckzen Gelehrten betrieben-. Wie er auch mit Befriedigung verzeichnet, daß MaxLiebermann in die Friedensklaffe des Ordens?our le m£rite gewühlt wurde. ... Das ist die Stellung, des greisen JubU-ars zu Juden und Antisemiten nach Ausweis seiner eigenen Berösfenttichrrn-gerr. und deshalb ist es auch au den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens, ihm kür den Rest seines Lebens verehrungsvolle Glückwünsche auszusprechen. Dr. iur. 3* Lcvy, Berlin. - Emanuel Lasker. Zu seinern 60. Geburtstag am 24. Dezember 1828. I. Gilt schon bei Sieger in den olympischen Spielen als nationaler Held, den man als Zierde feines Heimatlandes feiert, so darf ein Volk mit gutem Grunde stolz sein, wenn es in den, geistigen Wettkampf des Schackß den Meister stellen darf; ist doch die Leistung des Kopses nicht weniger wertvoll und repräsentativ als die Tüchtigkeit der Beine. Als Deutsck^ und Juden freuen wir uns, daß der geniale Lmanuel Laster einer der Unseren ist. Glanzvoll und fast ohne' Beispiel ist seine Laufbahn als Schachspiele r : bereits als Zwanzigjähriger nahm er an internationalen Wettkämpfen teil, durch seinen Sieg über Wilhelm Steinitz wurde et 1S84 Weltmeister; mehr als ein Bierteljahrhundert hielt er diesen Titel für Deutschland und verteidigte ihn in zahlreichen Turnieren — Überall verehrt und gefeiert als ein Bertreter deutscher- Intelligenz vnd geistiger Kultur. Die großen Siege Lasters in den Wettspielen der letzten Jahre zeigen, daß er noch heute einer der besten, wenn nicht gar der . beste Spieler der Wett ist. - Hervorragend sind auch seine Leistungen als Schach theor etiler. Sein .Lehrbuch des'Schachs", die in viele Sprachen übersetzte „Schachbibel". verdient durch seine Klarheit und Schönheit ..klassisch genannt zu werden". Das Spiel aller Spiele' begreift Laster als eine idealisierte Nachbildung wirtlicher Kämpfe, die Schachtheorie ist nur ein Beispiel für die fundamentale, allgemeine Kampscheorie. die in allen ernsten Auseinandersetzungen des, Lebens grundlegend ist. So werden bereits hier Erkenntnisse gewonnen, die über die Theorie eines Bloßen Spieles wert hinausrrichen und die bereits den Gelehrten und .Philosophen ankündigen. n. . * Lasters Schrchmeisterschast ist nicht vor Ausfluß einer virtuosen Spezialbegabung, sondern nur die von der Welt am meisten hervorgehobene, aber durchaus nkht die einzige oder bedeutungsvollste Leistung eines scharfsinnigen und sckSpserischen Kopses. — Wertvolle Bereicherung verdankt ihm die' Mathematik, sein ursprüngliches ArbestLgebiei — das. Zentrum seines Sck)afsens ist sein fruchtbares phi-losophisches Werk. ’ ' ' Im .begreifen der Welk" (1913) und vor allem in der „Phsilo- .sophre des Unvollendbar" (19191 entwickelt Lasker eine Philosophie, der.eine große Zukunft gewiß ist. Lasker ist ein Selbstdenker: er Ü^ederholt nicht die Gedanken anderer, er begnügt sich nicht mit der aphoristischen Darstellung einer mehr oder weniger geistreiche Weltanschauung; mit wohlbegründeter Methode und im Bewußtsein der Verantwortung geht er den Problemen selbst zu Leibe. EUGEN FUCHS: Glaube und Heimat. Neuauflage zum 5. Todestag. Mit einem Vorwort von Franz Eugen Fuchs. EDMOND FLEG: W arum ich Jude hin. Uebersetzt von M. Zuckerkandl. Erscheint demnächst. Vorbestellungen erbeten. Philo Verlag und Buchandlung G. mb. H., Berlin SW 68. Den Charakter der Problematik der Wissenschaft und des LebenS hat die bisherige Philosophie verkannt und sich dadurch in unlösbare Widersprüche verwickelt. Ausgangspunkt allen Tuns und aller Philosophie sind die Aufgaben und Nöte, die dem Menschen unausweichlich gestellt sind und an denen er leidet. Tie Dogmatiker aller Richtungen glauben, daß alle Probleme endgültig lösbar sind, daß ein Endzustand, m dem aller Kamps erlischt, wenn nicht realisierbar so doch denkbar ist. Sei es nun. daß man eine universale, wissenschaftliche Weltsormel für möglich hält oder mit der Marburger Schule annimmt. daß die Wissenschaft zwar nie an ein Ende kommt, sich aber an eine Universaltheorie in einem unendlichen Prozeß annahert.. Lasker weist unwiderleglich nach, daß alle Liefe Anstrengungen einen verhängnisvollen Fehler enthalten. Die ..gesamte Wirklichkeit", von der die Philosophen reden, ist wirkungslos, sie ist nirgends .jvirklich". Ter Mensch steht immer nur inmitten der Probleme, die die Erfahrung stellt; — er leidet immer nur an einer bestimmten, hier und jetzt gegebenen Rot. Alle Mittel soll und darf er aufdieten. um diese Rot zu bannen. Zwar gebiert jedes gelöste Problem ein neues; — aber ein erträumtes Verschwinden aller Aufgaben würde gar. nichts nützen, es wäre absoluter Tod. es würde die Welt zu einem mathematischen Universum machen, in dem für die freie schöpferische Tat lein Raum ist. III. Der große Schachmeister. Gelehrte und Philosoph Ist zugleich ein firoßer. gütiger und reiner Mensch. Tie Vornehmheit ferner Geinnung. die Weite seines Geistes verfehlten auf keinen eine unvergeßliche Wirkung, der mir ihm in Berührung kommt. Ein Gespräch mit Lasker ist ein Erlebnis. Man begreift, daß Laster als ein wertvoller Repräsentant Deutschlands in der ganzen Welt geschätzt wird. Festverwurzelt ist er. mit seinem Judentum, zu dem er sich stets treu und offen bekannt hat. Ist ihm doch ein starker Sinn für das historisch Wertvolle eigen und ist doch die Treue eine seiner schönsten Tugenden. Wir find stolz darauf, daß der gefeierte Jubilar seit langen Jahren dem Centralverem angehört. Dr. Siegfried Weinberg. w3ii der Werkstatt rrnd auf der Scholle." Unter diesem Titel veranstaltet die Gesellschaft ^.Ort" vom 18. bis 27. Dezember in den Räumen der Berliner Sezession. Liergartenstrahe 21a, eine sehr sehenswerte Ausstellung von Cchülerarbeiten ihrer Fachschulen und von landwirtschaftlichen Erzeugnissen der von ihr betreuten Kolonien. Tie Eröffnung fand unter grober Beteiligung von Behörden. Korporationen und Privaten statt. Die gezeigten Erzeugnisse. Photographien und graphischen Darstellungen veranschaulichen, wie die „Ort" es verstanden hat. Hunderttousende von .Lustmenschen" produktiven Berufen zuzufführen. In den Lehranstalten fertiggesteltte Kleidungsstücke. Textilerzeugnisse usw. zeigen, wie unausgebildcre Erwachsene in den Stand gesetzt werden, als gelernte Facharbeiter ihre Existenz zu finden. Feinmechanische Weck zeuge. Maschinen, komplizierte Schmiede- und Schlosserarbeit sind Zeugnis für die Erlernung von Handweckszwelgen, die modernste wirtschaftliche Notwendigkeiten befriedigen, und landwirllchastliche Erzeugnisse geben Kunde von der Arbeit etwa einer halben Million jüdischer Bauern in den. Ländern des Ostens. : b. 12/60 PS Sechszylinder '-ijiiiüüiisrr: * Der deutsche Wagen! riawerafaöri&ea $lmmm Q €© «Suhl i Th?5?