Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 51-52 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- Seite 721 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277832--04951-2285628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V VrZencher I-W Vv. Jahrgang. Nr. S1/S2 <tozelaommre 1» pfeaai» Jfc>icrieiift«cvu^onuc^u4ii \ 1,20 TIM. iZuzügi. Beflrllgrlü). Verlag L. SchrikUrltung: Derttn SW 68. Linbrnftr. 13. .:. fhib< 0, Sterlln! s , Allgemeine Zeitung des Judentums fdHt: Amt DSnhsff SZA4,3)S5. .:. Po fische cklo nro: Berlin 30472. .:. BarMonw: Dresdner Baak. Wechsel. Lindenstr. 7, und von Eoldschmldi.ÄothichUd L (Zn^ Berlin W 8. „Auf dem mir eigenen Gebiet, dem militärischen/ — so schreibt der Generaloberst von Seeckt in seinen sehr gegenwartsofsenen und sehr verantwortungsbewußten „Gedanken eines Soldaten" — „verfolge ich ba§ Schlagwort aus einem ganz bestimmten Grund, weil es hier im eigentlichen Sinn tödlich wirken kann und muß, weil dem militärischen Schlagwort Tausende von Menschenleben geopfert sind . . / Nun, wir wissen, daß auch politische Schlagwörter töten können. Zuweilen löschen sie Menschenleben aus, immer den Geist. Ein solcl)es Schlagwort heißt: die Lage. Es ist ein Sammelplatz der Deserteurewor dem aktiven Gewissen. Wir informieren uns im Klubsepe! über die Lage unserer Partei und die Lage der „anderen" und legen dann die Zeitung aufatmend mit dem befriedigten Bewußtsein pflichtgemäßer Kenntnisnahme beiseite, und diese Kenntnisnahme verpflichtet zu weiter gar nichts als zum Erwarten der Fortsetzung des politischen Lageberichtes in der nächsten Morgenausgabe des Leibblattes. > Und ähnlich ergeht es, wie ich aus eigener Anschauung berichten kann, sehr viel gedruckter Aufflärungsarbeit des C. B. Man ist kein Antisemit, gewiß nicht, man liest in der „C. B.-Zeitung", informiert sich über die Lage hüben und drüben, stellt mit Genugtuung fest, daß man doch nicht so engstirnig ist, das Schreien blinden Hasses mitzumachen, und ist gespannt, wie sich „die Lage weiterentwickeln" wird — und so ist man dem Wesentlichen entronnen (das immer das Aktive ist): der Entscheidung darüber im Gewissen, was denn die Lage von uns fordert. Das Wissen um die Lage, ist weder Macht noch Kultur, wenn es nicht das persönliche Verantwortungsbewutztsein entzündet und zur Aktivität aufrust.^ Was fordert die Lage von uns, die wir nicht Juden sind und den Antisemitismus als ein. Krankheitssymptom, als eine Verkrüppelung des deutschen Denkens wissen? Seien wir ganz ehrlich. Es ist doch so: Wenn ich heute in einen Kreis eintrete, der deutsche Gesinnung mit völkischer Gesinnung gleichsetzt, und ich sage: Mein Name ist Cohn, so rückt man von mir ab. Man hat keine Diskussion darüber nötig: ich bin der Feind, man wird mir erklären, man könne mit mir nichts zu tun haben, ich .sei kein Deutscher, sondern ein Ausländer, und zwar ein unerwünschter — ich bin in den Gedanken des Kreises gleichsam füsiliert, ausgemerzt, abgewehrt. Man verfährt mit mir eindeutig, wie man eben glaubt, mit dem Angehörigen einer -großen und unheimlichen, an allen Bahnen de-) Weltgeschehens 'höchst' intensiv beteiligten, nun aber in ihrer ganzen Taktik durchschauten Macht verfahren zu müssen. Was aber auch in der brüskiereudsten Ablehnung durchblickt und gerade an der Leidenschaftlichkeit der Gegnerschaft erst recht deutlich wird, ist doch dies, daß mau das Judentum als eine höchst vitale, unerhört geschärfte und erprobte Macht weiß und anerkennt. Eine mü Haß beworfene, mit allen Mitteln anzugreifende Macht — aber eben doch eine M ä ch t. u*ie denn die völkischen Kreise sich selbst als ein volksnotwendiges und aus sehr breiten Schichten des Volkstums immer wieder gespeistes Machtausgebot betrachten. Wenn ich hingegen in denselben Kreis trete und sage: Mein Name ist Müller-Claudius, und ich halte den Antisemitismus für' eine Massensuggestion, deren Quellen ich Ihnen zeigen möchte/ damit Sie frei von ihr werden und zum kritischmännlichen Gebrauch ihres wieder autonom gewordenen Urteils zurückgeführt werden — dann wird man mir, und zwar vor aller fachlichen Erörterung, damit jeder sachlichen Erörterung ausweichend, die Frage entgegenhalten: Wer bist du? Welche lebendige Kraft hat dein Gedanke denn im Volkstum zu entfalten vermocht? Siehst du nicht, daß . nicht dein, sondern unser Denken getragen und spontan ergriffen wird von. denen, die ganz und gar deutsch denken, siehst du nicht, daß unser Denken so sehr eine artgemäße. ursprünglick>e, instinkisichere Kraft ist, daß sie Massen mit der Macht der Leidenschaft zu erfüllen vermag — und anderseits bis Zur reinen Univerntätswmenschast hin sormgebend gewirkt hat? Und dein Denken? Sieh, wie einsam du bleiben mußt. Wer steht hinter dir? Qastyvu eine Bewegung ins Rollen gebracht? Hast du das Gewissen von Massen hinter dir? Oder doch zum mindesten irgendeinen sichtbaren, symbolhaft-bundhaften Körper von Menschen gleicher Ideen, die sichln gemeinsamer Aussaat verpflichtet und im innersten Gewissen berufen suhlen? Nichts von alledem. Dein Denken ist keine Macht im Bolkstum geworden, es hat sich keine sichtbare Stätte geschaffen — und also muß ihm die lebendige Kraft fehlen, der das deutsche Gewissen nie verschlossen ist — wozu also diskutieren? Unser ist das Leben, und deshalb wird unser der Sieg sein. Gewiß, dem ist sehr viel entgegenzuhalten, und in diesen Blättern ist es fast in jeder Nummer geschehen, und man soll nicht aushoren, es entgegenzuhalten, aber wir Nichtjuden/ wir sollten ansangen, auch etwas entgegenzutun! Es handelt sich gar nicht darum, daß wir ein wer weiß wie aufgeklärtes „Kulturgewissen" haben, es handelt sich darum, daß die Wahrheit in das Bolkstum dringt, es handelt sich darum, daß das Gewissen breiter und wertvoller Bolksi Glaube und Heimat Zum fünften Todestage von Eugen Fudis. — Dr, Alfred Wieneri Paul Nathan* —, Dr. jar. J. Levy: Ulrich r« WSIamowifz- Moltendozl. — Df. Siegfried Weinhergt Erna cmel Laskf, — Stadtardilvdirektor Dr. Kaeheri Die erste Judenverfolgung in Berlin*