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Central-Verein-Zeitung · 1928-12-14 · 50 (14.12.1928) · p. Seite 701

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
Seite 701 (sequence 1)
Language
German
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17.0EZ.23 I ' Serlm, 14. Dezember 142S Ikazrluummrr 1» pfenni ^U^er^eir^s Zeitung des dudenrums BierieUayrsabonnemeut 1,20 MM. rzuzügl. LesUllgeld). Verlas u. SchrifLlrILungr DerNn LW es, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3555. PoftschecUsnLo: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechsel» stube tt, Berlin SW b8, Lindrnstr. 7, und von Eoldschmidt-Rotyschild 6c To., Berlin W 8. Alleknkge Anzeigenannahme: Annonce n-ExpedMon Rudolf Trosse, Berlin 8W19, und deren Filialen Anzeigenpreise: 0,9ö JiM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moffeo Norrn.alzeilenmesser Rr. 4, Familienanzeigen und StellengesuchH (nicht ELrüenangeböte) für Mitglieder d. Zentraloereins 0,45 JtJi, die S-9 mm breite Reklamezeile 4M JUL «ggasEsgasagRsas ^^gB3aS^FS33P5gmagggSg85aea5EE3BgS3gSBa WS ict zmsnzlger. „Tenife glaubte eine mit Hochdruck arbeitende Maschine vor sich zu sehen, deren Bewegungen sich selbst den Auslagen mitteilen. 6s waren dies nicht mehr die kühlen Schaufenster vom Morgen: sie schienen jetzt wie geheizt und bebend von der inneren Erzitterurig. 6s stand jetzt ein schaulustiges Publikum da, Frauen drängten sich vor den Schaufenstern, eine ganze gierige Menge. Und in Vieser leidenschaftlichen Erregung des Trottoirs gewannen die Stoffe frisches Leben. 6s ging wie ein Beben durch die Spitzen, die in geheimnisvoller Weise die Tiefe des Magazins verhüllten, selbst die Tuchstücke, diÄ und massig, atmeten einen verführerischen Hauch aus, während die Paletots sich noch mehr auf den Probcpuppen spannten, die eine L>eele zu gewinnen schienen, und der große Samtmantel sich ausbauschte, geschmeidig und lau wie aus Schultern von Fleisch. Doch die Fabrikhitze, in der das Haus glühte, kam hauptsächlich von dem Verkauf, von dem Drängen an den Pulten, das man gleichsam durch die Mauern hindurch verspürte, lrs war wie das fortdauernde Pusten einer in Bewegung befindlichen Maschine, einer Verarbeitung der Kunden, die zuerst vor die Schaufenster gelockt, dann an den Warenpulten verblüfft und schließlich an die Kasse geschleudert wurden? Niemals ist das Wesen des modernen Kaufhauses meisterlicher geschildert worden als von Emile Zola in seinem berühmten Roman „Zum Paradies der Damen". Was hier der Dichter vor fast einem halben Jahrhundert mit prophetischem Blick vorausgesehen hat. das erleben wir in unseren Tagen: große Paläste von Warenhäusern entstehen. In höchster Bollendung des Prinzips der Konzentration bieten sie die' verschiedensten Waren feil: vom Druckknopf bis zum Automobil. Nicht umsonst ist Emile Zola der erste Dichter gewesen, der ein Warenhaus in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen gestellt hat. Denn Frankreich war dasjenige Land, in dem zuerst Kaufhäuser n a ch g e w i e s e n werden, die die verschiedensten Waren gleichzeitig zum Verkauf stellen. Schon im 17. Jahrhundert finden wir Händler in Revers, die dort in kleinen Geschäften die mannigfachsten Artikel feilboten. In einer ausgezeichneten Studie „Das Warenhaus" (1912) gibt Dr.-Jng. Alfred Wiener interessante Einzelheiten über die Geschichte des Warenhauses. Daraus ersehen wir, daß in Paris Warenhäuser wie „Le petit Saint Thomas“ oder „Le Diable boiteux“ schon unter dem ersten Kaiserreich gegründet wurden, und daß es dann die Zeit Napoleons Hl. war, die im Jahre 1852 die Gründung des Magazins „An Bon Marche“ durch den Modewarenhändler Boncicourt erblickte. das bereits im ersten Jahre seines Bestehens einen Umsatz von 450 000 Francs erzielte. In den sechziger Jahren werden dann ähnliche Unternehmungen in England ins Leben gerufen, andere Länder folgten, vor allem Amerika. Keiner der Begründer dieses neuen Zweiges des Einzelhandels, der zum erstenmalverschiedene Waren in einem Laden zum Verkauf brachte, war ein Jude. Das Warenhaus ist keine jüdische Erfindung! Gewiß, in Deutschland waren es jüdische Kausleute, die den Grundstein zu einem Warenhaus gelegt haben, aber sie versuchten damit nur zunächst in sehr bescheidenem Rahmen das ausländische Vorbild nachzuahmen. Im Jahre 1882 wurde in Gera von Hermann Tietz ein Kurz-, Weiß- und Wollwarengeschäft eröffnet. Dieses kleine Magazin, das bald auch noch andere Waren verkaufte, wurde zum S t a m m* haus der deutschen Warenhäuser. 18-85 errichtete A. Wert-!/eim ein kleines Manufakturwarengeschäst in Berlin in der Rosenthaler Straße. Im Jahre 1892 eröffnete Wertheim dann in der Leipziger Straße 111 fern erstes Warenhaus in kleinstem Umfang, und Hermann und Oskar Tietz konnten 1899 in München das erste deutsche Eroßkaufhaus errichten. Einen Monat später folgten die Brüder Wertheim in Berlin ihrem Beispiel, und am 26. September 1900 wurde das große Warenhaus von Tietz in der Leipziger Straße eröffnet. Das deutsche Warenhaus ist also eigentlich erst ein Kind des 20. Jahrhunderts. Aber mit der Entwicklung der Warenhäuser setzte sofort eine lebhafte Strömung gegen sie ein. Der Mittelstand, der Einzelhändler und der Handwerker, fühlten sich in ihrer Existenz bedroht und riefen nach der Hilfe des Staates. Die antisemitische Bewegung schürte diesen Kampf, sie spannte sich vor den Wagen der Mittelstandsvertreter. Landauf, landab führte sie ihren Feldzug gegen diese neuen Unternehmungen, die der deutschen Volkswirtschaft das Grab bereiten würden. In der judenfeindlichen „Staatsbürgerzeitung" vom 28. Juni 1912 lesen wir: „Ter moderne Ramschpalast gleicht einer steingewordenen Strophe des Mignonliedes. Auf mächtig aufstrebenden Säulen ruht sein Dach, in seinem Innern schimmernde Prunkgemächer, und es fehlen auch die Marmorbilder nicht. Das arme Kind aber würde in diesem Falle der Mittelstand sein, der jedes neue Warenhaus mit dem Zusammenbruch einer Reihe von kleingewerblichen Existenzen bezahlt." „Solch ein Einkauf im Warenhaus, ganz abgesehen von seiner Zwecklosigkeit, kommt manchmal wahrhaftig einem Martyrium gleich, und dennoch läuft das große Publikum in seiner hier schon wirklich nicht mehr heiligen Einfalt immer wieder in die Ramschbasare/ Es ist also nicht einmal ein neuer Gedanke, wenn die Völkischen heute in den Warenhäusern den Todfeind des Mittelstandes zu erblicken glauben. In einer planmäßig angelegten Agitation rüsten sie angesichts des Weihnachtsfestes zum Kamps gegen diese Unternehmen. Das „Deutsche Tageblatt" veröfsentlicht eine Weihnachtsslugschrijt unter der Ueberschrift „Meidet das Warenhaus". Schauermärchen werden von den Aus dem Inhalt: Dr* George Gociz: Emanzipuüonswerh in Osteuropa» — Zwei Uftmltühnmgen* — Joseph Winkler: Eisenbarth im Ghetto*

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