Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 681 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 7. dezember 192S Vll. Jahrgang * Nr. 4- Llnzrlnunrniee 1- Pfennig tesstora.r^T’ / /ö. ÜMi*rsc*ia«>reu4>oiiiicutent 3,20 9t M. tauaügi. Bestellgeld). Verlag u. Schriftleitung: Berlin LW 68, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3395. Postscheckkonto: Berlin ^9472. .:. DLnkkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stude 0, Berlin SW Lmdenstr. 7, und von Eoldschmidt-Rolhschild & Co., Berlin W8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Crvedltion Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: LLO&JL für die ^gespaltene Feile nach Rudolf Moffes Rormalzcilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Elellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Zeutralvereins 0,45 J2M, die &u mm breite Reklamezeile 4>i JIM. ■««BMEBmgBEESgBBEaEgBiHMriB&fflSSSaaBEfiBEBga^^ Von Landgerichtsrat Dr. 3. Stern (Berlin). dll Das sechste Jahrhundert v. Chr. hat für alle Zeit eine besondere Bedeutung in der Geschichte der Menschheit auf ihrem Wege zur Weltkultur. Damals erstanden, unabhängig voneinander, und wohl ohne daß einer vom anderen — im fremden Volke -— etwas wußte, unter den Juden, Chinesen und Indern Propheten, deren Grundgedanken sich berührten und deren Zielsetzung im Ergebnis die gleiche war. Bei den Chinesen waren es Confucius und Laotse, bei den Indern Buddha, bei den Juden eine Reihe von religiös und sozial denkenden Männern, eben die Propheten. Schon vor dieser Zeit hatte Jesaias die ewigen Worte gesprochen: „Und er (der Herr) wird richten unter den Heiden und strafen viele Völker. Ta werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. T-enn es wird kein Volk wider das andere ein Schwert ausheben, und werden fort nicht mehr kriegen lernen/ Die Propheten sind die Schöpfer des religiös-ethischen U n i v e r s a l i s m u s , in dem der Gedanke der durch das Sittengefetz verbundenen Einheit der Menschheit und seine Förderung als Berus des Judentums beschlopen liegt. Aus dem Prophetismus ging der Monotheismus als Vvlksreligion hervor. Die Idee der Weltreligion, die sich auswirken sollte in der Weltgeschichte, ist vom Judentum in das Christentum und in den Mohammedanismus übergegangen. Indische Denker nennen die drei Religionen die mosaischen. Mit dem Gedanken der einen Menschheit ist die Jdee des Dölkersriedens untrennbar verbanden. Es ist kein Zusatt — die Zeit war reif —, daß damals Confucius, ausgehend von den Gedanken der Wahrheit, Ehrfurcht und Menschenliebe und dem Glauben, daß der Mensch von Natur gut und vernünftig sei, den Staat auf sittlicher Grundlage aufzubauen suchte. China trat in das Zeichen der in der Herrschaft über die Welt sich ausdrückenden Universalität. Confucius ist der geistige Urheber dos altchinesischen Friedensbundes. Buddhas Lehre, die heute außerhalb ihres Heimatlandes verbreitet ist und die größte Zahl religiöser Anhänger aufweist, ruht auf einem Universalismus, dem der Spannungsunterschied zwischen Jndividmnn und Menschheit fremd ist. In dieser schroffen Form lähmt der Unwersalisrnus die Kraft des Menscben, verneint die Freiheit des Willens, macht das Leben zur Illusion, aus dein Erlösung wird durch die Macht des Leides. Ganz allgemein gesprochen, ohne auf Formen und Uebergänge Gewicht zu legen, kann man den Universalismus als' Eeistesrichtnng des Morgenlandes, den Individualismus als solche des Abendlandes bezeichnen. Das aber muß scharf betont werden: der Universalismus als Beruf, als Ausgabe, als entscheidendes Merkmal, als bewußtes Ziel der Religion ist erstmalig vom Judentum für die Menschheit entdeckt worden. Am Mittelmeer, in Alerandnen, zu seiner Blütezeit im 3. iinb 2. Jahrhundert v. Chr., trafen griechische, jüdische, indische Einflüsse zusammen und fanden ihren geistigen Niederschlag besonders in den Lehren der Nenplatoniker. Im 17. Jahrhundert erbaute Spionza auf dieser Grundlage sein philosophisches System; damit ist der geistige Zusammenhang mit der Gegenwart gegeben. Tie heutigen Buddhisten in Europa sprechen gern davon, daß Plato, Spinoza. Kant, natürlich auch Schopenhauer, in den Grundgedanken mit Buddha übereinstimmen. Das Leben unserer Zeit ist in jeder seiner Erscheinungsformen gekennzeichnet durch die Nachwirkungen des Weltkrieges. Er hat Entwicklungen einen mächtigen Anstoß gegeben, die noch in den Anfängen lagen. Bon bestimmendem Einfluß auf das Schicksal der Weltkultur wird, wie sich immer deutlicher zeigt, die Ausgestaltung des Friedensgedankens und das Erwachen der Völker Asiens sein, denen sich die Kolonialvölker der anderen Erdteile anschließen. In diesen Monaten sichen wir machtvolle Organisationen verschiedenster Art, den Völkerbund und die Vereinigung der Parlamentarier aller Länder. Kirchen und RcligwnsgescÜschastcn, aber auch Frauen und Jugend der ganzen Welt, an der Arbeit, den Völlersrieden zu organisieren durch das Mittel des Rechts und die Macht moralischer Kräfte. In der Eröffnungsrede der diesmaligen 9. Versammlung des Völkerbundes in Genf am 3. September sagte der Präsident des Bölkerbundrates, der sinnländische Außenminister Procope: „Tie Idee der Universalität charakterisiert den Völkerbund, und das Gefühl, daß die besonderen Interessen jedes Staates mit den allgemeinen Interessen der Menschheit zusammen fallen, ist seine Hanpbgrundlaae, die durch den Weltkrieg nicht nur nicht verwischt ist. sondern im Gegenteil sich mit gebieterischer Notwendigkeit geltend macht/ Und auf der Interparlamentarischen Konferenz wurde der Grundsatz proklamiert, daß auch im Verhältnis der Staaten zueinander kein anderes sittengefetz zu gelten habe als das der Einzelmenschen für ihre wechselseitigen Beziehungen. Damit ist ganz im Sinne altjüdischer und altchinesischer Etaatsaufsaffung einer besonderen Staatsmoral. die vielfach nichts anderes war als „Machiavellismus", das llrteit gesprochen. Niemand unter uns wird nach den Erfahrungen der miterlebten 20 Jahre, von überschwänglichem Dptiinismus erfüllt, sich der Erinnerung an den „letzten" Krieg hingeben, aber der heutige Friedenswille der Welt, gefördert durch die fortschreitende Kenntnis von der Wirkung eines Giftgaskrieges, durch den freien Austausch der Ideen, durch Verkehrsmittel bisher unbekannter Art. wird aus den: Anfang zur Ausführung einer Tat allmählich doch die Tat selbst werden taffen, lieber die gesamteuropäische Aus dem Inhalt: . Rabbiner Dr. ffofi’erscr (Hamburg): Dus Wunder, Betraddung zum Chanukhuhlesi, — Araofd Lazarus (Frankfurt cs, M.); „Idi sudite dich, mein Judentum . Aus Briefen von Nahida Ruth Lazarus. — Aas der Heimat ge sdiidite der badischen Juden,