Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- Seite 557 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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toKt I 7 Serlin, S. Oktober 1923 Vll. Jahrgang * Nr. 40, Einzelnummer 10 pfenrz^tz MMM lii? ÜÜWW WM,..,. HS ^4, Eine mnerjüdischZ AusspraHe. Von Rechtsanwalt Karl Löwenstein (Aachen), Or. Rudolf Stahl (Bad Aau-eim), Or. Erich Hirschberg (Oppeln), Or. Friedrich Brodnitz (Berlin). Zn der Nummer 24 der „C. V.-Zertung' schrieb Dr. Friedrich Brodnitz einen Aufsatz Zionismus oder jüdische Gemeinschaft?' Zu diesem Artikel äußern sich im folgenden verschiedene Freunde aus dem Reiche. Wie Zu erwarten war, fallen diese Aeußerungen nicht einheitlich aus. Sie beweisen, wie verschieden geartete Ansichten unter dem einigenden Lach des E. D. Platz finden. Die Schristleitung. pflege des Deutschtums. — Zuerst Ofljudenarbeit. Zn einer beachtenswerten Denkschrift, die Dr. Friedrich Brodnitz gemeinsam mit Kurt Cohn und Ludwig Tietz, als den Wortführern eines Teiles der C. B.-Jugend. der Hauptversammlung des C. V. 1928 überreicht batten, wurde ausführlich die Stellung des C. D. zu einigen jüdisch-politischen Problemen erörtert. Da die Schrift zu Vielsachen Mißdeutungen Anlaß gab, hat Dr. Brodnitz die Eedankengänge der Denkschrift unter dem Titel .Lionismus oder jüdische Gemeinschaft' in Nr. 24 der „C. B.-Zeitung" nochmals kurz zusammengefaßt. So sehr man vielen der Ausführungen von Brodnitz zu stimmen wird, so treten doch in mehreren Punkten über Charakter und Ziel der C. V.-Arbeit so falsche Auffassungen zutage, daß eine Richtigsiellung angebracht sein dürste. . Friedrich Brodnitz .geht davon aus, daß im C. V. bisher zu einseitig die „unbeirrte Pflege deutsäjer Gesinnung" betont worden sei. Er fordert deshalb, daß unsere praktische Arbeit stärker auf das Judentum konzentriert werde. Er schreibt: „Wir haben der alten Formel: Unbewußtes Judentum und betont gepflegtes Deutschtum, die veränderte Fassung: selbstverständliches Deutschtum und bewußt zu verarbeitendes Judentum gegenübergestellt." Den Ausdruck „selbstverständliches Deutschtum" formuliert er in der Denkschrift noch deutlicher mit den Worten: „Nicht l^ewußtes Deutschtum der Rede, sondern unbewußtes Deutschtum des Seins.' Schon dieser Ausgangspunkt ist falsch. Selbst wenn bisher im C. V. der Fehler gemacht worden wäre, über der Pflege des Deutschtums die Pflege des Judentums zurücktreten zu lasten, wäre es dann richtig, setzt in den umgekehrten Fehler zu verfallen, nur da§ Judentum zu pflegen, unter Vernachlässigung des Deutschtums? In der Praxis der C. V.-Arbeit kann aber in Wirklichkeit von einer einseitigen Pflege des Deutschtums nicht die Rede sein. Die satzungsgemäß festgclegte Neutralität in religiösen Fragen bedeutele nie Jndijserentismus in jüdischen Dingen. Vielmehr haben alle maßgebenden Führer des C. V. die Pflege des Judentums neben der des Deutschtums gefordert. Ich erinnere an Eugen Fuchs, der als unser Programm und Losungswort die Synthese zwischen Religion nud Vaterland, von Deutschtum und Judentum r,instellt; - ich erinnere an die Forderung von Ludwig Holländer der Erziehung zum jüdischen Mensä^en, an die schönen Worte des '.Philosophen Hermann Cohen: „Wenn wir als Deutsche Indem als Juden Deutsch) bleiben wollen, jo nursscn wir unser Verhältnis Zum Judentum ebenso befestigen und vertiefen wie das zum Deutschtum." Wir sehen also,, daß gerade die Männer,'die wohl meisten zur Fortbildung der Ideologie des C. V. .beigetragen haben, stets dw Pflege berder Seiten unseres S^ins gesorderL haben. Es ist auch irrig zu glauben, daß unser Deutschtum — weil es „selbstverständlich" sei — nicht mehr betont c^er verarbeitet zu werden brauche; denn wenn wir C. D.er auch unser Deutschtum als eine Selbstverständlichkeit, als einen Teil unseres DesenS empfinden, wird nicht gerade vielfach die Echtheit dieses Gefühls von Zionisten und Antisemiten bestritten? Aber weiterhin: jedes Gefühl, das nicht gepflegt wird, erkaltet, wie jeder Muskel, der nicht gebraucht wird, erschlafft und schließlich einschrumpft. Ein Deutschtum, das wir „unbewußt" auf uns einwirken lagen, kann schließlich aus unserem bewußten Willen verschwinden. Schon heute ist nicht so sehr die Besorgnis begründet, daß weitere Kreise unserer jüdischen .Lugend" zu sehr ihr Deutschtum betonen, als die andere, daß sie sich allzusehr von allgemeinen deutschen Bestrebungen fernhalten. Sie i[t_ in jüdischen Jugend-, Turn- und Sportvereinen, jüdischen Studentenverbindungen,?ronLbünden, jüdischen geselligen und Verufsvereinen, jüdischen ogen usw. organisiert, und sie findet kaum mehr Zeit und öust, sich" in interkonfessionellen Organisationen, in denen sie vielfach gern gesehen wäre, zu betätigen. Ein Heber maß jüdischer Vereinsarbeit kann zu so einseitiger jüdischer Lebensbetätigung führen, daß der Sinn für die Betätigung im nichtjüdischen Gemeinschaftsleben verloren geht und daß wir d r e Ausschaltung aus dem öffentlichen Leben, biedre Antisemiten erstreben, selbst auf das krästigste fördern. Damit soll die Berechtigung dieser Vereinigungen, deren großen Wert imb Notwendigkeit ich durchaus anerkenne, nicht in Frage gestellt werden. Sie werden auch schädliche Folgen leicht vermeiden können, wenn sie bei ihrer Arbeit auch die Verbundenheit mit den allgemeindeutschen Jnteresten stärken, wenn, um nur ein Beispiel anzuführen, etwa die Turn- und Sportvereine es vermeiden, die jüdischen Turner und Sportler aus den interkonsessionellen Vereinen herauszuziehen, sondern im Gegenteil geeignete Mitglieder ermuntern, in diese hrneinzugehen. Aber vielfach wird die Pflege der allgemeinen deutschen jnteresten — und zwar meist aus einer falsch verstandenen „Neutralität" heraus — nicht in hinreichendem Maße beachtet. Wir sehen also, daß es schädlich ist, wenn wir nicht in gleicher Weise beide Seiten unseres Wesens fördern, und daß die Pflege deutscher Gesinnung, die niemals von uns in dem Sinne eines überbetonten ^Nationalismus verstanden wurde, keineswegs überslüssig ist. M& e&m M f-VBÜF* Oskar Hirschleid (Wien): Der 7. Oktober. — Dr. Bruno Glaserleid (Berlin): Soll ein Plärrer Zwietradit säen? — Dr. Kart Zielenziger (Berlin): Jüdische WirischaUslishrer des Auslandes.