Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 39 (28.9.1928)
- Date
- 1928-09-28
- Page
- Seite 541 (sequence 1)
- Language
- German
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7 Berlin, 2S. September 192S |wf«ot ^M-EBÄDZ KZWL^ 6 MMWMLW Allgemeine Zeitung des Judenrums Bicrteljavrsaoourreurettt 3,20 NM. tzuzüal. Leftellgeld). Verlag u.Schriftleitmrg: Berlin 8UV§8. Lindenfir. 13 .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 5594. 356Z. .:. ^ostschcckksnto: Berlin. 30Z72. .:. Danttouto: Dresdner Bank. Wechsel« Kube O. Berlin 8^V 6^. Lindenstr. 7. und ron Goldschmidt-NothschiU) & Co.. Berlin W 8. Lllkiniae Anzeigenanrahme: L?nnonce n-Exp eürtion Rudolf Mosse. Berlin 8^ 19. und deren Filialeu. Anzeigenpreise: 6.90 Mt für öie 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmeffer Rr. 4. Farnilienanzergen und Stellengesuche (nicht Stellenangeboie) iür Mitglieder 0. Ecvrra'vereins 6.15 JIM. die SO cim breite Reklamezsile 4.80 Ji.lL gMdaiMBgS31SHBi^^ Oie neue Littivttäk -er Rationalsozialisten. — Die Mittwochsarbeit der Sturmabteilung. — Mehr als zehn Personen überfallen. — Ermittlung der Täter. — Ein merkwürdiges -.Bedauern^. In Bremen und in Oppenheim a. Rh. haben in den letzten Tagen nationalsozialistische Trupps Juden oder Personen, die sie für Juden hielten, überfallen und schwer mißhandelt. Daß sie, wie in Oppenheim a. Rh., sich dazu den höchsten jüdischen Feiertag ausgesucht haben, erhöht noch die Roheit ihres Vorgehens. Diese Ueberfälle sind der Ausfluß einer Agitation, die seit einigen Wochen bei den Nationalsozialisten wieder in verstärktem Maße eingesetzt hat. Redner und Presse haben neue schwere Angriffe begonnen. In der letzten Woche sprach Hitler in Dresden vor Tausenden von Hörern: die märkischen Nationalsozialisten rufen zum Ende dieser Woche zum „M ä r k i s ch e n Tag" im Berliner Sportpalast, dem größten aller Berliner Säle, auf, und in allen Cauen finden Kundgebungen statt. Die Aktivität, zu der bei solchen Versammlungen arssgesordert wird, der Aufruf zum „Handeln", der in der Prepe ständig wiederholt wird — dabei die dauernden Angriffe gegen die Juden —, müssen notgedrungen Gewalttätigkeiten herbeiführen, auch wenn die oberste Leitung vor Unbesonnenheiten warnt. Die Eauleitung Weser-Ems der N. S. A. P. D. hat „mit sofortiger Wirkung die gesamte Ortsgruppe Bremen einschließlich der S.-A. aufgelöst", da die Hitler-Partei „Ausschreitungen. wie sie in Bremen vorgekomnlen sind, nie dulden" werde.- Diese Auflösung ist erst erfolgt, nachdem die Oefsentlichkeit sich mit den Borgängen beschäftigt und sie in Grund und Boden verdammt hat. Wäre diese Haltung der N. S. A. P. D. ernstlich gemeint, so hätte sie schon nach den ersten Ueberfällen vor Wochen einschreiten müssen. So kann sie nur'noch als eine Geste aufgefaßt werden, um die besonneneren Elemente in ihren eigenen Reihen zu beruhigen. Ueber die Ueberfälle in Bremen wird uns im einzelnen mitgeteilt. W. G. Bremen, 25. September 1923. Durch die Presse des In- und Auslandes ist die Meldung von den unerhörten nationalsozialistischen Terrorakten in Bremen gegangen, deren Opfer sogar ein ausländischer Konsul wurde." Will man ergründen, wie in der sonst so ruhigen und behäbigen Hansestadt solche Vorfälle überhaupt möglich geworden sind, so muß man schon einen kurzen Blick in die jüngste Vergangenheit werfen. Die Reichstagswahlen im Mai dieses Jahres brachten den Bremer Ortsgruppen der antisemitischen Parteien eine schwere Niederlage. Bon den etwa 170 000 abgegebenen Stimmen Erhielten: 1924 1928 Verlust Völkische .... . 8800 1850 — 65 % Nationalsozialisten . 8800 1 286 — 65 % Deutschnationale . . 18600 11300 — 39 % Dieses Ergebnis hatte eine fast vollständige Lähmung der Deutschnationalen und der völkischen Freiheitsparteiler zur Folge. Die beiden Parteien haben sich bis heute jeder politischen Tätigkeit enthalten. Anders die Nationalsozialisten. Zwar verursachte die Niederlage nach der großen Wahlagitation und den überfüllten Versammlungen auch hier erheblichen Katzenjammer, doch gewann der unentwegte Betätigungsdrang der meist jugendlichen Mitglieder bald wieder die Oberhand. Es gelang den „Führern" eine Art Revanchestimmung zu erzeugen: „Nun erst recht!" Die neue Aktivität machte sich zunächst im Ankleben von allerlei blutrünstigen Plakaten ohne Unterschrift und Druckfirma Luft. Als die Polizei, diesen Unfug.'unterband, sannen die Hilter-Leute auf neue Taten. Jeden Mittwoch kam der Kern der „Nationalsozialistischen Arbeiter - Partei", die „Sturm - Abteilung" (S.-A.), in einem Vorstadtlokal zusammen und berauschte sich an Alkohol und den Hetzereien des „Angriff" und des „Völkischen Beobachters". Man beschloß, auch etwas für die „nationalsozialistische Revolution" zu tun, nämlich „Juden zu verhauen". Eine Gruppe von sechs bis zehn jungen Burschen suchte nach der Versammlung die Hauptverkehrsstraße vom Bahnhof zum Markt auf und schlug dort ahnungslose Passanten blutig, nur weil diese dem Aussehen nach hätten Juden sein können. Die Täter ließen über ihre antisemitischen Beweggründe niemals einen Zweifel. Aeußerungen, wie „Du verdammter Jude" oder „Du willst wohl mal das Hakenkreuz kennenlernen", wiederholten sich immer wieder. Als dem Vorstande der Bremer Ortsgruppe des C. V. der erste Ueberfall gemeldet wurde, setzte er sich sofort mit der politischen Polizei in Verbindung. Es gelang bald, den Kreis festznstellen, in dem die Rohlinge zu suchen sein mußten. Schon, daß die Ueberfälle stets am Mittwoch nach der nationalsozialistischen Versammlung erfolgten, führte auf die richtige dem M Schwere nationalsozialistische Äusschrei- W imtgen in Oppenheim» — Br» R» Hmrichsen H (Hcmfosirg): Wer hindert das Staatsbewusst» W sein? — Ludwig Holländer: Der Liberaiis- W mus und die ileuischen Juden» — Br* Leo H Hacek und Br» Julius Charig: Die jüdische Gemeinde im neuen Deutschland» 1