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Central-Verein-Zeitung · 1928-09-21 · 38 (21.9.1928) · p. Seite 529

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
38 (21.9.1928)
Date
1928-09-21
Page
Seite 529 (sequence 1)
Language
German
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! > L Srrlkn, 21. September I92T VU. Jahrgang ♦ tlr. 39 Cinstlnnmmtr 10 pfrnaig f ifef *1 j*» |5,}.-^~**u7*T'Jyl9 | LMKZe5-MtzV^ >s^fpW?<?T M)6.R 2 Allgemeine Zeitung des Judentums Verlag »r. SchrUtleitung: BerlrrrLWes. Llndensrr. 13 .:. Fernsprecher: Brnt Dönhafk 2594.3595. .:. ^ostschec?ronto: Berlin 30472, .:. Bankkonro: Dresdner DauL. Dechlrl« stube O. Berlin 8^' 6*. Lmdenstr. 7. und ron Soldschmidt-Rorhschild & Co.. Berlin W 3. Lllelnlge Anzekgenannahme: Tnnoncen.Cxpcdltion Rudolf Moste. Berlin SW 19. un& deren Filialen. Anzeigenpreise: OLü für die 7gekp2ltene Zeile nach Rudolf Mssirs Kormalzeklenmcner Nr. 4, Famittsnanzeigen und Stellengesuche (nicht StellenangeLo te) für Mitglieder d. Cevlraloereins 0.4L JUL die VS mm breite Reklanrezrile 4LS JUL vU# $ä»6t Wir begannen in der letzten Nummer unserer Zeitung Jacob Dastermanns Vortrag „Z u d e n t u m", den er auf der Reichen« Haller Tagung der „Deutschen Vereinigung für staorswisserrschaft«. liche Fortbildung" hielt, zu veröffentlichen. Heute dringen wir den Schluß. Die Echriftleitung. Der Jude, namentlich der religiöse Jude, ist sehr empfindlich gegen alle Angriffe auf seine Religion. seine Ueber- Lieferungen und die RemheÜ seiner Ueberzeugung. Aber um das offenbar Absurde, die verleumderische Verdächtigung schlechthin abzuwehren,' dazu fehlt es ihm sehr oft an Stolz. Bei Gelegenheit des Tisza - Eszlarer - Prozess, des Hilsner- Prozesses, des Kiewer Ritualmordprozeges, also noch im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, ließen sich die westeuropäischen Juden von den berühmten Professoren aller Lander, von Bischöfen, von regierenden Herren Gutachten ausstellen, daß ein Mord aus rituellen Gründen im Judentum niemals verübt worden sei, und daß die religiösen Gesetze eine solche Tat verdammten. Ich finde, das geht zu weit. Dünkt es dem Juden unerläßlich, sich seinen Leumund amtlich und wissenschaftlich bescheinigen zu lasten, so werfe er einen Blick in die vergleichenden Statistiken der Verbrechen, verfertige eine Liste seiner Trunkenbolde, seiner Mörder-seiner Syphilitiker und fordere vor dem Tribunal der Menschheit einen Spruch, ob irgendwelche Gewalttat, irgendein Rechtsbruch, den er begangen, sofern er ihn begangen, auch nur ein Schatten von Sühne sei für die zahllosen Metzeleien, denen die verflostenen Jahrhunderte nichts von ihrer '^chauerLichkeit genommen haben, für die Einschränkungen und Erniedrigungen, die Hast in abgesperrten Vierteln, die Verfemung, die'Schandabzeichen, die immer wiederholte Vertreibung von Zbaus und Hof und Stadt und Land; mit dieser Vergangenheit auf dem Rücken sich sein Wohlverhalten attestieren lasten, ist ungefähr so, wie wenn einer, der aus dem Hinterhalt mit vergifteten Pfeilen beschossen wird, ansrnft: „Warten Sie ein wenig, bis ich mein Schulzeugnis geholt habe." Im Hinblick auf die Selbstverständlichkeit der Leidenserduldung zeigt die spezifische jüdische Anekdote zuweilen einen geradezu bitteren Tiefsinn. Ein galizischer Hausierer wandert mit seinem Söhnchen durch ein Bauerndorf und wird von Kindern mit Steinen beworfen; als der Knabe sich bückt, mn einen Stein auszuheben lind zurückzuwerfen, ruft ihm der Vater beschwörend zu. indem er drohend den Arm gegen die Verfolger reckt: „Tu's nicht, mein Jüngelchen, sie sollen sich das nur angewöhnen." Auf den Kommentar dazu verzichte ich. Eine beinahe tragische Schwierigkeit sozialer unh geistiger Art entsteht für diejenigen Juden, die sich in die europäische Kultur eingelebt haben oder sogar an ihr tätig rnitarbeiten, ohne doch imstande zu sein, völlig ein Gefühl in sich zu bekämpfen. das ich die Stanuneserinnerung nenrierl möchte, und bas. auch bei sonstiger humaner Lebensgestaltung, sehr häufig als Verkrampftes Ressenjiment in der Seele verbleibt. Darüber Zu siegen und es in freier Menschlichkeit aufzulösen, erfordert nicht nur. einen entjchlostenen Gerechtigkeittzwillen, sondern auch die Einsamkeit einer selbstseienden Persönlichkeit. Vor drei Jahren brachte eine deutsche Zeitschrift, die nach ihrer eigenen Angabe für kulturelle Erneuerung wirkte, aber trotzdem wenig beachtet wurde, ich -glaube kaum, daß sie noch exiftiert; einen an mich gerichteten offenen Brief, worin mir neben mancher guten Zensur und anerkennenden Feststellung der Vorwurf gemacht wurde, als zeigte sich in meinen Schriften eine gewisse Tendenz, das Schädlingswesen in. der Literatur und im öffentlichen Leben, insofern es von Juden ausgeht, zu verschleiern oder zu verschweigen. Ich fand mich'verpflichtet,- die klug und anständig -gehaltene Epistel zu beantworten. Ich erzählte dem jugendlichen Verkäster, daß, als vor dreißig Jahren mein erster Roman, „Die Juden von Zirndorf", erschien, in den engeren , jüdischen Kreisen meiner fränkischen Heimat helles Entsetzen über dieses judenfeindliche Buch entstand. Tenn man betrachteLe es durchaus als juden- .feindlich. Das Niederschlagende ist ja, daß keine nationale- Empfindung irgendwelche Kritik verträgt, nicht einmal Kenrz-.. zeichnung; was verlangt wird, ist im Grunde immer lammsfromme Schönfärberei. Das ist bei den Juden nicht anders als bei den Deutschen und bei den Franzosen. Ta liegt ja auch die Wurzel von allem Chauvinismus. Ich empfahl dem jungen Autor, das Buch zu lesen, er werde darin finden, was fein offener Brief von-mir gefordert, in einem Ton gefordert, als hätte ich es zeitlebens Unterlasten, nämlich Abrechnung, Scheidung der Elemente, und zwar ohne Kompromiß und ohne Sentimentalität. Ich bat ihn auch, zu beachten, daß.ich in meiner autobiographischen Schrift die Trennungslinie mit aller nur wünschbaren Deutlichkeit und Schärfe gezogen' habe. Auf das Gestalthafte, das heißt nicht unmittelbar Ausgesprochene eigens zu verweisen, hielt ich für überflüssig, das wird entweder gesehen und empfunden, dann ist es da, oder nicht gesehen und nicht empfunden, dann helfen auch die Worte, nicht. Der gestaltende Schriftsteller sieht sich immer wieder vor der baren Unmöglichkeit, zu formulieren, was. er bereits geformt hat. Ein - wirkliches Kunstwerk ist ohne Gerechtigkeit nicht denkbar; sie wohnt ihm naturgemäß imie, sie ist sein Sinn und Kern. Wer Anschauung besitzt, gehört . keiner Partei an. Ich sagte diesen: Gegner: „Da Sie mich zu denen zählen, die btc Welt durch Kunstwerke bereichert haben, W l§ Rabbiner Dr.MaxEschelhudier (Düsseldorf) t Der Friede des Herzens," —- Wolfe? von Molo (Berlin) t Tollwut, — Georg Hermann, AU red Levi, Robert Nemnann t Unsere Aaigaben im neuen Jahr, — Ans der Kleinarbeit des €, V,

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