Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 35 (31.8.1928)
- Date
- 1928-08-31
- Page
- Seite 477 (sequence 1)
- Language
- German
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ii M I s li^ SeMtt, 3LMgust1-2§ VII. Jahrgang ♦ Nr. 35 Einzelnummer JO Pfennig to<M m PWLMMW Viertelrahrscrdonnement \ Allgemeine uuuciuuiu^ 1,20 RM. (auaügt. SBcfteUgeU». Beiles u.SchiiftleiLunL: Berlin 8V^ 63, Lindensir. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595. .:. Bosricheckkonw: Berlin 30172. .:. Bankkonto: Dresdner Bonk. Wechle^ stube G, Berlin SW 63, Lindenslr. 7, und von Goldschmidt-Rothichrlö L,Lo.. Berün W3. . . f<cm - Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen.Expedition Rudolf Moffe. Berlin 8V/19, nnd deren Filialen. Anzersrnprene: 0,90 JUI rür b:e . gr, p alte ne oen e nach RuLost e?? " N-. orv i?▼?_ or «. . #* r . «Xi A-r*. _^ CVT\1 l .ri.V-- V A // hi« rr\ CPAl'/>rTTe»2i>HA £ R'J 7? U. f\ vv Ts» Weller Bleem. Wir begrüßen den wertvollen Beitrag, den Walter Bloein, der bekannte Schriftsteller, hiermit zur Judensrage liefert. 'Es tut dabei nichts,. daß wir ihm oft nicht folgen tonnen. In der Aufsagung' der Begriffe „Nation" u. a. geht er seinen eigenen Weg. Seine Worte sind aber so vom Ringen um die lautere Wahrheit und von so schöner Wa r mhe rzig ke i L erfüllt, daß wir nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame in den Vordergrund stellen möchten. Die Schriftleitung. In meinem Buche „Weltgesicht" habe ich eine Auseinandersetzung mit den großen ethischen und volktichen Problemen der Menschheit unserer Gegenwart und der nächsten Zukunft unternommen. Ich habe ein Weltbild entworfen, wie es sich meinem durch Weltkrieg und Weltreise geschärften und erneuerten Auge vorstellte. Dem Judentum in diesem Dild^einen besonderen Platz anzuweisen war keine Veranlassung. Seit zweitausend Jahren ist das jüdische Volk, aus orientalischem Stamm hervorgegangcn, ein Bestandteil abendländischer Menschheit — wenn auch in einer Sonderstellung, die aber in der großen Schicksalslinie, die ich zu zeichne:: versuchte, nicht bemerkbar hervortritt. - Ihre Redaktion hat mich aufgefordert, die Stellung des Judentums in meinem Weltbild eingehender darzustellen. Ich folge dieser Anregung mit Vergnügen. Ich ging von der These aus: eine Nation sei ein Verband von Menschen, welcher weder durch Rassengemeinschaft, noch durch staatliche Bindung, noch auch durch gemeinsarne Kultur zusammengehalten werde, sondern d u r ch g e m e i n - fame Ideale. Wenn das richtig ist, so ist das Judentum ganz unzweifelhaft eine Nation. AberLe hat ein Schicksal erlebt, das sie von allen anderen Nationen des Erdballs unterscheidet. Allen anderen ist es gelungen, einen hohen Prozentsatz ihrer geistigen Angehörigen, also der Gläubigen ihrer Ideale, auf einem :nehr oder weniger scharf umgrenzten Erdabschnitt zu geschlossener Siedlung zusammenzufassen und durch mehr oder weniger einheitliche Staatsformen zusammenzuhalten. Das Judentum so gut wie allein — neben ihm kommt nur das kulturell zahlenmäßig belanglose Zigeunervolk in Betracht — ist eine Nation ohne Land und ohne Staat. Das Judentum ist zersprengt und in andere Nationen eingesprengt worden. Diese bis zur Trivialität weltbekannten Tatsachen bedingen sein Sonderschicksal. Ich habe auf die Paradoxe, aber unausweislich feststehende Tatsache hingewiesen: daß der Mensch zwar nicht seine Rasse und seine Kultur, aber seine Nation wechs eln kann. Solange das Judentum, um einen schwer zu umschreibenden Tatbestand auf die einfachste Formel zu bringen, im Ghetto lebte, kam ein Wechsel der Nation weder für den einzelnen Juden noch für die Gesamtheit des Judentums in Frage. Allerdings gelang es schon damals einzelnen Juden, sich aus dem Ghetto sreizukämpfen, zur Nation des „Wirtsvolkes" hinüberzuwechseln und in ihr auszugehen. Als zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Emanzipation den größten Teil der Schranken beseitigte, welche das Judentum von seinen „Wirtsvolkern" (ich gebrauche dies Wort natürlich als Abkürzung ohne Nebensinn) trennten, da erst tauchte für das Judentum in seiner Gesamtheit und jedenfalls für zahllose seiner einzelnen Angehörigen die Möglichkeit eines Nationalitätswechsels aus und wurde in zahllosen Fällen ergriffen. Seitdem erst besteht in weltbewegendem Matzstabe das jüdische Problem. Die Frage nämlich: ist es möglich und wünschenswert, daß das Judentum in seiner Gesamtheit auf seine Nationalität verzichte und im Wesen seiner zahllosen „Wirtsvölker" sich ausiöse? Dern einzelnen Juden steht zweifellos wenigstens theoretisch die Option frei: die Wahl, ob er seine jüdische Nationalität beibehalten oder die seines zufälligen „Wirrsvolkes", vielleicht auch die einer beliebigen anderen der lebenden Nationen annehmen will. Die Entscheidung, ob eine solche bestehende formelle Möglichkeit auch vom charakterlichen, volklichen, kulturellen, konfessionellen, rassischen Standpunkt möglich und wünschenswert sei, läßt eine schier unübersehbare Fülle von Einzelproblemen entstehen, lieber ihrer verwirrenden Mannigfaltigkeit schwebt die Kardinalsrage: Ist für die Gesamtheit des Judentums und für die ihm gegenüberstehende nrchtjüdnche Menschheit die Auslösung des Judentums in die Völkerwelt, die „Amalgamierung", einerseits wünschenswert, andrerseits möglich? 1. Daß eine politische und rassenmäßige Amalgamierung theoretisch möglich ist — bedarf keines Nachweises. Unzählige Völker der Vergangenheit sind „verschwunden", das heißt amalgamiert worden. Ich erinnere nur an die Griechen. Eine ganze Rasse, die rote, ist so gut wie „ausgerottet", das heißt, da Massenvernichtungen nur selten stattgesundeu hgbeu. Aus dem „edlen“ Ungarn. Von V — Mondnaiut} Rabhinasmus und CkeskeU Itass» Von Bezirksrabbiner Br» Beer mann (Heilbronn). — Lord Beaconslield* Von Dr. Ernst Feder (Berlin).