Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 33 (17.8.1928)
- Date
- 1928-08-17
- Page
- Seite 453 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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""Serlin, 17.ftuguft J9>$ VII. Jahrgang ♦ Nr. 33 Einzelnummer 10 Pfenni j MUL? ßUMLÄrÄUM'^ J. 0mm öss ßaiMKötSfes öE 6te £3®f Äll^emeine ZeüunQ des Dudenrums J.s®o,«aaw»‘^ denstr. 13 .:. Fernspreäzer: ArnL Dbnhofs A594, Z595. .:. PostMckko 6. Berlu: 8^V 66. Lindrnftr. 7. und eoti Goldschmidt-Rothschild Edition Rudolf Mosse. Berlin 8^V 19. und deren Filialen. Anzeige _ .... . .. .. er Nr. 4, FamUienaitzeigeu und Cteü-NLssuchL (nicht Siellenangc^sre) für Mitglü'Ler d. Grvtrawereins 0,35 JM.. bie 90 mm dtette Reklamezrite 4.80 Setlag u. Cchriftleitturg: Berlin L'iV 68. Linden' . ftuds 6. LLeinkge Anzeigenannahme: Bnnoncen..Expeditic> Normalzeilenmesser Nr. 4, §a "' Änts: Berlin 80472. .:. Danttonto: Dresdner Dank, Wrchse!- & Go., Berlin W 8. Anzeigenpreise: 0,90 JtJi für die TgefpaUcne Zeile nach Rudolf Mosses ' " ' " ‘' 9t) mm breite ReklamezrUe 4.80 '■ ■/,:'!!!«; ■■ : . T ,. r: j;;;;;;:;; ■ &&WyVW'i? m MsfeM S§. K. AWs, oröMWm AMlsr m m WverWt LeWg. }vi }/$0vv W/6v./ *>&♦ In diesen Tagen tritt in Berlin die Jüdisch-liberale Weltverb and-tagung zur Au-sprack-e über religiöse Fragen der Gegenwart zusammen. Tie besonderen religiösliberalen Probleme etwa hier Zu würdigen, liept_ jenseits unserer Aufgaben und unserer anerkannten religiösen Neutralität. Als Gruß aber an diejenigen jüdischen Männer und Frauen, die mit innerstem Interesse für unser Judentum sich zu der Tagung unter Leitung von Männern wie Claude G. Montefiore (London) vereinigen und sich um das Judentum. große allgenieine Derdiensie erworben haben, veröffentlichen wir einen Aufsatz über ein Thema, das alle Juden, gleich welcher religiösen Richtung, am tiefsten berührt: „Die Bedeutung der Bibel in der Kulturgeschichte^. Tie Tagung wird sicher reichlich Gelegenheit bieten, die Frage vom jüdischen Standpunkt zu behandeln. Dort, wie auch in anderen Kreisen unstrer Freunde, wird man nicht mit allem einig gehen, was der hervorragende Leipziger Gelehrte hier niedergelegt hat. Aber jeder in unseren Reihen wird die hier veröffentlichten Ansichten und Feststellungen von nichtjüdischer Seite zu würdigen wissen, sei es als willkommene Anregung, sei es als ein erfrischendes Bekenntnis zu dem Buche, das seit Urzeiten der lebendige Quell der Religiosität aller Völker ist. Die S ch r i f t I e i 5 u n ß. Von der allgemeinen Bedeutung des Alten Testaments sprechen, heißt ein großes und sehr vielseitiges Stück der Kulturgeschichte entrollen. Denn dabei handelt es sich darum, die reichen Beziehungen und Auswirkungen des Alten Testaments in der Geistesgeschichte mehrerer Jahrtausende zu erfaßen. Das Schicksal dieser Schristensammlung an sich schon ist merkwürdig genug. Das Alte Testament umfaßt die Reste einer alten orientalischen Volksliteratur, die ihrem Ursprung nach nur der Besitz eines kleinen Volkes sein konnte, in einer Sprache geschrieben, die von einer Zahl gesprochen wurde, die den großen' Kulturvölkern des alten Orients gegenüber gering war. Die Erhaltung dieses Buches allein schon ist ein geschichtliches W u n d e r. Daß es aber ein B e s i tz der Menschheit geworden ist, bedarf der Erklärung. Nach drei Richtungen hin ist das Alte Testament in der Kulturwelt wirksam geworden: als literarisches Gebilde, als religiöses Urkundenwerk und als ein Werk, das größte k ü n ft l e r i s ch e Werte der Kunstgeschichte gegeben hat, das der M a l e r e i, P lastik, 'Dichtung und M u s i k unvergleichliche Anregungen vermittelt hat. Fragen wir zunächst nach der Stellung des Alten Testaments in der Weltliteratur, o muß man sagen: Es gibt kein literarisches Werk, das an Weite und Tiefe der Wirkung dem Alten Testament gleich- '*Vl.cL& Behauptung mag vielen überraschend scheinen, ^vco oergierLM wir die größten m-o wirümg-sreichsten Werke, jo (tegen sie alle dem Alten Testament nach. Vielleicht kann mrt ihm-am ehesten Homer verglichen werden, der die Bildung des Griechentums bestimmte und bei den Römern durch Bergil eine Nachwirkung erlebte. Aber seit den; Untergang der Antike versank auch Homer; selbst dem griechischen Osten wurde er fremd. Im Orient ist eine syrische Uebersctzung verschollen, wahrend bei den Arabern Homer nur einmal genannt wird; hier aber erscheint er unter den Aerzten. Mit der Renaipance wurde Homer wieder entdeckt, und die humanistische Bildung hat ihn den Gebildeten wiedergegeben. Aber trotz der Uebersetzungen und trotz Goethe ist Homer kein volkstümliches Buch geworden. An Wirkung im Orient wie im europäischen Mittelalter könnte man noch Aristoteles dem Wen Testament nahestellen. Er hat auf die mittelalterliche Philosophie den bestimmenden Einfluß geübt, der von Bagdad bis Paris und Köln reichte. Aber seine Wirkung blieb doch auf die Gelehrten beschränkt. Auch die bedeutendste Leistung der Römer, das Corpus iuris, hat wohl in Italien und Deutschland eine tiefe Wirkung geübt. Spanien, Frankreich, England und der Norden haben aber an den germanischen Rechtsformen festgehalten. Suchen wir die großen Dichter auf — Dante, Eervantes, Wolfram, Shakespeare etwa —, so haben sie alle eine durch Sprache, Nationalität und Kultur begrenzte Wirkung, vor allem sind sie alle nur der Besitz einer höheren Schicht der Kulturrvelt geworden. " Dem steht das Alte Testament gegenüber. Es ist aus den Schranken seines Voltes und seiner Ursprache gelöst, indem es ins Griechische, das heißt in die antike Weltsprache, übersetzt wurde. Das hebräische Original wäre niemals außerhalb der jüdischen Gemeinde bekannt geworden. Aber in der griechischen Wellsprache wurde es ein Buch der Weltkultur. Das hat einen beferen Grund. In seiner griechischen Gestalt trat das Alte Testament in eine geistige Welt, die innerlich vorbereitet war, es aufzunehmen. Im antiken Seelenleben war das Bedürfnis nach Gewißheit, nach Lebensführung erweckt, die den Gebildeten i>ic absterbende Religion, und den breiten Massen die Philosophie nicht bot. In diesem Sinne hat das werdende Christentum das Alte Testament auch als seine heilige Schrift „Ihr“ System. Fon — Rüdksdian aul das Wiener Sängerlest* Von Oskar Hirsch* leid (Wien)* — Gibt es eine C. V*~Whsen~ schalt? Von Dr*F.Friedlaender (Berlin)*