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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1928-07-27 · 7 (27.7.1928) · p. Seite 20

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
4 (1928)
Issue
7 (27.7.1928)
Date
1928-07-27
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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M „Ve/' Lllnck" „Tie Abkehr von dem rvmauiischcn Ideal eines wNtrntcücktclt Lebens unter Gleichgesinnten die Hinrvendung zur Wirklich teil erforderte die Kristallisation der losen Gemeinschaften zu festen Bünden, die dem einzelnen Halt geben sollten, mit starker L>erausarbeiüurg der düridischan Idee, der eigenen Formen und Spmbvle." Tiefe Worte Rudi Daers in dem einleitenden Aufsatz des Heftes') über den „Weg der Jugendbewegung" deuten gleichzeitig ans Sinn und Zweck des vorliegenden Heftes hin: es soll Recl-ensihaft abgelegt werden über „Idee, Leben nnd Form" und die damit verbundenen Fragen, die für das bündifelre Leben der „Kameraden" charakteristisch sind. Ueber die „B ü ndische Erzieh u n g" berichtet Hermann G e r f v n. Ziel dieser Erziehung müsse die „Erneuerung des ganzen Menschen" sein. Von besonderer Wdeutung ist, was in diesem Zrgammeiilmng über den Intellektualismus gesagt wird, der gerade bei der jüdischen Jugend so oft hemmend ans die menschliche Entfaltung wirkt, über jenen Intellektualisten, „der es fertig bringt, seinen TenkapZmrat von seinem Gesamtsein loszulösen und sich so etwa einer Lebensfrage gegenüberznstelten, die den Kern seines Lebens gar nicht berührt". (Teile 4.) Hier gilt es einzugreisen und die oft von der Natur nütgegebcne Veranlagung, wenn nicht auszumerzen, so doch mindestens ab,zu schwachen? Ter zweite Teil des Aussatzes beschäftigt sich mit den Methoden der Erziehung, wie Famch Formew welt. Gruppenaufbau, Führervolkverhättnis. Charakteristisch für die Gesamtlage des deutsclzen Judentums ist die Jüdische Einstellung des Bundes. Blau empfindet eine Leere in dem unglückseligen Zwiespalt, der sich nir den jungen Juden ergibt, besten Irrdescin sich weder unter das Religiöse noch unter das Zimustisch-Ncckivnccke subsumieren laßt. Ein Trittes, was dieser „Schicht" iebenslm'rt erscheint, ist noch nicht vorhanden. Auch dieser „Scbickck' junger Juden im Bunde einen Rückhalt zu geben, ist. wie Gerhard Fein bei Betrachtung der .jüdischen Einstelln n g" sagt, fester Wille des Bundes. Ta diese Schicht zienckich groß und aus anderen Ledeusgebieten des Buudes treibend ist, so ist „das jüdische Leben des Bundes sebr gering". (Hermann Gersou.) „Aber," fährt er fort, „ein Positives ist allerdings in diesem Zustand: immer ist der, welcher nicht mit einer halben jüdischen Arbeit seine Leere übertüncht, sondern in der Spannung blockst und wartet, cher als der andere erwectungsbereit". (Seite Z7.) Nicht Zerwhreuheck, Ziellosigkeit, jüdische Münte resi'irrlhckt und wie die so oft gemachten Vorwürfe lauten mögen, spricht ans dieser Auffassung' sondern im Gegenteil ein entschiedener Witte, das Züdckclre nickst durch äußerliche und äußere landläufige „Betätigung" zu bagatellisieren, sondern von innen heraus um eine fest fundierte Beziehung zum Jüdischen zu ringen. Und wieoft ist gerade eine derartige ursprüngliche B-ejahung des Jüdisckxm bei der heutigen lleberorganisatiou des deutscl-en Judentums zu vermissen? „Tie Srganisirtion ist gar oft zum Zudcntumsersatz geworden", mußte Eduard Strauß ans der letzten Hauptversammlung des E. V. feststellen. Demgegenüber bedeutet es, gerade vom Jüdischen aus gesehen, ein Plus, wenn der Bund junge Juden allgemein menschlich so präwrmiert, daß sie, wie cm alle Fragen, so auch an die jüdische, mit einer neuen, tieferen, von innerlicher Beteiligung getragenen Betrachtungsweise^ Herangehen. Zrvei Koweaucnzen ergetnn sich aber ans der jüdischen Anpassung des Bundes, und beide kommen im Bundesblatte nicht dcwlich genug zum Ausdruck: Läßt sich die Verbundenheit des einzelnen mit dem Iüdisclnn nicht forcieren, jo muß doch Zinn mindesten der Boden genügend gelockert werden, und diejenigen, die den Kontakt bereits gefunden haben, tonnen nicht nur rein pccksiv das jüdische „Erlebnis" der anderen abwarteri, sondern müssen auch von sich aus immer und immer Wieder versuchen, aus diese Entwicklung beschleunigend zu wirken. Illrd -um zlveiten: So verrirteckenswert eine Bctätigirng im jüdischen Lelwn außerhalb des Bundes fein mag, lvenn sie aus vereinsmeierischen Triebcm rrnd obendrein noch unter der falschen Flagge „Jüdische Arbeit" geleistet wird, so notwendig und verpflichtend muß sie für denjenigen fein, der sich, was unumgängliche Voraussetzung ist, eine neue, innerliche Beziehung zum Jüdischen errungen hat. Tie Schilderungen des zweiten Teiles, „L eben und For m" benannt, geben ein geschlossenes DiLd über das Leihen und Treiben im Z ü n g e r e n b u n d. Wie weit allerdings eine Weiterentwicklung wach oben gewährleistet ist, möchte ziveisclhast erscheinen, wenn mau in dem Beitrag „Tic Pimpscngruppe" auf Seite 1ö liest: „Sieht mau al^r, nüe die Netteren einer nach dem anderen abiallen. für uns meist nickst mehr Da sind, nnd wird von den Pimpfen danach befragt, man in ächte schier verzweifeln am Sinn unserer Arbeit" Aber dieser, znm Teil geroiß berechtigte Stoßseufzer eines Pimpferrführers über eine Erscheinung, die sicherlich mehr aus Naturgesetz als auf Schuld beruht, findet Hanen Ausgleich Hm dritten Teil des Heftes, der Beuvrst, daß bereits ein Stamm chon Ae! tcren besteht, der sich mit den FraMN seiner weiteren Lelams- ^ostaltung anseinandersetzt. (B eruf: - Frrl; Heickrelmarn. Politik: .Fritz Krouenberger.) tteber die Möglichkeiten der „Sozialen bt r 5 ei t" schreibt Sieg Hirsch. Leider ist nur von d r sozialen Betätigung außerhalb des Bundes die Rede. Es wäre jedoch interessant, zu untersuchen, wie weit sich diese Arbeit in den Bund bineinverlegerr ließe. Auch ideelle Unterstützung, wie Pflegschaften u. a.. krunicu mcktt ändernd wirken, locil sic die soziale Frage pnr cki-gunee läsen wollen. Woraus es ^rber gerade der jüdischen Jugend ankonrmen muß, ist, mr Bunde eine gemeinsame Bans für alle sozialen schichten des Judentums zu schaffen. Nur durch di.se, wenn auch schwierige Arbeit, bei der der Witte entscheidender ist als der Erfolg, kann der verhängnisvolle soziale Zwiespalt, Der die jüdische Gruppe bedroht, einem Ausgleich nähergebracht werden. Ter vierte Teil des Heftes twschäckigt sich mit mehr Tarsachenmäßigem: Julius Freund bringt eine kurze E ri t w i ck l u ugs- Geschichte des Bundes, Hermarrn Gers o n eine Zusaunrwnstellukrg Der bisher erschienenen Zeitschriften. Den Abschluß bildet eine lehrrcickre Statistik über Atters- und W'rmsschickstung. Es war zu begrüßen, dich der Bund sich und der interessierten Außenwelt diese Reckx'ttsckrastslegm'.g schuf. Und es ist Ln hvisin. daß nickst nur Der fingierte „Tutet", denn Kurt Meherowitz in Form eures Briefes ch „Der Bund". Brrndcsblatt 1928 der „§tarneraden". Leraussegeben von Rudr Baer und Hermann Gerson. Zu beziehen znm Preise von 1 Mark durch Herbect Dobrin, Berlin ^'0 bä, Wiussuaße 2. . den Wert des Bundeslebens aufzuzeigen versucht (S. 20), sondern auch andere Leser bei aller Kritik an Einzelheiten, verstehen lernen, woraus der Wille der .B u n d.e s a r b e i t gerichtet ist: ..junge Menschen zu sich selbst bringen, - . . ihnen eine Welt voller Erlebnisse austun, . . . sie Härten gegen nranche Anbill von außen, . . . in ihnen ein opfer- und tat: bereites Menschentum entwickeln, das unsere Zeit braucht, wie selten noch eine Zeit es nötig hatte..." Werner Rosenstock (Berlin). Von der Jugendzeitschrift „T as Zelt", Verlag V Heller (München), über die wir in Nr. 12 dieses Jahrgangs berichteten, liegen uns nun weitere vier Nummern vor. Tie Notwendigkeit, den allgemeinen Teil stark zu kürzen, hatten die Herausgeber des „Zelt" in dankenswerter Weise erkannt, und cs ist ihnen auch gelungen, die damals von uns augeregte Umstellung des jüdischen Teiles in befriedigender Werse vorzunehmen. Turch Auslätze, wie die in den Nummern 2 und 3 (Februar und März), über jüdische Forschungsreisendc kommt die Zeitschrift dein Verständnis ihres Leserkreises entgegen mW führt diesen so zu starkem Bewußtwerden und freudiger Bejahung seines Judentums. Wie die Darstellung der Feste Purim und Pessach aus dem rein Theologischen ins Pädagogische übertragen wird, ist sehr anzuerkemicn und wird viele Leser sickxw befriedigt haben. Tas Belletristische ist durch eine Novelle von Pcrez würdig vertreten- Auch die bildhafte Ausstattung ist sehr crswulich. Wenn also eine jüdische Inngerenzeitschrnt dieser Art überhaupt ein geeignetes Mittel ist, um das jüdisckn Bewußtsein ruckerer Jugend zu stärken, ist „Das Zelt" e i n vielversprechender Anfang, der Beachtung verdient.?/r/r§LttaAung c/es Ter vollständige Bericht der Dresdener Tagung liegt nunmehr vor'). Unter dem Motto „U nser Weg in d i e W i r t l i ch k e i 1" setzten sich die Führer des Verbandes mit den für den Verband nnd das deutsche Judentum .akuten Fragen auseinander. Nach einigen kurzen Begrnßnnsreden, von 'denen besonders die des Herrn Rabbiner Tr. Leo Baeü wegen ihrer „Jugendlichkeit" (im schönsten Sinne des Wortes!) bedeutungsvoll war, referierte als erster Tr. Max Wiener über „Tie Verwirklichung der Persönlichteit Ln der sachlichen Arbeit". Zeigten die Ausführungen Tr. Wieners in hervorragender Form vor allem die geistigen Grundlagen jüdischer Betätigung, so wies das Referat Herbert Felsen t h a l s über „T ieArbeit in den Bünde n" die Wege der praktischen Bundesarbeit. Fel senk Herl fordert ein ErZiehnngs- Miudeftprogramm. das. „wenn schon nicht die Kenntnis, so doch Znm mindesten das Verständnis jüdischer Gegenwart" bringen soll. Auch eine neue Gliederung des Verbandes in drei Kreise erscheint ihm notwendig, und zwar in einen weiten, den „Werbekreis", einen „weiteren Arbeitskreis", in dem der einzelne mit möglichster Aktivität Mitarbeiten soll, nnd einen „engeren Arbeitskreis", der die unbedingte opferbereite Zuverlässigkeit jedes Dazugehörigen zur Voraussetzung hat. Schließlich fordert er den Ausbau der „Jmiggrnppen". — Ueber die Arbeit außerhalb des Verbandes in der Gemeinde sprach Tr. Julius Herzsekd. der besonders für eine Festsetzung Des WahlucLndestalters -auf 20 Jahre eintrat und sich gegen die Zulassung einer „Karenzzeit" anssprach. — Tie von Herzfeld ansgeführten Forderungen werden in einer allgemein gehaltenen „Resolution Herzseld"' sowie in einer Präzisierten, für den Preußischen -Landesverband bestimmten „Resolution Felsenthal—de Jonge" angenommen. Ein Znsatzantrag. bek Ablehnung der Forderung durch den Landesverband eine Eingabe an den Preußischen Landtag zu machen, wird abgelehnt. — Den Abschluß der Tagung bildete ein Referat von Rabbiner Tr. Hugo H a h u über .^Jüdische Jugend im W e l L j u ge n db u n d". In der anschließenden engeren Tetegierteutagnng wurde Tr. Hugo Hahn ^Esseri) znm 1. Vorsitzenden gewählt. An der Debatte war das Wesentlichste das Zeugnis von der außerordentlichen M n n n i g f a ltz i g ke i t des Verbandes. Ilnd zrvar nicht ein Divergieren in den sachlichen Fragen, sondern, was noch bedeutungsvoller ist. eine ungeheure Verschwdenartigkeit in der Betrachtungsweise. Interessant ist auch, daß die innerjüdische Auseinandersetzung einer positiven, gemeinsamer Klärung jüdischer Nöte nnd jüdischer Alls gaben Platz gemacht hat. Wie weit sich hieraus die Gewähr für ein wirkliches jüdisches Leben bieten wird, ist eine heute noch nicht zu entscheidende Frage. — Ebenso in Der Gärung befindlich ist die Formung des Verbandes als Jugend verband. Wie die Jugend für Menschheit, so ist die Jüngerenschaft für einen Jngenddund die „ewige Glückschance". Auch hier wird man die weitere Entwicklung adwarten müssen. Zwar berechtigen Zwei Faktoren zn einem optimistischen Blick in die Zukunft: der starke jüdische Wille und die erstaunliche Aufwärtsentwicklung der letzten Zeit! Doch darf hierbei nicht die Gefahr übersehen werden, in die sich der Verband begibt und ans die schon in dem all genreinen Bericht Lu der „G, V.-Ztg." Nr. 22 Hingeiviesen .wurde, daß „eine Begrisssverwischuug Zwischen Neutralität des Ltandpuntles und Universalität der Äusgalumverwirklichnng" eintreteri lönute! Um Jugendbund Zu bleiben wird wohl der Wille .Zur inneren Festigkeit und Ausgeglichenheit des Verbandes scher dein .Wunsche des Alles-Ersassens stehen müssen. —6. ch „Der Iugendbundch Nr. si'7. Interessierte können die Nummer, soweit die vorhandenen -Lremplare c.nsreicnen, beziehen durch die Echriftleitung des ^,Iugendbuudch DMeivors, Harstdstrntze 4. -Verantwortlich für die Beilage „Bon deLtsch-jÜdlscher Jugend*: Alfred Hirsch« drrg (Berlin.LlzarloUenburg). Druck pon Nuüals Wolle. Berlin LN 1ö,

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