Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 26 (29.6.1928)
- Date
- 1928-06-29
- Page
- Seite 365 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VII. Jahrgang * Nr. 2H Einzelnummer IS Pfennig cj; / Allgemeine Zeitung des Oudenmms DL-.-.hoff 3504, 3595. ^cnrdjcc!fonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bicrtclialiröabounemcnt e l,UO NM. (zuzügl. Bestellgeld). Eei’ag u. Schriftleitung: Berlin SW 63, Lindenstr.13 Fernsprecher: A stube G, Berlin SW 63, Lindensrr Llleiniae Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin - .. —. ........... T -«'.r-~ n, Norrnalzeilenmeffer Nr. 4, Famirienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mttglicder d. Centtaloereino 0,4o JtJl, die 90 mru breite 9te:.amcsci.c 4,SO Cm Beitrag zur Bopkottfrage von Moritz fl. £oeb (Berlin). Die Reichstagswahlschlacht ist geschlagen. Damit scheint es an der Zeit, zu den Problemen zurückzukehren, deren Erarbeitung durch den alle Kräfte absorbierenden Wahlkampf unterbrochen wurde. Zu ihnen gehört in erster Reihe unser Kampf gegen den wirtschaftlichen Boykott jüdischer Arbeitskräfte. In Nr. 10 „6. V.-Zeitung" vom 9. März ist über die imposante Versammlung berichtet worden, die der E. V. am 28. Februar in Schöueberg abhielt. Inzwischen hat auch die Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde sich mit dieser Frage beschäftigt. Eine ausgedehnte Aussprache endete mit dem Beschlüsse aus Einsetzung eines Ausschusses, der gemeinsam mit dem Gemeindevorstand die weiteren Schritte unternehmen soll. Es wurde dabei ausdrücklich eine Zusammenarbeit mit anderen Organisationen vorgesehen. Auch für den E. V. ist es nur wünschenswert, wenn auch andere Organisationen die von ihm bereits ausgenommene und schon wesentlich geförderte Frage in Uebereinstimmung mit ihm bearbeiten. Die Berliner Gemeinde umfaßt heute mehr als den dritten Teil der deutschen Judenheit. Zu ihren Mitgliedern zählen die hervorragendsten Vertreter der deutschen Wirtschaft, ihr Beispiel ist maßgebend für alle größeren Gemeinden Deutschlands. Es wurde mehrfach die Frage aufgeworfen, ob auf diesem Gebiete überhaupt ein Erfolg für die einzuleitende Bewegung zu erwarten sei. Man kann ohne weiteres zugeben, daß es sich um eine schwierige, viel Zeit und Mühe kostende Arbeit handeln wird. Aber man darf gleich hinzusügen, daß auch Erfolge in sicherer Aussicht stehen. Dafür ein Beispiel: die Debatte in der Berliner Repräsentantenversammlrmg streifte u. a. den Umstand, daß in den Bureaus der jüdischen Rechtsanwälte jüdische Arbeitskräfte wenig oder gar nicht beschäftigt seien. Als Grund wurde festgestellt, daß entsprechend vorgebildete Arbeitskräfte sich so gut wie gac nicht melden und Kräfte ohne Vorbildung sehr ungern oder gar nicht beschäftigt werden. Es besteht hier in Berlin eine Borbildungsanstalt für Hilfskräfte in juristischen Bureaus. Ihre Existenz scheint in jüdischen Kreisen ganz unbekannt zu sein, oder die Möglichkeiten einer entsprechenden Beschäftigung unterschätzt Zu werden, denn diese Schule wird von Juden so gut wie gar nicht besucht. Es dürste nicht sehr schwer halten, hier Zeinen Wandel zu erzielen. Bei den über unser Thema geführten Debatten ist vielfach aus die Banken, insbesondere ans die Groß-Banken hinllewiesen worden, in denen jüdische Arbeitskräfte sehr wenig beschäftigt werden. Es wurde aber bisher unseres Wifwns Überhaupt noch nicht erwähnt, daß die Reichsbank mit rhren Tausenden von Angestellten Juden als Beamte überhaupt nicht oder in so vereinzelten Fällen ansteltt, daß sie nicht m Betracht kommen. Auch unter ihrem jetzigen weiter hat sich hierin nichts geändert, obschon Herr Schacht an diesen Dingen keinerlei Schuld trägt. Eine mangelnde Eignung der Juden für das Finanzsach wird kaum behauptet werden. Wenn sich geeignete jüdische junge Leute, was zu erwarten steht, zu der lohnenden Laufbahn in der Reichsbank in größerer Zahl melden, so wird sich zeigen, ob der amtlich natürlich nicht zngegebene Grundsatz der Nichteinstellung von Juden durchgeführt wird oder nicht. Es dürfte die Zeit gekommen sein, gegen diese Ausschließung in der Presse wie im Parlament einmal die Stimme zu erheben. Der Fall steht in der Bankwelt nicht vereinzelt da. Auch die Frankfurter Bank, die für Frankfurt (Main), den zweiten Börsenplatz Deutschlands, eine vielleicht noch größere Bedeutung hat als die Reichsbank nir Berlin, stellt Juden prinzipiell nicht an, obgleich ihr Aktienkapital sich zu einem guten Teil in jüdischen Händen befindet und ihre Kundschaft sich zu einem noch weit erheblicheren Teil aus jüdischen Firmen zusammensetzt. Auch hier ist uns von einem Protest bisher nichts bekannt geworden. Am gleichen Platz befindet sich die Frankfurter Gewerbebank, eine Genossenschaftsbank mit mehreren tausend Mitgliedern, von denen die Inden einen erheblichen Prozentsatz bilden. 'Nicht nur der Beamten körper dieser für den Mittelstand bestimmten Bank ist „judenrein", sondern, alter Tradition zufolge, wird auch in den Aufsichtsrat niemals ein Jude gewählt. Die obigen Beispiele, die aus einem einzigen Wirtschaftszweige genommen sind, beweisen u. E. zur Genüge, daß diese Frage einmal ausgerollt werden muß. Ist das geschehen, so steht zu hoffen, daß sie nicht wieder von der Tagesordnung verschwindet, ohne daß entsprechende Abhilfe geschaffen wird. In der chemischen Industrie steht es heute leider so, daß Juden bei den großen Werken als Ehemiker wie als kaufmännische Angestellte kaum noch Unterkommen können. Zu den Leitern des größten chemischen Unternehmens Deutschlands, der I. (T F a r b e u i u d u st r i e in Frankfurt (Main), gehören die Herren v. Weinberg. Ob sie, die mit dem neugebackenen Adel den Glauben ihrer Vater > AUS DEM INHALT:* Was die Glocke geschlagen hat im Judenhass. Von Constanlin Brunner. Zum J50. Todestage von Jean Jacques Rousseau. Von Dr. Heinrich Leüy (Eberswalde) und Uniüersitdtspro/essor Dr. W. Kinkel (Giessen).