Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 24 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 345 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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345 i Eigene Verkaufsstellen in allen grösseren Städten Deutschlands. Erhältlich in allen Spezialgeschäften. Hermann Cohen. Eine Einführung in sein Werk. T-er Todestag Hermann Cohens jährie sich in diesem Jahre zum zehnten Mal'). In dieser kurzen Zeitspanne hat die Philosophie Cohens stark an Anhängern verloren, Richtungen ganz entgegennesettzer Tendenz haben die „Marburger Schule" zum mindesten äußerlich Zurückgedrängt. Aber die Tatsacl-e, daß Cohen zurzeit „un* modern" ist, kann nicht über den Wert und die Bedeutung seiner Leistung entscheiden; denn die philosophischen Modeströmungen, die in sietem Wechsel kommen und gehen, sprechen nicht das maßgebliche Urteil. Bezeichnend hierfür ist das Schicksal der Kaatschen Philosophie, die ja jahrzehntelang als „überwunden" galt, um dann erst in ihrer grundlegenden Bedeutung erkannt zu werden. Wie man aber auch zu Cohen und seinem Gedankenbau stehen mag — ob man in ihm den Gipfelpunkt philosophischer Klärung sieht oder ob man ihn kritisch ablchnt —, auf jeden Fall darf keiner an dem Schassen Cohens vorübergehen, der sich 11m die letzten Probleme müht; denn das Werk Cohens gehört u n b e st r e i t b a r zu den größten nndfrrichLbringendsten Taten de.r letzten hundert Jahre. Besoudereu Anlaß, sich mit^Cohen zu beschäftigen, haben aber die deutschen Juden, da Cohen mit t o 13 und Treue einer der ihren war und Wesentliches über die Probleme des deutschen Judentums gedacht und veröffentlicht hat. Der Zugang zu den Werken Cohens erfordert gründlichstes Studium und eine Konzentration, die nicht jedem ohne Vorbereitung möglich ist. Besonderer Tank gebührt daher dem Gieße ner Philosophen Walter Kinkel, der uns — wohl zum erstenmal — eine umsaffende Einführung in das Cohensche Werk geschenkt hat-). — Kinkel — löst die schwierige Ausgabe in meisterhafter Weise: er führt e r n st hast in das B e r st ä n d n i s der Cohen scheu Philosophie ein. Eine zeitgeschichtliche Einleitung schildert die philosophische Lage, die Cohen bei seinem Auftreten vorfand und die er dann von Grund aus umgestalten sollte. Es folgt ein biographischer Te.it,'der dem Leser den Werdegang und die Persönlichkeit Cohens naherückt. Diese überaus schönen Seiten, von Liebe und Berehrung getragen, legen Zeugnis ab von dem mächtigen und nachhaltigen Eindruck, dem Cohen auf seine Schüler machte. Kinkel zeigt, wie tief Cohen mit dem Judentum verbunden war, wenn er schreibt: „Vor allen Dingen muß gesagt werden, daß Cohen die jüdische Religion als das, was sie ist, eben eine Religion und nicht eine ^assensrage, behandelt. Er fühlte sich durchaus als Deutscher, und zwar nicht nur deswegen, weil er nun einmal durch den Zufall der Geburt an die Schicksale des deutschen Volkes und Staates zeknüpjt lvar, sondern weil er die liefe geistige Gemeinschaft Zwischen Derrtschtum und Judentum erkanntes ♦ . . Er blieb sich bewußt, welche Schütze der Weisheit und Schönheit die Juden aus dem Quell deutscher Kultur geschöpft habeu, aber er gedachte auch mit berechtigtem Stolz des Anteils, den die Religion des Prophetismus an aller deutscher Kultur hat. Von diesen Voraussetzungen aus mußte Cohen notwendig dem Zionismus ablehnend gegenüberstehen. Deutschland ist die Heimat der deutschen Juden, und der deutsche Staat ist auch ihr Staat." Durch eine lichtvolle Darstellung der Cohenschen Kant-Auffassung würdigt Kinkel die epochale Bedeutung Cohens für das Verständnis Kants. Der Hauptteil des Buches ist naturgemäß der Darstellung der Cohenschen Philosophie gewidmet. Ausgehend von der Cohenschen Auffassung, - daß „Philosophie die Lehre von den Grundlagen des Kulturbewußtseius der Menschheit sei", entwickelt Kinkel das System Cohens in allen seinen Teilen. Kinkel bewährt sich als geschickter Führer, der nichts Wesentliches übergeht und sich do<h niemals in Einzelheiten verliert. Die Philosophie Cohens bleibt nicht eine Angelegenheit der „philosophischen Schute", sie ergreift und umfaßt alle Gebiete der Kultur. In dieser Weite und Tiefe im Verein mit der methodischen Einheit der Auffassung erblickt Kinkel die wesentliche Bedeutung Cohens, der er in einem Schlußkapitel durch ein Bekenntnis zu Cohen Ausdruck gibt: „Wir sind überzeugt, daß diese Philosophie alle Ingredienzien enthalt, die zur Gesundung des Geisteslebens unserer Zeit erforder¬ 1) Vgl. den Aufsatz „llvenschheit", von Rabbiner Dr. LLwensiamm (,,<£• D.- Zeitung", — - 2) „Hermann Cohen — eine Einführung in sein Wer?", von Professor Dr. Walter Kinkel, Stuttgart. Strecker u. Schröder, 35G Seiten. 3) Von uns fett gedruckt. Die Echriftlcitung. lich sind. Diese Meinung bezieht sich in gleicher Weise auf das Gebiet der strengen Wissenschaft wie auf die Auswirkung des Geistes im Leben." (Seite £59.) Eine Bibliographie der Schriften von und über Cohen beschließt das wertvolle Buch. S. Wcnrbcrg« „Grt." Vor Zahlreichen Vertreten: der allgemeinen und der jüdischen Prelle Berlins sprach bei einem P r e s s c t e e der „Sri", der am 6. Juni d. I. im „Kaiserhof" stattWnd, Tr. Lvovitch über: „Neue Wege des jüdischen Ausbaues in Rußla nd/ Tr. Lvovitch berichtete über Zweck und Tragrveite des am 22. Mai d. I. von tem „Ort*-Vertreter in Moskau und der Sowjetregierung Unterzeichneten Vertrages und erinnerte daran, daß dies eigentlich schon der dritte Beitrag sei, den der Verband „Srt" mit der Scwjetrcgierung im Jnteres'e der notleidenden jüdischen Bevölkerung der Sowjet-Union abgeschlossen hebe. Ter erste biefer Verträge galt der allgemeinen landw irisch astlichen Betätigung der „Sri" in Rußland. Ter zweite Vertrag ermöglichte cs dem Verbände „TrC durch das M e d i u nt der Co operative Tool Supply Co. („Trt'^Einkanfsgescll'chast), den jüdischen ndwerkergerwsiemchaft*:n in Rußland Maschinen und Rohstoffe für deren Mitglieder ans dem Kreditwcge zu liefern. Ter dritte, se<ben abgeschlonene Vertrag gibt der „Srt" das Privileg, nicht nur Genossen schäften, sondern auch einzelne Personen (Teklassierte) mit Produktions- Mitteln zu versorgen. Tr. L v 0 v i t cb würdigte die Bedeutung der Vcrwandtenhilse für die Rettung der deklaü-erten jüdischen Bevölkerung in den Kleinstädten, cbcmaligcn Händler, rückständigen Kleinhandw-.rker, die infolge der neuen Srdnung der Tinge im Sowjcireiche aus ihren bisherigen Positionen herausgestoßen sind und nur durch Zuführung zu produktiven Berufen — die Sowietrcgieruug unterstützt nach Möglichkeit diese Bewegung — zu retten sind. Justizrat Br 0 dnitz, der Leiter der Versammlung, machte in Deanvoortung von Fragen, die aus den Reihen der Pressevertreter gestellt wurden, ergänzende Mitteilungen. Gemäß der Tradition der ..SrC, bei dem konstruktiven Werk in Rußland auch der den jüdischen Kolonisten benachbarten nichtjüdischen 'Bevölkerung zu Helsen, wird auch die Verwandten sürsorge den Nichtjuden zur Verfügung stehen. — Nach Auskünften über rechtliche Fragen, die Prosestor Frankfurt erteilte, stellte Tr. L. Vramson fest, welch großes Interesse die Idee der Verwandtensürsorge in den verschiedensten Ländern gefunden hat. Herr Wilhelm S r a e tz schloß mit einem Appell an die Pressevertreter, sich der guten Sxrche anzunehmen, die eindrucksvoll verlaufene Veranstaltung Tagung des ffEfscmeinea Rabbinerverbandes in Deutschland. Am 30. Mai fand in den Räumen des Logenhauses Kleisnrraße eine Tagung Allgemeinen Rabbi nerverbandcs in Deutschland statt, zu der Rabbiner aus allen Teilen des Reiches, aus Dcutfch-Destcrreich, Ungarn und der Tschechoslowakei, ferner Vertreter des Preußischen Landesverbandes indischer Gemeinden und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, das Centrainereins u. a. m. erschienen Waren. Ter Vorsitzende des Verbandes, Rabbiner Dr. B a e d (Berlin), «öffnete die Versammlung mit Worten der Trauer über das Hinscheidcn vieler Rabbiner seit der letzten Tagung. Er Wandte sich dann dazu, die Ausgaben der Versammlung festzustellen, und rechtfertigte die Tatsache, daß auf der ^diesjährigen Tagesordnung aktuelle Probleme allseitigen, brennenden Jnrerenes ständen, Wie z. Z. Wirvch-rftserhi?, Bodenreform und Berolkerungsrolitik. Auf die Wertvollen und Zum Teil grundlegenden Vorträge von Dr. Lcwkowitz (Wir:samf:se:bik), Dr. Salzbergcr (Bodenrefomn), Rabbiner Dr. EsckrclbaLor (Tüucldorf) (Verölberungsvolstik) und Dr. Levv behalten wir uns ror, noch näher cinzugehen. Nieöerlassungsmogüchkettcn. Nr. 367: Niederlassung Fit Arzt in Mittelstadt der Provinz Hanno» ver. — Nr. 16S: Niederlassung für Frauenarzt in Mittelstadt Nord» deutschlands. Geeignete Wohnung vorhanden. — Anfragen an das Bureau des Centraloercins, Berlin SW 63, Lindcnstraße 13. Vertreter gesucht. Jüdischer Arzt, Reg.-Dez. Trier, sucht für etwa 25. Juni, drei Wochen, tüchtigen Vertreter. Große Erfahrung in Geburtshilfe und kleiner Chirurgie Bedingung. Auto zur Verfügung. Anfragen an das Bureau d<S Ccntralvereins. Berlin SW tz8, Llnvenstraße 13. i ämmm