Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 23 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- Seite 325 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VIL Jahrgang * Einzrlnummer 10 Pfennig Allgemeine Zeirun^ des Judentums Dönhoff 3594, 3595. Post'-eckkondo: Berlin 30472. Dankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« VrerteNahrsabonnemeut 1,20 RM. (zuzügl. Bestellgeld). — verlas u. Cchrlftleitung: Berlin LäV 63, Lindenstr. 13 flute G, Berln Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen.Expedition Ri zrormelzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigri: und Stell, Landesverbandstagnngen sind in unserem Eentralverein in allen Teilen des Reiches satzungsmäßige Geschehnisse im üblichen Ablaus des Arbeitsjahres. Die Mitgliedschaft eines bestimmten Bezirks findet sich zusammen, um Erreichtes und weiterhin noch 5 u Erstrebendes zu. besprechen. Für diejenigen Freunde, die ohne persönliche Verbindung mit den leitenden Stellen des Vereins ihre Arbeit verrichten müssen, sind solche Tagungen gleichsam Berührungen mit der großen M u t t e r k r a f t unserer Bewegung, au^ der sie neuen Antrieb für ihre Weiterarbeit davontragen. Für die anderen bedeutet die Tagung Heerschau und neue Bindung. Eine solche - Landesoerbandstagung hatte unser linksrheinischer Landesverband am 3. Juni zu veranstalten. Und da die „Pr'essa" zur gleichen Zeit Besucher aus allen Himmelsrichtungen diesseits und jenseits des Rheins an sich lockt, luden unsere Kölner Freunde die benachbarten Verbände und die führenden Männer unseres Eentralvereins aus dem ganzen Reiche ein. „D a s R e ch t der d e u t s ch e n I u d e u an der deutschen Heimat" war der Leitgedanke, unter den sich die Arbeit dieser Tagung stellen sollte. Nach erprobter Erfahrung leitete eine Kllndgebung die Arbeitstagung ein. In der Kölner Städtischen Oper saßen Rheinländer und Westfalen, Braunschweiger, Brandenburger und Berliner, Schlesier und Ostpreußen nebeneinander. Werke deutscher Musiker drangen an unser Ohr. Worte unserer Führer erreichten unseren Verstand und senkten sich tief in unsere Seele. Die Gedanken, aus denen unsere Bewegung erwachsen ist, aus denen sie lebt und wirkt, trafen ausgeschlossene Herzen. Und da geschah es. daß allen, die zu Hmlderten und aber Hunderten im Raume saßen, die Lehre der Führer eigene s Erleben schien; daß die große Verkündigung von der Einheit unseres deutschen und unseres jüdischen Seins feine erda chte oder erst zu erlebende Aufgabe, sondern das Leben selb st war. Zu den Tönen der großen deutschen Meister fügten sich mit selbstverständlicher Einfachheit in ihrem Seelenwert die Worte der jüdischen Menschen, die von der Bühne herab zu uns sprachen. Die Mauern des Hauses schwanden. Die köstliche Ebene des^ deutschen Rheins breitete sich aus. Die Geschehnisse von zwei Jahrtausenden rollten sich auf ihr ab. Einheit deutscher u n d j ü bischer Ges ch i ch t e. Verbundenheit deutscher und jüdischer Menschen für deutsches Werden. Ringen jüdischer Menschen um d e u t s ch e Erde, bis sie uns segnete und Oe: m a t wurde. Und dann das Heute: Ragend die Türme des stolzesten deutschen Doms' inmitten des menschenerfüllten, arl>eitsamcn Am anderen Ufer wehende Fahnen: Die Hallen der „Pressa" zeigen die Geschichte des Geistes und der Kampfe um der geistigen Freiheit willen. Unauflösbar auch hier wie Verbindungsstellen, an denen bei Wirken und Wollen sür deutsches Sein und Werden jüdisches Schassen ju deutschem Entstehen strömte, an denen, rückwirkend, deutsche Heimaterde und die Laute der deutschen Muttersprache körperliche und seelische Gestalt des deutschen Juden formten. Und so wurde uns allen die Kundgebung in dem Saale^der Oper zu Köln am Rhein unverlierbar, unauslöschlich das Fest unserer Wirklichkeit. Alfred Hirschhertz. Oie Kundgebung. Köln, 3. Juni. Das festliche Rund der Kölner Städtischen Oper ivar bis hoch in die Ränge hinauf von erwartungsvoll gespannten Menschen gefüllt. Nicht nur Mitglieder der Kölner Ortsgruppe waren der Einladung zur Kundgebung, mit der die Rheinland tagung des linksrheinischen Landesverbandes eröffnet iverden sollte, gefolgt. In dem Parkett und auf den Rangen konnte man Freunde aus dem ganzen Westen Deutschlands erblicken, und auch Vertreter der mitteldeutschen und o st d e u t s ch e n Landesverbände waren erschienen. Ja der Mitlelloge sah man neben den Vorsitzenden des Eentralvereins und des gastgebenden linksrheinischen Landesverbandes die Vertreter der staatlichen, städtischen und Justizbehörden fcunc der Kölner Jüdischen Gemeinde. Kurz nach 11 Ilhr ertönten die feierlichen Klämre der Ouvertüre zu Webers „Oberon', vom Kölner städtischen Orchester unter Kapellmeister Walter vorgetragen. Langsam verdunkelte sich der Raum, der- Vorhang hob sich von der Bühne, auf der. von dunkel getönten glatten Flachen umrahmt, hell bestrahlt, die Rednertribüne errichtet war. D-er Vorsitzende unseres linksrheinischen Landesverbandes. Bernhard IeHchenfeld, nimmt das Wort zur Begrüßung: Der Eentralverein entbietet Ihnen durch mich, Den V o r s i tz e n - den seines linksrheinischen Landesverbandes, herzlichsten Willkommengruß. Zu großer Freude gereicht cs mir, unsere Ehrengäste, insbesondere die Vertreter der Behörden zu begrüßen: Herrn Oberregierungsrat Dr. Bier als Vertreter des Regierungspräsidenten. Herrn Bürgermeister M e r s e l d als Vertreter des Oberbürgermeisters, Herrn Polizeipräsident B a u k n e ch t, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. ch o m - in e r als Vertreter des Oberlandesgerichtspräsidenten. Herrn Landgerichtspräsident K u t t e n k e n l e r , Herrn Dr. Söhling, Vertr. Vorstand der Ainvaltskammer. Herrn Blumen au, Vorsitzender und Vorstand der ^ynagogengemeinde, die H e r r e n Vorsitzenden u n d d c n Direktor unseres E c n t r a l v e r e i n s . sie alle seien hiermit herzlich begrüßt. Nach einem kurzen Rückblick auf die wechselnden 'Notwendigkeiten unserer Arbeit seit der Gründung des Centralvereius fuhr Herr Feilchcnstld fort: . . : Der Eentralverein fyctt die Pflicht, an der inneren Befriedung Deutschlands mitzuwirken und zu verhüten, daß im Innern Erbfeindschaften ausgerichtet oder aufrechterhaltcn lverden, die den Nus des deutschen Volles schädigen und seine Tatkraft schwächen und lähmen. . Wir deutschen Juden wünschen ehrlich, in Frieden und Freund" schaft zu leben mit allen Volksgenossen, um n>ellchen gemeinsame Kultur und Muttersprache, Heimats- und Schicksalsgemeiuschast unauflöslich uns verbindet. In diesem Sinne, in engster Verbindung