Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 21 (23.5.1928)
- Date
- 1928-05-23
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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301 Ter Ausfall der Wahlen ladt neue Aufgaben, neue Vcrarrwortungcrr auf uns. Große Schichten der Wählerschaft, die sich Parteien zuaewandt haben, die an sich den Judenhaß ablehnen, ftcnimcn aus Kreisen, in denen Judenfoindschast i[jtc Stätte fand. Es gilt langsame, planmäßige, mühevolle Erziehungsarbeit an diesen.zu verrichten und in dem Tempo der Aufklärung, das uns die Opserireudigkeit unserer Mitglieder während der letzten Wochen einzuschlagen gestattete, noch lange fortzufahren. Tcr Wahlkampf und sein Ergebnis nur eine Probe aufs Erempel für die Nichtigkeit unserer Arbeitsweise. Sie wurde bestanden. Ter Verlauf der kommenden Jahre soll sie zur zweifelsfreien, erfolgreichen Tatsache machen. Tic Wahlarbeit ist vorüber — die Arbeit beginnt! Unsere Henriette Map. Tie Bestattung des verewigten Ehrenmitgliedes des Hauptvorüandes des Eentralvercins, Frau Henriette May, fand am 20. Mai unter außerordentlicher großer Beteiligung großer jüdischer Organifationen aus dem Friedhof in Weißensee statt. Im Namen des Eentralvereins widmete Tireltor Tr. Holländer der Verewigten einen Nachruß in dem er ausführte, daß cs Frau M a y gewesen sei, die vor etwa zwanzig Jahren, als dem weiblichen Geschlecht die Teilnahme an politischen Vereinen gestattet wurde, als erste und schöpferische Kraft den Gedanken des Eentralvereins in weiteste Kreise der deutschen Frauenwelt trug, ^ie habe die außerordentlich bedeutsame Verantwortung für Judenheit und Vaterland anerkannt und sei unermüdlich an die' Arbeit gegangen, um der deutschen Jüdin ihre Pflicht zur Anteilnahme an politischen Tagesfragen cinznhämmern und sie zur Mitarbeit aufzurufen. Tabei fei sie im Sinne des Prophetenwortes vor gegangen, das uns allen zürnst: „Ter Ruf ergeht. Bahnet, bahnet, räumt den Weg! Hebt jeden Anstoß von dem Pfade meines Volkes weg." — ^ie habe das, was man innere Mission nennt, .im wahrsten und besten ^-inne getrieben: sie habe vor allen Dingen stets die Notwendigkeit einer gewissen Äkzentverlegung der öffentlichen Meinung nach"der Richtung hin betont, daß man bei der Beurteilung der Judenheit nicht immer mindere Menschentypen zum Gegenstand der Betrachtung mache, sondern so handle, wie man es auch sonst Lut, von den wertigen Menschen innerhalb unserer Gemeinschaft aus- 6ehe. Tarin liege die Tat von Frau May auf dem Gebiete des ÜXkuSd&A* £lfl Uw&MAaa* 'mMa * ' —- Enthält nur feinste MOLKER EiBÜTTER H. BAU LS ENS KEKS-FABRIK A*G* HANNOVER r--— Eentralvereins. Selbstbesinnung der jüdischen Frau und Beeinflussung der Außenwelt im ^inne dieser Äkzentverlegung. Ihre Verdienste seien so groß, daß ne als die Schöpferin der Frauenarbeit neben M a r i m i l i a n H o r w i tz und Eugen Fuchs gestellt werden müsse. Tiefe ihre Ausgabe habe ne bis zum Schlüsse ihres Lebens erfüllt, und dabei sti sie immer eine Frau ohne Schein gewesen. Sie habe sich nicht hervorgedrängt. Sie habe den Eentraloerein geliebt, nicht um ihre Person zu fördern, nicht um viel genannt zu werden, sie habe ihm allein w e g e n s e i n e r 'Aufgaben geholfen und fein Ansehen um seines sittlichen Zieles wegen gemehrt. Tarum werde der göttliche Schöpfer des Judentums nach dem Prophewnworte die Frucht ihrer Lippen schassen und werde ihr den Frieden geben, den sie uns allen gegeben hat, indem sie uns zur Pflichterfüllung mahnte. Ihre Arbeit bleibt ein heiliges Vermächtnis, im Si?.ue ihrer ewigen und heiligen Ideen fortzufahrcn. Die weltgeschichtlichen Gestalten der Propheten. Zwei beDcntrmgSvoLte Reden Des Würzburger Rektors. Aus Würzburg wird uns geschrieben: Inmitten der Stürme des Wahlkampfes, der besonders von der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung') scharf geführt wurde, verdienen die Worte besondere Beachtung, die der derzeitige Rektor Magnificus der "hiesigen Universität EeheimraL Professor Dr. theoL Johannes Hehn anläßlich der ^feierlichen Verpflichtung der in die alma mafer neu ciutreienden Studenten an diese richtete. Offenbar im Hinblick auf die unerfreulichen Vorkommnisie bei dem letzten Würzburger ^tudenteiwag ermahnte der Rektor die Studenten, nicht von dem Dünkel besepen zu sein, daß eine Gruppe voll rößerer Liebe zum Vaterlande sei als die andcre. ede Gemeinschaft habe den Willen, in ihrer Weise em Vaterlands zu dienen, und habe ein Recht darauf, daß ihre vaterländische G e s i n n u n g Anerkennung finde. Etwa eine Woche später, am 11. d. M., nahm der Rektor Gelegenheit, im Rahmen der Etiftuugs'eier der Universität in einer groß angelegten Festrede vor der Profenoren- und Studentenschaft sowie einem großen Kreise von Vertretern der Behörden, der Geistlichkeit und des Militärs, von dem polirischen Niedergang Deutschlands. dem aber der kulturelle nicht notuoendigerweise zu folgen brauche, ausgehend, über die Gründe für den Untergang des alten Orients zu sprechen, „dessen Kulturerruugenschastcn in der abendländischen Kultur sortlebenA Das mächtige Assur bis Babylon sind zugrunde gegangen an den schaden eines absoluten Königtums, das vergottet wurde und dem sozialen und menschlichen Empfinden bis aus wenige 'Ausnahmen keinen Raum gab. Dcnr gegenüber stehen die weltgeschichtlichen Gestalten der Propheten Israels, die den Begriff vom Rechte des Stärkeren vernichteten, Menschenliebe und Frieden predigten und jeder Raubtierpolitik im kleinen wie im großen die Fehde ansagten. Nur durch seine Religion war cs dem Judentum Tölz F o - I KurperolonHellms unter Aufsicht Sr. Eiir*\ Dr. EhreMren. >1 Bietet das Bester ----- an Unterkunft und \ erptlegrmg. |___