Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 19 (11.5.1928)
- Date
- 1928-05-11
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir alle stnö fchulöig! Eine dringend notwendige Erkenntnis. Es ist wohltuend, im „S Ln h l h e lm", der Zeitschrift des Stahlhelmbundes, Nr. 27 front 22. April, die folgenden Ausführungen zu finden: Ein besonderer Vorwurf, der seitens der Nationalsozialisten und auch aus anderen Kreisen gegen den Stahlhelm gerichtet wird, ist der, daß nur in das Geschrei gegen „die überstaatlichen Mächr/ nicht einstimmten. Wir lwben Leine Belehrung nötig, von welcher Seite dem deutschen Volkstum und der deutschen Nation Gefahr droht. Aber wir vertreten allerdings die Meinung, das; mit der Ausstoßung von Sündcnböckcn in die Wüste keine wertvolle Leistung geschieht. Wir verstehen cs, das; Leute, die sich persönlich für Mißerfolge verantwortlich fühlen oder denen die Last des uns anfcrlcgtcn Schicksals zu schwer ist, sich selber seelische Entlastung geben müssen, indem sie ihre eigene Unschuld hcrausschrcien und alle Schuld den „bösen Kräften" Zuteilen. Wir dagegen halten cs für würdiger, und auch ersprießlicher. Zuerst;n der eigenen Mitschuld sich Zn bekennen und durch das eigene Bcsscrwcrdcn die Voraussetzung für eine Besserung der Verhältnisse Zn schaffen. So wie Wilhelm Lchäwr iu seinen „Dreizehn Büchern der deutscheil Seele" nufere Aufgabe nach dem verlorenen Weltkriege bezeichnet hat: „Als wir ansingen, Sündenböcw zu suche:?, waren nur bei der Nichtswürdigkeit verlorener Ehre angclangt. Sie wiederzugewinnen, bedarf es einer Erneuerung, die federn einzelnen von uns auserlegt ist. Wir alle sind schuldig an dem, was geschah: denn wir alle sind ja das Volk; nur indem wir uns derart wieder zur Schirlsalsgemeiuschast unserer Herkunft zusammenfinden, kann das Wunder der Wiedergeburt geschehen, aus das wir alle hoffen/ In dieser Gesinnung zu unserem Schicksal Stellung zu nehmen, ist schwerer und erfordert nrehr Mut und Kraft, laßt sich nicht mit Protestgeschrei und heftigen Anklagen erledigen. Wenn man, weil wir uns zu dieser schwereren Aufgabe bekennen, uns Schwache vorwirft, so werden wir fra* ertragen. Sündcnböcke suchen ist die Art der Schwachen und der Feigen. „wer lacht öal" Der Eentralverein vcrjudet die Dentschnationaleir. Unser Freund Tr. Ludwig Tietz hatte zur'Hauptversammlung irr diesen Blattern erben Aufsatz über Deutschtum und Judentum geschrieben, in dem er dem Sinne nad) etwa ausführte, das Judentum solle nicht restlos im Deutschtum aufgehen', sondern solle sich seine jüdischen Eigenwerte erhalten. Alles Wertvolle unseres deutschen Seins sollte es in sich ausnehmen, pflegen und zur reifen Blüte bringen. Diese so eindeutige Stelle gibt H i t l e r s „V ö 11 i s ch c m Beobachter" willkommenen Anlaß, zu behaupten, der Contra lver ein setze sich als bewußtes Ziel, das Tentschtmn sich zu assimilieren. und er schreibt neckisch weiter: „E r will b e w u h t a u s Deutschen innerlich I n d e n m a ch e n." Das sei ihm in der Sozialdemokratie, Demokratie, ja sogar — man lache nicht — bei denr Ze n t r u m tt nd de r Dc u t jch e n Vo l k s p a r t e i gelungen, und nun kommt das Schönste: das hätte er auch „bei den F ü h r e r 11 der d eu t s chn a t i 0 n a l e n D a w e s - I a s a ge r " erreicht. Also, das Neueste und Schönste für den Wahlkamps: Der Eentralverein v e r j u d e t die D c u t s ch u a t i 0 na l e n! Dabei ist das eine nur betrüblich, daß es in Deutschland tatsächlich Leute gibt — und wahrlich nicht eine Handvoll — die dieses krause und irre Zeug für bitteren Ernst nehmen. W i r können nur darüber herzlich lachen! Wer betrügt uns? Porträts zum Wahlkampf. Tie Nähe des Wahltermins wäre, wenn man dcu Wahltag als solchen nicht wüßte, schon ans der Form zu erkennen, in der er sich nunmehr abzuspielcn beginnt. Für Erörterungen und Auseinandersetzungen höherer Art ist keine Zeit und keine Aufmerksamkeit mehr vorhanden. Und da der V er ft a n d nicht mehr zum Richter aufgerusen werden kann, wendet man sich an die Instinkte, die aus bcfiimmte Borstellungen stets in ganz bestimmter Richtung reagieren. im Die D eu tschn a t i 011 a le Volk sparte: arbeitet deshalb, vielleicht aus Verzweiflung über mangelnden Widerhall in Wählerkreisen, seit einigen Tagen fast ausschließlich mit Flugblättern, Plakaten, Broschüren grob j u d e u hetzerischen I 11 halt s. So sind in einer Flugschrift, die den Titel trägt, der an der Spitze dieser Ausführungen steht. 14 Bilder deutscher Politiker aneinandergereiht — karikiert natür lieh. Das Perfide dabei ist, daß Ehrenmänner von untadliger Gesinnung mir dunklen Gestalten in einer Reihe gestellt »oerden, und daß der Begleittext, der die Vergehen dieser Porträts angibt, auch noch unter den Bildern der nntastbaren Persönlichkeiten N'eiterläust, ganz so, als ob er sich auch aus diese bezöge. Wer betrügt uns? Wer die Entscheidung am 20. Mm durch folclje M ittel z u beeinflussen sucht. „Einheit, öie ich meine - Ein Lehrer, der, obschon es bernfssrändische Bereinigungen für Lehrer hinreichend gab, Mitglied des Bundes völkischer Lehrer wurde, setzt an die Spitze eines Aufrufes sür eine Schule auf völkischch r i st! i ch e r Grundlage das treffende Wort von Rosegger: „Für die Bildung von Vereinen Ist der Deutsche stets bereit. Nur sür eines gründet er feinen. Für die deutsche Einigkeit/ So sangen die völkischen Helden, die Freunde der „Toutschcn Zeitung" und spalteten sich, noch ehe sie die Gründung einer neuen Bartei ankündrgten. - - Ein katholischer Geistlicher über öas filte Testament. Int Verlage Franz Borgmeyer (Hildesheim) ist soeben eine Broschüre des katholischen Professors Tr. Joseph 2.U achen § „Die katholische Kirche und das Alte Testament" erschienen. In dem Geleitwort schreibt Professor Mächens: „Zu Beginn des Jahres 1227 vcranstalwre der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ortsgruppe Hannover, eine öffentliche Vortragsreihe über das Alte Testament im alten Nathanse zu Hannover. Ein protestantischer, katholischer und jüdischer Theologe entwickelten nacheinander den Standpunkt ihrer Neligionsgerueinschast zu diesem Problem. Mir siel die Ausgabe zu, den Standpunkt der katholischen Kirche zum Alten Testament darznlegeu. Aus mehrfaches Drängen veröffentliche ich jetzt, entgegen der ursprünglichen Absicht, den damals gehaltenen Vortrag. Ich bin mir wohl bewußt, daß es unmöglich ist. im Nahmen eines Vortrages oder einer kleinen Broschüre den Wvaltigen Fragenkomplex, der sich um das Alte Testament gruppiert, zu erschöpfen oder auch nur an zurühren. Nur in ihren Grundgedanken sollte die Stellungnahme der katholisck)en Kirche zur alttestamentlicheu Bibel, wie sie sich in der katholisch-theologischen Literatur spiegelt. Umrissen und in populär-wissenschaftlicher Darstellung vorgelegt werden. In diesen! Sinne sind die folgenden Zeilen zu werten." Die 'Schrift, die mit kirchlicher Druckgenehmigung verölst nNicht ist, schließt mit der wichtigen Feststellung: „Die Kirche weiß, das; sic aus dem Alten Testament ausbaut; sie wird nie die Wur;cl verleugnen, aus der sic wuchs, das Fundament, auf -cur sic errichtet ist. Es würde der Baum welken, daö Haus stürzen, wollte man Wurzel oder Fundament ankastcn. Nächst den ncutcstamcntlichcn Schrisken kennt die Kirche keine heiligeren Schriften als die des Alten Bundes. Allen Angriffen zunr Trotz ist sic darum eine warme Verfechterin des Eilten Testaments und wird nicht abtasicn, cs in Zukunft zu sein. Wenn uns Ehriftcn auch das Neue Testament außerordentlich viel höher steht, das Alte Testament ist doch iu unseren Augen das große Licht der Wahrheit, das Gott der alten Welt leuchten ließ, und das anch in der neuen Welt noch weiter Licht spenden sott. Es ist die große Aacket der Liebe, die Gott in der alten Welt entzündete, damit sic auch in der neuen Welt noch Liebe zünde."