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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-11 · 19 (11.5.1928) · p. Seite 257

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
19 (11.5.1928)
Date
1928-05-11
Page
Seite 257 (sequence 1)
Language
German
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VII. Jahrgang * Nr. 14 Cinjelnummer IS Pfennig 4 ■*rr^ i SZMWÄAMM: '<J <J w Vsrr Do» Bsems bsA, KsAsssLs. DOME ^H§K dss EsMyMvSSsNs. Am 20. Mai wählt das deutsche Volk den vierten Reichstag der. deutschen Republik. In einer äußerlich gesehen ruhigeren geistigen Verfassung als der des Jahres 1920, in dem der Versailler Vertrag zustande kam und auf Grund der Weimarer Verfassung der erste neue Reichstag zusammentrat; auch nicht unter den heftigen Nachwehen des Ruhrkrieges und der Inflation, die das Jahr 1923 Zum unglückseligsten neuer deutscher Geschichte gemacht haben, und deren Nachwirkung noch die beiden Wahlen des Jahres 1924 überschatteten. Dem äußeren Anschein der fortschreitenden Beruhigung weiter Schichten des deutschen Volkes entspricht auch die gemäßigtere Form des Antisemitismus in dem gegenwärtigen Wahlkampf. Aber so wenig ernsthaft davon die Rede sein kann, daß Deutschland sich schon seht nach innen und außen ruhige und friedliche Jahre gesichert habe, so wenig kann eine veränderte Wahltaktik über die tatsächlich vorhandene starke und große antisemitische Bewegung in Deutschland hinwegtüuschen. Auch in den Reichstagen des Kaiserreichs waren die Parteien mit antisemitischem Programm stark vertreten. Schon der erste nach dem erfolgreichen Kriege mit Frankreich, der 1871 zusammentrat, zählte auf 382 Abgeordnete 57 Konservative und 37 Freikonservative, also ein Viertel antisemitische Abgeordnete. Ter bei den Wahlen der Jahre 1874, 1877 und 1881 eingetretene Rückgang wurde durch die starke antisemitische Welle der achtziger Jahre mehr als rvettgemacht. Mit 27 Prozent antisemitischer Abgeordneter bei den Wahlen 1884 und 32 Prozent im Jahre 1887 ist die höchste Ziffer erreicht. Sie schwankt dann fortgesetzt etwa um ein Viertel der Abgeordneten, bis das Jahr 1912 einen starken Rückgang auf etwa 15 Prozent als niedrigste Ziffer bringt. Diese Verhältnisse hatten sich in der Nachkriegszeit zunächst grundlegend geändert. In der Nationalversammlung des Jahres 1919 war das antisemitische Element nur durch 44 Deutschnationale bei 421 Abgeordneten, also mit etwas mehr als einem Zehntel, vertreten. Mit 65 Abgeordneten im ersten Reichstag (1920) stieg es wieder auf 141.- Prozent. Die beiden noch unter dem Zeichen der Inflation stehenden Wahlen des Jahres 1924 brachten der ersten 30, der zweiten 221- Prozent antisemitische Abgeordnete. Tie Aufgabe der deutschen Juden, die sich aus diesen Zahlen ergibt, ist klar und eindeutig. Fortgesetzt seit 1871 stimmt ein nicht unbeträchtlicher Teil des deutschen Volkes für antisemitische Parteien. Nicht etwa nur aus antisemitischen Gründen, auch nicht so, daß alle Wähler dieser Parteien als rein antisemitisch angesprochen werden könnten. Aber die politischen Energien, die, von den Wählern ausgehend, sich in diesen Parteien zusammenballen, werden in antisemitischem Sinne nutzbar gemacht. Bei den Deutschnationalen läßt sich sogar mit Sicherheit sestsiellen, daß nicht wenig altkonservativ eingestellte Männer und Frauen die völkische Richtung an sich ablehnen. Mannigfaltig sind die Gründe, die die Wähler dieser Parteien zusammenhalten. Gründe, die, wie Stellung zur Monarchie, Außenpolitik. landwirtschaftliche Fragen, an sich mit dem Antisemitismus nichts zu tun haben. Aber es bleibt für uns das Entscheidende, daß diese Parteien ohne Rücksicht auf die verschiedenartige Zusammensetzung ihrer Wählerschaft p r o g r a nt matt s ch den Antisemitismus vertreten. Gib schneit für unsern Spenden zum Wahlfonds bitten wir dem zuständigen Landesverband der Ortsgruppe oder der Centrale direkt zu überweisen. Bei Zahlung nach Berlin bitten wir, sich folgender Konten zu bedienen: Dresdner Bank, Depositenkasse G, Sonderkonto C. V Berlin SW 68, Lindenstrasse 7, oder Postscheckkonto Berlin 115 501, Sonderkonto.

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