Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der sechsjährige Eduard wurde getauft, und „Schweitzer" wandelte sich in „Schnitzer" um — wiederholt hat er mir die Tatsache seines Religions- und Namenswechsels mit aufrichtige m Bcdane r n erzählt. Ich lernte ihn, der mir an Jahren und Wissen überlegen war, näher kennen und bewundern, als er einst in meiner Gegenwart ein kleines Mädchen aus den h o ch g e h e n d e n Fluten des Aielebaches mit eigener 'Lebensgefahr rettete. Von der evangelischen Stadtschule ging Schn itzer dann auf das Ncisser Gymnasium über, das er 1853 mit dem Zeugnis der Reife als einer der besten Schüler verließ, um Medizin und Naturwissenschaften zu studieren. Der Drang in die Ferne führte ihn in den Orient — im Jahre 1891 siel der kühne Forscher tu den innerasrikanischen Wäldern, für ihn „ein Feld der Ehre", nach heldenmütigem Kampfe gegen eine U eberzahl von Feinden. Seine Tochter Fcrida fand später eine Zuflucht bei einem Verwandten ihres Vaters, namens Schweitzer, hier in Berlin. Ich wurde Lehrer und war 1867—71 an der evangelischen Stadtschule in Strehlen in Schlesien angestellt. Unter den jungen Gymnasiasten, welche die Schulen in Breslau besuchten und daheim ihre Ferien verlebten, ist mir besonders einer im Gedächtnis geblieben: Paul Ehrlich, nachmals der Welt bekannt als einer der b e d e n t e n d st e n Mediziner und Forscher des deutschen Volkes. Ich kannte die Familie des Gymnasiasten Ehrlich näher; sein Großvater, ein kluger, hochbegabter Mann, hatte mich besonders in sein Herz geschlossen, und sein Enkel Paul begleitete mich oft ans Ausflügen und botanischen Exkursionen — ich hatte meine Freude an seinem Forschen und Experimentieren. Viel später sah ich ihn als weltberühmte „Exzellenz" wieder. Auch er hat sein Judentum nie verleugnet. 44 Jahre stand ich im Berliner Schuldienst, 36 Jahre davon als Leiter einer großen Gemeindeschulc. Hunderte von Kindern jüdischer Ellern sind von mir und meinen Mitarbeitern unterrichtet worden, und nie hat cs beiderseits an jenem Takt gefehlt, der alle Unzuträglichkeiten vermeiden ließ. An den unteren Klassen kam es sehr oft vor, daß jüdische Kinder auch am evangelischen Religionsunterricht freiwillig und mit Genehmigung ihrer Eltern ieilnahmen, und in der Zeit, als Berlin W an der Bülowstraße ein Ende hatte und das israelitische Gotteshaus in der Lützowstraße noch nicht erbaut war (meine Schule stand in der nahen Steinmetzstraße), besuchten auch größere Knaben, bis zur ersten Klasse hin, den christlichen Religionsunterricht, besonders in den Halbjahren, in denen das Alte Testament behandelt wurde. Ich meine: in der Bibel, dem „Buche der Bücher", liegt die flammende c^eelc eines ganzen Volkes — Jakobs Traum und Hiobs heißes Grübeln, das -Uuirdien des Kindes und der demütige Trost des Greises, alles, was der Mensch angesichts der unendlichen Große und Weite des Lebens gefühlt' und gedacht hat. Am Glauben ihrer Väter ist keiner meiner jüdischen Schüler irre g e w o r d e n. M bi BERLIN SW 68 Iduna-Haus Lebens- Kinder- Aussteuer- 0 , Vertretungen öterDegeiaan allen Plätzen Versicherungen Mitarbeiter gesucht UND SVHNt/FRElBUfcOi/BH K. fUscius .. Ilofkürselmer MÜNCHEN, Residenzstrasse 14 15. Pelzauf Bewahrung Wollwarcn, Stoffe, Teppiche usw. FELIX PIU ISS IE1 VOLKSWIRTSCHAFTLICHE STÜDIcti In sorgfältiger Ausstattung Kartoniert RM. 2,50 Alle Probleme der siedtischen und ländlichen Kultur, alle Gebiete der industriellen und agrarischen Entwicklung werden behandelt. 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