Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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24S Esser lernt Hebräisch! Neuerliche Verurteilungen des „Illustrierten Beobachters" Durch Vas Münchener Schwurgericht. Letzte Woche wurden wieder zwei Verhandlungen gegen Hermann Esser, den verantwortlichen Schriftleiter des „Illustrierten Beobachters". durchgeführt. In einem Fall handelte es sich um ein angeblich satirisches Gedicht, in dem er den Berliner Polizeivizepräsidenten Weiß angegriffen hatte; da in diesem Kunstwerk hauptsächlich Knoblauchdust, Plattfuß und Riechhorn und ähnliche, wie der Verteidiger meinte, volkstümliche Ausdrücke zur geistigen Bekämpfung des Gegners dienen mußten, sah das Gericht trotz einer mtgeftlidjcn von der Verteidigung angezogenei^ gegenteiligen Auffassung des Münchener Profepors für Zeitungswissenschaft, d'Ester, die Grenzen der erlaubten Satire für überschritten an und verurteilte den Angeklagten unter Würdigung seiner damaligen Erregung über das Verbot des Gaues Berlin der N. S. D. A. P. zu einer Geldstrafe von 500 Mark. Bedeutsamer war der Zweite Fall: Anfangs des Jahres 1927 brachte das Blatt Aufsätze, in denen im Anschluß an den Konitzer Mord das R i t u a l m o r d m ä rche n a u f g ew ä r m t und behauptet wurde', der Talmud mache den Juden die Schändung nichtjüdischer Frauen zur Pflicht; deshalb erlaubte sich das Blatt von der verfluchten Moral des Talmuds zu sprechen. Esser verteidigte sich weitläufig, wobei er selbstgefällig hervorhob, daß er wegen seiner gründlichen Studien von mehreren mit der wissenschaftlichen Behandlung jüdischer Dinge befaßten gelehrten Gesellschaften, nämlich der in Italien ansässigen Gesellschaft ,,Luce" und einer ähnlichen rumänischen Vereinigung zum korrespondierenden Mitglied ernannt worden sci«(!) Er legte dem Gericht sogar den Talmud in der hebräischen Originalausgabe vor (es war nur ein einzelner Band!) und erzählte, daß er jetzt sogar Hebräisch lerne, um die bestehenden Uebcrsctzungcn nachprüfen zu können. Er mußte sich aber dann von dem vom Gericht geladenen Sachverständigen, dem katholischen Theologieprofessor Dr. Goettsberger, darüber belehren lassen, daß sein hebräischer Unterricht dazu nicht ausreiche, da der' Talmud ja überwiegend aramäisch geschrieben sei, und dast seine Behauptungen auf fehlerhafte ttcbersetzurrgen und falsche Auslegungen zurnckgehen. Das Gericht verurteilte Esser wiederum Zu 500 Mark Geldstrafe, seinen Mitangeklagten Berliner Parteigenopen Kluge Zu 200 Mark, weil er ihm das scheußliche Bild der angeblichen Schichtung des Gymnasiasten Winter geliefert hatte. , . Der „Völkische Beobachter" bucht diese Verurteilungen als zwei bedeutsame nationalsozialistische Prozeßerfolge. Euer selbst verkündete in einer am gleiten Abend abgehaltenen Wahlversammlung, er habe beide Verhandlungen als Sieger verlasien, weil frühere Vorkämpfer, die ähnliche Behauptungen ausstellten, noch zu schweren Strafen verurteilt wurden, wahrend er mit einer in Geldstrafe umgewandelten Gefängnisstrafe von einem Monat davonkomme. Tas Gesetz läßt eine solche Umwandlung der an sich verwirkten Gefängnisstrafe in Geldstrafe nur unter der Voraussetzung Zu. daß der ^trafzweck auch durch eine Geldstrafe erreicht werden kann. Wenn der Angeklagte sich für die ihm erzeigte Müde dadurch dankbar erweist, daß er sich seiner Verurteilung als eines Sieges rühmt und sich damit über seine Richter geradezu lustig macht, wird man bezweifeln dürfen, ob der Strafzweck durch diese Geldstrafe wirklich erreicht wird. W. L. Eigene Verkaufsstellen in allen grosseren Städten Deutsdilands. Erhältlidi in allen Spezialgesdiäften. SmMM zu örei MsAn EMM tmmkM. Ter Führer der Berliner Nationalsozialisten, Tr. Goebbels, fühlt sich Zum Tiktator geboren; jetzt hat er sogar Ansichtskarten von sich in verschiedenen Posen Herstellen lassen, damit seine Anhänger ihn nur ja im Gedächtnis behalten. Auf den maßlosen Ton seines Blattes „Ter Angriff" haben wir schon öfters verweisen müssen. Auch seine Anweisungen an die Funktionäre feiner Partei enthalten schärfste Anreizungen zur Gewalttätigkeit. Tie Gerichte haben hierfür erfreulicherweise kein Verständnis; erst vor kurzem ist Goebbels in Elberfeld wegen Aufreizung Z u tu Klassenhaß z u einer Gefängnis st rase verurteilt worden. Jetzt hat er sich mit feinet« verantwortlichen Redakteur, Türr, vor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg zu verantworten. Tcr Haß seines Blattes richtet sich besonders gegen den Polizeivizeprüsidenteu Tr. Weiß, dem Goebbels fast jede Woche eine Karikatur und entsprechende Artikel widmet. Unter der Neberschrist „Vorsicht! Gummiknüppel!" hat diese Zeitung drei Artikel veröffentlicht, die den Polizeivizepräsidenten Tr. Weiß besonders schwer beleidigten. Tr. Goebbels «nd der Ncdakicnr wurden wegen dieser Beleidigung zu je drei Woclren Gefängnis verurteilt. Las Gericht erkannte auf die Freiheitsstrafe, weil die geringschätzigen und verächtlichen Neuerungen gegen einen Beamten Ln hoher und verantwortlicher Stellung mit Nachdruck gesühnt werden müßten. Taö Schächtvcrbot im bayerischen Landtag. Noch kurz vor der Auslösung des Landtags hielten cs die 'Nationalsozialisten und der völkische Block für notwendig, noch einmal wegen einen Schächtverbotcs zu interpellieren. Ter Abgeordnete Tr. Buttmann begründete die Interpellation und wies darauf hin. daß der Minister des Innern bereits vor Monaten erklärt habe, „daß der Gesetzentwurf fcrtiggestellt und dem Ministerrat unterbreitet sei. Ter Landtagsbesästuß werde also von der Regierung durch eine unerlaubte Verschleppungspolitik sabotiert. Tie Regierung möge nun eindeutig erklären, ob sie bereit sei, den Gesetzentwurf noch vor der Vertagung des Landtags vorzulegen." In seiner Beantwortung der Interpellation führte der Slaatsminister des Innern. Tr. Stütze!, aus. daß die Beratung noch nicht stattgestmden habe, weil der Landtag sich mit wichtigeren Tinge« zu befassen habe. „Der Ministerrat hat", so führt er aus, „den Entwurf am 20. März beraten. Eine frühere Beratung war leider nicht möglich, tveil der Ministerrat vorher mit einer Reihe vordringlicher Beratungen in Anspruch genonunen war. Mit Rücksicht auf den von dem Präsidenten des Landtags in der - Sitzung des Aeltestenrates vom 16. März geäußerten Wunsch, cs möchten mit Rücksicht ans die Geschäftslage des Landtags dem Landtag nur mehr unbedingt notwendige Vorlagen zugeleitct werden, hat der Minister- ' rat mu 20. März beschlagen, von der Vorlage des Gesetzentwurfes über das schachten von Tieren an den gegenwärtigen Landtag abzusehen." Ter Antrag wurde gegen die Teutschnationalen, die Nationalsozialisten und einen Teil des Bauernbundes abgelehnt. bw- \« ODas^die kennen Sie nicht? Na,dann probieren Sie Jbfort die neue charakler-volle Zigarette on*e,i2cn,; A “ n emKnd°1 * Mo8sc> Antcirfen-Annahmc für «äzntl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands. «r<tt)cmt% Dresden, Düsseldorf, Erst'«. Frankfurt <LM.. Halle (Saale), Hamburg. Hannover, Karlsruhe, Köln a.Nh.. Lelpzta, Magdeburg, Mannheim, München. Nürnberg, Stettin. Stuttgart, Amsterdam, Barcelona, Bafel, Budapest, Bukarest, London, Mailand, New York, Prag, Warschau ^ien Zürich.