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Central-Verein-Zeitung · 1928-05-04 · 18 (4.5.1928) · p. Seite 244

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
18 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 (Fortsetzung rcn §. 242.) Wir haben im Verfolg dieser Mitteilungen d i e z u st ä n - digen Schiffahrtsgesellschaften aufgefordert, alsbald ihren Agenturen eine entsprechende Anordnung zukommen zu lassen. Man darf anläßlich dieses grundsätzlichen Falles mit Befriedigung fest stellen, daß die Arbeit des Lentralvereins und vor allen Dingen seine Auffassung in diesem besonderen Falle bei den zuständigen Regierungen Anerkennung und volles Verständnis gefunden haben, und daß ein unwürdiger Zwang, unsere deutsche Volksgemeinschaft in amtlichen Papieren zu unterdrücken, uns nicht zugenlutet wird. v.y. w y ü y ti ij ij i- 'fctl'Jir j? WS* Endlich Klarheit über die Nationalsozialisten? N-ach alter Erfahrung spielt in der Erziehung, und im HntcrricT»t nichts eine so entscheidende Rolle als Beispiele. Schon die alten Lateiner prägten den Satz, daß Beispiele lehrreich sind. Nun haben die Nationalsozialisten bei der großen Münchener Stresemann-Versammlung, in der sie den Minister des Auswärtigen niederbrülllen, ein lehrhaftes Beispiel ihrer „politischen Erzogenheit" gegeben und haben handgreiflich bewiesen, daß sie seit dem Hitler-Putsch 1923 nicht das mindeste, besonders nicht an politischem Anstand, hinzugelernt haben. Noch nach der Versammlung schreibt Hitlers „Völkischer Beobachter" (Nr, 98 vorn 27. April) das Folgende: „Sie haben nach Demokratie geschrieen, von den „Errungenschaften" des „neuen-Staates" gesprochen. Stresemann hat gestern zum ersten Male in. seinem. Leben die unverfälschte Stimme des Volkes gehört. Es waren diesmal nicht die Mendelssohns und Riessers, die ihn im historischen Bürgerbräusaal hören wollten; es waren nicht die Berliner Pressejuden, die ihn gönnerhast umringten; es waren nicht die 50-fachen Auffichtsräte und Börseuschieber, die ihn als „wirtschcrftsfriedlichen" Vorkämpfer anpreisen in den Börsengazctten. . Es war endlich einmal deutsches Volk da, aus allen Schichten der Münchener Bevölkerung, die den Mann hören wollten, der -es wagte, ostjüdische falsche Kommerzienräte als Unterhändler zu Poincarö zu schicken und dadurch das deutsche Volk zum Gespött unserer Feinde zu machen. Und dies Volk hat dem Verantwortlichen von Locarno und für die Dawes-Sklaverei seine Amvort gegeben." Der ruhige Deutsche kann sich nach dieser Kostprobe, nach dem Auftreten in der Stresemann Versammlung und nach den Lehren des Hitler-Putsches ungefähr vorstellen, wie die Hitlersche „Rettung Deutschlands" aussehen würde. Mit erfreulicher Deutlichkeit nehmen denn auch die „Münchener Neuesten Nachrichten" (Nr. 114 vom 26. April) zu den beschämenden Vorfällen in einem Artikel mit der Uebcrschrist „E i n Sieg der Dummheit" Stellung. Sie schreiben u. a. das folgende: ,LLohl ist es auch für die Stadt München blamabel, daß in ihren Mauern der Ungeist sich so anszutoben immer wieder Gelegenheit . findet. Aber die Linie, die von dem Bürgerbräukeller des 8. November 1923 zu dem des gestrigen Abends führt, ist ein Urteil über den Nationalsozialismus, seine Führer und die Organisatoren seiner Jdeenannut, wie es bitterer der gehässigste Gegner nicht sollen könnte. Was eine deutsche Revolution zu machen sich vermaß, endet an dem gleichen Schauplatz mit der Trillcrpseise und den: geschwungenen Maßkrag des kleinsten Radaubruders.Sehr viel dümmer konnte der Nationalsozialismus seine Feindschaft gegen Stresemann nicht bekennen. Aber das ist schließlich seine Sache. Unser aller Sache aber ist. dafür Sorge zu tragen, daß das deutsche pDlitifdjc Leben nicht wieder in die Niederungen entgleitet, wo das Blöken einer Herde als Politische Weisheit sich vorkommt, wo geistige Minderwertigkeitskomplexe durch Muskeln der Lunge oder Faust verdrängt werden. Man kann sich über diese Dinge entrüsten, kann den Schaden bedenken, der einer r^tadt wie München aus der anmaßlichen Betätigung einer politisch einaesärbten Händelsucht entstehen muß, und wird doch schließlich nur staunen über das Matz von Torheit und Zuchtlosigkeit, das hier mit Farben und Liedern echten Deutschtums sich schmückt." Recht bezeichnend ist ein Leitaussatz des bekannten „Hannoverschen Kuriers" (Nr. 197 vom 27. April). Hier heißt es: »Aber cs ist ein ganz verkehrter Standpunkt, wenn einige bayerische Zeitungen, denen die Zrvischensälle ossenbar selber peinlich sind, die Sache damit abtun zu können glauben, daß sie die Rabbiner dr. d. HeaunjHweigee (Oppeln) gestorben. Nach schwerer Krankheit ist Rabbiner Dr. Braun schweiger in Oppeln, der Vorsitzende unseres Landesverbandes Oberschlesien und Mitglied des Hauptvorstandes, am L Mai entschlafen. Unser Schmerz ist noch zu jung, um unter dem ersten Eindruck der Trauerbotschaft Persönlichkeit und Leistung unseres lieben Freundes Braunschweigcr schon heute ausführlich würdigen zu können. Er . hat unseren Landesverband Oberschlesien nach den Schrecken der Kriegszeit und nach dem Tumult der fremden Besetzung neu aufgebaut. Er war stets und unermüdlich und mit warmem Herzen aus dein Plane, wo es galt, für unseren Ecntralverein, für Deutschtum und Judentum einzutreten. Ueberall, wo in Oberschlcsien jüdische Interessen geschickt und mannhaft vertreten iverden sollten, war Rabbiner Braunschweigcr stets in der vordersten Linie, unbekümmert um die Folgen eines Eintretens sür eine gerechte Sache. Er war einer der besten, treuesten und begeistertsten unserer Freunde und Mitarbeiter. Er hat sich um das deutsche Judentum, und besonders um das oberschlesische, große und bleibende Verdienste erworben. Seiner tief gebeugten Gattin und seiner Tochter, wie allen seinen Angehörigen, gilt unsere herzlichste Anteilnahme. Unser David Braunschweigcr wird immerdar in unseren Reihen weitcrlebcn. Achseln zucken und schreiben, cs lohne sich nicht, viel AushcbenZ davon zu machen, da mau die paar hundert Nationalsozialisten nicht ernst zu nehmen brauche. Wenn letzteres richtig ist und wenn die Hitler- Bewegung wirklich in Bayern so bedeutungslos wäre, so müßte mau unseres Erachtens zu einem ganz anderen Schlüsse gelangen, daß nämlich im Interesse des Ansehens der bw)crischeu Staatsautorität gar nicht scharf genug gegen diese Skandalmacher eingeschrittcn werden kann." Für uns ist nicht unwichtig, was in dem Aussatz weiter zu lesen ist: „Nach dem Verhalten der Nationalsozialisten in München vermögen wir aber nicht einzusehen, wcswegen man glaubt, die Nationalsozialisten nach wie vor mit Glacehandschuhen anfasscn zu müssen, znmal der Knüppel bei ihnen leine geringere oder sriedlicherc Nolle spielt als bei den Nothernden. Für den Staat als solchen mutz es gleichgültig sein, ob sich die Leute und Organisationen, die sich gegen die Ordnung und Staatsautorität vergehen, zur Linken oder Rechten rechnen, und er mutz von seinen Machtmitteln Gebrauch machen, soweit es die Umstände erfordern." (Von uns fett gesetzt, ^chriftl.) Jetzt, wo aus einmal der Minister des Auswärtigen von nationalsozialistischer Zügellosigkeit beschimpft, wo seine Versammlung von der gleichen Seite aus gesprengt wird, jetzt aus einmal verlangt auch das hannoversche Organ der Deutschen Volkspartei ein schärferes Zusätzen gegen solche nationalsozialistischen Terroristen. Sollen wir hier aufzählcn, was von nationalsozialistischer Seite alles gegen das deutsche Judentum weit über das erträgliche Maß verübt worden ist? Sollen wir an die mächtigen Freunde erinnern, die heute noch die Nationalsozialisten unter ihre Fittiche nehmen? Sollen wir wiederum hier aussprechen, daß unausgesetzt gewaltige Summen aus industriellen Kreisen, des Rhein- und Ruhrlandes ihnen zusließen? W o s i n d d i e P r o t e st e gegen alle völkischen Ausschreitungen gerade in der r e ch t § st e h e n d e n Presse? Wo sind die flammenden Artikel gegen die zahlreichen Friedh ofsschändu n gen', die schlimmsten Verirrungen jugendlicher Deutscher, die zum einem Teil nachweislich völkischen Kreisen cnlstannnen. oder deren Tätigkeit mindestens das Produkt völkischer Erziehung ist? Was ist schlimmer? Eine Rede des Ministers Stresemann niederzubrüllen oder 50 jüdische Friedhöfe zu zertrampeln? ' Diesen radikal-völkischen Kreisen gegenüber gibt es kein Paktieren und kein Zuwarten. Und wir haben cs immer und immer wieder gesagt: Nicht die Juden sind letzten Endes die Leittragenden der völkischen Umtriebe, sondern das deutsche Volk und die deutsche Kultur. Und wenn die jüngsten Münchener Ercignitze diese Erkenntnis auch weiten rechtsstehenden Kreisen kräftig vor die Augen gerückt haben, so haben die schon einmal genannten alten Lateiner recht: „Exempla doeent* („Berspiele wirken erziehcrisch").

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