Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 18 (4.5.1928)
- Date
- 1928-05-04
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2277379-2277781-2277799--04439-2285055- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
242 sondern um« er leistet. Wenn dein Sinn deZ Tcuticheu das Volk nicht mehr als Pielhcit von G e g n e r i r o n t e n erscheint, sondern sich ihm als die Einheit der Leistungsgemeins ch a s t darstellt, dann erst tritt er ans der Wirrsal politischer Pubertät in den Wendekreis politischer Sehkraft und volkhafter Leistungsfähigkeit. 2 Wir brauchen nicht pessimistisch zu sein. Es ist zweifellos, daß die Zahl der Jungwähler, die sich nicht an der Symbolmrd Snmmungspolitik genügen lassen, die vielmehr 31t geklärten, realpolmschen Einsichten und Entscheidungen drängen, gegenüber den letzten Wähler: zugeuommen hat. Es ist in der seelischen Slrukuirgeschichte begründet, das; den jungen Menschen eine höhere Feinempfindlichkeit für die Wandlungen im Weltfühlen eignet als dein älteren, in dessen 3eefe bereits eigene Erlebrristraditionen ausgereist sirrd rnrd ihre urteilsornrende Gervalt arrsüben. Schon zeigen sich aber int Xenfm der großen Alumtrnatiomni die Linien eines neuen, starken Weltgefühls von wundervoller, synthetischer Eervalt, eines Weltgefühls, das alten nationalen Kräften seine Geltung beläßt und eben deshalb die nationalen Einzelkräfte 31t sammeln vermag zu bundhaft gewährleisteten Politischen rnrd kulturellen Zielen und Sicherungen, die die nationalen Einzelmächte von sich aus nicht zu erreichen vermögen. Ganz neue Gefühlssphären erwachen; ein rrener Stolz wächst heraus, der sich in den Nationalstotz läuternd und weitend langsam hineinspannt: der Stotz, berufen, reinen Willens und reälpolitischen Vermögens zu sein zürn Mitschassen an einen: Bunde der Bölker. an einer Konzentration der nationalen Einzelkräfte und Einzelinteressen' zu einem neuen, gesicherten kulturellen, wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Universum, dem die Nationen nicht nur blind und schiclsatsmäßig angehören, sondern das sie alle mit einen: neuen, allmählich sich entwickelnden Derantwortungsbewußtsein tragen, dessen schöpferischen Frieden sie gewährleisten und an dessen Ganzheit sie weben werden. Daß nicht Nationen in sich die letzte natllrhafte und verpflichtende Ganzheit bilden, sondern daß aus ihnen und durch sie und wiederum segensreich für sie die höhere Ganzheit derer g a n i s ch m: t e i n a u d e r wachsenden, wollenden und schaffenden Völker erwachsen müsse. das ist das neue Ethos-, das den völkischen Gedanken der weltabgewandten Enge bereits in manch einem jugendlichen Herzen abgedrängt hat? . Die beiden Zonen, denen der junge Mensch sein ganzes heißes Selbst hinzugeben geneigt ist, sind: das He ldi sch e und das T i t a n i s ch e? Die völkische Idee wirbt von der Zone des Heldischen ans. Sie ruft zun: Frontgeist. Sie betrachtet jeden der Ihren als einen Gerüsteten, der ans seinen Kampfruf wartet. Das ist ihre Werbekraft. Wer die Welt aus ihrer Zerbrockeltheit aufzurichten, aus ihr einen einzigen Kosmos miteinandergehender Menschen zu wachen — erschemt als ein titanischer Wille. Es ist Prometheusgeist, der die Seele des Jugendliche!: erregt :n:d an dem er mit Stolz teilhat. _ In den: Augenblick aber, da dieser Geist ihn angerührt bat, fthlt er, daß jener „Frontgeist" — nur gegen Deutsche gerichtet ist. Daß er die Nation zerreißt, statt die eine große Volkskraft aus der Gesamtheit der Volksgenossen und ihrer spezifischen Anlagen in eine entscheidende, schafsenssrohe Synthesis 31t führen. Solche Volkskraft ist nicht metaphysischer Begriff, sondern sichtbare, fühlbare, wirkende Realität. Volkskrast ist nicht Sorge und Furcht vor der: „überstaatlichen Mächten", sondern sie ist die stets und in allen Volk'sgtiedern schwindende Fähigkeit, die überstaatliche!: Mächte zu nationalen! Frnchtboden mnznpflügen. Volkskrast hält Weltgut nicht eifersüchtig nörgelnd vom Bolksgeist fern, sondern: Volkskrast webt Weltgut in Nationalgut um. Volkskrast ist deshalb immer weltosten. Sie ist der ewige Seemaunsgeist: Kraft und Mut zur Ferne. ^So aufgegipselte Volkskrast sieht nicht argwöhnisch und grämlich Preußen, Bayern, Inden, Katholiken widereinander. Sie vermag sie alte zu ja mmenzn schauen als Deutsche, berusen in der Welt. Hier ist der Antisemitismus organisch überwunden. _ Dies etwa ist die erste Schaufläche des neuen Weltgefühls, das die Besten unserer Jungen zu durchströmen beginnt und das Nationalgesüh! selber in die fruchtbaren Hochebenen des erneuerten nationalen WeltgeltungSwillens fuhrt. Das Schicksal Deutschlands wird davon abhängen, ob die völkische Forderung oder das neue Weltgefühl in Deutschland siegt.' Das hängt' nicht nur von der Idee ab. Sondern von uns. Tie völkischen Jdeenträger und Bünde pochen mit großer Gewalt an die deutscher: Seelen. Wenn wir anderen, die wir die Erneuerung der gesammetten deutschen Volkskrast ersehnen, nicht ebenso uns zusammenschließen und alle Tore der Seelen freinmchen, daß volkhastweltmutige Gesinnung einströme und den jungen DcmGh^n mit aller jugendstarken Lust am Weilen und Titanischen erfüllt, tun wir nicht, was wir tun müssen. Wir brauchen Blinde und Mittelpunkte alter, die um die Erneuerung des deutschen Gewissens ringen. Nicht einer ist da. Aber die Stunde ist da, die sie fordert. Wer hört den Ruf? Wer trägt ihn weiter, daß er alle sammele, die berufen sind, am geistigen Antlitz des neuen Dent'chland zu formen? Dr. Müller-Claudius. VW | CM* W V V Erfreuliche Antwort der amerikanischen Behörden an den C. V. Vor längerer Zeit ist hier darüber berichtet worden, da!-: in der: Schiffahrts-Fragebogen des amerif a n i s ch e n E i n w anderungsamt e s _tum jüdischen Deutschen auf die Frage „Volks- oder Naffezugehörrgtrit" durchgehend die Eintragung „H e b r ä e r" verlangt :vorden ist. Wir hatten weiter mitgetcilt, daß der N 0 r d d e u t s ch e Lloyd sowie die Ham b ur g-Am e r i ka-L i 1: i e in einen: vertraulichen Rundschreiben ihre Agenturen angewiesen hatten, deutschjüdische Reisende als „Hebräer" (und nicht als „Deutsche") eüizrrlragen, unr ihnen Unannehmlichkeiten zu ersparen. Ter E er: t r a l - Be r e: n hat in der Erkenntnis der grundsätzlichen Bedeutung dieser Angelegenheit sofort die nötigen Schritte bei den zuständigen Behörden eingeleitet. Es dürfte erinnerlich sein, daß der Syndikus des Central-Vereins, Dr. W i e n e r, gemeinsam mit den Herren Tr. H 0 ch st e 1 t e r vom Norddeutschen Lloyd und von Meibom von der Hambnrg-Amerika-Lüne bei der Berliner a m e r i k a n i s ch e n Botschaft in der Angelegenheit vorsprachen. Ter Botschafter der Vereinigten Staaten, Herr Dr. S ch u rntann, empfing seinerzeit die Herren in Anwesenheit des aznerikanischen Generalkonsuls. Ter amerikanische Generalkonsul teilte dann später dem Een t ralv ere i n arntlich mit, daß die Beschvoerde zuständigerweiso d u r ch d e n d e u t s ch c n B 0 t s ch a f t e r i n W ashiugt 0 n derRegierung der Vereinigten S t a ate 1: v 0rzutra g e n sei. Inzwischen ist die Angelegenheit auf unsere Anregung hin von der deutschen Botschaft in Washington bei den amtlichen amerikanischen Stellen zur Sprache gebracht worden. Es wurde dabcr sestgestellt, Vas; deutsche Staatsangehörige jüdischen Glaubens von den amerikanischen Einwattdcrnngsbetzörden nicht genötigt werden, unter der Rubrik JO des von den Schissahrtskirrien vorgelegten Fragebogens vre Bezeichnung ,..Hebräer" cinzntragen. Es bleibe gänzlich dem Belieben der Passagiere überlassen, unter den auf dem Formular angegebenen Nassen diejenige zu wählen, zu der sie sich zugehörig fühlten, die Religion als solche spiele dabei keine Nottc. Nur in dem Falle, daß eine Persönlichkeit jüdischer Abstammung sich als „Deutscher" eintrage, obgleich gewisse persönliche Merkmale, wie insbesondere Fehlen der Beherrschung der deutschen Sprache, einer solchen Bezeichnung offenbar entgegenstünden, könne es vielleicht Vorkommen, daß der Einwanderungsbeamte im anierikanischen Einwandernngsbafcn, dem die Nachprüfung der von den Passagieren gemachten Angaben obliege, das Wort „De u t s ch er" durch die Bezeichnung „Hebräer" ersetzt. Aber selbst solcher Vorgang würde von keinerlei rechtlicher Bedeutung sein, da der betreffenden Unterscheidung in dem Fragebogen lediglich statistische Bedeutung zukomme. Fortsetzung s.?/■*.;