Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- Seite 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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OrMeVSkßStr / »-« Kriegserlsbnisssn eines deutschen Offiziers. Berlin so 36. 24. April 1928. Sftt den Central-Verein deutscher Staarsbürger jüdischen Glaubens Berlin, Lindcnstraße 13. In letzter Zeit finde ich vermutlich im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen — wieder so zahlreiche Herabsetzungen von ehemaligen Soldaten jüdischen Glaubens, daß ich nüch, empört hierüber, veranlaßt sehe, einige persönliche Erlebnisse aus meiner langjährigen Dienstzeit Ihnen zu beliebiger Verwendung, auch unter Angabe meines Namens, zur Verfügung zu stellen. Meine Niederschrift soll nicht nur eine Ehrenerklärung für ehemalige Untergebene, die Juden waren und auch blieben, sein. Sie soll auch Klarheit bringen. Das; ein selbstbewusster Deutscher JuDe sich politisch nicht den Parteien anschlreszcrr Dürfte, Die es sich angelegen sein Lasten, Die Juden zu verlcurrrDerr, ja sogar sich nicht entblöDeu, Die zahlreichen aus Vaterlandsliebe gebrachten Blutopfer zu bestreiten und Die Eingaben darüber als Fälschung auzurechnen. Man kann sich nicht wundern, daß verhälnüsmäßig viele Juden, manchmal sogar mit wirtschaftlich anderer Erundeinstellung sich den Linksparteien bzw. denen mit liberaler Tendenz angeschlossen haben. Sich Parteien anzuschließen, die Juden ihres Judentums wegen verfolgen, halte ich für ebenso charakterlos wie den Konfessionswechsel um äußerlicher Vorteile oder Anerkennung wegen. Als ich noch Leutnant war, wurde bei meiner Kompagnie in Düsseldorf (Füsilier-Regiment 39) ein Jude wegen seiner vorzüglichen Leistungen als Soldat Unteroffizier und Aizeseldwebel. Als ich ihn'bei der Verabschiedung fragte, ob er nicht versuchen wolle, Reserveoffizier zu werden, erklärte er mir in großer Bedrücktheit, er wolle lieber die Proviantamlskarriere einschkagen, weil er doch nicht zum Offizier gewählt werden würde, so aber doch wenigstens eine dem Osfizierstand nahestehende militärische Stellung erreichen könne. Sein damaliges Ziel hat er erreicht. — Bei meiner Kompagnie, 1/57 in Wesel, diente ein Jude sein Jahr ab. Es war dies ein Mensch, dem keiner von uns Zeine Achtung versagen konnte. .^Deshalb qualifizierte ich ihn aus vollster Ueberzeugnng zur Beförderung und hatte die Freude, daß er nach den vorgeschriebenen Uebungen als zum Reserveoffizier geeignet entlassen wurde. Auf mein Zureden stellte er sich bei dem zuständigen Landwehrbezirk zur Wahl. Der betreffende Bezirkskommandeur forderte von mir eine vertrauliche Aeußeruug über den Aspiranten, sowohl als Mensch wie als Soldat. Trotz meiner Befürwortung fiel er bei Der Osfizierwahl Durch, weil Das LanDwehrosfizierkorps sich Dagegen gesträubt hatte, einen Juden als Ossizier in seinen Reihen auszunehmcu. Leider sind mir die Namen dieser wertvollen Soldaten und Menschen nicht in Erinnerung geblieben. Wenn einer von diesen meinen Namen und meine heutige Ansicht erfährt, würde es mir Freude machen, ihm zu beweisen, daß mein Urteil ihm noch heute gerecht wird. Dagegen kann ich zwei Fälle aus dem Kriege mit Namen belegen. Als ich nach schwerer Verwundung Ende 1914 mein Bataillon, 111. Reserveinsanterie-Regiment 13, wieder über-* nommen und am cheniin des da nies eine schwere Aufgabe zu lösen hatte, war mir wiederholt ein Sfsiziersteilvertreter durch seine geraden: hervorragende Tätigkeit als Soldat und als Vorgesetzter ausgefallen, daß ich mich veranlaßt fühlte, ihm durch Bataillonsbesehl meine besondere Anerkennung anszusprechen. Dieser bat mich nun eines Tages, in persönlicher Angelegenheit sprechen zu dürfen und erzählte mir folgendes: Während meiner Abwesenheit hätte er eine Eingabe gemacht, um zur Ofsizierwahl gestellt zu werden. und der Regimentskommandeur hätte seine Bitte auch unterstützt. Bei der Wahl sei er aber trotz Vorschlages Des NegiruerrtskommanDeurs durchgesatlcu, weil er Jude fcL Da inzwischen aber bei dem Nachbarregiment, Reserveinsanterie- Regiment 39, zwei Glaubensgenossen Offiziere geworden wären, bäte er mich um Rat, was er unternehmen könne, um doch noch Offizier zu werden. Ich lvar starr über diese Schilderung. Es erschien mir undenkbar, Das; in Diesem Kriege ein wertvoller Mensch seiner Konfession wegen gewistermatzen als i unwürdig angesehen sein sollte. Mein Vortrag beim Regimentskommandeur bestätigte die Angaben des Mannes, der im Zivilleben Referendar und als Soldat der besten einer nxrr. Meine Empörung trieb mich zu dem ungewöhnlichen Schritt, in einer Eingabe die Ansicht der hohen und höchster: Vorgesetzten, wenn nötig des Militärkabinetts, erbitten. Nach einigen Wochen erhielt ich die Entscheidung Des Damaligen MiLrtärkabinclts, das durch seine objektiven^Entscheidungen bekannt war, in Der Sache teile Das Kabinett nrcine Auffassung, könne aber in keiner Weise eingreifen, weil eine Kabinettsordre Dem Ossizierkorps VaS Recht zugesprochen habe, bei Der Wahl eines Aspiranten allein Den Ausschlag zu gebcnl Das Bezeichnenste war aber, daß dieser Osfizierstellver' treter, der durch und durch Frontsoldat war, um ihn gewissermaßen für das Wahlunglück zu trösten, zur Beaufsichtigung der landwirtschaftlichen A r b e i t e n hinter der Front a b k o m m a n b i e i* t wurde. Ter Mann hieß Lob. Ich habe nicht gewußt, daß er Jude lvar, bis er es mir selbst erzählte. — Ein jüdischer Kriegsfreiwilliger der Garde-Feldartillerie namens Helmut Schurgast war nach zweimaliger Verwundung hier in Berlin bei seiner Abteilung. Da er alle Stadien der militärischen Anforderungen mit Ersolg absolviert, also auch die Geeignetheit zum Offizier zugesprochen bekommen hatte, hoffte er auf eine Wahl. Statt dessen stellte ihn eines Tages sein LLbteiLungSkornrnanDeur vor Die Frage, ob er nicht zum christlichen Glauben übertreten wolle. Da nur seine Zugehörigkeit zum JuDcu- Lum seiner Ernennung zürn Ossizier hinderlich sei. Helmut Schur gast gab zur Antwort, er könne sich nicht denken, daß er durch eine Charakterlosigkeit beweisende Handlung besser zum Offizier geeignet werden würde als ohne dieselbe. Einer seiner in derselben Lage gewesenen Kameraden trat zum Christentum über und wurde Offizier. Helmut Schurgast lebt noch jetzt in Hamburg. Mit meiner Hilfe ist es schließlich gelungen, die verdiente Anerkennung durch Ernennung zum Reserveoffizier vom Personalamt im Reichswehrministerium zu erlangen. Diese Tatsachen, für die ich jederzeit einslehe, und als deren Verbreiter mich zu nennen ich gerne gestatte, sprechen deutlich genug. Ein klar denkender Deutscher jeden Standes und jeder Konfession kann sich nicht zu solchen Parteien bekennen, die solchen blödsinnigen Rassen- und Klassenhaß verteidigen. Mit vorzüglicher Hochachtung Max Brrrrrzlow, Oberstleutnant a. D. Der ßliegermajor ßltzmaurice - oder: Höher geht es nimmer. ITg. Ter Ost-Wdt-Flug der ,.B tcntc rT. an dem neben zwei deutschen Fliegern auch ein irischer Flicgerosfizier beteiligt war, wird, ohne daß ein Normalmensch hierfür besondere Gründe cmfsinden kann, in den Blattern der völkischen Gruppen als Sieg des völkisch-nationalistischen Gedankens gefeiert. Man braucht sich nur an den großen Lindbergh-Flug zu erinnern, oder an den Weltrekordftug C h a m b e r l i n - L e v i n e, um die Gewaltsamkeit dieser Beweisführung sofort zu erkennen. Dem „Völkischen Beobachter" gelingt nunmehr die nachträgliche Entdeclung, daß F i tz m a u r i c c a m 11. November 1918 mit der Durchführung eines umfassenden Bornbenangrisscs auf Berlin beauftragt war. Das Blatt des Herrn Hitler knüpft an diese Reminiszenz folgende Bemerkung: Ter Waffenstillstand, das Werk einer entmannlen Heimat, verhinderte diese Schreckenstat. Sott man aber besondere Genugtuung darüber empfinden, das; cs nicht mehr dazu gekommen ist? Wir konnten uns denken, das; auch deutschen Frontsoldaten die Person Fitzmanrices noch sympathischer wäre, wenn er damals, trotz des Waffenstillstandes, den Deserteur- und Meutcrcrsmnps Berlin ordentlich vcrbombt hätte. Vielleicht hätte er damit eine Tat vollbracht, die seinen heutigen Flug an Tragweite noch ttbcrtrossen hätte." Ter Standpunkt des „Völkischen Beobachters" ist also: ein Feind, der die eigenen Landsleute, sosiru es sich um Menschen anderer politischer Gesinnung handelt, rötet, steht uns näher als die eigenen Volksgenossen. 3! ieder d a s V a t e r l a n d , h o ch d i e Partei!