Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- Seite 165 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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/Heclin, AS.!7!ärz 192s / VII. Jahrgang * Nr. 13 Einzelnummer 10 Pfennig - NM!>^ «H-» <f?Wv*?/\ 1 <0',-0» r •V /V \ » O 1 'V* -rr isüiiissbil GUMMAMM UÄW ^!>L) L4L DierteNahrsabonnement 1.20 RM. (zuzügl. Lcsiellgeid). Dsr!ag u. SchriftleiLung: Berlin SW 63, Lindenstr. 13 .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 359-1, 3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. B stube O, Berlin SW 63, Lindenstr. 7, und von GoldschmidVRothschUd & Go., Berlin VT 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin 8W 19. und deren Filiale:!. Anzeigenpreise: 0,90 bi« 7 Norrnalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzergen und Stellengesuche (nickt 6‘ .. "* " ' ' " J" "" " Allgemeine Zeitung des Judentums Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« __..fi..r. . .paTtenc Zelle nach Rudolf Mossez Stellenangebote) für Mitglieder O. Gentralvereins 0,-15 JIM, die 90 inrn breite Rellamezeile 4,80 «Pi / W 1 v V VVVOw Eins Zuschrift von Pfarrer L!c. Dr. Hans Hartmann (Fache b. Solingen). Vorbemerkung. Kritik nichtjüdischer Freunde an der Arbeit des Centralvereins ist stets willkonrmen und lehrreich. So sind auch die Ausführungen des Pfarrers Lic. Dr. Hartmann über Erfahrungen mit Aufllärungsversammlungen warm zu begrüßen. Cs ist ein billiges Schlcrgwort. besonders beliebt bei denjenigen deutschen Juden, die nicht Zu uns gehören wollen, daß alle Aufklärungsarbeit gegen völkische Verkennung und Verketzerung Schall und Rauch sei. Hier belehrt uns ein objektiv und sachlich denkender Nichtjude, wie unerläßlich solche ruhige Aufklärungsarbeit ist, wie sie, vorzugsweise auf lange Sicht eingestellt, durchaus berufen ist, allmählich Richüvissende oder Schl-echtwiffende zu belehren, anständige Gegner nachdenklich Zu stimmen. Solche verfeinerte, ständige Aufklärung kann nicht immer mit Hurra und Paukenfchlag in der großen Oeffentlichkeit verkündet werden. Mer aber überhaupt an den wahren Fortschritt, an den Sieg der Gerechtigkeit, an die sichere Möglichkeit der Verständigung Zwischen Juden und N i ch t j u d e n glaubt, der wird überzeugt sein, daß jede solche Aufklärungsversammlung, daß jedes Mort wahren und warmen Herzens, für die Einigkeit des deutschen .Volkes gesprochen, seinen Segen stiftet. Es ist bezeichnend, daß sich Pfarrer Hartmann in diesem Zusammenhänge auch an die jüdischen Mitbürger wendet, weit er die Erfahrung gemacht hat. daß selbst diese den Wert solcher Tätigkeit oft nicht einsel>en oder gar geringschäs^n. Bon diesem Standpunkt aus betrachtet, erreichen die Ausführungen Dr. Hartmanns eine besondere Bedeutung, zumal im Hinblick ans die großen Entscheidungen der Wahlzeit. Die S ch r i f t l e i t n n g. Versammlungen gewinnen in den letzten Jahren einen anderen Stil. Es wird langsam möglich, das Niveau zu heben und mit den Hörern gemeinsame Arbeit zu leisten, ohne sie einseitig zn belehwn. Mögen, besonders in Mahlzeiten, Versammlungen, in denen man sich gegenseitig mit Schlagworten bewirft und mit Lammesgeduld das schon tausendmal Gehörte noch zwanzigmal anhört, nötig sein, ebenso notwendig sind jene Versammlungen, in denen nicht n ur Selb stve r st äu d li ch kei ten. gesagt werden. Da wird der Boden für tiefere Uebcrzeugungen ansaelockert; die Augenblickswirknng ist wohl nicht so stark, alnw'auf längere Sicht kann eine organische Wandlung übernommener Ansichten und landläufiger Vorurteile erreicht werden. Ein anderer Vorteil dieser neuen Art von „Arbeits-Versammlungen ist der, daß jene Leute, auch die „Führer", die nur ihr eines Muster auzubieten haben, einfach nicht mehr mitkommcn. Es ist immer häufiger zu beobachten, daß die Hörer über sogenannte Reden nationalsozialistischer „Führer" von niedrigstem Niveau, sachlich völlig danebenhaueud, einfach zur Tagesordnung übergehen und nicht die geringste Notiz von ihnen nehmen. Wir müssen uns im klaren sein, daß dieser Prozeß der Befreiung vom Schlagwort, der geistigen Auflockerung und der wachsenden Ansprüche sich sehr langsam vollziehen wird, aber solche Erkenntnis darf ja nie ein Grund fein, ihn zu vertagen. Im Gegenteil! Aus meinen Erfahrungen, die ich bisher mit derartigen Versammlungen gewonnen habe, möchte ich nun einige formale und inhaltliche Gesichtspunkte hervorheben. Man lvird sagen muffen, daß die „Gegner" — unter diesem Namen faffe ich alle antisemitisch Denkenden im weitesten Sinne zusammen — wenig Wert auf die wirkliche Auseinandersetzung legen. Sie suhlen, daß in der reinen Atmosphäre der sachlichen Arbeit und des Ringens um die Wahrheit die Sumpfpflanzen ihrer fanatischen oder unpräzisen Ansichten einschrumpsen rnüpen, und bleiben daher lieber fern. Es besteht also die wichtige Ausgabe, und das ist Sache der Kleinarbeit, die geistig Redlichen unter, den Unaufgeklärten so zu erfaffen, daß sie sich innerlich verantwortlich fühlen, ihre Ansicht revidieren. Das braucht nicht immer in der öffentlichen Debatte zn sein, oft wird je nach der; örtliche Verhältnisien eine Aussprache im kleineren Kreise über die angerührten Fragen von größerem Werte sein. Auch darf die Vorarbeit sich nicht ans die Aussendung einer möglichst großen Anzahl von Einladungen beschränken, sondern man muß die Besucher der Versammlungen auch auf persönlichem Wege ausfindig machen und sie auf ihre Verantwortung Hinweisen. 4 W