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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-23 · 12 (23.3.1928) · p. Seite 153

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
Seite 153 (sequence 1)
Language
German
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- 2£ w. Ü' ■ Seelin, LZ. März 1025 VII. Jahrgang » Nr» 12 Elnzelnummer 1-pfennIz!<$«! anrmn « n -!W»LLMZM.^ Birrteljabrsabonnerncnt 1,20 NM. (zuzügl. ©cftcUflelb). Verlag u. Lchrlftle v ‘O’ -c *w> JhStHWfcSWWa* ^yc^y-dy-i^N^K^f ÄU^emeine Z.eirun£> des Judentums Alleituge An^eigena Normcrlzeilenmcsser' ' '/S A AAAfAA WTOJi3UM EVE LsMMZV, SW» H. St. Tcr Reichstagsabgeordttete Ernst ßenuner bat untz den folgenden dcaclrteuswerten Aufsatz übermttteU. Vovkott ist imnrer ungesetzlich, gleichgültig, ob er sich wie bisher gegen jüdische Mitbürger richtet oder gegen die st a a t l i ch e Oberhoheit. Wie diese Bovkottbeftrebungen. die im Prinzip immer staalsseindlich sind, sich zum Schaden der * AllgemeinhUt cmZwirten, bat L-emmer im nachfolgende:! Aussatz gezeigt. Die S ch r i s t l e i t u n g. Die Bauern demonstrieren. Sie ziehen vor Landratshäuser und Finanzämter, um ryrem allgemeinen Unmut Ausdruck zu geben. Reden werden gehalten, Drohungen ausgestoßen, und man gelobt sich, ewig zusammenzusteheu, um die gemeinsamen Landvolkinteressen gegen die landwirtschaftfeindlichen Männer in Berlin zu verteidigen. — So stellt sich der Leser großstädtischer Zeitungen Verlauf und Charakter der Landvolkdemonstrationen vor, wenn er täglich von diesen Kundgebungen liest und sogar vernimmt, daß hohe Regierungsmänner warnende unb beruhigende Worte zugleich an die Landwirtschaft richten. Der Politiker ist zudem geneigt, noch auzunehmen, daß der L a u d b u n d, der für diese Bauernkundgebungen den Organisationsrahmen abgibt, im Landvolk in alter Stärke verwurzelt sei und demgemäß als machtvoller politischer Faktor gewertet werden muffe. Der äußere Schein trügt. Man gehe hinein in das ostdeutsche Landvolk zwischen Elbe und Weichsel, um sich tn kleinsten Landvolkversammlungen ein wirkliches Bild von dem zu machen, was da aus dem flachen Lande Ostelbicns gegenwärtig vor sich geht. Gewiß, es ist einiges los. Die sonst so schwerfälligen Menschen im preußischen Osten sind in Bewegung gekommen. Eine Atmosphäre der Unsicherheit zittert über den weiten Flächen Ostelbiens. Der Glaube an die Zweckmäßigkeit der gegebenen Ordnung ist verloren gegangen. Man weiß noch nicht recht, was man eigentlich will, man weiß nur, bah irgend etwas nicht mehr in -Ordnung ist. Es wäre gänzlich verfehlt, anzunehmen, daß die Beunruhigung des ostelbrschen Landvolkes das deutsche Volk vor ein ökonomisches Problem gestellt habe. Gewiß sind hier und da wirtschaftlich e S ch w i e r i g k e i t e n zu verzeichnen, aber sie sind nicht die eigentliche Veranlassung zu der liesgehenden Erregung, wie sie sich seit etwa einem Jahr in immer größerem' Ausmaß m bn ostelbischen Landbevölkerung ausbreitet. Die Menschen auf den Gebieten der vstelbischen Latifundien, die noch bis vor kurzem so außerordentlich autorilätsgebundeu waren, äußern revolutionären Unmut, sowohl Bauer wie Landarbeiter. Die Herren des Landbundes werden sich selbst bei nüchterner Klugheit, die ihnen stets eigen war, nicht darüber hinwegtänschen. daß sich dieser Unmut nicht zuletzt auch gegen die bisher das ostelbische Land so umfassend beherrschende Organisation der Großlandwirtschaft richtet. Bor etwa einem Jahr begann es,als in Schlesien, in Brandenburg, in S ch l e s w i g - H o l st e i n , tu M ecktenbürg und vor altern in P o m m ern die B a u e r n ansingen, sich vom L & n b 0 u n b c j u l ö f c n , um in sel b st ä n d L - gen Ba uerno r g a ni sa t i on en ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Wenn auch zahlenmäßig und organisatorisch die Bildung dieser „Bauernschaften" noch äußerlich im Schatten des La'ndbundes blieb, so ist ihre innere Bedeutung für die geistige und soziale Entwicklung des Landvolkes nicht zu unterschätzen. Die äußere Macht des Landbundes trügt. Wir wissen, daß Hunderttausende von Landwirten zahlenmäßig noch zum Landbund gehören, obwohl sie innerlich mit ihm schon seit längerem gebrochen haben und schon seit Monaten, vielfach schon seit Jahren, an die Organisation des Landbundes überhaupt keine Mitgliederbeiträge mehr zahlen. DerBauerhatden Elaubenan dieNützl i ch k e i t der L a n d b u n d f ü h r u n g vielfach verloren. Wenn auch das Gros dem Schein nach noch hinter der Landbundfahne marschiert, wenn die Gefolgschaft mit Militärmusik zu Demonstrationen abgeholt wird und die Stunde nach dem Aufmarsch zahlreiche Demonstranten als Zecher fröhlich vereint, so kann das nicht darüber hinwegtäuschen, daß die besten, die geistig selbständigen Bauern das Treiben , ablehnen, weil sie wissen, daß ihnen dadurch keine soziale und geistige Befreiung gebracht werden kann. Sie haben erkannt, was die Masse der Landbundmitglieder bisher nur im Unterbewußtsein zu fühlen vermochte, daß die Beunruhigung des ostelbischen Landvolkes nicht in erster Linie auf wirtschaftliche, sondern aus soziale und kulturelle Ursachen zurückzuführen ist. Ich bin der festen Neberzeugung, daß kein schematisch ausgestelltes Notprogramm, keine Subventionen. ganz gleich, in welcher Höhe sic gegeben werden, den agrarischer? Osten Deutschlands beruhigen werden. D i e Wurzeln liegen tiefer. Die geistig revolutionären Wetten, die in der Mitte des vorigen Jahrhundert? das städtische Bürgertum bewegtem, ihm die geistige und soziale Freiheit und Unabhängigkeit brachten, und am Ende des großen Krieges noch einmal über die deutschen Lande schlugen und besonders dem industriellen Proletariat einen neuen und stärkeren Lebenswillen gaben — sie gingen noch spurlos über die ostetbischen Lande hinweg. Wie wir au dieser Stelle am s i r lJ Oer neue numerus clausus in Ungarn. - Rückblick auf den Hitler« putjch. — Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wassermann (München): Unlauterer Wettbewerb. - Polizei und Politik. —- Dr. Leopold Hilschbercr (Berlin): Michael und Meyer Beers ^Siruemee". - Professor Dr. Haupt (Darmsiadi): Die Offenbacher Haggadcch.

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