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Central-Verein-Zeitung · 1928-03-16 · 11 (16.3.1928) · p. Seite 145

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
Seite 145 (sequence 5)
Language
German
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♦ ♦ ns i i « ' ß | V, EUre Crirnrrruttg aus vcm Fahre 1648. Eure Leserin unseres Blattes stellt uns nachfolgenden Brief zur Verfügung, den sie in dem Nachlaß ihres Großvaters gesunden hat. Berlin, 21. Marz 1848. Mein geliebte Paul ine! Durch den Voten, welchen ich am Sonntag mitgenommen batte, - liest ich Dir sagen. das; ich erst Donnerstag nach Haus fommcn würde, lvoraus ich mit Sicherheit rccfjncte, irnD dennoch ist mir dies nicht möglich, daher halte ich es für nötig. Dich hiervon in Kenntnis Zu sehen, dainit Dm keine Sorge hast; Montag toxxntc ich erst nachmittags mit rKofcutfint von Magdeburg nach hier, und tonnte nichts mehr vornehmen, auch heute ist wellig geschehen, da bei einigen die Waren erst voll Frankfurt znrückgekommcn. Morgen findet die große Beerdigung der für die Freiheit CvcfaHciicit, deren Zahl zwar unbestimmt. jedoch ans 1000 bis 20C0 angegeben wird, statt, sämtliche Läden bleiben geschlossen, auch viele Inden sind gefallen, das ganze Nabbrnat sowie auch ssiurtliche Geistiirhe werden folgen, sämtliche Dolen, sowohl Inder: wie Erzrisien, tomnrcn zusammen, eö wird ein DenkrnaL errichtet, wo sämllichc Namen der Gefallenen der Nachwelt ansge,zeichnet werden. Das Volt hat den Sieg errungen, und sind viel mehr Soldaten als Bürger gefallen, der völlig hat alles bewilligt, und { türmen wir Inden das ^fjurtuifcft doppelt feiern, La wir jedenfalls die E m a n z i p a t i o n errungen haben, ein?x o ft c § Glück, ein größeres konnte u n s nicht w i d e ra'h reu, auch ei ir Sporn für it n f c rc Binder, s i e möge n s ich b c nr ü h e n . das; sie w a s lei st e n. Das rseLd ist ihnen gcössnet, die Schranken sind gefallen, den 20. April kommen die Landstände zusammen, mld ist cs keinem Jweife! unterworfen, das; die (FlcichsLclLrrrrg aller Konfessionen ausgesprockzcn wird, dcrnr das Bott will cs und der König hat keine Macht. die 'Ui iuifrcr sind gestürzt, andere gewühlt, und der Aönig, welcher noch am vergangenen Sonnabend den Deputationen erklärte, keine Macht würde ihn 'Zwingen, durch Gewalt nachznaeben. sagte heute, ich bin koustinrtio-' ueller König. die iUtinrftcr sind dem Volle verantwortlich. Tie Zeitungen erscheinen ohne Zensur, der Erbprinz ist geflohen, sein Palast, -mehrere Kasernen Natwnakeigentmn, der Prirpzen fänllliche Sachen avktroüsmästig verkauft und der Ertrag an die Zurückgebliebenen der presieschau. Die „Badische Bolksreituug" vom 6. März 1V28 berichtet über die Eimvechung der K r i e g e r - G e d ä ch t n i s k a p e l l c in Baden- Badem. Bei dieser Gelegenheit bat. wie die Zeitung berichtet, der Geistli'che Rat Martin eine Ansprache gehalten, von der die „Badische Zeitung" schreibt: ... . . Insbesvickcre mahnte ec?um komessionclle;: Frieden, wir wollen nicht uns gegenseitig um unstres Glaubens und unserer Meinung willen verachten. Jahrelang baden die im Felde in Not rmd Tod zusammengestanden, baden fern von allem Parteihadcr — und Amriedcn — gemeinsam gelitten, gemeinsam gelümpst und sind gerneinsam für das Grosze in den Tod gegangen. Wir sollten diesen durch Tod und Blut geheiligten Frieden nicht stören, wir haben die Pflicht, unter Wahrung des eigenen GlarckenZ auch den anderen zu ehren und ihn darum nicht für einen Aeckter des Vaterlandes zu halten, weil er eine andere Ueberzcugung trägt als wir . . 2' Zn der Nr. 56 der „Arrröerger VottZzeitung", dem Organ der Bayerischen Vollsparter. lesen wir in einem Aussatz ,.11 ober Adolf Hitler": . . Es war schon immer und wird immer ein ganz nutzloses Unternehmen sein, sich mit Hitler sachlich über die politischen Probleme der Zeit auseinanderzusetzen. Er ist überhaupt kein politisches Phänomen. Wer ihn jemals in einer Volksversammlung wirken sah. weis;, das; seine Person um anderer Dinge willen Zntcresse erheischt. Er ist schon eine Zeiterscheinung, aber eine andere, als es ihm seine Illusion von einer ihm aus-getragenen bahnbrechenden und prophetischen Mission vorgautelr. Er ist das Kind einer Zeit, in der die Fähigkeiten des Mundes eine gewaltige Nolle spielen. Und Adolf Hüter ist vor allem Mund, vollkommen Mund. Was er ist, das ist er ganz durch seinen Mund. Nickt etwa, das; dieser Mund Ansgangstor rmd Vermittler von Gedanken wäre, die selbständig ihre Wanderschaft in die Welt hinaus antreten könnten zu werbender Arbeit. Es ist die Hcrerci eines Mundes. bei dem cs nicht darauf ankommt, ob das, was er sagt, richtig oder fatsch, gut oder böse, gescheit oder dumm ist. Es ist der Mund eines Fanatikers, der fähig ist. die zu sauatisieren, die nach solchem Narkotikum verlangen- Freude am Sich-selbst-Beranscken und an der Berauschung der Rauschsuckonden, das ist Adolf Hitlers Stärke. Darin bestand die größte Gcsallr seiner Tätigkeit in jener Zeit de-- psychischen und materiellen Zusammenbruchs der Inflation. Man wird. wem; man die Hillerscken Reden und Schriften der Phrasen entkleidet, lein Programm und keine wirkliche Idee entdecken können." * Gras Ottokar Ezernin, der frühere österreichische Außenminister, Untrbc kürzlich in der Presse als Antisemit bezeichnet. Jetzt lesen -wir ln der »»Jüdischen Volksstimmc", Brünn, vom 26. Januar folgende Notiz: Graf Ottokar Ezermn, der letzte Außenminister der Habsbrrrg- Monarchie, teilt der Presse mit, cr habe niemals —- wie die von Ober-- -bourat Robert Stricker hcransgcgebcrie.„Neue Well" — behauptet hat — datz.jüdische Volk mit Kriegsgewinnlern ideutiüziert, er habe als Minister stets den Patriotismus der Juden anerkannt. Im übrigen habe er gegen die Zeitung tragen verschiedener ihn herabsetzender Stellen die Ehrenbclcidigungsttage eingeleitet. r i:i Maftdiches [{'j- \ Püner^vasser / r.; *A l\ i < t? n? .>?7it' - 'm "1 Das iQcsundheits wasser J , i; j /l usw, / \ \ r acliiriper Vers Midstellc: j Berlin ßWll, ßchör.eber^cr Strasse 16a. i T e L e f o n : L fi t z o w 8 2 6 0/6 1,?va?f J W t \ ranl^iclso Gefallenen verteilt, an allen Straßenecken stehen Schüße ln zur Sammlung für diese Unglücklichen, und der Ertrag ist sehr reichlich, da du in allen Tellern und Schüsseln Gold, -llasjenscheine und harte Talernu'rnzen siehst. Im Opernhaus. Schauspielhaus und -stönigftädier Theater, auch diele Einnahmen und zu diesen; Ziveck bestimmt; sämtliche Soldaten müssen fojort aus Berlin und das Volk und die Studenten beziehen die Wachen und sind bewassn't, letztere werden vergöttert, denn diese waren es, die den Sieg errungen, aber auch viele haben es mit ihrem Blute erkauft, auch unser Heinemann ist dabei gewesen, wurde aber, indem er einen GewUcnen^ verbinden tvollte, gefangen genommen und nach Spandau transportiert, jedoch noch densttben Tag wieder befreit. Sämtliche Bolen, sowie alle, welche sich politische Vergehen haben zuschulden kornnlen lassen, sind befreit, der Jubel ist allgemein, von allen Tächetn wehen die Fahnen der Freiheit, Weist und Schwarz ist verschwunden und alles trägt die Farben Schwarz. Rot urrd Gold, und sagte einer, ich weist nicht mehr, tver es lvar. schwarz die Vergangenheit, rot die Morgenröte der Freiheit, und gold ist die goldene Zeit der Zukunft. Wollte ich Dir, xneine geliebte Panline. alles schreiben, was ich gehört. gesehen und empfunden habe, ich müsste tagelang dabei sitzen; das. was ich aber empfinde, kann ich nicht aussprechen, nur danken und loben tue ich den Allmächtigen, daß ich diesen s2lf: erlebt habe. Lvcis;, das; meine Kinder das drückende Gefühl der Znrü>^- sehrrng nicht Zn tragen habe::; Lanken und loben will ich ihn. solange ich lebe, dast er meinen innigsten Wunsch so schnell hat In Erfüllung gehen lassen. Unsere Jungen, der Allmächtige erhalte sie uns, sollen und müssen was lernen, und ich hoffe und vertraue zu ihm, der alles leiter. daß er uns »Freude an unseren Kindern erlcb-en tätzt. Freitag, meine gute Panline, komme ich nach .Haine, der Allmächtige 'gebe, das; ich Dich und die Binder gesund und wohl antresfe, dies der rnnigste Wunsch Deines Dich liebenden Heinemann Sachs. In ».VdO Israelite“ vom 31. Dezember 1027 lesen wir: Ter Präsident d.'s American Jewish Committee, Louis Marshall, wurde vor. dem Sekretär des „Hebrew Democralic Club" gebeten, seine Ansicht darüber zu äußern, ob cr die Anwendung des Wortes „Hebrew4' in Verbindung mit einer politischen Organisation für richtig erachte.^ Herr •Marsh&Il bat in einem ousnrhrlichen Brief an den Sekretär des betreffenden LUubs siine rÄcllurrgnabme miedergelegt, von der wir einige Auszüge in "N ebersetzung derössentli chem .Nach rneiner Einsicht ist michts widerwärtiger ols diese -Praxis. Sie ist unwürdig, u n a in e x t f c ntf d), unjüdi sch. In dem Lande, in dem eine Trennung von Kircke und Staat besteht, in dem Gowisienhsreibeit durch Staats- und Bundesversasstmg gewährleistet ist, in dem feder Bürger undefragt seinen reiigivsen Glauben ausüben kann, in dem alle -ein Volk sind, emen politischen Klub als hebräisch, jüdisch, deutsch, irisch oder italienisch zu bezeichnen, zeugt von schlechtem Geickmack .... Ich billige -politische Ittubs, ob sie republikanisch, demokratisch oder , parteilos sind, vorausgesetzt, daß sie sich mit ernstem politischen Studium befassen. Aber wenn solch ein Klub eullveder „Hebrew Demoeratie Club14 oder „Ilebrew liepublican Club*4 genannt wird, dann wird sofort der 'Emdrr:ck entstehen, daß die in dem -Liluv vereinigten 'Menschen durck irgendwelche dunklen Gründ-e zur Errichtung dieses Klubs veranlaßt wurden und nicht «durch Hobe Ziele, die zur Gründrmg einer solchen Organisation führen sollten. N t ch t j u d c n werden sofort Verbackt gegen eine solche Organisation schöpfen i;nd die Achtung vor ihren VLitgkiedern verlieren .... Wir Juden haben ganz besonders die Pflicht, in öffentlichen Angelcgcnhcttknr eine würdige Haltung einzunelnncn — nicht unseren Namen Herabzusetzen, nicht -zuzulassen, daß er durch den schmutz der Politik gezogen wird. . . . Warum sollten wir Juden irgendwelchen Anlaß geben zu dem Schluß, daß wir Privatinteressen verfolgen, daß unsere Politik cinen egoistischen Beigescknnack habe, und warum sollten wir, die wir iw der Vergangenheit so viel unter unserem Glauben zu leiden hatten, auch nur den Verbackt auslommen lasten, als ob wir Politik unter der Flagge des Separatismus treiben würden. Wir bekämpfen den Lu Kiux Klan, wir bekämpfen den A. P. A. und die Unwissenden, aber wir abmen sie nach, wen;: Nur uns selbst „Hebrew Demoeruts“ und „Hebrew Kepublicans“ und „Hebrew“ so und „Hebrew44 so bcjcidmcn. Ich bin verschiedentlich von prominenten Perföillichkeiten, die im politischen Leben stellen, gefragt worden, was man tun tonne, um die „hebräischen Stimmen" zu vermehren. Ich habe ihnen stets erklärt, das; cö 'keine „h c bräischcrC Stimmen gibt, daß wir amerikanische Staatsbürger sind, und daß wir die Grundsätze der einen o d e r a n d e r c n Partei a n n c h m e n . d t e n o tb unserer Ansicht am b c ft c n sür daL W o h l des L a n d c § c i n t t i 11. Ich spreche vielleicht leidenschaftlicher, als es nötig ist, -aber ich betrachte -dies als eine S-achc von grundsätzlicher L^edeutung. Ick werde hierzu gedrängt durch Ihren Brieskops, auf dem ick lese „Hebräischer Temolratiscker 51 Itib von zum Nutzen der hebräischen Bürger von Kann etwas mehr zu verwerfe;; sein als solch ein Ausdruck? Wetz nntersä>eider das Interesse der hebräischen Bürger von T. von dem Interesse aller jüdischen, katholischen oder Protestantischen Bürger von X . , . .?“

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