Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- Seite 123 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Puduu Eine apologetische Tyestcswürdigurrg. Wie man auch die religionsgeschichtliche Bedeutung des Purimfestes und des Estherbuches aufjasjen mag. als wirkliches, historisches Ereignis oder als religiöse Legende, darin herrscht Ucdereinstimmung bei allen religiösen Dichtungen, daß dieses Fest und sein Fcslbüchlem für alle Zeiten und alle Kreise einen Liesen symbolischen Charakter haben. Und wie man selbst in religiös rechtsstehenden Kreisen dem Charakter dieies Festes zuliebe strenges Lchristgebot milder deutete und Maskeraden gestattete mit einer Freiheit, die sonst verpönt war, und auch der sonst geforderten und geübten Mäßigkeit in Speise und Trank die Fesseln löste, so hat der symbolische Eharakler des Esti)erbuches selbst in der Stunde gottesdienstlicher Vorlesung manchen Scherz gestattet, der dein Gotteshause sonst fernblieb. Besser als alles andere hätten diese Tatsachen die judenseindlichen Angreifer entwaffnen müssen, die. unter Berufung aus Luthers Gegnerschaft gegen das Estherbuch, in den phantastischen Angaben über die Zahl der Feinde, die umkamen, als die Juden sich mit Er« lnubnis des Königs „z u s a m m e n \ d) a r t e n, um i h r Leben zu verteidigen, indem sie alle bewassneten Hansen, die sic befehden würden, vernichteten", einen Dew-eis für jüdische Nachsucht scheu. Ter Uebersetzer des EstherbuciM in der Kautzschen Bibel, der in der Einleitung noch von einer Erzählung sprich:, die „uns durch ihre Feier einer ungezügelten Nach? nur abstotzen kann", muß doch bei dieser Stelle in einer Note zugeben: „Zu beachten ist, daß die Juden ihre Feinde nur in der Notwehr töten dürfen." (!) Mit etwas tieferer psyclrologr scher Einfühlung in den symbolischen Charakter dieses Büchleins, das den stets grundlos Verfolgten und Geängsteten die Möglichkeit der Rettung aus Todesnot durah Aufdeckung der Verleumdung und Vernichtung der Pogromhelden möglichst drastisch vor Angen stellen sollte, wird man auch die eingehende Tarstellung solch berechtigter Abwehr begreifen und weder den Verfüger für seine übertreibende Schilderung zur Verantwortung ziehen, noch diese Schilderung als „typisch jüdisch" kennzeichnen, wie es seit H £7?ff n Idealer 'WlritcraRfonthfi.lt mit Riviera-Klima IfJItllJl Hotel Pension Bremer (bei Fiume) inrttui atu iieor. Rituelle liüchc. — RigxKcr Betsfifil. — Gottesdienst Jus Slrmse. Ah« Zimiiit-r mii Logjria oder Balkon ir'liesPcndes Kaitua-l Wann wan.ser. 'WaiurAa>ßerhe:zuE>4 Telephon mtemrban, Seeu. rr-ü^vra^ertjäLdcr. ’wabäerdüsefte. Apparienu ms. i-n vatbaüezimmer. Küci.oanch für üiat>eriker. 200 Beiten. Beiision.-preis in kt. Zimmer 8 33a.rU auf-^ärld. Luther immer wieder geschehen ist; und erst recht wird mau nicht die harmlosen Hörer dicker Schilderung deshalb als rachsüchtig verschreien dürfen, weil sie in einer Stunde des Jahres in recht auigeneiterter Stimmung, wie sie dieses Fest der Maskeraden und Bechersreuden. wie allüberall in der Welt, mit sich brachte, sich nicht sittlich erzürnt abwandten, wenn einmal, wenigstens auf dem Papier, die widerlici^en Helden der grauenhaften Iudenmetzeleien bei berechtigter und staatlich gestatteter Notwehr blutige Abfuhr erlitten. Stets war man in jüdischen Kreisen völlig im Bilde, wenn der Name Haman genannt wurde, und jedes Kind wußte, warum man diesen oder jenen Judengegner mit dem Namen dieses Böse' Wichtes kennzerchnete. „Haman" war zu allen Zeiten ein bestimmter Typ. der Typ des ehrgeizigen, machthungrigen Emporkömmlings, der in einer Verfolgung und Beraubung wehrloser Juden das geeignetste Ablenkungsmitte! für das Mißtrauen fand, mit dem man seinen ehrgeizigen Planen begegnen mußte. Auch Mardechai. der Jude, dem diese Bezeichnung hoher- Ehrentitel war, ist den Verfolgten aller Zeiten keine unbekannte Erscheinung. Sie sahen rmmer und immer wieder in der Stunde größter Not „Rettung und Befreiung" durch die Hand jüdischer Männer und Frauen, die bei hoher persönlicher Stellung und Ver- 6 cmtwortrrng der nichtjüdischen Umwelt „in hohem Ansehen bei den Juden, beliebt bei der Menge ihrer Brüb-er. da sie das Hei! ihres > Volkes suchten und zum Frieden für ihr ganzes Geschlecht redeten". Doch über das Persönliche hinaus fühlte und erkannte man den typischen Charakter des Estherbuches. Hamans Derleumdungsrede nächst- Nummerldöer müssen bis zum 5. März aufgegeben frm. für direkte fln* fräsen and 6c» stellungen 3.=3cituna"', Anjfloen - Brrw-ltung, "Berlin SW 19, Icrnsa!ennrLir.l6-w ildejheira Strafle t Äonen- « irwj,m t-Mf wurst Salami ikbcrwur/vGansewuri! Wiederverk.gesudi! Ibre anerkannte MstÖMilet empfehlen §r. 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Kostenfreie Auskünfte erteilt bereitwilligst die Organfsaiions!ei*ung der Basler Lebens -Versicherungs- Gesellschaft, Berlin W15, Kurfürstendamni 52 y (Haus ßasef) / / H Vorgänge der letzten Zeit zeigen mit erschreckender Dcutiichkeil, wie verbreitet noä) immer die Unw'.sienheit in den Zrnammenhäugcn und Lluswirkungen des Sexuallebens ist und wie ahnungslos namentlich auch noch Eltern und Erzieher den sexuellen Nöten, Anfechtungen und Gefährdungen der ihnen anvertrauten Jugend gcgenüberstehcn. Sie orientieren sich noch an sozialen Verdälmrffen, die nicht mehr vorhanden, an moralischen Grundsätzen, die nicht mehr gültig, an menschlichen Bindmtgen, die nicht mehr destunmend sind. Die Schriften, die im Berlage Vlorcus L Weber, Berlin WlS, Senthiner Strnsie 3L, ers6)icnen sind, können hier sachliche Beratung vnd praktische Lilfe bringen. Eme kleine Auslvah! sii hier genannt: Placzck, Freundschaft and Sexualität, 6. Auflage, geh. M. 4,—, gebd« M. 5, — . Marcnse, Handwörterbuch der Sexualwissenschaft, 2., stark vermehrte Auflage, geh. Dt. 42,—, gebd. M. 45,—. Zeitschrift für Sexualwissenschaft, Organ der Internationalen Gesellschaft für' Scxualforschung. Redigiert von M. Marcuse, Bd. XIV, Jahrgang 1927/28. Viertelrähtlich (3 iScftc) M. 5, — . Abhandlungen ans dem Gebiete der_ Sexualwissenschaft Die Abhandlungen erscheinen in einzelnen chestcn. Bcsher erschienen 25 Lesie, u. a.: Das Wcrb als Erpresser und dnili frerin, geh. M. 2—; Sexuelle und AlkobobFrage, geh. M. 3,20; Das Liebesleben des deutschen Studenten im Wandel der Zeiten, geh. 3,20; Das Selbstbestimmungsrecht in Ehe und Liebe, geh. SN. 1,60. Behandlung der .Homosexualität: biochemisch oder psychisch? geh. Bt. 3 66; Lomoiexualisierung, geh. M. 3,60. Das Problem der ledigen Frau, geh. M. 2,20. Alareare. Die Ehe, geb. M. Ich—, gebd. M. 20,-. Buchow - Homeycr, Zeitche, gebd. )N. 4,-. Ausführliche, z. T. illustrierte Prospekte wolle man von dem Berlage oder durch jede Buchhandlung kostenlos anfordent.