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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-24 · 8 (24.2.1928) · p. Seite 111

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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m Nachwort Zum Krmch-ProZch. Die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung hat sich in den letzten Wochen in besonderem Ausmaße dem Krantz - Proze st in Berlin zugewandt. Der Freispruch des Angeklagten hat der Erörterung der Vorgänge nicht Einhalt getan. Auch) wir l^aben Anlaß, uns mit den Vorgängen, die dein Prozeß zugrunde liegen, zu beschäftigen. Der Nevolver ist in der.Nachkriegszeit zu einem Attribut der Jugend geworden. Die Schußwaffe als m^zertrennlicher Begleiter des Vaters oder alleren Bruders hatte die jüngeren Söhne an Anblick und Gebrauch der Waffe gewöhnt. Die Lusterordentliche Beeinflußbarkeit der jugendlichen Seele, an und für sich auf das Entweder — £bcr eingestellt, wurde durch die Steigerung der seelischen ErregungZ- Momente in der Nachkriegszeit in noch gefahrvollerer Weise vermehrt. Für solä>e jungen Menschen bedeutet der Druck auf den Nevolverabzug leinen ungeheuren Entschluß inehr. Gleichgültig, ob es sich um den politischen Gegner handelt, den man vernichten zu müssen meint — Rathcnau —, oder um den persönlichen Nebenbuhler. den zu beseitigen ein höheres Recht vermeintlich gestattet — die Gründet nstellung zum Menschenleben: die Geringschätzung seines Wertes, ist die gleiche. Tie Eigenart der jugendlichen Seele, das Weltgeschehen vom Ich als sNittelpunkt aus zu werten, führt zu einer Verneinung alles denen, was sich in das Wunschbild des eigenen Seins nicht einfügt. Bezeichnend dafür ist der Brief der jungen Leute, geschrieben vor der verhängnisvollen Morgenstunde, der mit „Liebes Weltall" beginnt. Das persönlichseelische Erleben ist das Entscheidende, ihm soll sich die ganze Welt an passen. Genau dieselbe seelische Grunderscheinung lieat vor, wenn sich junge Menschen des gleichen Alters und der gleichen Anlagen in kleineren oder größeren Bünden und Gruppen politischen Charakters zusamiueunuden und vermeinen, die Erneuerung Deutschlands, ja der Welt, gemäß ihren Wünschen und Vorstellungen herbeiführen zu können. Wenn man die Presieberichte nebeneinanderstellt, sieht man, wie jede Richtung in der anderen den Sündenbock sucht. Die Links- Zeitungen weisen aus die Zugehörigkeit der jungen Leute zum Jungdeutschen Orden hin und sehen darin die Duelle des Unheils. Die Rechtspresse schiebt den Folgen der Revolution die Schuld an der Steglitzer Katastrophe zu. Tie S ch u l r e f o r m c r machen den Lehrern den Vorwurf, daß sie der Entwicklung junger Menschen verständnislos gegenüberstehen: die P ä d a g o go n vom alten Schlage werfen den Reformern vor, daß ihre Einwirkung von Unheil ans die jugendlichen Seelen gewesen sei. Und damit in der Tragödie das Satyrspiel nicht fehle, stellt eine gewisse Prepe. überraschenderweise erst sehr spät, fest, daß eigentlich schuld an der Katastrophe die-Juden seien, nämlich: die angeblich jüdischen Freunde der Hilde Scheller, die „nach dem Gebot des Talmud^ die Nichtjüdin verdorben hätten. In dein jungen Krantz spiegelt sich in den Tagen, in denen er aus der Anklagebank saß, die Zerr inen heit und Haltlosigkeit der Gegenwart. Es ist kein' Wunder, daß die Jugend den ft-stcn sittlichen Halt leicht verlieren kann, wenn bie Generation vor ihr, die Erwachsenen und Führer, in Streit und Haß, einer gegen den anderen stehen. Nur dann gewinnt der Freispruch eine über den Fall hinausragendc Bedeutung, wenn er zum Ausgangspunkt einer 2 e l b st b e s i n n u n a der Generation d e"r A e l t e r e n auf ihre Verantwortung gegen Volk und Jugend wird. plozk oder Nantes! Eine merkwürdige Erinnerung z« Jules Vernes 100. Geburtstag. In seiner AusgaN vom 5°. Februar d. I. bringt der Mailänder „Corrlere della Sora“ unter der Ucderschrist: ..Eine wiederkehrende Legenoc: War Julcs Verne ein polnischer Jude?" folgenden, ihm aus Paris zugegangenen Artikel: „Es ist merkwürdig, nstzustellen. daß, während Frankreich den 100. Geburtstag Jules Vernes feiert, die Wiederkehr dickes Tages auch in Warschau festlich b.gangen wird. Denn einer Ueberlieserung zufolge, die, wie es scheint, der Zeit und jedem gegenteiligen Beweis widersteht, ist der Autor von „2CHXÖ Meilen unter dem Ackere" in Plozk in Polen und nickt in Nantes geboren. Das Gerücht, das Jules Verne als den polnischen, später französisch naturalisckrttn polni'-chen Juden Dlscievic ausgirr. wurde sickon va Lebzeiten des berühmten Schristüell'ers von polnischen Zeitungen verbreitet und tauchte im Jahre- 11«,, kurz nach feinem Tode, wi.oe-r auf. Es soll aus Erklärungen einiger polnirck.en Jud-en einer bestimmten Richtung („Rckurreziouist' ne-nun sie der Bericklerstauerberoorgeben. daß rin V e r n e - D!' c i e v i c . geboren in P lo; k.?:ck im Ja'are Icktt im Alter von s!3 Jahren zum Katholizismus bekannt bade. Kurz darauf, als er nch in Rom bckand und durch das Fehl'chlaaen einer reichen Heirat enttäuscht war, hätte er sich nach ssrarckrckck gewanö? und durch Annabuw des französischen Namens und der Staarsbürgerschast seine liwrarischc Karricre b:gründct. Hierzu ist zu bemerken, daß keine Biographie oder zeitgenössische Noti: über Jules Berne diese seltsame Vebauvtuna bestätigt. Im Geaentcr!, cs ist nochmals der Gebuits'chein brigebrackt worden. Da indessen das Archiv des Nanttr Ratbausts vor einigen Tagen durch Feuer zerstört worden ist. so wird die Gültigkeit des Dokuments wiederum von den polnischen. Bewunderern in Zweifel gezogen. die den 1'Xi. Geburtstag nicht haben Vorbeigehen kaffen, ohne den Franzosen dir Ehre der Lstitdürgerschaß Jules Dernes streitig zu machen." Dr. Fron Hirsch - öer ßoröerer öer -rutschen Technik. Zn seinem 70. Geburtstage. „Unter den Schöpfern der modernen Wirtschaftsorganisation, den Großunternehmern. findet sich kaum ein Jude. Dieser Tvpus war christlich und nur auf christlichem Boden denkbar. Dar jüdische Fabrikant ist eine moderne Erscheinung." Man wird diesen Ausführungen Mar Webers nur bedingt zustimmen können. Denn um Großunternehmer und um Fabrikant zu werden, mußte der Jude die politische Gleichberechtigung besitzen. Aber sobald er das Bürgerrecht erworben hatte, strebte er über die Handelssphäre hinaus. So sehen wir überall, wie sich gerade in Deutschland aus den Kreisen des Handels unter den deutschen Juden schöpferische Köpfe zu Führern der demselben Wirtschaft erheben. Zu diesen W i r t s ch a s t s f ü h r e r n Deutschlands muß unbedingt Ä r o n Hirsch gerechnet werden. Ter Metallhandel lag von jcher in Deutschland in starkem Maße in jüdischen Händen. Jüdische Händler waren cs, die die Verbindung zwischen dom Metallproduzenten und dem -konsumenten herstellten, sie waren es aber auch, die dank ihrer Begabung für die Börsentcchnik die Vorbedingungen sür den börsenmäßigcn Metallhandcl schufen. Von ihnen wurden die wichtigen internationalen Verbindungen eingeleitet, doppelt w'chtig für ein Land. das. wie Deutschland, selbst scbr arm an metallischen Rohstoffen ist. Daneben waren es dieselben Metallhändler. die es verstanden, die Verwertung der Altmetalle und Me- Lallabfälle in den Vordergrund zu rücken,'' eine Maßnahme, die besonders im Kriege ihre Bedeutung ^wiesen hat. So kann cS nicht verwundern, daß zu den führenden deutschen Metatlhandclssirmen Hauser gehörten und noch gehören, die sich in jüdischen Händen befinden. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1805, wurde in Halberstadt die Firma Aron Hirsch u. Sohn gegründet, .also in der Nähe einer sehr bedeutenden Metallindustrie: sind doch Halle, Magdeburg, Erfurt, Dessau. Leipzig und andere Orte Mitteldeutschlands von jcher der Sitz führender Metall- und Maschinenfabriken gewesen. In dieses Handelshaus trat schon in jungen Jahren bei 1858 in Halberstadt geborene A r o n H i r s ch ein, wurde bald Mitinhaber der Firma und verstand es, den Kundenkreis seiner ytrma über ganz Deutschland zu erweitern. Aber cs gelang ihm vor gllenv Verbindungen mit dem Ausland, anzuknüpfen, besonders mit Amerika, dem Metallprcduzenten. So war die Firma Aron Hirsch *i. <rohn unter den Frantfurocr Firmen B>er. r^ondheimer u. Co. und der auch von Juden begründetem Memllgefellschaft eines der einflußreichsten Metallhäustr der ganzen Welt. Das englische „Nicht-Ecken-Metall-Gefetz''. in seiner Bedeutung nur der Navigations-Akte Eromwells vergleichbar, sollte die überragende Stellung dieser deutschen Mekallfirmen vernichten, ein Zeichen sür ihre Wcltbedcutun g. Unter der Leirung dieser Firmen wurde auch ba* Zinksyndikat gegründet. Alles deutsche Zink konnte nur durch ihre Vermittlung zum Verlaus gelangen. Als es dann IM zur Auflösung gelaugte, loar es gerade die Firma Aron Hirsill u. Eo., die sofort den Versuch machte, d i e B e h e r r f ch u n g d e s deutschen Zinkmarktes d u r ch e i n p o l n i s cy - a m c r i k a n i s ch e s Syndikat — die großen oberschlesischen Zinkgruben waren ja inzwischen polnisch geworden — z u v e r h i n d e r n. Schon früh ist der Händler Aron Hirsch selbst ein Produzent geworden. Um 1900 verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin, um von hier aus das in Eberswalde gegründete Messinm-werl besser leiten zu können. bete bereits auf eine lange Tradition zurückblicken konnte. Denn hier in Eberswa'de befand sich schon seit Jahrhunderten ein Kupstwhammerwer!. Die industriellen Interessen wurden bann im Jahre l“0o in der ö i r f d; Kupfer und Messingwerke A'.-G. zusammenaesaßt, einer Gesellschaft, die ursprünglich mit sechs Millionen Mark Kapital gegründet, heute nach der Umstellung ein Kapttal von 12 Bttllionen Mark besitzt. Mit diesem Weack wurde Aron Hirsch der schöpferische Führer der deutschen M e t a l l -, besonders der M e - t a! l w a l z i n d u ft r i c. Durch diese Firma beteiligte er sich an dem alten Hüttenwerk C. Will). Karser in Oranienburg, sie errichtete in Jlsenburg am Harz ein großes Zweigwerk, und ihr Messimgwalzwerk in Elstrswaldc gehört zu den modernsten in Europa. Aron Hirsch, noch heute der Generaldirektor der von ihm gegründeten Gesellschaft, hm äußere Ehrungen stets arge', eh nt. Den Ehrendoktor-Ingenieur aber, den ihm 1922 die Techno che Hochschule in Darrnstadt verliehen hat. nahm er an. in dem stolzen Bewußtsein, ein Förderer der deutschen Technik zu sein. Die jüdische Tradition, die in dom Hause Hirsch stets hochgehalten wurde. fand in Aron Hirsch stets einen warmherzigen Freund. Ein Pionier der deutschen Wirtschaft — ein Vorkämpfer des Judentums: die deutschen Juden haben ein Neckst, voll -Stolz Aron Hirsch als einen Führer zu verehren, und der Centralvercin ist ihm, semem Förderer.und Berater, von Herzen dankbar. K. Z.

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