Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- Seite 109 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 24. Februar 1 >)2§ VII. ^ahrganz » Ur. ß Einzelnummer iS Pfennig MMN KZS *-<vl « rl ” H *1 <-*% / *: Ml i, i.k i Ls \ (äfCÄ J*£• V* J BiertcNahrsabounomeut - - - Bcst!- Allgemeine Zeitung des Judentums or>*rr„-, " cu* rs 13 * lA#trfpcc{f}ec: 9tntt CDöntjoff 3504, 3505. ^ofKcf/tcffontor 33scltn 30472. .! 5jau?Jouloi ^cfsbnct SBcnf/©seifet* Cerrag u. >-chrrrtlerlung. SeJm.A %^nI^n*sw 7, und von Gold^middRorhlchtld L Co.. Berlin N 8. Ai-noncen-Ervedirion Rudolf Moüo, Berlin 8^V 18, und deren Filialen. An.;<:genprelse: 0,90 JUL für fcte .gerorNelre oecke nach Rudolf Mossez Rornla?seilenmesser Rr. 4, Familienanzcigen und L!ellengesuc^e (nicht Ltellenangebore) für Mtlglieder d. CeiUralvereins 0,45 JiM, die rurn LrcrLe Renanrczei.e 4.^0 3L v. W 'w ff */ Tj'v. i'miv.u ö'täiÜlWt Ujf irl 4 A. II. Das deutsche Volk wird in wenigen Wochen zur! Wahlurne schreiten, um die Zusammensetzung des Reichs- . tags und einer Anzahl der wichtigsten Landesparlamente zu J bestimmen. Jede Partei wird versuchen, die größtmögliche Zahl von Stimmen auf sich zu vereinigen, um bei der Ausübung der politischen Macht die Entscheidung in der Hand zu haben. Tie stärkere Aufgeschlosienheit des Staatsbürgers für politische Probleme läßt die Zeit, die der Stimmabgabe vorangeht, den Wahlkampf, geeignet erscheinen, nicht nur ernst- . haste politische und Weltanschauungssragen zur Diskussion zu stellen, sondern auch den Versuch zu machen, mit jeder noch so abwegigen und unverständlichen Anschauung werbend kleinere oder weitere Kreise zu erfassen. Ter direkte Weg erscheint da mitunter zu aussichtslos, und Umwege müssen herhalten, um Ziele erreichen zu lasten, zu denen bei klarer-Wegweisung niemand schreiten würde. Man ersetzt den Mangel an klarer E e d a n k e n f ü h r u n g durch besonders laute Form des Eedankenausdrucks, und man täuscht Leidenschaftlichkeit vor, um Leidenschaften zu erregen. - Eine besondere Aufgabe kommt deshalb in diesen erregten Zeitläuften jenen Gruppen zu, die neben der Ausübung der selbstverständlichen staatsbürgerlichen Pflichten und Rechte, die jeder ihrer Angehörigen von sich aus vornehmen soll, ein überparteiliches, ordnendes, e t h i s ch e s - P r i n - zip verkörpern, und denen Leidenschaft erst.dann den Verstand erhitzt, wenn dieses allgemein ethische Prinzip verletzt wird. Wir begrüßen deshalb den Wahlkampf. Die stärkere Politisierung sonst sich zurückhaltender Volkskreise wird auch uns die Möglichkeit geben, an sie mit Wort und Schrift heranzukommen und sie über das große ethische Prinzip unserer Gruppe zu unterrichten: Entgiftung vom Massen haß, U e v e r z e u g e n von der Bedeutung der Wahrheit im politischen Kampfe. - Dies ist die g r o ß e R a h m e n a u f g a b e de s E. B. im Wahlkampfe, sie auszufüllen, die große und verantwortungsvolle Aufgabe seiner Führung und seiner Anhänger. Versammlungen vor ansgewähttem nichtjüdischen Publikum, Kttndgcbttttgcn irn weitesten Ausmaße, Verbreitung unserer MonatsanKgabe in Hunderttauscnden von Exemplaren, Unterrichtung Der gesamten Presse über vergiftende Falschmeldungen Der Gegenseite, Beobachtung des Wahlkampfes, Ueberwachung von Flugblättern und Gerüchten, denen sofort entschiedene und großzügige Gegenwehr entgegengesetzt werden muß, 'Aktivierung der Zaghaften, Der Bequemen und der Satten für unseren Kampf, im jüdischen wie irn nichtjüdischen Lager. Und vor allen Dingen: In jcdern bewußten (v. Ver symbolisch eine Zentrale Der gesamten <5. V.-Arbcit schassen, xtm so als Persönlichkeit iu die Erscheinung treten lassen, daß er Durch Wissen und Wirken unserer Idee dient. Kurzsichtig und kleinlich wäre der Eiuwand: Was bedeuten drei, vier völkische Abgeordnete im Reichstag mehr oder weniger? -- Ten Kern unserer Arbeit. ersaßt nicht ein Lächeln: Das gesamte deutsche Judentum, das fast über - sämtliche Parteien zerstreut ist, stellt kaum 300 000.Wähler heraus.' Rein! In jedem von uns muß brennend das Gefühl leben, daß es die Unterstützung eines Unrechtes bedeutet, wenn man es nicht bekämpft, weil man es für sich Persönlich als belanglos ansieht, wenn man nicht in jedem Ein.zelvorgang, der sich um einen Kern von Verleumdung, von Haß und Verirrung herum bildet, eine Beleidigung der Gerechtigkeit und der Wahrheit als solcher ^erblickt. Nichts wäre falscher, als Unrecht zu zählen; man^soll das Unrecht wägen, und dann genügt ein Bruchteil depen, was heute, morgen, was stündlich während des^Wahlkampfes geschehen wird, um turmhoch die W a g s ch a l e emporsch nellen zu Lassen, in der die Lauen, die Lächler sitzen. Für sie trägt jeder von uns die Verantwortung mit. Wir w e r d e n nicht warten, bis der Wahlkamps allgemein einsetzt. Für uns ist ja der Wahlkampf nur die Verstärkung der allgemeinen Grundlage unserer Arbeit. Wir werden Menschen und Dt i t t e l mobilisieren müsten. um die Verpflichtungen, die politischen Forderungen der Zeit erfüllen zu können. Wir rufen euch! Freunde,' s e i d b e r e i t * Ter Ausfall der Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft, die am letzten Sonntag ftattfanöen, läßt inte restante Schlüsse aus die kommenden Reichstagswahlen zu. .Tie Wahlbeteiligung hat infolge starker Wahlagitation in Tageszeitungen und mir Flugblättern außerordentlich zugenommen: 33 000 Wähler mehr als bei der letzten Wahl haben ihr Wahlrecht ausgeübt. Für uns ist von besonderem Jntereste die Feststellung, daß, während die Demokraten 3, die Volks- Partei 2 Sitze gewannen und die Sozialdemokraten 3 Sitze einbüßten. die Deutsch nationalen 3 ihrer Sitze verloren haben, die Nationalsozialisten aber m i t 3 statt mit 2 Mann i n d i e Bürgerschaft e i n z i e h e n. Ihre Stimmenzahl ist von 97ö4 am 9. Oktober auf 14 739 am 19. Februar gestiegen. Für die Deutschnationalen gaben, am 9. Oktober 90 634. am 19. Februar 87112 Wähler ihre Stimmen ab. Die Gründe der Zunahme der Nationalsozialisten sind, wie immer in solchen Fällen, und besonders bei den kurz aufeinanderfolgenden Wahlperioden, nicht leicht festzustellen. Sicher' ist, daß sie eine besonders geschickte Agitation entsesielt haben, sicher ist auch, daß die Erklärung einer Splitterpartei, nunmehr für die N a t i o n a l s oz i a l i st e n e i n z u t r e t e n, den S t i m - m e n z u w a ch S b e sch e r t h a t. Vielleicht hat auch die st e i g e u d e U n z n f r i e d e n h c i t d e r.d e u t s ch n a t i o n a l e u Anhänger mit ihrer Partei, die sich ja besonders in den letzten Monaten täglich mehr Lust machte, den Rationalsozialisten Wähler Zugeführt. Ist auch nicht anzunehmen. daß die völkischen Parteien bei den bevorstehenden Wahlen so abschneiden werden wie 1924, so ist Doch der politischen Entwicklung der radikalen Völkischen vorn Sachlage der Rationalsozialisten für die nächsten Monate ernste Aufmerksamkeit zu widmen. Don besonderer Bedeutung auch für unseren Kampf wird, was nicht näher begründet zu werden braucht, die zahlenmäßige Entwicklung der deutschen Nationalsozialisten bei den Reichstags- und Landtagswahlen sein.