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Central-Verein-Zeitung · 1928-02-10 · 6 (10.2.1928) · p. Seite 78

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
7 (1928)
Issue
6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
Seite 78 (sequence 14)
Language
German
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7$ jüdischen Grabstein des Mittelalters erNiciie; dann als teil im Minen in AN II c b c r l i n c\ c n die jüdischen Grabstein fragmente sah, die ZUIN größten Teil noch römische Namen tragen . . . als mich einmal zwischen Aalen und N ö r d l: u <\ c n mein Zug in einem <chnnz einsamen und toten Waldtal, das scheinbar iern neu jeder menschlichen Siedlung Uiii, an einem uralten Friedtiof oorbeirvng iBurgen. gotifehe Tome und Barockpaläste haben unsere Banahren ja kaum Pinterlassen) . . . Und von dem gleichen Gestibl i»t für mich auckq die kleinste und armseligste verschnittene Psombnck.se. die ein alte-- .Tranchen mir als Kuriosum aus dem Schrank Polt, uunitterb Neulich sah ich bei einem Antiquareinen Tporavvrpaug - - keine hohe Kostbarkeit —. vielleicht eine Arbeit um ackchehnpundert. als Borhang vor einem Bücherregal. Und etwas wehrte ncki in mir dagegen. das; er jetzt diesem keineswegs doch besonder-:- kompremittierenden Ziveck dienten Wenn man ihn nicht feinem alten Ziveck nieder Zuführen kann, sollte ntan ihn ivenigstens so anfbewahren, das; er vor Prosanierung sicher ist. Zuviel Tinge, an denen der Hauch von etwas -heiligem b-ängr und die uns außer unserer schristlicken und religiösen Ueberlieserung greifbar mit der Bergangenheit verbinden, gibt es ja bei uns nicht. Tic wenigen a b er s v l l L e n g e s ch ü p t werden u n d sollten erhalten bleiben s ü r die, die nach int e l om m c n. Dafür zu sorgen und mehr zu sorgen als es bisher geschah, in ein ganz primitives Gefühl, das nichts mit fromm oder nnsromm gemein bat. und das — ob wir cs wahr haben wallen oder nicht —- 'in j.Tmg jüdischen Menschen in gleicher starke lebt, und naturgemäß leben mutz, weil eben alle Gegenwart stets nur der Bindestrich zwistchen einerlangen. nebelhaften Bergangenheit und einer langen, nnbekanrnen Zukunft ist. Alles aber, was nur tun können, ist, diese Bergangenheit in die Zukunft weiterzureichen . . . bevor wir so.bst Bergangenheit werden. Eine Autosraphensnmmlung. Bon Dr. Mar Osborrr. Bor einiger Zeit folgte ich einer Einladung in die Staats» bibliothek, die einen Vortrag über ihre neue „Lautabteilung" versprach — über die erst während des Krieges angelegte, sorgsam gepflegte Sammlung von Grammolchonvlatten, die in ihren geheimnisvollen Ginritznngen die stimmen hervorragender Männer aufbewahren- Ich hörte mtd hörte. Jedesmaljucnn die stimme eines anderen bedeutenden oder großen Zeitgenopen angekündigt wurde rückte ich nach zurecht und wartete auf den kleinen Schauer, der mir doch über den Rücken lausen müßte. Jedesmal aber — kam nichts. Ter Schauer blieb aus. Sonderbar berührt, verstimmt und verwirrt über meinen Mangel an Empfänglichkeit vor solchem Wunder, trat ich den Rückweg an. Er führte durch den langgestreckten, nicht allzu großen Nauru der Smatsbibliothe?. der heute als Lesesaal der orientalischen Abteilung dient und früher für kleine Ausstellungen benutzt wurde. Tort war gerade ein besonderer Schatz der großen Bücherei zur Schau gestellt: Proben aus der vom Staate erworbenen Haudschrntenfammlung des Professors Tarmstaedter. Ich blieb stehen, schritt von Kasten zu Kasten, las, studierte, entzifferte^ — und siehe: da war er, der Schauer. Im tiefsten berührt, gesegelt, ergriffen, las ich Blatt mit Blak:. Ich fühlte, wie sich ganze Bündel von Fäden zu mir herüber- ■$kÄT, Natürlich es r'-t ttinceiwsser Das Gesundheits wasser bei Blaien-, Nierenleiden us w. Fachin^er V c r s a n d < t e 1 I c: Berlin SW II, Beb«»r er,eer S*ra>>e IO,i Telefon: L ü i z o \v b '2 0 0 ’ 6 1. spannen. Was vorder in der „Laittabteilung" ansgeblieben lvar. hier bestürmte es mich. Brenschen. Persvulichleiten sprachen zu mir — sprachen ans den handschriftlichen Reliquien deutlicher, als cs vorhin die sprechenden Stimmen selbst vermocht hatten. Ich ging still in die Garderobe, klappte den Mantelkragen hoch und schritt nachdenklich die Linden binunter. Was. treuste ich mi:b, lvar hier mit mir ge'chehcnk Was war überhaupt geschehen? Und ich glaubte die Antwort zu finden: Gerade die Ilmnittetbarkeit der Wiedergabe und llebertragnng persönlichster Kundgebungen muß hinter der Mittelbarkeit der Handschrift zurncksteheu, iveil die Realität immer unwirksamer ist als das Gleichnis, -vier fittt vielleicht auch. grub ich weiter, der Kernpunkt der Frage nach dem Berhältnis von Kino und Theater. Auch dort, beim Film, ist eine Realität. Eine zufällige oder eine arrangierte, aber immer eine Realität, die als solche festgehalten wird. Tort ist das Auge, hier, beim Grammophon, das Shr im Spiet. ... E Tas Gleichnis — das ist es, was in den Handschriften, genau wie in jedem Bezirk der Knust, unsere Einbildungskraft in Schwingung fetzt, innere Phantasie beflügelt, nn'er Empfinden aufrcgt. Tirekte Erkenn Uns ist dem Btensthen ja doch verstigt. Wenn wir glauben, ans sie loszusteuern, täuschen wir uns nur. Je geheimnisvoller der Ilmweg ist, der zum shmvolhajten Spiegel fährt, um so mächtiger wird die Wirkung. Wer löst das Rätsel der tausend, fälligen Berschiedcnbeiten, das sich in den Niederschriften der Menschen offenbart k Hier ist ein Schatz geborgen, dev unerschöpflich ist, weil es nie restlos gelingen wird, trotz allen Künsten und Weisheiten echter „Handschriftenleferch anszudrücken, was in den geheimen Gängen der >rchristzüge geborgen ist. Und eben dies: der nnwägbare Rest, der sich rerstandesgemäßer Tentnng entzieht, macht den Zauber dieser menschlichen Toktnnente aus. Wer Handschriften sammelt, der sammelt in Wahrheit die Geheimnipe, die menschliches Wesen in sich verhüllt. Es gibt im Grunde kein edleres S-ammelobjetr. Gleichwohl sind es zumeist ,,Leuke von großen Mitteln", die diesen Weg beschreiten. Um so stärker ist der Eindruck, einem Manne zu begegnen, der unter^zanz anderen Voraussetzungen sich ans. eigene Faust zu einem Sammler ungewöhnlichen etiles entwickelte. Tas ist der Profesior Tr. Engen Wölbe. Stndienrat. Oberlehrer an einer Berliner Realschule, in einer bescheidenen kleinen Wohnung im Hansaviertel hausend — ein Mann, der heute eine Autographensammlung sein eigen nennt, für die es wenige Seitenstücke geben wird. Nwcht deshalb, weil jedes Blatt, das er mit musterhafter Akkurateste ipid hingebungsvoller Liebe nach selbstersimdenor AnfbewahruugsLechnik in seine dicken Bände sägte, der Handschrifiensammlung Engen Wolce. 2^ , *>■ Die Handschriften Bambergers und Lassalles,

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