Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
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üFES.Sj ‘ Herlin, 1-. Zebruar!H2S VH. Iahrganz Nr. ö Einzelnummer 1 c> Pfennigs __lsr MVWMMSM O unHBOZNrMN.-^ ssacrt BierleljakirsaborlncmenL 1,20 RM. (zuzügl. Bestellgeld). — Verlag u. Cchrirtleitung: Bcrlirr 8XV 68. Lindcnstr. 13 .:. Fernsprecher: A ftubc G, Berlin SW 68. ümicnftr Allgemeine Zeirunjj des Oudenrums?rc=Sr.cc Bank. Dichr-:. Amt Dönhoff 3.S-U, .1',!!-. Pofticheekkant-o: Berlin 304 72. .: Dnnklonto: itnb von Goleschmi2l--Noich'chi!ü Co., Berlin V/ 8. 0,9u j?J'. iüc bic Tgcrv iltciis 3cilc rctd) SRuboTf 5icf ^nnzeile 4,vJ.y?.J.. ltUbC U, zJCCUU o \\ 09, -ciUUCr.Ht. t, imu Ovil vyoi.-HiMii.Ji^iuuj'Ujuu ix viu-, «'.um >» o, Alleinige Anreigenannahme: Annoncen-Crpedition Rudolf Masse, Berlin SV.' N), und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0.2» J2J‘. für die 7gc‘iltcns Feile m Rormalzeilenmesser Rr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für L-litgliider d. Ccntralvercino 0.4ö JtM, Die 2»J m::i breit; Rek.a \ \/ \ [ \\ v } \ - v V' Die ihre isrwMifilüns mb V WvV'. Von GemeinDerabbiner Dr. Reinhold Lcwin (Königsberg,Pr.). Man pflegt in bestimmter Weise den Kampf zu beschuldigen, der von uns deutschen Juden nach außen geführt werden mußte, seitdem wir überhaupt zu Besinnung und Verantwortlichkeit erwachten. Dian bezichtigt den Eifer, der zugunsten von Recht, Ehre und Sicherheit eingesetzt wurde, er habe jede sonstige Teilnahme verschlungen. Gerade die führenden Schichten unserer Gemeinschaft habe er gehindert, Augenmerk und Mitarbeit wuchtigeren, edleren Dingen zuzuwenden, bei denen es um unseren Lebensnerv, um Entwicklung. Ausgestaltung oder Vertiefung unseres Glaubens ging. Die Auseinandersetzung hierüber blieb mehr oder minder der Zunft überlassen. Ans Katheder und Kanzel, im engen Bannkreis der Wissenschaft gerührt, fand sie wenig Nachhall bei der großen Menge, die vom Kampsestärm der Abwehr sich Ohr und Seele betäuben ließ. Alle jüdische Betätigung erschöpfte sich in der Arbeit, die organisatorisch der G.B. endlich zusannnenfaßte. In der Anklage, die solchermaßen begründet wird (sie trifft zweifelsohne mit eiuer^gewisieu Begrenztheit zu), steckt immerhin ein starkes Lob. ^chou aus ihr geht hervor: so rein äußerlich, von bloßen: Zufall geboren und durch leidige Notwendigkeit anserlegt, kann unmöglich die Aufgabe gewesen sein, zu deren Lösungmau sich gedrungen fühlte. Sie muß ihren Schwung, ihre hinreißende, ausfüllende Kraft besessen haben, daß sie nicht allein die dumpfen Massen bewegte. Zog ihre Glut jedes Fünklein Judentum an. das unter der Asche schwelte, sprang sie auf die Besten und Willigsten über, die erwärmt nud entflammt sich für ihren Dienst nicht zn schade dunklen, so schinuuerte irgendwie die lleberzeuguug hindurch: etwas Gültiges, etwas Wertvolles, etwas Heiliges verbirgt sich dahinter, das mit seelischer Genugtuung, mit idealer Befriedigung durchdringt. Nimmt man gar den Befund von heute hinzu inumer schwächer klingen unter uns deutschen Juden die gläubigen Gegensätze ab,' desto schärfer tritt ein durchgängiges Zweiparteiensystem hervor-, wäre es da glaubhaft, daß zwar alles, was schlagwortartig auf Zion schwört, seine jüdische Weltanschauung ausweist? Wir übrigen aber, ausschließlich durch Verneinung zmammengehacken, durch die Klammer dessen, was uns ablehnt oder von uns abgelehnL wird, trüge:: nichts zum Judentum bei. das in Begriff und Forderung. Grundlage :u:d Zielsetzung uns drucket bliebe? B o n v o r n h e r e i n ist die B o r st e l L u n g unleidlich, daß der G. V. der j ü d i s ch e u Idee u entbehre, die er verkörpert, die ihr: rvechselw e i s e b l u t h a f t d u r ch p u l j e n. Nur Geschichlsklitterung, fahrlässig oder bösartig geübt, schmälert der Gedankenwelt, aus der letztlich der G. B. entsprang. ihren ersten Anspruch. Sie darf sich rühmen, im neuzeitlichen Dasein des Judentums die große Wende vollzogen zu haben. Auf sie geht der Durchbruch der Mannhaftigkeit. geht jenes Freiheitserlebnis zurück, das erst die Einbürgerung innerlich zu eigen machte. Hiermit wurde wiederholt, was nicht absichtslos den Anfang unserer Historie ausmacht. Gleich in die Ursprünge Israels grub die Gottheit, vor die Offenbarung die Befreiung setzend, die Erkenntnis ein: nur der Herr seiner selbst sei der eigenen Geistigkeit fähig. Aehnlich war der Don. der in Gabriel Riesters Weckruf mitschwang, der zwei Menschenalter vor Theodor Herzt stählernen Klanges unsere Gemeinschaft erschütterte. Nich: von Wien, sondern von Breslau her erfolgte denn auch der nächste Austost, als die Biadriua erstmalig au Deutschlands Hochschulen die Fahne des Judentums auszog. Und durchaus unabhängig von Pinslers ,.Autoemansipatwn" erschien jene Flugschrift „Schutzjudeu oder Staatsbürgers die fast ein Jahrfünft vor dem Bauer Kongreß die förmliche Gründung des E. B. bewirkte. In ihn: dauert ihr Geist fort, der vor freiwilliger Erniedrigung warnte, der sich Hilfe von außen verbat m:d jede Bitte um Schutz zurückwies, der kraftvoll mit den Waffen des Geistes in die Schranken entbot. Ohne diesen Antrieb mannhafter Würde, die ideengeschichtlich das Werdet! des Judentums eröffne:, wäre die Entstehung des E. B. so undenkbar nüe sein Weiterbestand, der immer wieder, verzettelt Lu Kleinlichkeit und Verdrießlichkeit, solchen Slemvcls bedarf. Bein: Verzicht auf ihn gäbe unsere Arbeit sich selber auf, die zu den: einen großen Ztvecke geschiehtdas gute Recht unserer Gemeinschaft zu verfechten, damit sie ohne Versteck und Wegwurf ihren Eigeruoert pflege. Wer in unsere Reihen tritt, wappnet sich zuvor mit den: stBsilgesthmiedeteu Panzer, den uniere Väter, aus Aegyptens Knechtschaft hinansgeführl. anlegen mußten. Für ihn ist a u f r e ei) t e M a u u e s :v ü r d e V o r b e d i n g u n g u n d G r u u d g e b v t. Eine weitere Einstellm:g folgt daraus, die nicht minder einen Wesenszug jüdischer Geistigkeit darstellt. Nicht willens, den Boden aufzugeben, in den das Schicksal prstauzte, entschlossen, sich nicht von ihn: verdrängen zn Lassen, geschweige,.' denn, ihn von sich aus zu räruneu in Verärgerung oder Geichs gültigkeit. huldigt alles, was zun: E. V. gehört, einer kämpferischen B e j a h u n g. Daß hier wiederum eine tragende- Idee rulserer Vergaugeuheit^zu Ehren gelaugt, braucht nicht vielfach belegt zu werden. <reit je war der jüdische Geist auf das Hier und das Heute gerichtet. Wie er Gottes Wort nicht von jenfeit des Meeres noch oben vom Himmel herniederholte, wie er es vielmehr in Mund, Herz und Tat der Seinen entdeckte, so forderte er deren unmittelbare Bewährung. Er riß