Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 3 (20.1.1928)
- Date
- 1928-01-20
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
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Serlin, 20. Januar 192$ _VH. Jahrgang * Nr. 3 r" ^\€in*clnummcr 10 Pfennig /f JAS. ^3 1 lC/C Vierteriaürsabonnement 1,20 RM. (3U3Ü3I. i'cfteagciö). Verlag Äll^emeine Zeirun^ des Judemums t 30472. 3an!for.io; Dresdner Bank, Wcchfel- Nornialze &/I JfJ a >» n< * sri, \ ' x m &£3 \f ‘■'A/yv A K i \ \ f n y .M M i j U : i i i' i ■ i y r WWVV f VivV^ \ \W i i! j U/ i rn hin M i i"> I I i | Vor einigen Monaten füllten Aufsätze uub Zuschriften verschiedene Nummern dieser Blätter, die sich mit der Frage „Großstadt oder Kleinstadt?" und ihrer Bedeutung für das deutsche Judentum befaßten. Daß unsere „G. V.- Zeilung" diese wichtige Frage so zur Anssprache gestellt hat, war dankenswert. Tie Fülle der Zuschriften ans allen Teilen des Reiches bewies ihr, daß sie mit diesen Aufsätzen an einerschlimmen Wunde gerührt hatte. Oft und eindringlich muß immer wieder von den Zuständen in den & {c i n städten gesprochen werden. Gewiß liegen die Verhältnisse nicht überall gleich. In einer badischen Kleinstadt sieht es grundverschieden von einer pvmmerschen aus. Aber wer kennt überhaupt die Zustande in den Kleinstädten? Wer weiß etwas von den Leiden, von den Ehrenkranknngen, denen Inden und Judentum besonders in norb d e u tsche n Kleinstädten ausgefetzt sind? Tie Großstädter, die oft in einer rein jüdischen Umgebung leben, „merken nichts" von den Völkischen. Viele vermeinen, das erfreuliche Aufkommen ruhigerer Verhältnisse in Politik und Wirtschaft werde auch den Judenhaß entscheidend treffen. Wie weit sind wir Kleinstädter davon entfernt! Und deshalb sollen hier einige kennzeichnende „Erlebnisse in preußischen Kleinstädten" bekannt gemacht werden, damit die Großstädterscharf aufmerken, damit manche Lauen und Bequemen endlich erkennen, was gespielt wird, damit sie uns und unserem unermüdlichen Gentralvcrein endlich tatkräftig zu Hilfe kommen; denn wir kämpfen für sie und wir leiden für sie, für sie alle, die Judentum und Deutschtum verkörpern. Es wäre auch recht angebracht, wenn die Behörden, die Hüter von Recht und Gesetz, ein wenig mehr ihr Augenmerk auf die beschämenden Vorfälle, auf die gefährlichen Entwicklungen, die ich hier Vorträge, richten; denn auch sie geht manches stark an. Aus Dem Geschäftöleben. I. Ein Gymnasiast in höheren Klassen wollte mit seinen Wern in einern angesehenen jüdischen Garderobengeschäft einen Wintermantel kaufen. Er probierte nur ungern einige an, lief aber dann plötzlich aus dem Geschäft mit der Begründung, er kaufe hier stricht. Die bestürzten Eltern entschuldigten sich bei dem ihnen seit langem bekannten Geschäftsführer damit, daß sie keinen Einfluß mehr auf den erwachsenen Sohn hätten. Ter Geschäftsinhaber konnte in der Unterredung festsiellen, daß lediglich aus judenfeindlichen Gründen der Gymnasiast, der einem Jngendverbande angehört, sich geweigert habe, den Mantel in einem jüdischen Geschäft zu kaufen. .(5r hatte inzwischen selbständig den Mantel in einem nichtjüdifchen Geschäft erstanden. II. Tie Frau eines dem Stahchelm angehörigen Beamten Krichren in einem jüdischen Geschäft, in dem sie seit Jahren tauft, inix einen Mantel zu erwerben. Sie entschloß sich aber zu dem Kauf dieses Mai nicht sofort, weit, wie sie mitteilte, ihr Ehemann ihr verboten habe, in einem jüdischen Geschäft zu kaufen. Obwohl der jüdische Verkäufer die Mäntel in das Hans schickte, kam der Kauf ans dem angegebenen Grunde nicht zustande. Vom gesellschaftlichen Verkehr. Frau Kanzteirat I möchte gern mit Frau Oberkanzleirat I verkehren. Frau Kanzleirat findet die Arztgattin Frau Eohn nett und sympathisch und würde gern oster freundschaftlich mit ihr Zusammenkommen. Aber Frau Oberkanzleirat ist judenieindlich. Verkehrt Frau Kanzteirat mit Frau Oberlanzleirat, so kann sie nicht mit Frau Tr. Eohn verkehren. Da aber Frau Kanzleirat an dem Verkehr mit Frau Oberkanzleirat. der Gattin des Vorgesetzten ihres Mannes, aus den verschiedensten Gründen viel liegt, so läßt Frau Kanzleirat den Verkehr mit der Jüdin schießen. Uni sich ..hoffähig" zu machen, äußert sie beim nächsten Beamtenkafsee: Man könne doch wirklich nicht mit einer Jüdin am Kaffeetisch zusammensitzcn. In vielen Kleinstädten gibt es solche Frauen, die vermöge der Stellung ihres Mannes einen gewissen Terror ausüben, dem sich daun andere Frauen fügen mü|ien, wollen sie nicht dem gesellschaftlichen Boykott ausgesetzt fein. Von Den Akademikern. I. Ter A k a d em i ke rb u n d , der doch nur gegründet worden ist, um die Interessen der Akademiker wahrzunehmen, spielt in unseren Kleinstädten eine gesellschaftliche Rolle und ist leider allzu häufig ein Anhängsel jener Parteien geworden, die offen den Judenhaß predigen. Eigentlich sollte der Akadernikerbund alle Akademiker ohne Rücksicht auf ihre politische und konfessionelle Stellung aufnehmen. Aber wie oft sieht es ganz anders damit aus! Sobald ein Akademiker neu erscheint, versucht man, feine politische Meinung zu erfahren. Sonne er auch nur demokratisch angehaucht ist, kommt er für die Aufnahme nicht in Frage. "Demokraten, Sozialdemokraten und Juden, ganz gleich welchen Parteien sie angehören, scheiden ohne weiteres" aus. Neber ihre Ans- J to [3 l) 3 3 m S> ci 8 $ 0 [ | Or. Erwin Lichtechtem (Danzig): Oie Neubildung der Oanzlger § | Regierung. — Or. p. Jenkwitz (Breslau): Ferdinand Cohn j j — Justr'zrat Or. Julius Brodnih: Ralstda Renw. —Paul LJ Wesihoini: Mission im Geistigen.