Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 7 (1928)
- Issue
- 1 (6.1.1928)
- Date
- 1928-01-06
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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( \ < V Sc V 7 j crr );v) ^':; -n>. //o» f»/VN ^’.'V* raäUT« Biertcliabrsabonnerrrenl 1,20 NM. (zuzügl. DesreLgslü).? l-y ii/' '.^ j 1 i O v E K s; M C- *; Herlin, ö. Januar 1Y2S VH. ^akrgang •> Nr. 1 Einzelnummer 10 Pfennig V<£ Äll^emeine Zeirun^ des Judentums B*r!ag u. toüjnuieuung: Berun SWC3, Sir.benftr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3395. .:. Bostscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Darr!, Drchsr!« ftube G. Berlin SV- (.-i, Lindenflr. 7, uii£> von L'O.t; j»ir.i5t»'>ioU)(a}tIÖ & Go., Berlin W8. Alleinige Anzeigenannahme: Anl'.onceN'E^pedition Rudolf Molle, Berlin 8^V 19, und deren Filialen. Anreigenpreife: 0,W 3>& für die 7gespaltens Zeile noch Rudolf Moffes . Normalzeilcnmessec Rr. 4. Farnilienanzeigen und StcUensesuche (nicht Ltellrnangebote) für Mitglieder d. Lentralrereins 0,45 JiJL, die 00 mm breite ReriainezeUe 4,5-0 J2.&. /fl U ch7> n Der Beginn des bürgerlichen Jahres mahnt zur politischen Besinnung. Wir geben uns Rechenschaft über das, was gewesen ist, und stellen den Nahmen für unsere künftige Tätigkeit fest. Wie kommt es. das; wir. die wir es als eine Freude empfinden, im Volksstaat leben zu können, als jüdische Deutsche noch so viele Klagen erheben müssen? Glaubten doch jo viele, mit der Einführung des Volksstaates sei alles erreicht. Warum war das eine Täuschung? Vergessen wir nickst, daß die das Ghetto beendende Emanzipation, d. h. die formale Gleichberechtigung, eben nur eine Gleichberechtigung auf dem Papier gewesen ist. Wenn wir heute die Schriften von Gabriel Rießer lesen, so finden wir in ihnen vielfach Ausführungen, die uns jetzt als teere Deklamation erscheinen. Rießer verkündet als erster in systematischer Weise die Lehre vom deutschbewußten Judentum. Wir sind Deutsche, und wir sind'Juden; beides in gleicher Weise. Unser Witte geht auf die Erhaltung des Judentums ebenso wie auf unsere Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum. Rießer sah das Problem vom staatsrechtlichen Gesichtspunkt aus: ist das Gesetz beschlosien und verkündet, sind unsere Wünsche erfüllt. Er dachte nicht an das, was man später in deutschen Landen, als verfasiungsmäßige Gleichberechtigung schon galt, als Berwattuugsprellerei bezeichnete. Sie war rein juristisch genommen eine Verletzung des Gesetzes, ein Bruch der Verfassung. Sie wurde von einem Teile des Volkes gedeckt, wett das Volk selbst noch nicht reif genug war für die Empfindungen des gleickjen Rechtes aller Bürger. Im Untergründe sah es im Juden noch den Ehettojuden. jenen Paria, der ihnen jahrhundertelang als (ästiger Konkurrent überall gegolten hatte, u Man wird an Schillers „Teilung der Erde" erinnert. Als wir als gleichberechtigte Bürger in den Staats- und Wirtschaftskreis eintraten, waren die Plätze im Lande vergeben. Auf Staat und Gemeinde, aus Handel und Verkehr, auf Lehrstand und Nährstand hatte die damalige bürgerliche Gesellschaft ihre Hand gelegt. Wir kamen, um mitzuwirken, mitzuschaffen, aber alle Plätze Ovaren beseht: wir traten vor die Gottheit, die uns an die Tafel der Bürger gerufen hatte, vor den Thron der Gerechtigkeit. Sie mußte auch uns Zurufen: „Die Welt ist weggegeben." „Ter Herbst, die Jagd, der Markt, ist nicht mehr mein." Und sie rief uns Zu ihrem Thron in ihren Himmel, wir sollten für sie zeugen und damit sür den Gedanken der Menschheit. Und wir mußten die Einsicht hinnehmen. Und wir mußten durch unseren Kampf für die Gerechtigkeit den Gedanken in die Molt tragen, den später Waltlzer Rat Henau so formulierte: ..Wir sind nicht da um des Besitzes willen, nicht um der Macht willen, sondern wir sind da zur Verklärung des Göttlichen, des Menschlichen im Geiste." Weil im Volk die Gleichl>erechtignng des jüdischen Menschon noch nicht den vollen Boden gefunden hatte und bis heute noch nicht überall gefunden hat. blieben wir jüdischen Deutschen gleich unseren Vätern Menschen der doppelten Sorgen. Wir haben zu tragen am Erbenlos, wie jeder andere; aber mehr als das: wir haben abzubürden die Last des Um rechts, da? Jahrhunderte uns zugefügt. Diese Arbeit, die nicht in wenigen Jahrhunderten vollendet werden konnte, fortzusetzcn, ist unsere Aufgabe. * Will man zur Klarheit kommen, so muß man untersuchen, wieso der neue Staat das nicht gehalten hat, was viele von ihm erwartet haben. Ein Grundfehler liegt darin, daß man die Allmacht des Staates überschätzt und die geistige Haltung der bürgerlichen Gesellschaft in ihrem entscheidenden Einfluß unterschätzt hat. Diese Gesellscl)aft muß gleich dem neuen Staat von neuem Geiste erfüllt sein. Staat und Gesellschaft verwirklichen erst das Recht. Das Knochengerüst staatlichen Lebens muß durch das Fleisch und Blut der Gesellschaft zum Leben erweckt werden. Und diese Gesellschaft birgt in sich die Abschlußtendenz der Jahrhunderte gegen uns Juden. Noch heute offenbart sich in ihr der Geist, der den Menschen von altersher innewohnt, deren Ahnen und Urahnen gewohnt waren, in der gesellschaftsmäßigen Sck)eidung das Wesen ihrer bürgerlichen Existenz zu erblicken. Wir Menschen tragen das Erbe der Vergangenheit im Guten und im Bösen in uns. und es ist sticht wunderbar, wenn der Adel im Bürger, 'der Zünftige im Unzünftigen und viele im Juden noch heute etwas Minderwertiges erblicken. Das ist gewiß ungerecht, das ist gewiß dem religiösen und sittlichen Empfinden unserer Zeit zuwider, aber wir wipen und müsien uns darüber klar sein, daß diese Tinge nicht von heute auf morgen erledigt werden. Wenn heute die als Blüte des Nachwuchses bezeichnete akademische Jugend in großer Zahl sich so stark gegen die Juden wendet, so bedeutet das nichts anderes als den Kampf für ein Vorrecht, das sie besitzen wollen, als einen Dünke! aus alter Zeit, den Wunsch, den Paria zu stoßen, und den Glauben, sich selbst erhöhen zu können, wenn man andere erniedrigt. Mit dieser Ceisteshaltung der Menschen müssen wir rechnen. Und die W i r t s ch a f t? Das Zeitalter des wirtschaftlichen Kollektivismus ist angebrochen. Der einzelne als wirtschaftende Persönlichkeit verschwindet mehr und mehr. Wir UJ 5 Et ß d # fi ® r i * s i SS L. _ J | Dr.WallhcrLing(Franlfuria.M.): Neuestesausdemv.Oe.^.V. - Obersiudlendirektor Or. K. Müller (Potsdam): Oer beleidigte Werwolf. - Und wieder: „Oie Weisen von ZwnA — Professor Or. Alfred Leicht (Meißen): Ein Vortrag, erst Buch und sein Echo. - prostsior a. O. l). Paul Fischer (Tübingen) über Lagardeö Stellung zur Zudensrage. 1 I j •t |