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Central-Verein-Zeitung · 1927-12-23 · 51 (23.12.1927) · p. Seite 728

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
51 (23.12.1927)
Date
1927-12-23
Page
Seite 728 (sequence 12)
Language
German
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24 Die Religiosität öer deutschen Jugenö. NovemberhefL Des „Jungen Menschen". Mt den letzten Hesicn der Zcivchnsi ,Zumge Menschen*, die noch erscheinen, ehe das Jahresende auch der Zcmckriü idr Ende fetz:, will Steuer . *• # ._r: t : j:. ,^ fti *.« Ffi*% %•(--**?**> »ttrt Wie sebr gerade die jüdi'ckc Jugend das re'ügiö'e Problem beschü'ngt. hat die cindrinalickc Ausmraä c in der Avrilausaaee nn'erer Beilage , Bon deutsch-jüdischer"Jugend" ge'.ciat. Bo'.oodl das Nrvenckerbcft der ,.jungen Menschen' durch das verst'ä:c:e EüNrencn eines Aw'atzc? über die judneye Seite des Problems, am dicsis i-iri“. einaeben kennte. gib: cs uns doch Anlatz zu ausmhrlichcr Mspreet".'.na. Tenn ccntbäi: sehr viel auch wr uns Wertvolles. Bunt nebeneinander sieben in diesem Heü binnabe, die an? den verschiedensten religiös und mi'ieubedinalelr Ein'lcllunacn beraum ^iclning nehmen zur religiösen Lage der hciiügcn Jugend, uue das Pan' Zürich in seinem Buch ..Tie reliaiö'e Lage der Gegenloart" si.Wcgc Zinn WckcTE, lÜltzein-Vcrlag) zur allaeu-.ein.cn religiösen Lage der Eegennoart getan bat. liebet dies hinaus wird das Oes: aber zu einer eeschia-'euen Eiuheü. durch die Jnüniwn und Lebendialei-, mit der cs ans den rnanniw-alnacn Ec: :csbewegungcn das Bild von der religiösen Lage der Jugend rmsercr Zeit cmfbaut. Tie Aufsatzreihe, die Hans - Ic» acki m S ch o eps verantwortlich Zusammcnge'ftellt bat, soll den Beweis erbringen, dach im deutschen Volk, besonders in der Jugend, lang vcrfckütlcte Quellen echter Rcligiositäi^wicdcr aufznbrcchen beginnen, datz der deutsche Bieruch. der im fauui'ckcn prange immer wieder nach den letzten Trugen fragt, noch nicht crusgenorben pt. Fragen wir uns zuerst, wie cs in der Jugendbewegung mir Reliaiofität stellt. Ter Wanderrcac! aus den frühen Taren der che uro geistig liquidierten) Jugendbewegung war religiös cbeuw pouüv eingestellt wie die Mehrzahl der geistig führenden streife der beutigen Jugendbewegung. Tenn alle find im Banne der Poyus und Metar-bdsts, der Hinwendung einerseits zu sich selbst und cnderstirs znnr Ewigen. Tie meisten sind nur religiös, aber keineswegs erstnst von irgcudwelcken Problemen, die ne vor eine religiöse Entscheidung stellen. An die wendet sich das Heft in erster Linie. Karl O. Paetel chricht über die ..Stellung der bündischen Jugend jum Christentum". Nachdem er einige Probleme, die den Gegensatz znü'chen hündisch und christlich ausmachcn^ gezeigt hat, zum Bcichiell um nur cines herauszugreisen, die Frage der Stellung zur schicksalsmäßigen Bedeutung des DoUstums, stellt er da:rn den ^Crundunterschicd zynischen christlicher und hündischer Zugend dar: Beide willen, daß iie bei ihrem Ringen nach religiösem Leben und Erleben mit den Kräften des Christentums in Berübrrnig kommen müssen. Tie einen ober wissen, daß sie dort — auch wenn sie noch zweifeln — Erfüllung finden. Tie andern aber ahnen nur. daß für sie die Stunde der Auseinandersetzung kommt, aber die, Entscheidung diestr hündischen Menschen wird so fallen, wie sie die innere Wodrhaftigkeit ihnen vorschreibt. Tie Wechselbeziehungen zwischen katholischer Kircke und Jugend zeigt Tr. N. Ehlen. Nach einem historischen Ueberblick über die Wandlung in der Stellung der Zugend zur katholischen Kirche, glaubt der Vcr'asfer, daß darin das Merkmal des Neuen liegt, daß die Form, in der sich die katholische Kirche offenbart, in erster Linie über den lebendigen Menschen geht, ohne barmt illrc alte Form aufzuheben. Wilhelm Kclbcr sucht in einem Aussatz „Bon der Jugendbewegung zur Autln, pasotzäie" zu zeigen, daß die Anthroposophie eine Fortsetzung der Zugendbcwegnng auf anderen Bahnen im Leben derer sei, die aus dem Wandervrgel- oder Frcidcutfchitum zu ihr gekommen sind. Aussätze von Karl Hcmprich, Tr. Karl T hie me, Tr. O artmann stellen die religiöse Lage der sozialistisch eingestellten Zugend dar. Für Hc'.nprichs Ausführungen lieferten 30t Niederschriften von Fortbiwungs'chülorn über ihre Meinung von Religion, Kirche, Gott, Zesus, Unsterblichkeit das Material. Pfarrer Hartmann spricht von der „Haltung des religiösen Sozialismus'. Er führt aus, daß der religiöse Sozialismus erkannt hat, daß cs cm die doktrinären Unterschiede der Konfessionen heute einfach nicht mehr ankommt. Liberal, positiv, lutherisch, reformiert, (acholisch, orthodox, das ime* angesichts der inneren und äußeren Not der Wirklichkeit Museums- Triefte geworden. Ter religiöse Sozialismus steht auf dem Standpunkt, deß der Neuordnung der Tinge sowohl mit marxistischer Dogmatik wie mit Kirche schleckt gedient ist, Tenn er glaubt an den Geist und daran, daß die wichtigsten Tinge sich nicht rein wissenschaftlich ergreifen lassen. Religion und Sozialismus aber gehören eng zusammen. Tenn sie drücken aus, daß die Gesamtwirklichkest Gott und das Dasein. einen Anspruch an uns füllt, und daß der Wille Gottes im Himmel und auf der Erde geschehen muß. Zn diesem lebendigen Zneinandergreisen zweier polarer Mächte ang:stch:s eines Menschheitszicles liegt der Sinn dieses Kampfes mit dem Seienden. Aussätze über das CitäFethtm, Kircke itnb Arbeiter, den Glaubensbegrisf dar dialektischen Theologie, religiöse Tichtrmgcn von Rilke, Morgenstern, Flex und Toller runden dieses Heft zu einem hervorragenden Ueberblick über die Religiosität der christlichen Zugend. Zusammenfasscnd kann also folgendes gesagt werden: Tie religiöse Lage der heutigen Jugend schlechthin, drückt sich aus in den Gegensätzen christlichreligiös und, sagen wir unbestimmt nach Weg und Ziel, unabhängig von allen Gemeinschaften „religiös' schlechthin. Anders in der Jugendbewegung. Hier beginnt ein Berschnrelzen dieser Gegensätzlichkeit zu einem Jdeallypus Mensch, wie ihn Georg Sebastian Faber in seinem „Leonardo, Brief und Ziegel" dichterisch geformt hat. Alfred Levi. (Erziehung zum Stolz,) Aufruf und den Reicbsbund jüdischer Frontsoldaten zu seiner Siedln ngsaktion veranlaßt hat. Was ist demgegenüber die Forderung jüdischen Lebenswillens an die Erziehung der Jugend? Ich sagte es schon: Erziehung zum Stolz. Stolz: dieses Dort stehe hier als Paradigma für Jugend und Erziehung. Ich will es kurz analysieren. Stolz ist das naturnotwendige Erzeugnis des Bewußtseins vom Judentum als einer untilgbaren, machtvollen, in der letzten, unhaltbaren Persönlichkeitsschicht wurzelnden Lebens- und Gestaltungskraft. Stolz aus das Judentum — das ist das Korrelat zu einer bewußten jüdischen Grundhaltung, einer ungebrochenen (im letzten Grunde nie zu brechenden) formgebenden jüdischen Aktivität, die seit Jahrtausenden lebt und Leben zeugt trotz aller Hemmnisse und Versuchungen, die sich nicht fragt, wie sie .ist, ob gut oder böse, ob mystisch oder rational, ob lyrisch oder talmudisch, sondern die eben da ist mit der ganzen naiven, elementaren Gewalt einer Naturkraft. Das Bewußtsein dieser jüdischen Aktivität, dieser machtvollen Gestaltung?konstante seines Wesens und seiner Leöensäußerungen ist es, was der junge jüdische Mensch in so erschreckendem Maße "verminen läßt. Mit dieser formgebenden jüdrschen Lebenskraft hat der Jude die Kulturinhalte jo vieler Zeiten und Völker ausgenommen. Er hat sie sich innerlich an* gereichert und sie mit" den Säften des eigenen Wesens durchtränkt. Darum hat er auch in ihnen sein Heimatrecht sich errungen, so wie der Bauer und Siedler nach" gesundem, sozialem Bodenrecht ein unveräußerliches Recht auf die Scholle gewinnt, die er bearbeitet. Stellt man die Stärkung des jüdischen Selbstbewußtseins als Ziel auf, daun muß sich mühelos eine Einheitsfront der Erziehung zum Judentum formen lasten. Letzten Endes, ob bewußt oder unbewußt, gebt es allen positiv Gerasteten um dieses Ziel, in ihm laufen schließlich alle innerjüdischen Strömungen zusammen. Judentum — aufgstaßt als der allen jüdischen Individuen immanente Wert, als formgebendc. gestaltende Lebenskraft: ihm gegenüber sind alle anderen" Unterschiede in der Aufsagung des Judentums sekundär. Zu ihnen über gewinnt man die unseren Willen zum Judentum gemäße Stellung, wenn man sie in Bestehung setzt zu dem von mir genannten Ziel aller jüdischen Erstehung. Da mag als Leitsatz doranstehen: Jüdische Erziehung muß auf da? Elementare gehen. Darum: Stärkung des Willens und des Gefühls ist wichtiger und notwendiger als intellektuelle. rationale Durchleuchtung der jüdischen WeLransazarruug. Hier lehne ich entschieden üb, was in?cmumer 8-9 dieser Blätter' in dem Aufsatz: „Erziehung zum Juden" geäußert wurde. Der Verfasser meint, bei der Erziehung zum Juden, die von der Erziehung zum jüdischen Menschern ausgehe, sei die Tradition ein unentbehrlicher Er- Ziehungsfaktor. Wer aber die Tradition nicht wolle, der müsse das Judentum als eine durch die Vernunft gebotene Weltanschauung ansehen und den jungen Menschen dazu führen, diese Weltanschauung gedanklich zu bekennen. Zu diesem Zwecke müsse er zunächst zum moralischen Menschen herangebitdet iverden. Erstaunlich an diesen Darlegungen ist nur, daß sie die llcberschrift tragen: „Erziehung zum Judentum"', denn was bedeutet das? Die ungeheure, blutvolle, in jeder geringsten Bewegung und Aeußerung^ sich offenbarende, monistisch geschlossene Lebeuswirklichteit der jüdischen Menschen soll — ich scheue mich nicht, cs zu sagen — degradiert, verdünnt, verflüchtigt werden zum moralisch vorgebildeten Träger der jüdischen Weltanschauung. Nein, das ist nicht der Weg und so heißt nicht das ‘ Ziel. Welch eine ungeheuerliche, verblüffende, aber absolut inhaltsleere Unterscheidung: Jude — jüdischer Mensch. Träger der jüdischen Weltanschauung: das ist weder Jude noch jüdischer Mensch, das ist — man muß es so nennen — jndaistischer Mensch. Jndaistischer Mensch kann auch der getaufte Jude sein, auch der Nichtjude. (Ter Verfasser spricht sogar einmal von Partei. Man denke: Jttdentum als Partei.) Und weiter: Was ist wohl verkehrter als die Auffassung, unter dem Judentum, der jüdischen Religion eine Weltanschauung, ein vernunstgebotenes System zu verstehen. Wesen, Weltanschauungen, Parteien wccksteln im Leben der Gruppen und Individuen, aber das Judentum ist im innersten Grunde ein b i o p f y ch i sch e s Etwas, eine Wesenskonstante, eine Strukturgrundlage, eine Religion, aber keine Weltanschauung. Es soll natürlich keineswegs geleugnet werden, das; die Erziehung zur Erfassung jüdisch-religiöser Gcdankeninhalte notwendig und wichtig ist. Betrachtet man aber als Kernstück des jüdischen Erzrehungsproblems die Heranbildung und Stärkung des jüdischen Selbstbewusstseins, der Lebensfreude und Lebensgestaltung aus dem stolz und bewußt ompfrntdenen jüdischen So-seitt heraus, null mau k also wirklich den jüdischen Menschen erzielen, dann bekenne man ohne alle Vorbehalte: Tradition, Synagoge, vor allem Geschichte (insbesondere die Kunde von den Heroen und Genien des Juden-? htm?): sie sind unentbehrliche, naturnotwendige Erzichungs-! saktoren. Jrn übrigen aber: alle Ströme jüdischen Seins sollen f fließen, um die Mühlen der Erziehung zu treil>en. Der Geist der l Erziehung heiße daher: jüdisck>e V o l l w i r k lichl e i t, nicht aber i rational-rveltanschauliches Bekenntnis! ' BeraniVortliÄ für die Deilatze „Bon deurschgüdischer Jugend": Alfred Hirsch» -erg (Dcrlm-CharloUcn-urg). Druck von Rudo'f Masse, Berlin SW 19.

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