Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 48 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- Seite 672 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m besragung in Braunsch'.veig in besonders starkem Maße. Tie WahldeLeiligung war die gleiche wie das letztcma!. nämlich etwa sä Prozent. Die Sozialdemokratie konnte ihre Mandate von 19 aus 24 vermehren. Damit hat sie genau die Hälfte aller Landtagssitze (48) inne. Auch die Ä? o m m u n i st c u stiegen von 12 527 auf 12 912 Stimmen; sie behielten ihre bisherigen zwei Mandate. Tie Dem ok ra t ifche Partei, die gemeinsam mit denn Braunschweigischen Bauernbund in die Wahlschlacht gegangen war, hat ihren Besitzstand von zwei Mandaten ebenfalls gewahrt. Tie Winschastlcr Halen zwar auch einen Verlust aufzuweiseu, doch ist dabei 5U bedenkeli, daß der Haus- und Grundbesitz dieses Mal eine eigene Liste aufgestellt hatte und es auf zwei Abgeordnete brachte. Reu trat ferner die Volksrechtspartei (Aufwertlerü auf den Plan, sie errang jedoch mit ihren nur 4658 Stimmen keinen Titz. Tie Braunf chw e i g i fch - N i e der s a ch s i s ch e Partei (Welfen) büßte ihren einzigen Abgeordneten ein. 2ü§ Zentru m, welches in Braunschweig früher, abweichend von der Politik im Reich, in Preußen und anderen Ländern, stets mit den Rechtsparteien gegangen war. hatte jetzt seine Liste ganz selbständig ohne die frühere Listenverbindung mit rechts ausgestellt. Für diese Entwicklungdürften die bekannten, in diesen Blättern seinerzeit behandelten Borgänge anläßlich des Besuchs des Herrn Reichspräsidenten in Draunschwcig, bei welcher» der katholische Bevölkerung?teil — gleich dem jüdischen — von der Landesregierung eine empfindliche Zurücksetzung in repräsentativer Hinsicht dnrch Nichteinladung der betreffenden Geistlichen zu den Empsangsseierlichkeiten erfahren hatte, nicht ohne Einfluß gewesen sein. Tits hervorstechendste 'Merkmal der Wahl ist als Kehrseite des so r-aldemolratischei^ Sieges die Ried er läge der Deutschnationalen. Sie. die bisher stärkste bürgerliche Partei, verlor rund 5 0 Prozent ihrer Wähler und büßte fünf von ihren zehn Mandateil ein. In der Hauptstadt Braunschweig trat dieser Zusammenbruch noch markanter in die Erscheinung, wo die Deutsch, natzonaleu sich nur 1072 Stimmen gegenüber 18 902 bei der vorigen Wahl erhalten konnten. Tie T e u t s ch e B o l t s p a r t c i ging von neun auf acht Mandate zurück. Trotzdem ist sie jetzt noch erheblich stärker als die Dculsclmanmmlen. linier besonderes Interesse beanspruchen die Wohhtzfsern der Nationalsozialistischen Deutschen ArbcUcrparLer. Abweichend von dein Bilde, welches die übrigen Wähle.i der letzten Monate ergeben hatten, hat sic ihre SLimrucnzahl von 1)470 aus 10 320, also um 041, vermehren können. Tie Gründe dürsten in folgendem liegen: Tie Nationalsozialisten haben mit ihren HaupLführern ans dem Reiche - Hitler an der Spitze — gerade noch in den letzten Wochen des Wahlkampfes eine besonders großzügige Propaganda in Stadt und Land bis in die kleinsten Toner hinein gemacht. Ferner ist anzunehmen. daß ne einen Teil der den TeMsihnationalen verlorengegangenen Stimmen ausgefangen, und auch größeren Zuzug aus den Reihen des dieses Mal nicht in aktiver Tätigkeit hcrvoractretenen Stahlhelms erfahren haben. Trotz des Stimmenzuwachses müssen sich die Nationalsozialisten mit ihrem bisherigen einen Mandat, dessen Inhaber übrigens gewechselt hat. begnügen, doch waren sie nicht weit davon entfernt, das zweite zu erlangen. Die neuen Stellvertreter des Vorsitzenden. —-£->'2 Wn— Oscar Heimann Dr, Bruno Weil Die Persönlichkeit des Herrn Oscar Heimann ist unseren Freunden im Lande bekannt Er ist seit Jahren Vorsitzender unserer Yenvattungskommission und hat für unsere wirtschaftliche Existenz, für die Möglichkeit dass der C. V. seine Aufgaben erfüllen kann, in treuer Wacht gesorgt. Wir hatten die Freude, seiner cor wenigen Wochen aus Anlass seines 60. Geburtstages zu gedenken. Mit Rechtsanwalt l)r. Bruno Weil ist eine Persönlichkeit an die leitende Stelle unseres Vereins getreten, die seit zwei Jahrzehnten hervorragenden Anteil am off entliehen Leben genommen hat. Schon in seiner elsässisch-lothringischen Heimat war Dr, Bruno Weil durch sein Eintreten für Freiheit und Gerechtigkeit gegenüber seinem Heimatstaate Elsass-Lothringcn bekannt geworden. Bereits in seine Strassburger Zeit fällt eine reiche schriftstellerische Tätigkeit. In seiner ersten, mit 22 Jahren geschriebenen Arbeit „Juden in der deutschen Burschenschaft*' hat Br. Weil ein Problem aufgegriffen, das vom Standpunkt deutscher Kulturpolitik reiche Beachtung verdient. Nach dem Kriege wurde Dr. Weil aus seiner Heimat rer/rieben. In Berlin schuf er sich ein neues Heim und hat sich schriftstellerisch, hauptsächlich auf rechtswisscnschaf Kichern Gebiete, betätigt. Den schwierigen Fragen der Entschädigung der Ausländsdeutschen und der vertriebenen Etsass- Lothringer, der Durchführung ihrer Ansprüche diente hauptsächlich seine juristische Arbeit, ebenso wie der Erforschung und dem Studium der Friedensverträge und des internationalen Rechtes. Unserer Bewegung war er stets ein treuer Mitarbeiter. Zahlreiche Aufsätze in der ,.C. V.-Zeitung*1 und seine vielen Vorträge zeigen ihn als einen der Berufensten und Befähigsten in unserem Kreise. Sein Werk über „Die Jüdische Internationale“ ist ausserordentlich weit verbreitet und hat allgemein Anerkennung gefunden. In die längste Zeit fällt die Tätigkeit Br. ILer'ä? im Borkum- Prozess, sein Referat über die Palästiuarelse und der soeben erschienene Vortrag über den „Politischen Prozess“ (Fortsetzung von Seite 666.) subjektiven Voraussetzung für den Erfolg unserer Sache, und mit dem Goethe-Wort, nachdem er die Richtlinien für die praktische Arbeit dargestellt, schloß er „Im Anfang war die Tat!" Dem Geschäftsbericht schloß sich das Referat des Syndikus des C. V., Dr. Alfred Wiener: „Eindrücke vom Baseler Zionistentongrctz", an. Tr. Wiener hatte dem Kongreß von der ersten bis zur letzten Minute beigewvhnt, und unter den frischen Eindrücken dieses Erlebnipes, dem ein Jahr zuvor eine Palästina-Reise vorangegangen war. stand das Referat, das sich, in glücklicher Ergänzung des Geschäftsberichts, zur Darstellung unserer weltanschaulichen Eigenbestimmtheit gegenüber der ziomstisch-nanonaljüdischen Theorie weitete. Dr. Wiener hatte in Berichten für diese Zeitung viel des Tatsächlichen und Eindrucksmäßigen aus Lasel niedergelegt. Sein Referat im Hauptvorstcmde konnte deshalb den großen Linien der zionistisch - natwnaljüdischen Entwicklungsgeschichte nachgehon und den Nachweis einer gewissen Wandlung, insbesondere in der Stellung zum Vaterland sgedanken, führen, er konnte gleichzeitig daraus aufmerksam urachon. daß gerade der deutsche Zionismus, der bemerkenswerterweise in der Gesamtbewegung des Zionismus keine große Rolle spielt, zivar seine Aeußerungen, nicht a-ber stimm Ideengehalt geändert habe. Man dürfe auch nicht übersehen, daß die Enttäuschungen über die Entwicklmrg der Palästinasrage für die ideologische Wandlung stark mitjpreche. Tr. Wiener ging sodann aus die agency" ein und entwickelte, wie er sich die Haltung unseres Eentralvereins zu diesen Problemen denke. Mit selbstverständlicher Sicherheit fand er im Gewirr einander widerstrebender Möglichkeiten die Formel: Es gibt in Fragen unserer deutschjüdischen Weltanschauung keine Neutralität, wir wollen und werden in unserem deutschen Vaterlande deutsche Arbeit ans deutschem Herzen heraus verrichten. Unser Hauptvorstandsmitglied M. A. Loeb, gleichfalls Ohren- und Augenzeuge des Baseler Kongresses, ergänzte^ das Referat mit Darlegungen über parteimäßige Schwierigkeiten im Zionismus und unterstrich es in der Richtung der Vorschläge für die Palästinafrage und die rnnerjüdische Auseinandersetzung in Deutschland. Damit war der Vorabend beendet. Ein Bierabend hielt den Hauptvorstand a l 8 Gast seines Vorsitzenden noch lange zusammen. Aussprache. Um die Gcneralaussprache am Sonntag in große Gesichtspunkte eiugruppieren m können, hatte man die Herren Rechtsanwalt Dr. H e r z f e l o (Esten). Rechtsanwalt Tr. Kurt Alexander (Krefeld). Prostsior Dr. Julius G o l d st e i n (Darmstadt), Rechtsanwalt Kar! Löwen st ein (Aachen) gebeten, Korreferate zu den Vorträgen des Vorabends zu halten. Herzfeld (Essen) stellte zum Thema „Die politische Lage u n d die Wahlen" die a efam t p ol i ti sche Situation dar und zeigte, welche K r \ f e n m o m e n 1e ohne Frage auch die Kernproble m e im kommenden Wahlkamps bilden wurden, urn danach die spezifischen Möglichkeiten zu erörtern, die sich für die Politische und die