Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 45 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- Seite 631 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m €IN -HOC-HG-ENU-Cf DfcEMIEfc-\WERKE,/CHWADZEtßÖDEÄ#LEIPZIG 3n dem Kampf um öen Geist. Friedrich Niebergall über das JrrdenLum. Ter hervorragende Marburger Universitätsprofesior Friedrich Niebergall gibt in seinem jüngst im Verlage Julius Bruckmann A.-G., München, erschienenen Werk „Im Kampf um den Eoist" einen Ucberblick über die Weltanschauungen und die Religionen. Wir geben im folgenden seine Ausführungen über das Judentum wieder: Hier an dieser Stelle, gleichsam vor den Toren des Christentums und der Kirche, möge eine religiöse Gestalt ihren Platz finden, die mit der uuserigeu eng verwandt ist, ja, der wir grössten Dank zu schulden — zumeist schuldig bleiben. Es ist das Judentum. Wir stellten es nach dem trefflichen Buch von Leo Baeck „Das Wesen des Judentums" dar. Genau besehen ist es das freier gerichtete Judentum, das sein geschichtliches Recht von seinem Anschluss an die alten Propheten bezieht — und das mit großem Recht. Baeck nimmt aus ihrer Gedankenwelt den ethischen Monotheismus als den Mittelpunkt heraus — gerade so wie auch wir diese hohen religiösen Gestalten verstehen. Gott, wie ihn dieser Monotheismus meint, ist ein Gott der Paradorie: er ist erhaben und doch nahe, er ist gerecht und doch barmherzig, er ist der Gott Israels und doch der der Menschheit. Religion ist nun allein das prakttickw Verhältnis zu diesem Gott; es handelt sich nicht um ein Weltprcblem. nicht um ein' seelisches Problern, sondern nur um die Beziehung zu diesem Gott. Sie ist eine des Vertrauens, das sich in dem verborgenen Gott geborgen fühlt. Gott hat den Bund -mit den meinen geschlossen: Meine Seele und mein Sott! Gott ist der Schöpfer/alles was ist. ist von ihm geschossen. Aber — und damit kommt das Ethische zu seinem Rechte — dieses Eeschassensein von Gott zielt wieder aus Schaffen hin. Religion erfordert nicht Kontemplation wie bei Plato, sondern das Kategorische des sittlichen Handelns. Sie will nicht Zustimmung zu Dogmen und Bekenntnisien, sie will die ethische Tat. Diese ist der Grund für die rechte Einsicht; denn Gotteserkenntnis zielt nicht auf ein JenseitZ, sondern auf das Wißen um Gottes Gebote, das im sittlichen Menschen wurzelt. Der Glaube, der den ^inn der Welt erfahren hat. gibt ihr wieder handelnd ihren Sinn, um Ewiges in sich zu verwirklichen, denn es gibt ein Jenseits als das geistige Reich, als die geläuterte Welt, wo die Seele zu ihrer Reinbeit kommt, die ihr hier versagt ist. Der Glaube an Gott wirkt sich mannigfach in anderem Glauben aus; in dem des Menschen an sich selbst, de? zur Ehrsucht vor der eigenen Person führt, und in dem Glauben an den Nebcnmenschen, in dem alles wurzelt, was sittlich und was sozial gerichtet ist. Ter Glaube wirkt sich auch iu der Hoffnung, in dein Messianismus aus. also in der Zuversicht, daß die Zukunft die Zukunft des Guten sein werde. Wieder erkennen wir die Grundstrultur unserer christlichen Religion: nur daß cs hier nicht wie in den vorigen Gestattungen ein abgeblaßtes Christentum ist, sondern vielmehr eine Gestalt, die ihm geschichtlich voransgeht. Wir empfinden auch den Unterschied. Er liegt zuerst einmal darin, daß die Person Jesu von Nazareth oder der himmlische Chrisins allem Farbe, oft glühende Farbe gibt, Ivas hier so blaß und gedankenhaft vor uns liegt. Aber dazu kommt doch noch ein anderes. Es liegt vielleich: wieder an dem Ideal, an der Erhöhung des Ideals vom Tun und Laßen zum Sein, daß die Religion gleichsam aus dem Aktivum in das Passivum hinübergeführt wird. Wo sich das Ideal so erhöht, wie cs etwa in der Bergpredigt und sonst in den: Reuen Testament der Fall ist, da macht sich nicht nur der Gedanke der Schuld noch ganz anders als in der eben vorgetragencn Religionssorm, sondern auch das Bedürfnis nach göttlicher Geisteshilse geltend, u:n den Willen Gottes aussühren zu können. So tritt denn in allen Liesen Sprüchen des Neuen Testaments und in vielen Kirchenliedern auch das, was von uns Mensä)en gefordert wird, in das Passivum, wird aso Gegenstand der Bitte an Gott oder des Rühmens seiner Gnade, wenn es wirklich geworden ist. So komurt es zu dem Glauben an die Erlösung, so auch zu dem an eine Ueberwelt, in der sich die Seele vollendet. — Es i]t nun unsere Aufgabe, den Forrnen nachzugehen, in denen sich diese Grundüberzeugung des Christentums verwirklicht. „Zum Heften öer Wischen ßrepschule." Ein wertvoller Fund. Im Jahre 1779 erschien ,,in Commißion bcy Christian Friedrich Voß und Sohn" in Berlin ein „Lesebuch für Jüdische Kinder" „Zum Besten der jüdischen Frehschule". Lediglich einige Besprechungen, die erhalten sind, berichteten von diesem Buche, Nunmehr ist es den außerordentlichen Bemühungen des Herrn Oberbibliothekars Dr. Moritz Stern (Leiter der Bibliothek und Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde) gelungen, ein Exemplar dieses Büchleins auszutreiben und als Veröffentlichung der bekannten S o n c i n o - G e s e l l sch a f t in einer dein Urercmplar völlig gleichen Ausstattung weiter zu verbreiten. Gerade als deutsche Juden haben wir an diesem Werk, über das der preußische Staatsbibliothekar Biester damals schrieb: „Es erfreut der Gedanke an eine jüdische Frchschu-e, und sv auch der Anblick eines solchen jüdischen Lesebuches, obgleich nicht olle Stücke pädagogisch richtig berechnet sind. . Ter ungenannte Lerf. ist ein jüdischer Kaufmann in Berlin. Herr Friedländer." ein ganz besonderes Interesse. In dem Büchlein sind die deutschen Buchstaben wiedergegeben, die lateinischen Buchstaben, Zahlen, das jüdische Alphabet, die maimouidischeu Glaubensartikel und einige vorzügliche alte jüdische Fabeln. Zum Beispiel: Die Maus sucht eine schöne, gütige und vornehme Frau und will dann die Sonne heiraten, weil" dieser an Glanz und Herrlichkeit nichts gleicht. Es heißt dann: „Soeben ging die Sonne auf. Unsere Mauß ward entzückt, und sprach: ,Jch habe dich je und je geliebt, und will dich zu mir ziehen aus lauter Gewogenheit. (Irrem. XXXI. 3). Ich will dich zur Frau nehmen, Sonne'." Fürwahr: Ter richtige Lesestoff für die Jugend, die in deutschem und jüdischem Sinne erzogen werden soll.' Einige ausgezeichnete Sprüche aus dem Talmud bereichern das noch heute durchaus lesenswert erscheinende Büchlein, das uns beweist, mit welch vornehmen und zweckmäßigen Mitteln die Eindeutschung der Juden zu dieser Zeit begonnen wurde. £. *>. 25 Jahre Gesellschaft zur Forderung öer Wissenschaft öes Judentums. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E. V. begeht am Mittwoch, den 16. November, ihr 25jährigcs Bestehen durch eine Festsitzung im Logenhaus, Berlin, Kleiststraße 10, in deren Mittelpunkt Vorträge von Professor Tr. El bogen, dem Schriftführer der Gesellschaft, über „Ziel und Leistung der Gesellschaft" und von Tr. Tassilo Hoff mann über „Jacob Abraham und Abraham Abramson, 55 Jahre Berliner Medaillenkunst" stehen werden. Vorsitzender der Gesellschaft ist Legationsrat Prosenor Dr. M. So beruhe im. Wir beglückwünschen die Gesellschaft zu ihrer Jubelfeier aufs herzlichste und wünsckjen ihr lauge Jahre gleich erfolgreichen Wirkens zum Wohlc der jüdischen Wigenschaft und des Wissens vom Judentum. Trrnrerserer rür Irrsttzrat Lilicntüak. Am 30. Oktober fand in Berlin eine von öcr Berliner Gemeinde veranstaltete Trauerfeicr für ihren vcr» storchcnen Syndikus, Iustizrat Lco Lilienthal, starr. Ter Inhalt Leo Feier bewies wied-errnn, welch ungeheuren Verlust das deutsche Judentum durch das Ableben Lrlicnthals erlitten hat. Andieser Stelle ist bereits erwähnt worden, das er allen denen besonders fehlen wird, welche nicht in unklaren Komprominen, nicht in dem absoluten Bestreben, nur ja keinerlei Meinungsverschiedenheiten auszutragen, das Ziel ihrer Arbeit erblicken. Einer geistigen Auseinandersetzung ist Lilienthal niemals aus dem Deae gegangen. Niemals hat cr cs zugclanen, daß sein Standpunkt durch Zweckmäßigteitserwägungen oder durch Einflüsterungen verschoben wurde. Er war-ein Käm.vser in unserem Sinne, ein Adann der Ucbcrzcugunq, ein Mann des Rechtes, ein Mann der Klarheit und darum der Wahrheit. In diesem Lickte hat auch die Feier ihn wieder gercigr. Man nni^n zum zweiten Male von ihm Abschied. Uns wurde klar, welchen Verlust gerade wir an dieser ausgezeichneten Persönlichkeit gehabt haben. Möge er als Deutscher und als Jude für alle Zeiten ein glänzendes Vorbild fein. Ein Großer iu unseren Äeihen ist dahingegangru.?r haust man sk^ChoaciSi --Schuhe fertig ntch und erhält sich damit clle schone natürliche Form und lebtupoAfähigkettcteaFu^5 ID KT© L Literatur C 91114 kostenlos. G. Engelhardt & Ca4<Sha*a££a-Schuhfabrik ArGKassel*