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Central-Verein-Zeitung · 1927-10-23 · 43 (23.10.1927) · p. Seite 601

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
43 (23.10.1927)
Date
1927-10-23
Page
Seite 601 (sequence 1)
Language
German
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Perlin, 23, SkLobee 1227 -9* „999» si >^9S99' ■]if»,..7s!> 4^ || v^-ws> ' Vy's>^-/7rtN?' lLlnzernummer iv Biennig. . Biert-eljahrsabonnement L.,20 NM. (L Lerlag u. Schriftleitung: Berlin 8^ 63, Linöenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt DSnhoff 359-;, 3595. Postscheckkonto: Berlin 30472. .;. 33 r _ ftube O, Berlin L^V 6L>, Lrndenstr. 7, und von Eoldschmidt-Noth'child L Co., Berlin. V/8. Alleinrge Anzeigenannahme: Annoncen-Expeditkon Rudolf Moste, Berlin SW IS, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUl jür bi- 7s Siormalzerlenmester Rr. 4, FamilienanzeiLen und Stellengesuche (nicht Stellenangebotr) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JUX, dis \Sfss HJÜlXi vt, \(\r Ar } i „Frieden für Israel!" Mit dieser von Wohlwollen triefender Devise sandte der englische Schriftsteller H i l a i r e Belloc ettoa vor einem Jahre ein in scheinheiligem Tone der Judensreundschaft abgefaßtes, in Wahrheit aber von Haß und Bersolgungssucht strotzendes Buch in die Welt hinaus, das eine Klarstellung der Judensrage und einen Weg zu ihrer Lösung zu zeigen versprach. Nachdem die Wirkung der „Weisen von Zion" anscheinend abzuflauen beginnt, hielt man es für nötig, einen neuen Schlager auf den antisemitischen Kriegsschauplatz Deutschlands zu Wersen, und so ist es vor wenigen Tagen in deutscher Übersetzung erschienen*). # Zwar ist das Buch in England ohne jede Beachtung geblieben, doch darf angenommen werden, daß völkische Kreise in unserem Lande begeistert nach diesem fetten Happen greifen werden. Und da es durch die Eigentümlichkeit seiner Form eine gewisse Gefahr darstellt, seien unsere Freunde von vornherein aus das traurige Machwerk hingewiesen. Man mag den „Weisen von Zion" vorwerfen, was man will, in einem Punkte gebührt dem Buche Anerkennung. Es ist klar und eindeutig, es ist trotz seiner sachlichen Verlogenheit insofern ehrlich, als es sagt, was es will. Belloc geht einen anderen Weg. Er fließt über von Beteuerungen^, daß man die Juden gerecht und anständig behandeln mühe, er macht sich scheinbar über die unentwegten Antisemiten lustig, er widmet sein Buch feiner jüdischen Sekretärin, zu der, wie er betont, seine Familie und er „immer in tiefer Schuld der Dankbarkeit stehen werden". Er verlangt immer wieder Klarheit und Wahrheit und fordert, daß man das Recht der Juden achten müsse! Aber trotz alledem gibt es keine Beschuldigung aus dem antisemitischen Arsenal, die er nicht mit einigen Vorbehalten für berechtigt hält, in recht unverblümter Weise droht er immer wieder mit dem Pogrom, und seine Lösung der Judenfrage fordert von den Juden, daß sie sich auf der ganzen Erde als ein internationales Volk betrachten sollen, das inmitten der anderen Nationen als ein Fremdkörper anerkannt und behandelt wird. Es ist geradezu unglaublich, was Belloc in dem nicht umfangreichen Buche den Juden alles vorwirft, wobei er den Begriff des Judentums rein abstammungsmäßig nimmt und demgemäß auch frouun christliche Judenstämmlinge — oder Leute, bk er dafür hält, weil sie ihm aus irgendeinem Grunde nicht gefallen — zu den Juden rechnet. Sie sind international, und sie treiben immer internationale Politik, sie beherrschen mit ihrem Einfluß die Weltfinanz, sie sind die eigentlichen Drahtzieher bei jedem Unglück in der Weltgeschichte! Die ganze Judenschaft ist lediglich eine organisierte internationale Mache! „Die" Juden nehmen falsche Namen an, geben sich nicht zu erkennen, verheimlichen ihre Herkunft, um desto ungestörter herrschen zu können. Sie sind anmaßend und suhlen sich allen anderen gegenüber als die Ueberlegenen, sie haben * „Die I u b t n" von HiIaire VeIloe. Ueberschuna und Nachwort von Theodor Haecker. Verlag Josef Kösel u. Friedrich Pusnt, München, die wichtigsten Produktionen monopolisiert und haben Dadurch, zumal die armen betrogenen Nichtjuden davon nichts merken, während des Krieges eine ganz unheilvolle Rolle gespielt, sie sind die einzigen Schuldigen am Bolschewismus, der eine furchtbare, blutige Rache am zaristischen Rußland darstellt, sie besitzen neben der finanziellen auch die soziale Macht, sie haben die Kontrolle über das Leben ^Europas und Amerikas in ihrer Hand, wollen aber selber nicht kontrolliert werden, sie beherrschen die Presse, den Handel, ihr Ideal ist lediglich der Kommunismus (!), der Jude ist der geborene Wucherer! Und, daß man dem Buche nicht etwa den Borwurf mache, daß es nicht ganz modern sei, bringt es auch die allerneuesten Sensationen. Der Jude, der ja. an sich kommunistisch denkt und wirkt, ist in seiner Habgier auch Kapitalist. Da aber Belloc anscheinend nicht entgangen ist, daß es auch außerhalb der jüdischen Machtphäre Kapitalismus gibt, scheidet er — treu Hitler folgend — zwischen dem niederträchtigen, wucherischen, blutsaugerischen jüdischen Leihkapitalismus und dem Produktiven, edlen, segenspendenden, welterlösenden, arischen Werkkapitalismus, eine groteske Trennung, die bekanntlich den Nationalökonomen bisher ganz unbekannt geblieben ist. Und ganz modern mutet es an, wenn er auch, wie Ludendorfs, die Freimaurerei für vollkommen verjudet und unter jüdischer Oberherrschaft stehend erklärt. Zur Abrundung des Bildes sei noch hinzugefügt, daß er den Juden Vorwirft, sie beschimpfen das Christentum, hielten es für eine Narrheit, und ne nutzten die religiösen Vorstellungen ihrer Umgebung für ihren geschäftlichen Vorteil aus. Nichts fehlt aus dem Eeiüesschatze der „Weisen von Zion", nur die Untergrundbahnschächte, von denen aus die bösen Juden bekanntlich die modernen Großstädte in die Luft zu sprengen gedenken, seien für eine vielleicht erforderlich werdende Neuauflage zur Hinzufüquna ernstestens empfohlen. Wie nun auf der Grundlage solchen Denkens der Lösungsversuch für die Judenfrage aussieht, ist nicht schwer zu erraten. Belloc verlangt etwas wie den „gelben Fleck"! Und das fast wörtlich! Gewiß braucht der Jude, der in der Straßenbahn fährt oder ein Glas Bier trinkt, nicht sofort als solcher erkannt zu werden, aber sobald er geschichtlicku sozial, politisch, religiös, wissenschaftlich, künstlerisch mit seiner Umgebung zu tun hat, muß er als Jude kenntlich fein! Tie Aach RedaMonsfchluf; erfahren wir. daß der Schwarz, bard-Prozeß bereits fein Ende gefunden hat. Pis Geschworenen haben alle Schukdsragen verneint. Schwarzbard ist freigesprochen worden. Oer Arteilsspruch wurde von den Zuhörern rnik starkem BeuciCl ausgenommen. Wir tommen darauf in der nächsten Rümmer noch zurück.

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