Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 6-7 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Tagungen. Vom HunöesLag ösr Rameraösn 1^27. Das Wetter diese? Jahres wcrr symbolisch für das Leben km Bund und für den Bundestag. Lange hatten trübe Wolken den Himmel verdüstert, selten nur gelang es der Sonne, siegend das ewige Dunkel zu durchbrechen. Surfe und düster war die Stimmung im Bund. Schwere Kämpfe trennten uns von einem kleinen Kreis unter uns und wir alle bangten der vollen Entfaltung des heraufziehenden Gewitters entgegen. In Merseburg entlud sich bei unserem letzten Fschreriag die energiegeladene Atmosphäre; der Bund löste ein Glied ab, das dem Dundeskörper fremd geworden wcrr. Wir alle empfanden im ersten Augenblick nur den Verlust lieber Menschen, mit denen unjahrelange Gemeinsamkeit und gemeinsames Erleben verband. Wir fürchteten, daß die Bundesstimmung trübe bleiben müsse wie das Wetter. Aber siche, als die Jungens und Mädels aus allen Gauen Deutschlands kamen, um den diesjährigen Vundestcrgesort Zootzen in Mecklenburg zu erreichen, da lachte strahlende Sonne, und wir fühlten, daß die Zeit, die zwischen Merseburg und dem Heute lag, uns Klarheit gebracht hatte. Freudig schlugen da unsre Herzen dem Koniwenden entgegen. Geschäftiges Leben empfing uns, als wir kn aller Frühe in Zootzen cmkamen. In den Straßen des Dörfchens leuchteten die farbenfrohen Hemden und Kleider unsrer Jungens und Mädels. Aber nicht lange hielt es uns im Dorf. Nasch waren die Formalitäten im Bteibenamt erfüllt und hinauf gings zum gemeinsamen Zeltlager. Da gab es denn ein freudiges Begrüßen, ein Sich-kenneu-Lernen. Händeschütteln und Erzählen, bis man sich am Mittag zu ernster Arbeit fand. Da war es der Wille zur Einheit und Einigkeit, der dem Bundestag sein Gepräge gab. Ein Bild vom Leben und Wirken unsrer Gruppen entwickelte sich in ernsten Arbeitsgemeinschaften. Die Beratungen in diesen Aussprachekreisen zeugten von großem Eifer und hohem Streben. Viele neue Aufgaben wurden erkannt, manch neuer und vielleicht besserer Weg ward gefunden. Es fehlte nicht an vernünftiger Kritik an dem Geleisteten, aber stets war sie ausöaucnd im Hinblick auf das gemeinsame Ziel. Der Art der Aussprache entsprechend waren die Resultate. Drei Arbertszoneu durchläuft der deutsche Mensch jüdischer Art bei seinem Werden im Bund. Problematisch unbeschwert kommen Jungens und Mädels in den Bund und leben da ein Leben eigenster Art. Heimabend mit frohem Spiel und Gesang, Fahrt und mehrmals im Jahr großes Eamp vermitteln ihnen wahrhaft jugendliches Leben. Sie wachsen allmählich hinein in den Kreis der Mittleren, die sich in Arbeitsgemeinschaften über Fragen klar werden, die sie entwicklungsgemäß am meisten beschäftigen. Der Kreis der Aelteren im Bund ist durch die jahrelange Gemeinsamkeit nicht nur ideell, sondern auch persönlich aufs herzlichste verbunden und findet auf der Grundlage dieser persönlichen Vertrautheit die Möglichkeit und den Weg zur Arbeit im Sinne der Bundesidee. Viele Fragen wurden geklärt, sportliche W e t t k a m p f e vereinten alle im Wasser oder auf der großen Wiese inmitten der Zelte. Sie zeigten, daß durch zielbewußtes Training auch aus sportlichem Gebiet beachtliche Resultate erziel: wurden. Langsam und feierlich senkte sich eine sommerliche Nacht herab. Geruhsam zieht an unsren Zelten die Havel vorbei, schweigend steht der Wald gegen die sinkende Sonne. Alle treffen die letzten Vorbereitungen zur Bundesseier. In feierlichem Zug kommen sie dann, Erwartung in den ernsten Gesichtern. Aus den Augen der Jüngsten leuchtet innere Bereitschaft. Ein Lied klingt auf, und noch eins und jedes wird zmn frohen Bekenntnis. Im Kreis aller wird sich der einzelne der Aufgaben bewußt, die seiner harren, und die innere Gleichheit all dieser Aufgaben schließt uns zusammen zur Gesamtheit. Dann spricht der Bundesleiter. Das Feuer flammt auf. Nagend zeigt -der Holzstoß in die Nacht. Bor uns lebendig ward die gemeinsame Not der Jugend, zum erstenmal werden die Jungen teilhaftig der Bundesidee, und ihre Augen senden Strahlen der Dankbarkeit mit dem Feuer, da8 in der Mitte lodert, zum Himmel. Schlicht und wahrhaftig klingt das Bekenntnis zum Judentum und u n s r e m deutschen Vaterland. Hätten uns nur da einmal alle die gesehen. die noch sprechen von einem Beisertestehen der Jugend in den Fragen unsres Lebens, sie hätten zwingend erkannt, daß uns das Ziel gemeinsam ist, wenn auch wir von ihnen getrennt einen Weg gehen, der unsrer Jugend gemäß ist. Aus diesem' Geist tönten die stillen Worte Andrä Grdes vom „Verlorenen Sohn". Aus einer fernen Ecke klingt es: ^Hört ihr Leut*, aus der leisen Antwort dos Kreises klingt ein Wille zur Tat". Dann machtvoll das Lied der Jugend: „Wenn wir schreiten Seit an Seit". Stumm stelzen nur noch und blicken in das prasselnde und zuckende Feuer. Spät trennen wir imS. Jeder ist reich und froh in dem Bewußtsein, auf dem Wege 51t sein zu innerer Freiheit, zum Licht! Alfred Ltvi. Jugenütceffen in Hrlsselang. „Jugendherberge und Jugendland Brieselang sollen Stätten deutscher Jugendkultur" Freistätten deutscher Jugendarbeit sein. Eie heißen daher jede Gruppe im deutschen Volk willkommen, die ehrlich und wahrhaftig an sich und ihren Mitmenschen arbeiten will. Die Ideale der jungen Generation sollen so geübt werden, daß sie allmählich Gesamtgut des ganzen Volkes werden. Für eine solche Freistätte der Jugend gilt als oberster Grundsatz die Achtung des Mitmenschen, seiner Lebcnsanschauungen und Lcbensgervohnheiten; religiöse. Politische, kulturelle Verschiedenheiten erfordern diese Achtung. Mo sie geübt wird, finden sich die Menschen verschiedenster Anschauung sehr bald zusammen und erkennen, daß alle Gegensätze nicht notwendig sind, daß sie fast immer in Vorurteilen ihren Ursprung haben. Losen sich aber diese Gegensätze, so bleibt nur noch das Gemeinsame, depen Pflege den Menschen dienlich sein kann. So finden auch die jüdischen Gruppen in Brieselang stets Achtung, ganz gleich, ob sie sich als zugehörig zum deutschen Volke oder als Eigenvol! oder Religionsgemeinschaft ansehen. Der jüdischen Jugend soll Briefelang ein Stück der verlorenen Heimaterde ersetzen, aus der sie sich wieder zu sich selbst zurücksinden soll, heraus aus der Unkultur unseres Zeitalters, heraus aus Zerrissenheit und Zwietracht. Unter der deutschen Jugend hat cs bereits Aufsehen erregt, daß die gesamten jüdischen Verbände sich zusammengefunden haben zu gemeinsamer Feier, zu Spiel und Sport. Das Band der Kamcravschnt, das alle Gruppen umschlossen hat, wird sich bestimmt auch im Leben weiter answirken und Segen spenden. Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, in der alle I u g e n d v e r b a n d e Deutschl a n d s z u s a m m entreten 10 erden, um ihren Willen zu neuer junger Kultur gemeinsam zu bekunden. D i e s s e i mein Wunsch und Gruß zur Tagung!" Diese Worte Orto Linde mau ns, des Leiters der Jugendherberge Brieselang, legen beredtes Zeugnis für die Bedeutung des Treffens des Landesausschusses Berlin-Brandenburg der jüdischen Jugendverbände ab, das weit über den Rahmen der jüdischen Jugendbewegung hinaus Beachtung gefunden hat. Schon am B0 rab end waren einige Gruppen hinausgefahren und hatten im Z e l t l a ge r d r e Nacht verbracht. Als dann am Sonntag vormittag Martin « 0 b 0 t f c t, der Leiter dieser Veranstaltung. Vorsitzender des Landesansschusses der jüdischen I n ge u d ve r b ä n d e Berlin-Brandenburg, das Wort zu feiner Begrüßungsansprache ergriff, da waren auf der Wiese am See 1500 junge Menschen versammelt, die den verschiedensten Bünden und Vereinen angehörten, die zusauuncngekomnren waren, um gemeinsam sportliche Lvetrkampse auszutragen, um die Preise zu ringen, die von zahlreichen Organisationen, auch vom Eentrcüverein, geflutet worden waren. Martin ^obotker hob die Verpflicht t u n g hervor, sich über weltanschauliche Gegensätze hinweg zu sozialer Arbeit zusanunenzufinden, die nicht nur einem Herzensbedürfnis der Jugend entspringe, sondern ursprüngliches Element ihrer Lebensführung sei. Bis zur Mittagspause wahrten dann auf allen Teilen des herrlichen Geländes die W e t t t ä m p f e. Nach kurzer Mittagsrast. während der vor den Zelten und vor der Herberge sich ein richtiges Lagerleben entwickelte, und während der Gelegenheit zum gegenseitigen Keuneuteruen und Verstehen geboten war, wurden die Kämpfe bis zur einbrecheuden Dunkelheit fortgesetzt. Ein Wettsingen beschloß den Tag. Es ist zu hoffen, daß diese Begegnung dazu beitragen wird, in Zukunft nicht nur in sportlichen Känlpsen gegen und miteinander zu ringen, sondern daß der Wunsch dcs Leiters recht bald in Erfüllung geht: Gemeinsame Arbeit auf sozialem Gebiet! (Folgende Bünde nahmen an dem Tressen teil: Agudah-Jugend, Deutsch-Jüdische Jugend, Deutsch-Jüdische Jugeudgemeinschaft, Esra- Jugend, Jüdischer "Jugendbund Berlin, Jüdisch-Liberaler Jugendverein. Jung-Jüdischer Wanderbund, Hechalnz-Jugend, Kadrmah. Kameraden, Mrsrachi, Zophim. Hans Oppenheimer. „Deutsche Jugendbewegung/ Tiefem Thema widmet die „Literarische Welt' ihre Sonderiiümmet vom 12. August 1927. Es kommt bei derartigen Zusammenstellungen literarisch bedeutsamer Zeitschriften weniger daraus an, spezifisch Neues zu dem, ach so unerschöpflfen und vielleicht nie ganz faßbaren Zeit- Phänomen zu sagen. Im Vordergrund vielmehr muß die Aufgabe stehen, der Heiteren OesscntlichkciL in systematischer A n 0 rdnung das Wollen der bewegten Jugend nabezubringen. Zur Erfüllung dieser Aufgabe trägt auch die „Literarische Wcltt durch Herausgabe ihrer Sondernummer bei. Nach einem allgemeinen Ileberblick von Fritz Täuber ergreifen die Führer der weltanschaulich getrennten, aber durch jugendliches Wollen geeinten Bünde das Wort, um von Ziel, Geschichte und Arbeit ihrer Bewegungen zu berichten. Zu einem praktischen Arbeitsfeld, der Jugendgericht-Hilfe, äußert sich Erich Ebermahcr. Buchbesprechungen, eine übersichtliche Bibliographie und anderes mehr tragen zur Abrundung des Bildes bei und machen das Heft lescnsnert gut und anregend. _—ck. Verantwortlich filc dir Verlage „Bon drutsch-güdischcr Iuneud": Alfred derg tDtrumLharlottrnburg) Drurk von Rudolf Möge, S3edm SW ls*