Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 42 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- Seite 594 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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594 als eine folgerichtige Fortciliwicklmig zwmftlscher Gcdmlkengange ZU bezeichnen. Obgleich der Ileberbrückungsversuch die geübte Hand eine» erfahrenen politischen Baumeisters verriet — der Strom, der die beiden Gedanken: politisches Palästina-Ideal und Verwurzelung liidrscher Bauern auf deutscher Scholle, trennte, war zu breit, das Gedaiikengerüst erwies sich nicht als tragfähig. Wie selbstverständlich und einleuchtend iimteten dagegen die Ausführungen Tr. Glaserfelds an. der in Vertretung des Vorsitzenden für den Centralverein sprach. Hier spürte man: dieselbe Grundaufsassung. die die Arbeit des Centralvereins leitet, führt auch zu der Arbeit, die der Frontbund jetzt in Angriff nimmt. Ter allgemeine deutschpolitische Standpunkt, der in Artikel 155 der Reichs- Verfassung niedergelegt ist, das Bestreben fernerhin nach produktiver Abwehr judenfreundlrcher Strömungen unter der ländlichen Bevolkerung, der Wunsch nach immer unlösbarerer Verflechtung der beutschen Juden mit den ursprünglichstell Kräften des Heimatbodens — alle führen zwangsläufig zum Siedlnngsgedanken. Von dieser Gesinnung zeugte auch ein Begrüßungsschreiben von JustizraL Tr. Brodmtz, das Tr. Glaserseld unter allgemeinen! Beifall verlas. Als Redner der Eroßloae unterbaute Rabbiner Tr. Baeck den Siedlungsgedanken durch rellgivs-philosophische Gedankengänge. Er erschütterte die Anwesenden durch eine ergreifende Klage über die geistige Verödung des Großstadtjudeutums und forderte al§ Gebot der Selbsterhaltung eine jüdische Einkehr, die nur in der Stille des Landes möglich ist. Ter Vorsitzende des Frontbundes, Dr. Löwenstein. der den Abend leitete und ihn durch eine kurze Ansprache eingeleitet hatte, dankte im Rainen der Versammlung den Rednern für ihre Worte. ß* 3* Ein neues Jüdisches Lexikon. Ein auf vier Bände berechnetes Nachschlagewerk „Jüdisches Lexikon" bringt der Jüdische Verlag in Berlin in seinem I. Band soeben heraus. Ter Plan wurde angeregt und durcbgeführt durch die Herren Georg Herlitzund Bruno K i r s ch n e r. . lieber 230 jüdische Gelehrte und Schriftsteller haben an dem Werk mitgearbeitet. Die Ausstattung ist glänzend. Truck und Papier sind gut. Ter illustrative Teil ist durchweg anständig, zum Teil ganz ausgezeichnet. Ter bis zu dem Buchstaben C gebotene Inhalt des ersten Bandes weist den unvermeidbaren Nachteil aller derartiger Werke auf. daß sie je nach der Einstellung, dem Geschick, dem Wissen und der Stilbegabnng ihrer Mitarbeiter nicht gleichmäßig sein können. Jede Encyklopadie ist lückenhaft und ungleichmäßig. Solange Menschen verschiedene Begabungen und verschiedene Anschauungen haben werden, wird ein Sachlexikon, das von vielen heransgegeben wird, niemals wie ans einem Guß erscheinen können. lieber die rein religiösen Aufsätze wird nach "Abschluß des Werkes berichtet werden. Soweit politische und literarische Abhandlungen in Frage kommen, wird man im großen und ganzen dem Werke gern Anerkennung zollen. Wenn auch die jüdisch-nationalen Anschauungen der Herausgeber und der Verfasser der einzelnen Anssatze häufig in Erscheinung treten, so muß man doch anerkennen, daß bis aus geringe Ausnahmen das Streben nach Unparteilichkeit deutlich erkennbar ist. Einige Abhandlungen sind so gründlich ausgearbeitet, daß sie als Einzeldarstellungen in Sonderdrucken heransgegeben werden sollten. So bietet trotz naturgemäß großer Unvollstandigkeit im einzelnen die Darstellung des Antisemitismus aus beinahe 40 Seiten eine durchaus brauchbare Einführung in das ganze in Frage kommende Gebiet. Fast zu eingehend ist der an sich glänzend zu lesende Artikel „Berlin", Es hätte vieles weggelaßen werden können, um Platz für ausführlichere Behandlung bedeutsamer Gegenstände, wie z. B. die Darstellung des Chassidismus oder für den Artikel „Akum", frei zu machen. Ein Fehler liegt darin, daß eine große Anzahl der Autoren den Grundsatz, dich in einer Encyklopädie in gedrängtester Sprache möglichst viel Tatsachenmaterial zusammengestellt werden muß, nicht beachtet hat. Bei einer neuen Auflage wäre eine gedrängtere Zusammenfassung notwendig, die es errnöglichen würde. Wesentliches zu brirrgen und Unwesentliches zu streichen. Tie Redaktion wird dann vielleicht auch Anlaß nehmen, Persönlichkeiten, wie Direktor Salo Adler und in der Reihe der Mitglieder der bekannten Rabbmerfamilie Auerbach in Halberstadt auch Rabbiner Dr. SeligAuerbach, wenn auch kurz, zu würdigen. Wird sie sich dann entschließen, das Werk von einer Persönlichkeit durchsehen zu. küssen, die es von jeder einseitigen, jetzt noch teilweise vorhandenen jüdisch-nationalen Tendenz reinigt und nur die objektiven Ergebnisse tUp PeniSdilcfcele, MariaCapponl.... S,— ff. Erod, Die Frau, nach der man sich sehnt. .5,50 M. Teilet, Hoppla, wir leben ..2,50 3J. Hölz, Zachthausbriefe.3,50 M. F*dern-Kohlhaas,Walth.Rathenan, sein L'ben and Wirken,.7, — 3f. Wolff, Theodor, Pariser Tagebach 6^0 M, Hesse, Steppenwolf...7.— 31. Fiea, Der kleine Prophet. 4,80 31. Pal Ui re. Das anbekannte Heiligtum 6,— M, Tel.: Donhoff S594 Berlin SW68 Undenstrasse iS mm Ksß©DüQ!?LSO0tL “'“Sä*"’ l'ßr schnell zugreifendo Hoteliers allein oder in Gesellschaft (sehr vorteilhaft mit Aerzten oder Grossgemeinden) bietet sich selten -wiederkehrende Gelegenheit. eines der schönsten Hotels der Adria bequem von Triest erreichbar, unter sehr guten Bedingungen zu erwerben. 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Die im einzelnen naturgemäß zu er-!lebenden Beanstandungen*) würden den Raum dieser kurzen Beprcchung überschreiten. Sie sind auch den: Werte der Gesamtdarstellung gegenüber unwesentlich. Ter Preis von 35 Mark für den gebundenen Band ist nicht hoch, wenn nian das Gebotene berücksichtigt. £. H. Selma Lagerlö'fs §reunöin. Im Verlage von AlbertLa n ge n (München) erscheint demnächst ein Lebensbild Selma Lagerlöss von Professor Dr. Walter A. Verendsohn (Hamburg). Zn dem Kapitel „Freundschaft" schildert Profegor Derendsohn die Freundschaft Selma Lagerlöfs mit der Jüdin Sophie El kan. Mit gütiger Erlaubnis des Verfassers bringen wir aus biefem Abschnitt nachstehende Ausführungen Zum Vorabdruck. Tie Schristleitung. Anfang 1894, einige Jahre nach dem Erscheinen „Gösta Vorlings", traf Selma Lagerlöf Sophie Elkan zum ersten Male in Stockholm,- um Ostern desselben Jahres besuchte sie die neue Freundin in ihrem Hause in Göteborg und fuhr bei dieser Gelegenheit auch mit zu dein großen Herrenhos Rääs hinaus, um den Onkel, den Großkausmann August Abrahamson, den Besitzer des Gutes, auszusuchen. Er harte mit Hilfe seines Ressen Otto «Laloruon das Gut allmählich in ein Seminar für Handfertigkeitsunterricht verwandelt und schenkte es bei seinem Tode 1898 mit einem großen Kapital dein schwedischen Staate. Die „Vereinigung für schwedische Heimarbeit" ist heute eine der erfolgreichsten Organisationen zur Stärkung bodenständiger Kultur im ganzen Lande. Ter eifrigste Vorkämpfer dieser Bewegung war bis zu seinem Tode der Lorstel)er des Seminars auf Rääs, OÜo Salomon. Unter seiner Leitung sind hier Jahr für Jahre eine große Anzahl schwedischer Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet und haben so dazubeitragen können, das altüberlieferte heimische Hausgewerbe und Handwerk nn ganzen Lande zu bewahren und zu erneuern. Die Schwester dieses weitschauenden Mannes, Sophie Salomon. war 1.853 in Göteborg geboren und hatte sich Illjährig mit dem Musikalienhändler Dl. Elkan tu Stockholm verheiratet. Schon 1879 wurde sie Witwe. Auch ein Kind aus dieser Ehe starb. Rach Langem Kummer fand Sophie Trost in schriftstellerischer Tätigkeit, ^ie beteiligte sich an der Arbeit ihres Bruders durch Uebersetzung pädagogischer Schriften. Dann begann sie Novellen und Romane zu veröffentlichen, zunächst (seit 1889) unter dem Decknamen Rust Noest, später unter eigenem Namen (seit 1899). Sie ist eine echte Jüdin von jener vornehmen Art, wie sie nicht ganz selten in der Freiheit der oberen Gcscllschastsschichten europäischer Großstädte gedeihen, feinfühlig, lebhaft, geistvoll, voll Ernst gegenüber den Lebensfragen, mit einem Zug zur Schwermut unter heiterer Oberfläche, weltgewandt und tatkräftig. Als sie Selma Lagerlös traf, konnte sie nicht umhin zu äußern, daß ihr die Verfasserin des vielgenannten „Gösta Berling" besser gefalle als ihr Buch. Das war ja eine herbe Kritik; aber die beiden Frauen wurden doch Freundinnen aus Lebenszeit. . . < Berührungspunkte waren der Ernst der Lebensauffassung und die dichterische Tätigkeit; aber wichtiger war wohl, daß Selma Lagerlöfs schweres, heimatverwurzeltes, ein wenig scheues'Wesen hier eine überaus glückliche Ergänzung fand. Sophies Weltgewandtheit machte sie zur unentbehrlichen Kameradin aus den großen Reisen nach Italien und dem Orient. Aber auch daher waren die beiden Freundinnen alljährlich zusammen, sei es. daß sie sich wechselseitig besuchten oder in der Sommerfrische, zum Beispiel in Marstrand an der Westküste, zusamment rasen. Die großen Hauser, in denen Sophie Elkan verkehrte, standen auch Selma Lagerlöf offen. Welche Lebcnsstütze die Wittve in dieser Freundschaft fand, ist schwerlich zu hoch einzuschitzen. Selma •) Anmerkung: Man unterscheide: Der Lschkol»Verlag bereitet eine große jüdische CncrstlovLdie vor, die inr nächsten Jahr erscheinen wird und etwa den Umfang der vor dem Kriege in Amerika erschienenen Jewish Encyklopädia erreicht. Das hier vorliegende jüdische Lexikon ist eine kürzere, für den Gebrauch der Allgemernhcit berechnete lexikographische Arbeit über alle Zubenirrrn und Iudenheit bctresfcndcn- Dinge. <§s ist gleichfalls von bedeuten» dem Umfange, aber noch lange nicht so groß angelegt wie die zu schassende EncyNopädie. Lexikon und CrrcyklopLdre sind also zu unterscheiden. Von dem Heineren Lexikon liegt der erste Lan-d vor, während die Encistlopädie erst eine Probelieferung herausgegebcn hat. Acdrigcns ist wohl infolge eines Druckveriehens auf Täfeln und sogar auf Textblartcrir des Lexikons innner noch „Eneyklopädie" angegeben (S. 1, 105$ u. a.). Beide Werke sind durch Philo - Verlag und Buchhandlung, Berlin, Lindenstraße 13, zu beziehen.