Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 42 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- Seite 589 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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S@w&ssrö1. GrLober 1927 VI. Jahrgang <- Nr. 42/ \!<M 7 4* >V ü' y;]? Ciuictnutnmer 10 Biennig. BLertelzahrsabonnement 1.20 NM. (Z^Ugl. BestellgeLd). Verlag u. CchrlfUeitung: Berlin 8W 63, Lrndenstr. 13. .:. Fernsprecher: AmtD8nhoff 8594.2593. .:. Postscheckkonto: Der?ln304 72. r. DanNontor Dresdner Bernk.Wechsrl« ftuLe 0, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7, und von Soldschmidt-Rothschrld <L Co., Berlin W3. m - Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expeottion Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpeerse: 0,99 JtJi für die 7gespaILene Zeile nach Rudolf Moires i j\, , v 7:/.i §?. Bruno GIaferlel&, Ssif-sn^m As Ms&aSatSsf ErsZ-BMa Wer die Aufgabe hat, im Oktober über Winterarbeit im $. V. zu schreiben, kommt eigentlich post kesimn. Winterarbeit für oas neue Jahr hat mit dem Ende des Winters des vergangenen Jahres zu beginnen. Und so ist es auch im E. B. immer gewesen. Die Tätigkeit, der sich der Landesverband Eroß-Berlin in den letzten Monaten gewidmet hat, ist als vorbereitende Winterarbeit anzusehen. Er hat in dem politisch ruhigeren Sommer geprüft, auf welche Weise er die noch Außenstehenden für unseren E. V.-Eedanken gewinnen kann. Listen jüdischer Rechtsanwälte, Aerzte, Kaufleute, Handwerker und so fort wurden angefertigt, und es wurde | versucht, mit diesen Persönlichkeiten Rücksprache zu nehmen, . um sie als Mitglieder zu gewinnen. Eine äußerst schwierige ' Aufgabe in diesen wirtschaftlichen Notzeiten! Sodann wurde im Sommer das Winterprogramm für den! Landesverband und die einzelnen Ortsgruppen festgelegt.! Gewiß, politische Organisationen wie wir müpen häufig, wenn irgendein Tagesereignis es erforderlich macht, sozusagen i aus dem Stegreif handeln. Um aber unsere Hauptaufgabe j zu erfüllen, d. i. unsere christlichen Mitbürger über das ltn= 1 stnnige der antisemitischen Agitation, über die Stellung des j deutschen Juden im deutschen Äaterlande zu unterrichten, j um m allen Landesteilen wirksam Fortschritte in dieser Richi tung zu machen, ist es notwendig, ein festes Arbeitsprogramm j aufzustellen. Der Inhalt dieses Programms, auf das sich I unsere Ortsgruppen geeinigt haben, lehnt sich in großen 1 Zügen an die Richtlinien an, die der Direktor des Eentralj Vereins in einer Verbandsvorstandssitzung unter Zustimmung \ aller Delegierten des Landesverbandes niedergelegt hat, und! die sicher auch allen übrigen Organisationen im Lande zugeleitet worden sind. In diesen Richtlinien wird viel -Kleinarbeit verlangt. Aber wer soll diese Kleinarbeit leisten? Das ist j in dem hastenden Berlin ein schwieriger Punkt. Ich will hier \ nicht von den: Unterschied zwischen den bezahlten und unbezahlten Werbern sprechen. Die einen sind häufig gut zu gebrauchen, die anderen ebenso oft nicht zu missen. Aber es gibt Kleinarbeit, es gibt Werbungen, welche nun einmal nur von ehrenaucklichen E. V.-Mitgliedern allsgeführt werden können. Und da bedauern wir tief, das; verhältnismäßig immer noch zll wenige aus dem großen Heer llnserer Mitglieder sich für diese" Arbeit zur Verfügung stellen. Leider suhlen sich viele für Kleinarbeit zu schade. Aber gerade der gebildete deutsche Jude kailu rnrr von Gleichsteheuden und Gleichgesinnten geworben werden. Gewiß, die Arbeit. ist wühevoll; aber doch nicht so, wie es häufig geschildert wird, denn die überwältigende Mehrzahl der Berliner Jllden steht unserem Gedankenkreise sehr nahe. Ein Blick auf die Zahl der bei den Delegiertenwahlen zuln Baseler Internationalen Zwnisten-Kongreß abgegebene:: Stimmen zeigt klar, welche schwache Minderheit die Zionisten in dem Berliner jüdischen Leben darstellen. Die Werbearbeit ist die wichtigste Kleinarbeit des Landesverbandes. Denn, wenn wir nicht ständig dafür sorgen, daß unsere Mitgliederzahl, die durch Tod und Krankheit natürliche Verluste erleidet, sich immer wieder erneuert, gehen wir zurück. Erst wenn wir einen gefestigten, unerschütterlichen Mitgliederbestand haben, können wir unsere Arbeit mit Erfolg bestreiten. Obenan steht bei dieser Arbeit des Landesverbandes die Aufklärung in christlichen Kreisen. Ter Antisemitismus, der die Straße in letzter Zeit, wenigstens rn Groß-Berlin, verlasien hat, erfordert zwar unsere stete Wachsamkeit, aber füllt glücklicherweise unsere Arbeitszeit nicht aus. Ein viel ernsteres Problem bildet für uns die judengegnerische Einstellung der großen Mape, die in den Rechtsparteien — in der Deutschnationalen Volkspartei bis tief in die Deutsche Dolkspartei und Wirtfchaftspartei hinein — uns gegenübersteht. Ich weiß ganz genau, daß dieLeitung der Deutschen Volkspartei und die der Wirtschafts-Partei jeglichen Antisemitismus weit von sich weisen. Aber viele Mitglieder dieser rechtspolitischen Kreise können sich nicht freimachen von der Einstellung, in dem Juden etwas anderes, und zwar etwas Minderwertiges zu sehen. Da müssen wir mit unserer Aufklärungsarbeit einsetzen. Es ist gar nicht so schwer, an diele Kreise heranzukommen. Das „Wie" ist lediglich eine Personenfrage. Es gehört viel Feingefühl dazu, die r i ch t i g e n Personen für eine öffentliche Versammlung oder interne Besprechung als Redner zu gewinnen. Für nicht mehr zeitgemäß halte ich es, wenn unsere Redner den Andersgläubigen dadurch gewinnen wollen, daß sie ein Loblied darauf singen, was die Welt und Deutschland den Juden verdanken: es steht uns viel beweiskräftigeres Material zur Verfügung, das der: Hörer davon überzeugt, daß die judengegnerische Einstellung nur auf Vorurteilen beruht. Die wirkungsvollste Unterstützung dieser Aufklärungsarbeit ist und bleibt die Monatsausgabe, die in jedes christliche Haus gehört. Kurz erwähnt sei noch, daß wir uns eingehendst mit der Aus» KrrS dsm OkEs-tt | prof.Or.Ludwig BaSnizki (Heidelberg): „Das dynamo-elektrische (! Prinzip." — WernerRoscnberq: OaS neue preußilcheSiudenien« l rcchl. - Oberstndisndirektor Ör.K. Müller (Potsdam).-Schuht i die Jugend vor politischem Mißbrauch. — Dr. Gertrud I Klausner, M. d. £.: Schächtdcbatte im preußischen Landtags« i ausschuß. - Prof. Dr. Walter A. Derendsohn (Hamburg): LJ Selma Lagerlöfs Freundin.